Psalm 8

Aus Die Offene Bibel

Wechseln zu: Navigation, Suche
Studienfassung erfüllt die meisten Kriterien.png
Status: Studienfassung erfüllt die meisten Kriterien
Die meisten Übersetzungskriterien und Standards der Qualitätssicherung sind erfüllt. Auch wenn weitere Verbesserungen notwendig sind (siehe Diskussionsseite), kann bereits eine vorläufige Lesefassung erstellt werden.

Lesefassung (Psalm 8)

1 Für den Chorleiter, nach der Melodie „Gittith“.
Ein Davidspsalm.


2 Gott, unser Herr -

Auf der ganzen Erde wirst du verehrt,
im Himmel, da wirst du besungen!


3 Wegen dem Klagen von Kindern und Säuglingen

schufst du ein Bollwerk gegen deine Gegner,
um Feind und Rächer zu vernichten.

4 Wenn ich den Himmel sehe -

dein mächtiges Werk -,

und Mond und Sterne,

die du bereitet hast,

5 denke ich: Was ist der Mensch, dass du auf ihn achtest?

Was ist das Menschlein, dass du für es sorgst?


6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott,

um ihn mit Herrlichkeit und Pracht zu krönen;

7um ihn herrschen zu lassen über das Werk deiner Hände

hast du ihm alles zu Füßen gelegt:

8 Schafe und Rinder allesamt,

auch jedes wilde Tier auf Erden

9 die Vögel im Himmel, die Fische im Meer;

selbst das, was im Meer seine Bahnen zieht.


10 Gott, unser Herr -

Auf der ganzen Erde wirst du verehrt!

Anmerkungen

Studienfassung (Psalm 8)

1 Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden)a nach der Melodie „Gittith“ (nach dem Kelterlied, auf gathitischem Instrument, auf der Gittith)b.

Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für) David.


2 JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., unser Herr,

wie herrlich (mächtig) [ist] dein Name (bist du)c auf der ganzen Erde (im ganzen Land)!
{welche} Deine Hoheit (Majestät, Pracht, Du)d wird gepriesene im Himmel (den Himmeln, über dem Himmel)


3 Aus dem Mund von (Wegen der, Wegen dem dem Klagen der)f Babiesg und Säuglingen

hast du ein Bollwerk (Kraft, Macht, Schutz, Festung; Lob)h errichtet (grundgelegt) um deiner Gegner willeni,
um [dem] Feind und [dem] Rachgierigen (Rächern, Rachsüchtigen) ein Ende zu bereiten (um sie zum Schweigen zu bringen, zu vernichten).

4 Sooft (wenn) ich deinen Himmel sehe (betrachte, zu deinem Himmel sehe),

[das] Werk ([die] Werke) deiner Finger (dein mächtiges Werk, dein Werk)j,

Mond und Sterne,

die du bereitet (festgemacht, fertiggemacht, eingesetzt) hast,

5 [denke ich (sage ich, rufe ich):]k Was [ist das] Menschlein (der Mensch, die Menschheit, der Sterbliche)l, dass du dich seiner erinnerst (dich um es kümmerst)m

und was [das] Menschenkindn (der Mensch, der Sohn des Menschen, das Kind des Menschen, der Menschensohn)o, dass du es beachtest (auf es achtest, für es sorgst)m?


6 [Nur] ein Stäubchen (ein bisschen, nur wenig) ließest du ihm fehlenp zu (ließest ihn geringer sein als) Gott (Göttern, Engeln, himmlischen/übernatürliche Wesen),q

um ihn mit Herrlichkeit (Hoheit, Würde, Ehre) und Prachtr zu krönenp (segnen, hast ihn mit Herrlichkeit und Pracht gekrönt).s

7 Um ihn herrschen zu lassenp (und machtest ihn zum Herrscher / Herrn, um ihn als Herrscher / Herrn einzusetzen) über das Werk deiner Hände (Macht)

hast du ihm alles (alle Dinge) zu Füßen gelegtp.

8 Schafe (Herden) und Rinder (Vieh, Viehzeug, Kleinvieh und Großvieht) allesamt (alle)

und auch (sogar) die Tiere des Feldesu(Feld, Land)

9 die Vögel des Himmelsu und die Fische des Meeresu

und (selbst) dasv, was die Pfade (Wege, Ströme?) des Meeres durchzieht (was im Meer seine Bahnen ziehtw).


10 JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., unser Herr,

wie mächtig (majestätisch, glanzvoll) ist dein Name (bist du)c auf der ganzen Erde (im ganzen Land)!

Anmerkungen

a Genaue Bedeutung unklar. Die gewählte Übersetzung entspricht der Mehrheitsmeinung. (Zurück zu v.1)
b Die Bedeutung von גִּתִּית ist unklar.
  1. TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische., Rashi und mit ihm Herbert Bosham verstanden es als eine Bezeichnung für ein Musikinstrument, das aus dem Ort „Gath“ stammte: „Zu singen zur Harfe, die David aus Gath brachte“ (vgl. Waltke 2010Houston, James M./Bruce K. Waltke: The Psalms as Christian Worship. A Historical Commentary. Grand Rapids, 2010., S. 251). Allerdings wäre der Fall, dass ein Psalm auf genau einem Instrument gespielt werden dürfte (nämlich gerade dem, das David aus Gath mitbrachte), völlig singulär in den Psalmen und der Bibel.
  2. Tur-Sinai versteht die Vokabel als Bezeichnung eines Musikinstruments („Mit dem Begleitspieler auf der Gittit“). Allerdings wäre eine solche Angabe zur Instrumentierung im Text des Psalms merkwürdig fehl am Platz.
  3. LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr., SymEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. Offenbar einst eine stilistisch besonders schöne Alternative zur LXX. lesen es als feminines Adjektiv von gath „Weinpresse“; ebenso Gregor von Nyssa („für die Weinpresse“; vgl. Miller 2010Miller, Patrick D.: Gregory of Nyssa: The Superscriptions of the Psalms, in: Katharine Julia Dell u.a.: Genesis, Isaiah, and Psalms. FS John Emerton. Leiden, 2010., S. 221). Allerdings ist nicht einzusehen, wie ein Lied mit einem derartigen Text als worksong dienen soll. Besser daher wie König 1927König, Eduard: Die Psalmen. eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1927.; S. 28: „nach der beim Keltern üblichen Singweise“, oder:
  4. Einige Üss. interpretieren als Ausdruck für eine Melodie (z.B. ELBKurz für „Elberfelder Bibel“. Sehr genaue und wenig kommunikative Übersetzung; als Vollbibel erstmals 1871 erschienen.: „Nach der Gittit“). (Zurück zu v.1)
c Der „Name“ Gottes steht meist metonymisch für Gott selbst (vgl. ad loc. z.B. König 1927König, Eduard: Die Psalmen. eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1927., S. 146); man bezeichnet damit „Gott im Menschenmund“. Daher die Alternative „bist du“.
Dass Gottes „Name“ auf der Erde „herrlich“ (אַדִּיר) ist, meint dann, das Gott selbst auf Erden sehr gepriesen wird (SSSiegfried, Carl/Bernhard Stade: Hebräisches Wörterbuch zum Alten Testamente. Leipzig, 1893. z.B. gibt aus diesem Grund für für אַדִּיר in Ps 8,2.10 tatsächlich den Übersetzungsvorschlag „gepriesen“ (S. 9), was zwar die Wortbedeutung nicht vollends trifft, den Sinn unserer Stelle aber bestens erfasst). (Zurück zu v.2 / zu v.10)
d הוֹד wird hier - entsprechend vielen anderen Gottesprädikaten (z.B. כָּבוֹד „Herrlichkeit“) - metonymisch für Gott selbst verwendet. (Zurück zu v.2)
e TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: welche und wird gepriesen ist unsere Übersetzung des hebräischen Satzanfangs אֲשֶׁר תְּנָה. Der Urtext ergibt hier keinen Sinn, wörtlich übersetzt lautete er „welche (Rel.pr.), gib!, deine Herrlichkeit...“ - was auch im Hebräischen ungrammatisch wäre (vgl. gut Rudolph 1977Rudolph, Wilhelm: „Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge...“. Psalm 8,3, in: Herbert Donner u.a.: Beiträge zur alttestamentlichen Theologie. FS Walther Zimmerli. Göttingen, 1977., S. 389f). Im Anschluss an LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., Alter, Childs, Fokkelman, Gunkel, Kissane, König, Morgenstern, Ridderbos, Soggin, Tur-Sinai u.a. haben wir deshalb tənāh umpunktiert zu tunāh und אֲשֶׁר gestrichen. Aus „welche, gib“ wird dann „wird gepriesen“. Vgl. dazu v.a. Soggin 1971Soggin, J. Alberto: Textkritische Untersuchung von Ps. VIII vv. 2-3 und 6, in: VT 21, 1971. S. 565-71., bes. S. 565-567, der auch viele weitere Alternativen listet; s.a. die kurze Übersicht in Kaiser 1998, S. 66 und die sehr lange in Kunjummen 1985Kunjummen, Raju D.: The meeting of Heaven and Earth. A Study of Psalm 8. Asbury, 1985., S. 82-91. Gegen diese Lösung vgl. aber auch Donner 1967Donner, Herbert: Ugaritismen in der Psalmenforschung, in: ZAW 79/3, 1967. S. 322-350.. (Zurück zu v.2)
f Schwierige Stelle; drei verschiedene Deutungen haben sich im Laufe der Zeit etabliert:
  1. Der Text wird interpretiert, wie er steht; die Übersetzung lautete dann: „Aus dem Mund von Kleinkindern und Säuglingen hast du Kraft/eine Festung gegründet wegen deiner Gegner, um Feind und Rächer zu vernichten.“ - was offensichtlicher Nonsens ist.
  2. Man lässt mit LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. עֹז nicht „Stärke, Bollwerk“, sondern „Preis, Lob“ bedeuten; die Übersetzung lautet dann: „Aus dem Mund von Kleinkindern und Säuglingen hast du Preis gegründet wegen deiner Gegner, um Feind und Rächer zu vernichten.“ - Allerdings ist nicht einzusehen, wie die Preisungen und warum die Preisungen gerade von Säuglingen Gott gegen seine Gegner helfen sollten. Zudem gehört „Preis, Lob“ wohl nicht zum Bedeutungsspektrum von עֹז. So zwar auch SSSiegfried, Carl/Bernhard Stade: Hebräisches Wörterbuch zum Alten Testamente. Leipzig, 1893. und Ges18Gesenius, Wilhelm/H. Donner/R. D. Meyer: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Berlin u.a, 1987-2012.; nicht aber BDB, DCH, KBL3Koehler, Ludwig/Walter Baumgartner: Hebräisches und aramäisches Lexikon zum Alten Testament. Leiden, 1967-1990., KönKönig, Eduard: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig, 1922.; explizit dagegen ZLHZorell, Franciscus S.J.: Lexicon Hebraicum et Aramaicum Veteris Testamenti. Rom, 1968. und es ist dieses עֹז=„Preis“ auch eine ganz unnötige Annahme.
    1. Eine Variante dieser Deutung liest außerdem noch לְהַשְׁבִּית als „um sie zum Schweigen zu bringen“; die Übersetzung lautet dann „Aus dem Mund von Kleinkindern und Säuglingen hast du Preis gegründet wegen deiner Gegner, um Feind und Rächer zum Schweigen zu bringen.“ - Auch das macht nicht viel Sinn, denn was soll das schon bedeuten - dass Gott kleine Kinder zum Schreien bringt, um so seine Gegner zu übertönen? Und auch diese Bestimmung von שבת=„zum Schweigen bringen“ ist wohl verfehlt.
  3. Eine dritte Variante wurde z.B. vertreten von Soggin und Fokkelman, die V. 3a zu 2 ziehen: „Deine Hoheit wird gepriesen im Himmel aus dem Mund von Kleinkindern und Säuglingen. Du hast ein Bollwerk/Stärke gegründet...“ - Allerdings ist hier fraglich, was Kleinkinder und Säuglinge im Himmel zu suchen haben.
  4. Es sei daher vorsichtig folgende alternative Deutung vorgeschlagen: (a) Die Präposition מִנ ist zu deuten als min causae; (b) פֶּה bedeutet nicht nur „Mund“, sondern steht auch synekdochisch für Menschen als Redende (vgl. z.B. Gen 24,57: „ihren Mund befragen“=„sie befragen“; 45,12: „Mein Mund spricht zu euch“=„Ich spreche zu euch“; Dtn 31,21: „Euer Mund soll nicht vergessen“=„Ihr sollt immerfort wiederholen“ u.ö.); auch bezeichnet es häufig metonymisch Akte des Sprechens; hier also das Klagen von Kindern / die Gebete von Kindern (dies schon Smend 1888Smend, Rudolf: Ueber das Ich der Psalmen, in: ZAW 8/1, 1888. S. 49-147., S. 55f; SSSiegfried, Carl/Bernhard Stade: Hebräisches Wörterbuch zum Alten Testamente. Leipzig, 1893. 568; vgl. auch Neumann-Gorsolke 2013Neumann-Gorsolke, Ute: „Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen...“ Ps 8,3 im Spiegel der Teilkomposition Ps 3-14, in: Alexandra Grund u.a.: Ich will dir danken unter den Völkern. Studien zur israelitischen und altorientalischen Gebetsliteratur. FS Bernd Janowski. Gütersloh, 2013. online unter: http://goo.gl/cHFxIZ, S. 18). -> Aufgrund von etwas, das die Kinder von sich gegeben haben, handelt Gott, wie er handelt (so kürzlich auch Schnieringer 2004Schnieringer, Helmut: Psalm 8: Text - Gestalt - Bedeutung. Wiesbaden, 2004., S. 148: „Um des Schreiens der Kinder willen“; Talstra 1996Talstra, Eep: Singers and Syntax. On the Balance of Grammar and Poetry in Psalm 8, in: Janet Dyk: Give Ear to My Words. Psalms and Other Poetry in and around the Hebrew Bible. FS N.A. van Uchelen. Amsterdam, 1996. online unter: http://goo.gl/879vMc, S. 3: „for reason of the children's voice“; ähnlich Goldingay 2006Goldingay, John: Psalms. Volume 1: Psalms 1-41. Grand Rapids, 2006., S. 153).
    V. 3 wäre dann eine Umschreibung von V. 5, mit dem er ohnehin eng zusammenhängt, da hier wie dort „Mensch“ durch je zwei Begriffe umschrieben wird, die die Kleinheit des Menschen unterstreichen: Gott reagiert auf das Klagen von Kleinkind und Säugling = Gott achtet auf Menschlein und Menschenkind.
Interessant ist dann die Parallele im Enuma Elisch: Dort bitten Tiamats Kinder Marduk darum, gegen Tiamat in den Krieg zu ziehen (IV, 26-34). Das tut er auch, besiegt sie, teilt ihren Körper in zwei Hälften und kerkert die obere Körperhälfte ein, indem er das Firmament erbaut (IV, 137-140). Aber man sollte wohl nicht zu viel aus dieser Parallele machen. (Zurück zu v.3)
g Sowohl das Wort für „Kleinkinder“ als auch das für „Säuglinge“ steht für Kinder bis maximal drei Jahren. Die übliche Übersetzung „Kinder und Säuglinge“ ist also ungenau. (Zurück zu v.3)
h zu den verschiedenen Übersetzungsweisen vgl. BDB 799; Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965., S. 166; Soggin 1971Soggin, J. Alberto: Textkritische Untersuchung von Ps. VIII vv. 2-3 und 6, in: VT 21, 1971. S. 565-71., S. 568; mit dem „Bollwerk“ ist vermutlich der Himmelsbogen gemeint, der das Wasser über der Erde zurückhält und über dem Gott thront; vgl. z.B. Kinzer 1995Kinzer, Mark Stephen: „All Things Under His Feet“: Psalm 8 in the New Testament and in other Jewish Literature of Late Antiquity. Michigan, 1995. online unter: http://goo.gl/s7gbq2, S. 28f. Zu „Preis“ vgl. noch FN f. (Zurück zu v.3)
i zu „um deiner Gegner willen“ vgl. FN ad zu Ps 5,9: לְמַעַן dient hier wohl zur Bezeichnung der Motivation, die Gott zu einer Handlung veranlassen soll, also wohl „wegen deiner = wider deine Feinde“ (Zurück zu v.3)
j Für den Ausdruck „Finger Gottes“ sind unterschiedlichste Deutungen vorgeschlagen worden. Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983. etwa denkt, dass das „mit dem Finger Gottes Gewirkte“ für Gott nur eine Kleinigkeit sei; Alter 2007Alter, Robert: The Book of Psalms. A Translation with Commentary. New York, 2007. glaubt, dass „Finger“ hier deshalb verwendet wird, um auf die „Feinarbeit“ zu verweisen, die Gott bei der Schöpfung des Himmels verrichtet habe.
Beides ist für das Deutsche und Englische zwar naheliegend; für diese Konnotation des „Fingers“ fanden wir in der Bibel aber keine Indizien. Wahrscheinlicher ist daher: Der „Finger Gottes“ wird gelegentlich im Zusammenhang mit Machttaten Gottes verwendet und bezeichnet so Gottes Macht (s. Ex 8,19; Lk 11,20; evt. auch Ex 31,18; Dtn 9,10), wie ja auch die „Hand“ im Hebräischen häufiger ein Ausdruck für die „Macht“ Gottes ist; vgl. ähnlich auch schon Cumming 1854, S. 5. Alternativ steht mit Bezug auf den Menschen der Finger auch oft einfach als poetisches Synonym im Parallelismus zur menschlichen „Hand“ (s. Ps 144,1; Hld 5,5; Jes 2,8; Jes 17,8; so ja auch hier, s. V. 6); orientierte man sich daran, wären die „Finger“ nur metonymischer Ausdruck für Gott selbst als den Wirkenden, also „Deiner Finger Werk“. (Zurück zu v.4)
k In der biblischen Poesie werden Zitate häufig nicht durch verba dicendi eingeleitet; im Deutschen muss man diese Redeeinleitungen ergänzen. Vgl. dazu ad loc. z.B. GKCGesenius, Wilhelm/Emil Kautzsch/Arthur Ernest Cowley: Gesenius' Hebrew Grammar. Oxford, 1909. §159dd. (Zurück zu v.5)
l Die Vokabel אֱנוֹשׁ Mensch bezieht sich oft auf den Menschen in seiner Schwachheit und Fehlerhaftigkeit, s. die Parallelstellen; vgl. auch TWOT 136a; Waltke 2010Houston, James M./Bruce K. Waltke: The Psalms as Christian Worship. A Historical Commentary. Grand Rapids, 2010., S. 266. (Zurück zu v.5)
m Das „Erinnern“ und „Beachten“ Gottes ist nicht wörtlich zu verstehen, sondern beides sind geprägte Wendungen für ein Handeln Gottes an dem, dessen er sich „erinnert“ oder auf den er „achtet“. Ist es nicht näher bestimmt, meint es meist ein heilsames Handeln; so auch hier. Vgl. zu „Erinnern“ Gen 8,1; 19,29; 30,22; Ex 32,13; Dtn 9,27 u.ö.; zu „Beachten“ Gen 21,1; 50,24f; Ex 3,16; 4,31; 1Sam 2,21 u.ö. (zu v.5)
n „Menschenkind“ gut nach Ridderbos 1972Ridderbos, Nicolaas H.: Die Psalmen. Stilistische Verfahren und Aufbau. Mit besonderer Berüchsichtigung von Ps 1-41. Berlin, 1972., S. 136, da diese Übersetzung gut zum vorangehenden Halbvers passt. (Zurück zu v.5)
o Heb. ben adam, Sohn / Kind des adam. Dass Ps 8 vielfältige Bezüge zum Schöpfungsmythos hat, wurde häufig bemerkt (bis hin zur These, mit dem konsekutiven waw schließe Ps 8 direkt an Gen 1 an); ben adam ist daher ein besonders treffender Ausdruck. (Zurück zu v.5)
p Die Verbformen in Vv. 6f sind interessant: Wayyiqtol (6a) - Yiqtol (6b) - Yiqtol (7a) - Qatal (7b).
  1. Da viele Exegeten davon ausgehen, dass die Verbformen in biblischer Poesie mehr oder weniger nach Belieben gesetzt werden können, werden sie hier meist gleichzeitig übersetzt (s. z.B. Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern.: „Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, / hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. // Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, / hast ihm alles zu Füßen gelegt:...“).
    Dagegen spricht einiges. Erstens natürlich die Tatsache, dass hier unterschiedliche Verbformen verwendet werden, selbst (vgl. Zuber 1986Zuber, Beat: Die Psalmen. Eine Studienübersetzung unter besonderer Berücksichtigung des hebräischen Tempus. Heidelberg, 1986.; ebenso Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983.; Talstra 1996Talstra, Eep: Singers and Syntax. On the Balance of Grammar and Poetry in Psalm 8, in: Janet Dyk: Give Ear to My Words. Psalms and Other Poetry in and around the Hebrew Bible. FS N.A. van Uchelen. Amsterdam, 1996. online unter: http://goo.gl/879vMc, S. 6; ähnlich Ross 2011Ross, Allen P.: A Commentary on the Psalms. Volume 1. Grand Rapids, 2011.). Zweitens brächte die gleichzeitige Übersetzung mit sich, dass der Psalmist aus dem Überwältigtsein von der Größe Jahwes und der Einsicht in die eigene Niedrigkeit auf einmal sich selbst als den Herrn der ganzen Erde preisen würde, und dass drittens dieser „theologische Größenwahn“ eben gerade im Rahmen eines Lobpreises auf Jahwe stünde.
  2. Sinnvoller ist daher der Vorschlag von Zuber 1986Zuber, Beat: Die Psalmen. Eine Studienübersetzung unter besonderer Berücksichtigung des hebräischen Tempus. Heidelberg, 1986., Vv. 6b.7a als Finalsätze (->unmarkierter NebensatzIm Gegensatz zu den sequentiellen Verbformen Wayyiqtol und Weqatal werden die nicht-sequentiellen Verbformen Qatal und Yiqtol häufig verwendet, um sonst unmarkierte Nebensätze zu bilden. Wegen der Modalität von Qatal und Yiqtol findet sich dabei Qatal meist in vor- und gleichzeitigen Temporalsätzen, Kausal- und Konditionalsätzen; Yiqtol meist in nachzeitigen Temporalsätzen, Final-, Konsekutiv- und ebenfalls Konditionalsätzen. Doch ist dies nur eine Regelmäßigkeit, keine Regel. Oft werden diese Nebensätze zusätzlich markiert durch die sonst umotivierte Worstellung X-VERB; allerdings gibt es auch hiervon viele Ausnahmen.) zu lesen: „Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott / um ihn mit Herrlichkeit und Ehre zu krönen. Um ihn als Herrscher über das Werk deiner Hände einzusetzen / hast du ihm alles zu Füßen gelegt.“; ähnlich Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983. und Niccacci 2006Niccacci, Alviero: The Biblical Hebrew Verbal System in Poetry, in: Steven E. Fassberg / Avi Hurvitz: Biblical Hebrew in Its Northwest Semitic Setting. Typological and Historical Perspectives. Winona Lake, 2006. online unter: http://goo.gl/onCWBB, S. 254: „Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott / und wirst ihn mit Herrlichkeit und Ehre krönen. // Du wirst ihn als Herrscher über das Werk deiner Hände einsetzen; / alles hast du ihm zu Füßen gelegt.“ - Die „Krönung“ und „Einsetzung als Herrscher“ ist also noch nicht eingetreten, sondern wird von Gott nur intendiert.
    Auch die innerbiblischen Bezüge weisen in diese Richtung: In Gen 1,26-28 schafft Gott den Menschen. Das „Herrschen über die Tiere“ in 1,28 ist aber nicht Gabe, sondern Auftrag. Noch eindrücklicher 4Esra 6,59: „Wenn aber unsertwegen ward die Welt erschaffen, weswegen haben wir nicht diese unsere Welt auch im Besitz?(Üs. nach Rießler 1928, S. 271; meine Unterstreichung). - die menschliche Herrschaft ist also sowohl nach Gen 1,28 und 4Ezra 6,59 eben noch nicht eingetreten. Vgl. auch Guthrie / Quinn 2006Guthrie, George H. / Russell D. Quinn: A Discourse Analysis of the Use of Psalm 8:4-6 in Hebrews 2:5-9, in: JETS 49/2, 2006. S. 235-46. online unter: http://goo.gl/n7pZHV, bes. S. 236f.; vgl. außerdem die eschatologische Wendung in Heb 2,5-8. (zu v.6 / zu v.7)
q Heb. אֱלֹהִים;„Gott“ ist die Mehrheitsübersetzung. Soggin hat dagegen eingewandt, dass elohim derart übersetzt im „sonst jahwistischen Psalm“ aus dem Rahmen fiele (Soggin 1971Soggin, J. Alberto: Textkritische Untersuchung von Ps. VIII vv. 2-3 und 6, in: VT 21, 1971. S. 565-71., S. 571) und deshalb wohl als „Engel, himmlische Wesen“ übersetzt werden sollte. Allerdings ist unsicher, ob die Annahme von etwas wie „jahwistischen Psalmen“ überhaupt sinnvoll ist; die Mehrzahl der biblischen Texte legt eher das Gegenteil nahe: Ein israelitischer Autor kann durchaus in der Lage gewesen sein, mehrere verschiedene Gottesnamen zu verwenden. Unter Umständen verweist der Autor mit elohim sogar zurück auf Gen 1,26, was aus der Verwendung dieses Gottesnamens eine bewusste Gestaltungsentscheidung machte (vgl. Terrien 2003Terrien, Samuel: The Psalms. Strophic Structure and Theological Commentary. Grand Rapids, 2003., S. 131; ebenso Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983., S. 98; Kinzer 1995Kinzer, Mark Stephen: „All Things Under His Feet“: Psalm 8 in the New Testament and in other Jewish Literature of Late Antiquity. Michigan, 1995. online unter: http://goo.gl/s7gbq2, S. 35; Ross 2011Ross, Allen P.: A Commentary on the Psalms. Volume 1. Grand Rapids, 2011., S. 289; Waltke 2010Houston, James M./Bruce K. Waltke: The Psalms as Christian Worship. A Historical Commentary. Grand Rapids, 2010., S. 267); allerdings ist das eher eine Spekulation. So und so ist hier sowohl die Übersetzung „Gott“ als auch „Götter“ oder „Engel“ möglich; von den Sinnlinien des Psalms her ist aber „Gott“ vorzuziehen (vgl. z.B. Kinzer 1995Kinzer, Mark Stephen: „All Things Under His Feet“: Psalm 8 in the New Testament and in other Jewish Literature of Late Antiquity. Michigan, 1995. online unter: http://goo.gl/s7gbq2, S. 35f). (Zurück zu v.6)
r „Herrlichkeit und Pracht“ sind eigentlich Prädikate, die typischerweise nur von Gott ausgesagt werden (vgl. Ps 145,5.12; Jes 35,2). Ähnlich, wie sie Ps 21,5 dann auf den König angewandt werden, werden sie hier auf den Menschen im Allgemeinen angewendet; dies unterstreicht noch die Aussage in 6a, dass dem Menschen nur wenig zu Gott fehlt. (Zurück zu v.6)
s Die Rede vom „Krönen“ wird in der Bibel häufiger metaphorisch als buchstäblich verwendet; dass JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. jemanden mit etwas „krönt“ ist eine Metapher dafür, dass er ihn mit etwas „segnet“ (vgl. z.B. Ryken 1998Ryken, Leland / James C. Wilhoit / Temper Longman III: Dictionary of Biblical Imagery. Leicester, 1998., S. 185: „Quite often in both the NT and OT, crowns are symbols of God's blessings on his people.“). Vgl. Ps 5,13; Ps 65,12; Ps 103,4. (Zurück zu v.6)
t Zu „Schafe und Rinder“ als „Kleinvieh und Großvieh“ vgl. ad loc. Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983., S. 96; Whitekettle 2006Whitekettle, Richard: Taming the Shrew, Shrike, and Shrimp: The Form and Function of Zoological Classification in Psalm 8, in: JBL 125/4, 2006. S. 749-765., S. 752. (Zurück zu v.8)
u „Tiere des Feldes“, „Vögel des Himmels“ und „Fische des Meeres“ sind im Hebräischen geprägte Wendungen, die nicht mehr bedeuten als „wilde Tiere“ „Vögel“ und „Fische“ (vgl. z.B. ad loc. Waltke 2010Houston, James M./Bruce K. Waltke: The Psalms as Christian Worship. A Historical Commentary. Grand Rapids, 2010., S. 271); „des Feldes/Himmels/Meeres“ könnte - und sollte - daher im Deutschen normalerweise ausgespart werden. Da dies hier aber zusammen mit dem in der Bibel ebenso gebräuchlichen Doppelmerismus Erde – Himmel – Meer verwendet wird und so dazu beiträgt, der „Globalität“ der von Gott für den Menschen intendierten Herrschaft Ausdruck zu verleihen, sollten die Glieder in der Übersetzung doch beibehalten werden; vielleicht natürlicher als „Tiere auf dem Boden“, „Vögel im Himmel“, „Fische im Meer“. (Zurück zu v.8 / zu v.9)
v Der Psalmist wechselt hier vom Plural „Fische“ zum Singular „das, was durchzieht“. Das könnte zwar auch schlicht generischer Singular sein; wahrscheinlicher ist aber, dass es sich hier auf den Leviathan bezieht (Waltke 2010Houston, James M./Bruce K. Waltke: The Psalms as Christian Worship. A Historical Commentary. Grand Rapids, 2010., S. 271); ähnlich Whitekettle 2006Whitekettle, Richard: Taming the Shrew, Shrike, and Shrimp: The Form and Function of Zoological Classification in Psalm 8, in: JBL 125/4, 2006. S. 749-765., S. 751f: Auf die tanninim (s. dazu FN al zu Gen 1,21). Vv. 8a.9a nennen dann jeweils im MerismusRhetorische Figur: Ein Oberbegriff wird durch zwei Unterbegriffe umschrieben. Besonders häufig: Ausdruck einer Gesamtheit durch zwei gegensätzliche Begriffe. Bsp.: Ex 10,9: „Mose sprach: Wir wollen ziehen mit Jung und Alt, mit Söhnen und Töchtern, mit Schafen und Rindern; denn wir haben ein Fest JHWHs.“ zwei Tiergattungen, für die das Beherrscht-Werden verständlich ist, Vv. 8b.9b dagegen eine Tiergattung, für die das ganz unwahrscheinlich ist: V. 8a: „Kleinvieh und Großvieh“, aber auch 8b: sogar die „wilden Tiere“. V. 9a: „Vögel und Fische“, aber auch 9b: sogar den „Leviathan“ (anders Whitekettle 2006Whitekettle, Richard: Taming the Shrew, Shrike, and Shrimp: The Form and Function of Zoological Classification in Psalm 8, in: JBL 125/4, 2006. S. 749-765., S. 752); der Psalmist arbeitet sich dabei rückwärts an den Tierlisten in Gen 1,21-25 ab. (Zurück zu v.9)
w zu „seine Bahnen zieht“ vgl. Waltke 2010Houston, James M./Bruce K. Waltke: The Psalms as Christian Worship. A Historical Commentary. Grand Rapids, 2010., S. 271: Die Pfade des Meeres steht für die Reiseroute des Leviathans. (Zurück zu v.9)
Ansichten
  • Seite
  • Diskussion
  • Quelltext anzeigen
  • Versionen/Autoren
Rubriken
Benutzeranmeldung
Drucken/exportieren