Psalm 19

Aus Die Offene Bibel

Wechseln zu: Navigation, Suche
Studienfassung liegt in Rohübersetzung vor.png
Status: Studienfassung liegt in Rohübersetzung vor
Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett und kann weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.

Lesefassung (Psalm 19)

123456789101112131415

Anmerkungen

Studienfassung (Psalm 19)

1 Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).a
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.


2 Der Himmel verkündetb (Die Himmel verkünden)c die Herrlichkeit (Lichtglanz, Glorie)d Gottes

und das Walten (Werk)e seiner Hände (sein Walten)f macht kund das Firmament (Himmelsgewölbe)g:

3 Tag für Tag äußert es (strahlt es hervor, sprudelt es hervor?)h Rede (Ein Tag äußert gegenüber [dem nächsten] Tag Rede, Tag für Tag äußert man?)i,

Nacht für Nacht lehrt es Kenntnis (Wissen, Weisheit; eine Nacht lehrt [der nächsten] Nacht Kenntnis, Nacht für Nacht lehrt man Kenntnis?j).

4 Nicht [ist es eine] Rede [und] nicht [sind es] Worte,

[deren] Klang nicht gehört würde:k

5 Ihr Klang (Ihre Schnur?, Ihr Ruf?)l geht aus über die ganze Erde

und bis ans Ende der Welt [geht aus]m ihr Reden.

Der Sonne (dem Sonnenball)n hat er gebaut ([ist (gehört)] dort)o ein Zelt aus (an) ihmp. 6 Und sie [ist] wie ein Bräutigam, [der] ausgehtq aus seinem Brautzelt (Zelt)r,

sie freut sich wie ein Held [darüber (sich darüber freut)],s die Bahn zu durchlaufen.

7 Am [einen] Endet des Himmels (der Himmelu) [ist] ihr Ausgang

und ihr Abgang [ist] am (ihr Wendekreis [ist (reicht)] bis zum) [anderen] Ende,
nichts ist vor ihrer Glut (Hitze, seiner Sonne)v verborgen.


8 Das Gesetzw JHWHs [ist] vollkommen (makellos) -x bringt zurück Lebenskraft (gibt neue Lebenskraft, bekehrt {die Seele})y;
Die Satzungw JHWHs [ist] zuverlässig (glaubwürdig) -x macht den Einfältigen weise.
9 Die Weisungenw JHWHs [sind] richtig (die richtigen, angenehm) -x erfreuen das Herz (erfreuen {das Herz}, erhellen den Geist)z,
Das Gebotw JHWHs [ist] lauter (licht)aa -x macht die Augen hellab. 10 Das Wort JHWHs (die Furcht vor JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., die JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-Religion?)ac [ist] rein (leuchtend)ad -x besteht in Ewigkeit,
Die Rechtssätzew JHWHs [sind] Wahrheit (wahr, die wahren)ae -x sind gerecht (im Recht, die rechten) allesamt (und noch dazu sind sie gerecht).


11 [Durch]af sie, die begehrenswerter sind als Gold,

ja, als (und als) reichlich Reingold,

und süßer als Honig

ja, (und) [als] Honig des Honigsag,

12 wird auchah dein Sklaveai gewarnt (erleuchtet)aj {durch sie}af.

In ihrer Befolgung [ist (liegt)] reichlich Lohnak.

13 [Doch]al Versehen (versehentliche Fehler)am - wer bemerkt siean?

Von den Verborgenen (ungewollte Sünden)ao mache mich rein;

14 Auch von Vermessenheit (vermessenen Menschen, willentlichen Sünden)ap halte zurück deinen Sklavenai,

Lass sie mich nicht beherrschen!aq

Dann werde ich vollkommen (makellos) sein

Und rein sein von reichlich [großem] Vergehenar.

15 Es seien zum Gefallen die Reden meines Mundes (mein Reden)f

Und das Sinnen meines Herzens (mein Sinnen)f vor deinem Gesicht (vor dir)fas -
JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., mein Fels und mein Erlöser!


Anmerkungen

I.
Das Anliegen von Ps 19 wird in der Exegese heftig diskutiert, weil der Psalm aus vier Teilen besteht, deren Zusammenhang auf den ersten Blick nicht leicht erkennbar ist: In Vv. 2-5b heißt es, der Himmel tue Gottes „Herrlichkeit“ kund. In Vv. 5c-7 ist von Gott und seiner Herrlichkeit dann nicht mehr die Rede, sondern es folgt ein Abschnitt über die Sonne, an den sich - scheinbar ohne Zusammenhang - in Vv. 8-10 (eher nicht: 8-11; s. FN af) ein Hymnus an die torah - das „Gesetz JHWHs“ - anschließt, um dann wieder scheinbar ohne Zusammenhang in Vv. 11-15 mit einer Bitte um Bewahrung vor Sünden zu schließen. Die Hauptschwierigkeit bei der Deutung des Anliegens von Ps 19 ist es also, den diese vier Teile zusammenhaltenden roten Faden auszumachen. Im Folgenden wird nur die Deutung vorgestellt, die dem Übersetzer am wahrscheinlichsten scheint; für eine Übersicht über verschiedene weitere Deutungen sei verwiesen auf Wyatt 1995Wyatt, N.: The Liturgical Context of Psalm 19 and its Mythical and Ritual Origins, in: UF 27, 1995. S. 559-596., S. 560-566.

II.
Am auffälligsten ist - und auch in der Exegese mit Abstand am ausführlichsten kommentiert wurde - der Abschnitt Vv. 5c-7 über die Sonne. Fast stets heißt es, dass der Psalmist sich intensiv an der Bilderwelt der altorientalischen Mythologie bedient und die Sonne entsprechend der altorientalischen Sonnengötter dargestellt habe (z.B.: die Sonne, die das Himmelszelt bewohnt, die Sonne als „Held“ und als „schneller Läufer“ etc.; vgl. bes. Sarna 1965Sarna, Nahum N.: Psalm XIX and the Near Eastern Sun-God Literature, in: Proceedings of the World Congress of Jewish Studies 1, 1965. S. 171-175., S. 172). Das legt nahe, dass an folgende kulturgeschichtliche Zusammenhänge zu denken ist: Die Verehrung von Sonnengöttern war im Alten Orient weit verbreitet und auch in Israel wurde die Sonne lange als Gott angebetet (vgl. z.B. NIDOTTE 9087,5; s. z.B. 2Kön 23,5). Solche Sonnengötter warem im Alten Orient häufig assoziiert mit und verantwortlich für „Wahrheit“ und „Weisheit“ (vgl. z.B. Sarna 2010Sarna, Nahum N.: On the Book of Psalms. Exploring the Prayers of Ancient Israel. New York, 2010., S. 82), „Recht“ und „Gesetz“ (vgl. z.B. Löning/Zenger 2000, S. 138f; Sarna 1965Sarna, Nahum N.: Psalm XIX and the Near Eastern Sun-God Literature, in: Proceedings of the World Congress of Jewish Studies 1, 1965. S. 171-175., S. 173; Taylor 1993Taylor, J. Glen: Yahweh and the Sun. Biblical and Archaeological Evidence for Sun Worship in Ancient Israel. Sheffield, 1993., S. 224; auch in der Bibel finden sich bisweilen noch Spuren davon, s. z.B. Ps 37,6; Spr 6,23; Hos 6,4f; Zef 3,5; Mal 3,20) und fungierten als Lebensspender und Freudenbringer (vgl. wieder Sarna 1965Sarna, Nahum N.: Psalm XIX and the Near Eastern Sun-God Literature, in: Proceedings of the World Congress of Jewish Studies 1, 1965. S. 171-175., S 173f); kennzeichnend für sie war außerdem ihre „Herrlichkeit“, die man sich als ein Lichtphänomen vorstellte - als Lichtglanz, Glorie der „herrlichen“ Gottheit (vgl. z.B. Wilke 2010, Abs. 3; ad loc. Wagner 1999Wagner, J. Ross: From the Heavens to the Heart: The Dynamics of Psalm 19 as Prayer, in: CBQ 61, 1999. S. 245-261., S. 249).
Besagter Verehrung der Sonne als Gott wollten die die biblischen Dichter entgegenwirken (s. z.B. Dtn 4,19; 17,3) und verwandten daher einige Mühen darauf, die Sonne nach und nach zu „depotenzieren“: Sie sollte durchaus nicht als ein weiterer Gott, sondern als eines der Geschöpfe JHWHs verstanden werden - JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. untergeordnet und von ihm an ihren Ort - den Taghimmel - verwiesen (vgl. Lauber 2012, Abs. 3.2).

III.
Indes zwingt nichts den Leser, die Aussagen und Bilder aus dem Kontext der altorientalischen Mythologie zu verstehen; jeder Vers lässt sich auch problemlos im Kontext des „gewöhnlichen“ israelitischen Glaubens - der JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-Religion - deuten (s. FNn). Exegeten wie Buttenwieser 1938Buttenwieser, Moses: The Psalms. Chronologically Treated with a New Translation. Chicago, 1938. online unter: http://goo.gl/bpgnjM, Cooley 2014Cooley, Jeffrey L.: Psalm 19: A Sabbath Song, in: VT 64, 2014. S. 177-195. und König 1927König, Eduard: Die Psalmen. eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1927. haben daher sogar Vv. 5c-7 den Bezug zur altorientalischen Sonnengottmythologie abgesprochen. Diese Mehrdeutigkeit könnte durchaus auf den bewussten Gestaltungswillen des Psalmisten zurückgeführt werden und muss es wohl auch, da sie um ein Vielfaches zu ausgeprägt ist, als dass sie Zufall sein könnte. Ihr Effekt ist, dass sie den Psalm zu einem idealen missionarisch-synkretistischen Text macht: Anhängern des Sonnenkultes ermöglicht er es, Züge seiner Religion auch im JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-Kult zu entdecken und erleichtert ihm so den Zugang zu demselben; von bereits Bekehrten oder von vornherein treuen JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-Gläubigen dagegen lässt er sich als ein „gewöhnlicher“ jahwistischer Psalm verwenden.
Vv. 2-5b sprechen von den himmlischen Sphären, die die „Herrlichkeit“ Gottes - hier nicht als JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. bezeichnet, sondern allgemein als el, „Gott“ - verkünden / erstrahlen lassen (s. FN h), und wie die Sonne die ganze Erde erhellt und auf der ganzen Erde sichtbar ist (V. 7), ist auch die Kunde von der Herrlichkeit „Gottes“ auf der ganzen Erde vernehmbar (Vv. 4f). Meint „Gott“ hier JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. oder die Sonne? - Man weiß es nicht.
Vv. 5c-7 sprechen von der Sonne selbst. V. 5c besagt entweder, dass Gott der Sonne am Himmel ein Zelt gegeben hat, oder dass die Sonne am Himmel ein Zelt besitzt (s. FN o) und spricht dann entweder mit Bildern aus der altorientalischen Mythologie vom Lauf der Sonne oder nur metaphorisch vom fröhlichen Strahlen der Sonne (s. FN q). Der Abschnitt schließt entweder mit der Aussage, dass nichts vor der Gott gehörenden Sonne verborgen bleibt, oder dass nichts vor den Strahlen der Sonne verborgen bleibt. Der Abschnitt lässt sich also entweder so lesen, dass die Sonne Gott untergeordnet wird, indem betont wird, dass sie Gottes Geschöpf ist (vgl. dazu wieder Lauber 2012, Abs. 3.2) und nur als Symbol für die Herrlichkeit Gottes eigens genannt wird, wie sie noch häufiger in der Bibel fungiert (vgl. DDD, S. 766; s. z.B. noch Ez 43,2.4; Hab 3,3f; Sir 42,16 LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen.; ad loc. vgl. FNn e.h.k). Oder aber: Die Sonne selbst ist jener Gott, dessen herrlicher Umlauf am Himmel in den Vv. 5c-7 gepriesen wird. Vv. 2-7 lassen sich also insgesamt noch problemlos sprechen von JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-Verehrern und von Anhängern eines Sonnenkults, und sie lassen sich lesen als Uminterpretation des Verhältnisses von JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. und Sonne - nämlich dahin, dass die Sonne nur ein Gott untergeordnetes Symbol für seine Herrlichkeit ist.
Vv. 8-10 lesen sich auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Preis der Gebote JHWHs, der von jedem JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-Verehrer problemlos gebetet werden kann. Unter dieser beinahe eintönigen Oberfläche hat aber der Dichter gleich mehrere weitere Sinndimensionen über Wortspiele ins Werk gesetzt: (1) Auffällig ist zunächst, dass die „Leistungen“ der Gebote eher untypisch sind für Gebote (zugegeben: zu biblischen Zeiten nicht so untypisch, wie sie in den Augen heutiger Leser wirken müssen; dass JHWHs Gebote den Gläubigen „erfreuen“ etc. findet sich häufiger in der Bibel), dafür aber zu den Standard-Leistungen von Sonnengöttern gehören (s.o.) - die, wie gesagt, ohnehin häufig mit Recht und Gesetz assoziiert waren: Sie geben Lebenskraft, machen weise, erfreuen das Herz und machen gesund. Durch eine Reihe von Wortspielen wird das noch verstärkt: Nicht nur „erfreuen sie das Herz“, sondern sie „erhellen“ ihn auch (FN z); nicht nur sind sie „lauter“, sondern sie sind auch „licht(FN aa); nicht nur sind sie „rein“, sondern sie sind auch „leuchtend“ (FN ad), und noch dazu machen sie die Augen „hell“ und „erleuchten“ den, der sie befolgt. Und sicher ist es auch kein Zufall, dass sie in V. 11 gerade mit Gold und (goldenem) Honig verglichen werden. Auf diese Weise wird eine Kontinuität zwischen dem JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-Kult und dem Sonnenkult hergestellt; die Gesetzesreligion des JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-Kultes „leistet“ das selbe wie der Sonnenkult und ist ihm sogar strukturell ähnlich: Die Gebote Gottes werden „solarisiert“. (2) Gleichzeitig, sozusagen in die entgegengesetzte Stoßrichtung - beinahe wie eine Art Seitenhiebe gegen nicht-JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-Gläubige - lässt sich eine zweite Gruppe von Wortspielen ausmachen: Nicht nur geben die Gebote JHWHs neue Lebenskraft, sondern sie „bekehren“ auch (FN y). Nicht nur wird man durch sie „gewarnt“, sondern sie „erleuchten“ auch - Den Einfältigen machen sie „weise“, sie „erhellen“ den Geist, und nicht nur sind sie richtig, wahr und gerecht, sie sind auch „die richtigen“, „die wahren“ und „die gerechten“ Gebote. „Im Gegensatz zu welchen Geboten?“, kann man sich fragen; und „wer sind die Einfältigen, wer die unerhellten Geistes?“ - Man wird wohl auch hier an Anhänger eines anderen Kultes als des JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-Kultes denken müssen.
In Vv. 11-15 schließlich kommt der Beter auf sein „eigentliches Anliegen“ zu sprechen: Auch er - als ein „Diener“ Gottes; d.h. einer, der seine Gebote befolgt - richtet sich zwar an seinen Vorschriften aus und bemüht sich so um Sündenfreiheit, doch bewahrt ja auch dies nicht vor versehentlich oder unbewusst begangene Sünden - und also bittet er um Bewahrung vor zukünftigen und Vergebung von begangenen Sünden, auf dass er dann „vollkommen“ und gänzlich frei von Sünden sei. Vielleicht kann man diesen Abschnitt sogar gleichzeitig so lesen, dass er von einem ehemaligen Anhänger eines Sonnenkultes gesprochen ist, der diese seine Sünde der Sonnenverehrung durch ein heiligmäßiges Leben sühnen möchte und so zwecks der Vergebung dieses „reichlich großen Vergehens“ um Gottes Beistand bittet (s. FN ar).

IV.
Bonkamp 1949Bonkamp, Bernhard: Die Psalmen. Nach dem hebräischen Grundtext. Freiburg i. Br, 1949. hat vorgeschlagen, dass wir bei der Abfassungszeit konkret an das 18. Regierungsjahr des Joschija denken können - das Jahr, in dem gleichzeitig der Hohepriester Hilkija das Gesetzesbuch wieder auffand (2Kön 22,8) und Joschija daraufhin im Zuge der großen Tempelreinigung auch gegen den Sonnenkult vorging (2Kön 23,11); vgl. ähnlich auch Dürr 1927Dürr, L.: Zur Frage nach der Enheit von Ps. 19, in: W. F. Albright u.a.: Sellin-Festschrift.Beiträge zur Religionsgeschichte und Archäologie Palästinas. Leipzig, 1927., S. 48; Sarna 1965Sarna, Nahum N.: Psalm XIX and the Near Eastern Sun-God Literature, in: Proceedings of the World Congress of Jewish Studies 1, 1965. S. 171-175., S. 175. Solche genauen Datierungen sind in der neueren Exegese zwar ein wenig unbeliebt geworden, aber wenn unsere Deutung des roten Fadens im Ps 19 richtig ist, können wir vielleicht wirklich an diese Zeit denken.


a Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden) - Genaue Bedeutung unklar. Die gewählte Übersetzung ist mehr oder weniger Konvention, obwohl es nicht an alternativen Übersetzungsvorschlägen mangelt. Hier ist die Bezeichnung übrigens recht glücklich: Vermutlich leitet sich das Wort her vom hebräischen netsach („glänzen, strahlen“); menatseach ist dann der „Glänzende, Strahlende“ (vgl. z.B. Delitzsch 1894Delitzsch, Friedrich: Biblischer Kommentar über die Psalmen. Leipzig, 5 1894., S. 83f), was sich in unserem Psalm gut zu den sonstigen Vokabeln aus dem Wortfeld „Licht“ fügt. (Zurück zu v.1)
b verkünden - heb. safar; v.a in den Psalmen wird dieses Verb bes. dann verwendet, wenn jemand von großen Taten Gottes berichtet (vgl. TWATJenni, Ernst/Claus Westermann: Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament. München - Zürich, 1971-9. II, S. 168): Der Himmel wird hier vorgestellt als ein Prediger. (Zurück zu v.2)
c Himmel ist im Hebräischen ein Pluralwort; damit erklärt sich der Plural „Die Himmel“, der in vielen Übersetzungen zu finden ist. Ins Deutsche muss mit Singular übertragen werden. (Zurück zu v.2)
d Zur Vorstellung der „Herrlichkeit“ s. die Anmerkungen. (Zurück zu v.2)
e Walten (Werk) - meist übersetzt als: „seiner Hände Werk“ i.S.v. „das, was er geschaffen hat“. Einige Exegeten (z.B. Baethgen 1892Baethgen, Friedrich: Die Psalmen. übersetzt und Erklärt. Göttingen, 1892., S. 56; Dohmen 1983Dohmen, Christoph: Ps 19 und sein altorientalischer Hintergrund, in: Bib 64/4, 1983. S. 501-517., S. 508; Oesch 1985Oesch, Josef M.: Zur Übersetzung und Auslegung von Psalm 19, in: BN 26, 1985. S. 71-89., S. 71f) wenden ein: Weil Himmel und Firmament aber ja selbst zu diesem Werk von Gottes Händen zählen, würden sie nach dieser Übersetzung nicht Gott verkünden, sondern sich selbst - gemeint ist daher hier allgemein das „Walten“ Gottes.

Vermutlich gehört dies aber schon zu der in den Anmerkungen beschriebenen Mehrdeutigkeit: Wegen der Stichwortverknüpfung „Ihr (=der Himmel und des Firmaments) [Verkündigungs-]Klang geht aus“ - „Sie (=die Sonne) ist wie ein Bräutigam, der ausgeht“ - „Am einen Ende des Himmels ist ihr Ausgang(vgl. gut Dohmen 1983Dohmen, Christoph: Ps 19 und sein altorientalischer Hintergrund, in: Bib 64/4, 1983. S. 501-517., S. 505) lassen sich Vv. 5-7 so lesen, dass das, was Himmel und Firmament verkündigen, die Sonne - als Symbol für die „Herrlichkeit“ Gottes - ist. Liest man unseren Vers mit den Vv. 5-7 zusammen, legte sich auch hier diese Deutung nahe: Das „Werk seiner Hände“ ist die Sonne (s. auch FNn h.k) - ähnlich, wie in Ps 8,2 der „Himmel“ als das „Werk seiner Finger“ und in Ps 8,7 die ganze Schöpfung als das „Werk seiner Hände“ bezeichnet wird. Und gleichzeitig ist eben auch möglich: „Die Himmel verkünden das Walten Gottes (=der Sonne)“, s. wieder die Anmerkungen.

Außerdem theoretisch möglich: „Der Himmel verkündet die Herrlichkeit Gottes / und das Werk seiner Hände (=der Himmelsbogen) macht [sie] kund: das Firmament.“. So allerdings noch kein Exeget und es ist auch recht unwahrscheinlich: V. 2 ist sicher bewusst chiastisch gebaut: SUBJEKT: Der Himmel - VERB: verkündet - OBJEKT: Die Herrlichkeit Gottes / OBJEKT: Sein Walten - VERB: macht kund - SUBJEKT: Das Firmament. (Zurück zu v.2)
f das Walten seiner Hände (sein Walten) + die Reden meines Mundes (mein Reden) + das Sinnen meines Herzens (mein Sinnen) + vor deinem Gesicht (vor dir) - Sehr oft wird im Hebräischen als „Aktant“ einer Handlung nicht die handelnde Person, sondern der hauptsächlich involvierte Körperteil dieser Person genannt - ein rein stilistischer Strukturunterschied, den leider selbst viele kommunikative Übersetzungen nicht eindeutschen. Übersetze durchaus natürlicher: Im Deutschen handeln weder „Hände“, noch redet ein „Mund“, noch sinnt ein „Herz“, noch ist etwas einem „Gesicht“ wohlgefällig - sondern einer Person. (Zurück zu v.2 / zu v.15)
g Firmament (Himmelsgewölbe) - In der israelitischen Kosmologie hat Gott die Welt geschaffen, indem er die Fluten, die anfangs die Erde bedeckten, hinter einen festen Himmelsbogen - vorgestellt als eine Art „metallener Deckel in Form einer Halbkugel“ (Soggin 1997Soggin, J. Alberto: Das Buch Genesis. Kommentar. Darmstadt, 1997., S. 33) - gesperrt hat (s. Gen 1,6; dazu FN p; für eine schöne grafische Darstellung des hebräischen Weltbildes s. hier). Mit Hieronymus hat sich für dieses „Schalenförmige“ die Bezeichnung „Firmament“ eingebürgert (von lat. firmamentum, „Das Festgefügte“); dieses ist hier gemeint. In der Bibel wird es allerdings häufig auch nur als Wechselbegriff für „Himmel“ verwendet und kann daher meist auch ohne großen Bedeutungsverlust derart ins Deutsche übertragen werden (was viele Übersetzungen auch tun); in unserem Psalm ist das wg. Vv. 5c.6a aber unglücklich. (Zurück zu v.2)
h äußert es (strahlt es hervor, sprudelt es hervor?, äußert man?) - Wortspiel im Hebräischen: Das hebräische nava („äußern“) meint in Sir 43,2 auch: „hervorstrahlen lassen“ (vgl. Ges18Gesenius, Wilhelm/H. Donner/R. D. Meyer: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Berlin u.a, 1987-2012., S. 776). Auch dieser Satz lässt sich also in die Richtung auslegen, dass der Inhalt der Verkündigung von Himmel und Firmament die Sonne ist (s. FN e), obwohl er eigentlich natürlich gelesen werden müsste als „das Firmament äußert Rede“.
Häufig heißt es, das Verb bedeute eigentlich „sprudeln“ und es solle so eine besonders ekstatische Redeweise bezeichnet werden (z.B. Kraus 1961Kraus, Hans-Joachim: Psalmen. 1. Teilband. Neukirchen, 2 1961., S. 154; Kruger 2002Kruger, P.: „Die Hemel vertel die eer van God“: Natuur, Skriftuur en die bidder in Psalm 19, in: VeE 23/1, 2002. S.111-124. online unter: http://goo.gl/xTy9p8, S. 114; Vos 2004Vos, Cas J.A.: Theopoetical and Liturgical Patterns of the Psalms with Reference to Psalm 19, in: Ders. / Dirk J. Human: Psalms and Liturgy. Sheffield, 2004., S. 260). Das ist irreführend: Sprachgeschichtlich mag das Wort tatsächlich einmal primär „sprudeln“ gemeint haben; in der Bibel ist das aber ausschließlich in Spr 18,4 merklich (und auch hier nur im Rahmen eines Wortspiels). An den übrigen Stellen ist es stets abgeblasst zur Bedeutung „reden, äußern“. Unsere Stelle legt im Gegenteil sogar nahe, dass mit dem Wort speziell das Äußern weiser Lehren bezeichnet werden soll (nava von „weisen Reden“ noch in Ps 78,2; Spr 1,23), da im nächsten Satz das Verb chawah folgt, das oft speziell „unterweisen, lehren“ meint (s. noch Ijob 15,17; 32,6; 36,2) - erst recht, wenn es (wie hier) zusammen mit da`ath („Wissen“) verwendet wird. (Zurück zu v.3)
i Tag für Tag äußert es (Ein Tag äußert gegenüber dem nächsten Tag) + Nacht für Nacht lehrt es (eine Nacht lehrt der nächsten Nacht) - Grammatisch sind beide Auflösungen möglich; nach der als Primärübersetzung angeführten Deutung ist Subjekt der Verben das Firmament, nach der als Alternativübersetzung angeführten Deutung jeweils das erste „Tag“ und „Nacht“. Die zweite Deutung findet sich häufiger in Übersetzungen, hat aber das Problem, dass sie vielen Exegeten teils recht fantasievolle Erklärungen abgenötigt hat, wie denn ein Tag mit dem nächsten Tag in Kontakt treten will, wenn doch zwischen beiden die Nacht liegt, und umgekehrt. Auch findet sich das Bild von „sprechenden Tagen“ und „lehrenden Nächten“ sonst nirgends in der Bibel; dass das Firmament aber in der Tat verkündigen kann, steht ja direkt im vorhergehenden Vers.
Theoretisch außerdem möglich: Verben in der 3. Pers. sing. mask. können im Hebräischen auch als impersonale Verben verwendet werden: „Man äußert“ (vgl. GKC §144d); die Struktur von Vv. 2-3 würde dann der z.B. von Ps 8,2 entprechen: „Auf der ganzen Erde wirst du verehrt, / im Himmel, da wirst du besungen!“ <-> hier: V. 2: Die Himmel verkünden Gott, V. 3: Auch auf der ganzen Erde spricht man über ihn. So aber m.W. bisher kein Exeget. (Zurück zu v.3)
j eine Nacht lehrt [der nächsten] Nacht Kenntnis, Nacht für Nacht lehrt man Kenntnis? - s. FN i; diese beiden Alternativen sind unwahrscheinlich, aber möglich. (Zurück zu v.3)
k (1) Nicht [ist es eine] Rede [und] nicht [sind es] Worte, deren Klang nicht gehört würde-
(2) Oder: „Nicht [ist es] Rede [und] nicht [sind es] Worte; ihr Klang wird nicht gehört.“

(3) Oder: „Nicht [ist es] Rede [und] nicht [sind es] Worte. Ohne, dass ihr Klang gehört würde, ...“
(4) Oder: „Nicht [gibt es] eine Sprache [und] nicht [gibt es] eine Zunge, worin ihr Klang nicht gehört würde.“
Entgegen gegenteiliger Beteuerungen einiger Exegeten ist jede dieser Auflösungen grammatisch möglich (gegen Gegenargumente gegen (1) und (4) vgl. gut König 1927König, Eduard: Die Psalmen. eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1927., S. 95f). (2) und (3) haben die Schwierigkeit, dass nach diesen Deutungen ohne Not ein Widerspruch zwischen V. 4 und Vv. 3.5 aufgebaut würde: (+) Tag für Tag äußert er Rede: <-> (-) Es ist keine Rede! Ihr Klang ist unhörbar. <-> (+) Ihr Klang dringt in die ganze Welt. Duhm 1899Duhm, Bernhard: Die Psalmen. Freiburg u.a, 1899. denkt deshalb doch ernsthaft (ähnlich Gowen 1929Gowen, Herbert H.: The Psalms or The Book of Praises. A New Transcription and Tanslation. Arranged Strophically and Metrically From a Critically Reconstructed Text with Introduction, Textual Notes, and Glossary. Milwaukee, 1929. online unter: http://goo.gl/HH2iS4 und Klein 2013Klein, Anja: Half Way between Psalm 119 and Ben Sira: Wisdom and Torah in Psalm 19, in: Bernd U. Schipper / D. Andrew Teeter: Wisdom and Torah. The Reception of 'Torah' in the Wisdom Literature of the Second Temple Period. Leiden, 2013. (!)), dass es sich bei dem Satz um die nachträgliche Einfügung eines Gelehrten handle, der „nicht allzu scharfsinnige Leser“ darüber aufklären wollte, dass es sich hier nur um bildliche Rede handle. Sinnvoller sollte man daher entweder von (1) oder (4) ausgehen. Wir geben (1) den Vorzug, da sich diese Deutung so auch in sämtlichen alten Üss. findet (LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., AqAquila's Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische; entstanden 125 n. Chr. Offenbar bewusst in Abgrenzung von der LXX als wörtlichere Übersetzung des MT konzipiert. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines., SymEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. Offenbar einst eine stilistisch besonders schöne Alternative zur LXX., TheodEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines., VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr., SyrKurz für „Syrisch“; Bezeichnung für die syrische Bibelübersetzung „Peschitta“ - „die Einfache“. Entstanden ab dem 1. Jh. n. Chr., TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische.) und auch in einigen deutschen Üss. gebräuchlich ist (ALBLudwig Albrechts Übersetzung des NTs und der Psalmen von 1920/1927. Eine wörtliche, aber flüssig zu lesende Übertragung., ELBKurz für „Elberfelder Bibel“. Sehr genaue und wenig kommunikative Übersetzung; als Vollbibel erstmals 1871 erschienen., FREE, MÜNKurz für „Münsterschwarzacher Psalter“, eine liturgische Übersetzung der Psalmen aus dem Benediktinerkloster Münsterschwarzach. Schön zu lesen; philologisch erstklassig, dafür aber recht weit entfernt von Alltagssprache., R-SKurz für „Rießler-Storr“, die Zusammenführung der AT-Übersetzung von Paul Rießler und der NT-Übersetzung von Rupert Storr. Auch bekannt als „Grünewald Bibel“. Häufig ungewöhnliche Übersetzung; z.B. ist biblische Lyrik durchgehend im jambischen Rhythmus übersetzt; z.B. hat Rießler Akrostycha tatsächlich als alphabetische Gedichte auch ins Deutsche übersetzt, usw., SLTKurz für „Schlachter“; gemeint ist damit die Revision von 1995-2004 der erstmals 1905 erschienenen Bibelübersetzung von Franz Eugen Schlachter. Die Schlachter-Bibel ist recht urtexttreu; Schlachter verstand es aber, dieses genaue Übersetzen mit einem herrlichen kräftig-würzigen Stil zu verbinden, so dass sich am Ende dennoch eine gut lesbare Bibel ergab., TEXKurz für „Textbibel“, einer deutschen Bibelübersetzung, an der Größen wie Baethgen, Bertholet, Budde, Eißfeldt, Kautzsch, Kittel, Löhr, Marti, Siegfried, Socin und Steuernagel mitarbeiteten. Sehr wörtlich und völlig zu unrecht weitgehend in Vergessenheit geraten., van Ess); letztendlich spricht aber nichts gegen die ebenfalls schöne Deutung (4).

Vielleicht gehört aber auch dies zur in den Anmerkungen beschriebenen Mehrdeutigkeit und der scheinbare Widerspruch zwischen Vv. 3.5 und V. 4 soll eben gerade signalisieren, dass nicht tatsächlich Worte, sondern die Sonne die „Weise“ der Verkündigung von Himmel und Firmament sind (s. FNn e.h), und gleichzeitig soll der Satz auch so gelesen werden können, dass die Aussage ist: Des Himmels und des Firmaments Rühmen des Sonnengottes erschallt auf der ganzen Erde. (Zurück zu v.4)
l TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Der hebräische Text hat qaw (geschrieben: qw), „Schnur“. Trotz einiger Versuche, dieses „Schnur“ hier sinnvoll zu erklären (am besten wohl Herkenne 1936Herkenne, Heinrich: Das Buch der Psalmen. Bonn/Hanstein, 1936., S. 97: „Schnur“ = Maßeinheit („Messschnur“) = „Reichweite“) emendiere besser mit BHS, Arneth 2007Arneth, Martin: Psalm 19: Tora oder Messias?, in: Ders. / Reinhard Achenbach / Eckart Otto: Tora in der hebräischen Bibel. Stdien zur Redaktionsgeschichte und synchronen Logik diachroner Transformationen. Wiesbaden, 2007., Cheyne 1904Cheyne, Thomas W.: The Book of Psalms. Translated from a revised text with Notes and Introduction. Vol. I. New York, 1904. online unter: http://goo.gl/PW72pu, Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983., Donner 1967Donner, Herbert: Ugaritismen in der Psalmenforschung, in: ZAW 79/3, 1967. S. 322-350., Dohmen 1983Dohmen, Christoph: Ps 19 und sein altorientalischer Hintergrund, in: Bib 64/4, 1983. S. 501-517., Duhm 1899Duhm, Bernhard: Die Psalmen. Freiburg u.a, 1899., Ehrlich 1905Ehrlich, Arnold B.: Die Psalmen. Neu uebersetzt und erklaert. Berlin, 1905., Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953., Kittel 1914Kittel, Rudolf: Die Psalmen. Leipzig, 1914., Meinhold 1983Meinhold, Arndt: Überlegungen zur Theologie des 19. Psalms, in: ZThK 80/2, 1983. S. 119-136., Morgenstern 1946bMorgenstern, Julian: Psalms 8 and 19A, in: HUCA 19,1946. S. 491-523., Wyatt 1995Wyatt, N.: The Liturgical Context of Psalm 19 and its Mythical and Ritual Origins, in: UF 27, 1995. S. 559-596. nach qol (geschrieben: qwl), „ihr Klang“ - das selbe Wort wie im vorigen Vers. Das scheinen auch LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., SymEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. Offenbar einst eine stilistisch besonders schöne Alternative zur LXX. und VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. nahezulegen (LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen.: ftogos, „Laut, Ton“; SymEine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische aus dem 2. Jh. n. Chr. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines. Offenbar einst eine stilistisch besonders schöne Alternative zur LXX.: ächos „Schall, Getöse“; VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr.: sonus, „Klang“). Dass LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. qol sonst nicht mit ftogos wiedergegeben habe, ist nun wirklich kein Gegenargument, weil sich ftogos insgesamt einzig hier (und Weish 19,18, dem kein heb. Urtext zugrunde liegt) in der LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. findet. Für weitere Emendationsvorschläge vgl. Grund 2004Grund, Alexandra: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes“. Psalm 19 im Kontext der nachexilischen Toraweisheit. Neukirchen-Vluyn, 2004., S. 26f.
Einige Exegeten haben außerdem vorgeschlagen, dass es ein zweites qaw mit der Bedeutung „Ruf, Verkündigung, Nachricht“ geben könnte (Anderson 1972Anderson, A. A.: The Book of Psalms. Volume I: Introduction and Psalms 1-72. London, 1972., S. 169; Barth 1893Barth, J.: Etymologische Studien zum semitischen insbesondere zum hebräischen Lexicon. Leipzig, 1893. online unter: http://goo.gl/u97rr6 S. 29f.; Barthélemy 2005Barthélemy, Dominique: Critique textuelle de l'Ancien Testament, Tome 4: Psaumes. Fribourg/Göttingen, 2005., S. 17f; Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965., S. 121f.; Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953., S. 86; KönKönig, Eduard: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig, 1922. 403 (anders König 1927König, Eduard: Die Psalmen. eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1927., S 97); Wagner 1999Wagner, J. Ross: From the Heavens to the Heart: The Dynamics of Psalm 19 as Prayer, in: CBQ 61, 1999. S. 245-261., S. 251); allerdings ist unsere Stelle die einzige, die zu dieser Annahme nötigen würde. (Zurück zu v.5)
m [geht aus] - BrachylogieEin erwartetes Satzglied wird ausgespart, da es im direkten Umfeld der betreffenden Stelle schon einmal gesetzt wurde und daher aus dem Kontext erschlossen werden kann. Besagtes Satzglied tut dann „double duty“ an beiden Stellen. Zu unterscheiden ist die Brachylogie von der Ellipse, in der ein Satzglied ausgespart wird, ohne im direkten Umfeld schon einmal gesetzt zu sein. aus V. 5a. (Zurück zu v.5)
n Der Sonne (dem Sonnenball) - Einige Üss. und Exegeten übersetzen ab 5c mit „Sonnenball“ statt „Sonne“, weil dann das grammatische Geschlecht besser zum Vergleich mit dem Bräutigam und dem Helden in V. 6 passt. BBDie BasisBibel, eine freie und frische Übersetzung von NT und Psalmen, die gezielt auf die Verbreitung in den Neuen Medien hinkonzipiert wurde. Oft übersetzt sie recht interpretativ, beweist dabei aber auch häufig ein sehr glückliches Händchen. Definitiv einen Blick wert - und das Design ist auch noch toll. dagegen behält „Sonne“ bei und macht aus dem Bräutigam die „Braut“ und aus dem Helden die „Heldin“. Beides wäre erwägenswert für die LF - eine Entscheidung für den LF-Übersetzer. (Zurück zu v.5)
o hat er gebaut ([ist (gehört)] dort) - Wortspiel im Hebräischen. Der Masoretische Text hat hier ßam stehen: „er hat gebaut“ (geschrieben mit dem Buchstaben „Sin“: שָׂם). Im Hebräischen gibt es neben dem Buchstaben „Sin“ auch den sehr ähnlichen Buchstaben „Schin“, und schreibt man dies שָׂם ßam mit Schin statt Sin, ergibt das שָׁם scham („dort“) - der Unterschied ist nur, dass bei scham der kleine Punkt rechts statt links über dem ersten Buchstaben steht. Diese Punkte wurden erst im Mittelalter in den Bibeltext eingetragen, vorher gab es in der Schreibweise - und zur Zeit des Bibelhebräisch vermutlich auch in der Aussprache - keinen Unterschied zwischen den beiden Buchstaben. Für einen bibelhebräisch sprechenden Leser waren also ßam („er baute“) und scham („dort“) nicht auseinanderzuhalten, und also konnte er den Satz gleichzeitig lesen als Verbalsatz („Der Sonne baute er ein Zelt“) und als dativischen verblosen Satz („Der Sonne [war] dort ein Zelt“). Auch dies gehört zu der in den Anmerkungen beschriebenen Mehrdeutigkeit: Der Satz konnte also entweder so gelesen werden, dass JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. der Sonne ihr Zelt zuwies, oder so, dass der Sonne unabhängig von einem anderen Gott dort ein Zelt gehörte. (Zurück zu v.5)
p aus (an) ihm - Das „ihm“ bezieht sich auf den Himmel in V. 2. Auch dieser Satz ist wohl bewusst mehrdeutig formuliert (s. die Anmerkungen): Das hebräische bahem kann sowohl bedeuten: „an/auf ihm (=dem Himmel - als Bauplatz)“ als auch: „aus ihm (=dem Himmel - als Material)“. Nach der ersten Deutung ist an folgendes zu denken: Im Alten Orient war die Vorstellung verbreitet, der Sonnengott lebe im Himmel in einem Palast (für eine Abbildung s. hier, vorletzte Seite), und von diesem Palast würde der Dichter hier als einem „Zelt“ sprechen und also wieder die Bilderwelt der altorientalischen Sonnengott-mythologie aufgreifen. Nach der zweiten Deutung dagegen hätte man davon auszugehen, dass der Himmel selbst besagtes „Zelt“ ist, wie wir das im Deutschen ja auch im Ausdruck „Himmelszelt“ kennen und wie er auch in Ps 104,2; Jes 40,22 bezeichnet wird; der Satz wäre dann einfach metaphorisch für „Gott hat der Sonne den Himmel als den ihr eigenen Ort zugewiesen“ zu lesen (s. Gen 1,17; so z.B. NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie.: „Und am Himmel hat er die Sonne hingestellt“; NGÜNT- und Psalmenübersetzung der Genfer Bibelgesellschaft 2000-2011. Eine vorbildliche Verknüpfung von philologischer Genauigkeit und kommunikativer Flüssigkeit.: „Gott hat der Sonne ihren Ort am Himmel gegeben“; NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien., NLTNew Living Translation: „Die Sonne wohnt am Himmel, wo Gott sie hingestellt hat“) - und dann gehörte auch dieser StichoDer „Sticho“ oder das „Kolon“ ist die Grundeinheit biblischer Poesie; er entspricht in etwa dem „Vers“/der „Verszeile“ in der europäischen Lyrik. Der Sticho ist meist eine vollständige „Sinn-Einheit“ - z.B.: ein Haupt- oder Nebensatz - aus zwei bis fünf Worten, die zusammen mit weiteren „parallelen“ Stichen einen Parallelismus bildet. Zum Beispiel besteht Ps 1,1 aus drei parallelen Stichen, die daher zusammen ein „Tristichon“ bilden: „1. Wie glücklich ist der Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, / 2. der nicht den Pfad der Sünder betritt / 3. und nicht im Kreis der Spötter sitzt...“. Vgl. näher z.B. Weber 2007: Poesie, unter: http://goo.gl/jB8Crn in die Reihe der Texte, die betonen, dass JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. die Sonne geschaffen habe und ihr übergeordnet sei, um so die Sonne zu depotenzieren. (Zurück zu v.5)
q (1) Und sie [ist] wie ein Bräutigam, [der] ausgeht -

(2) Oder: „Und sie - wie ein Bräutigam geht sie aus aus ihrem Zelt.“

Beide Auflösungen sind grammatisch möglich, und auch dies gehört wieder zu der in den Anmerkungen beschriebenen Mehrdeutigkeit: Entweder ist das „Zelt“ wieder der Palast des Sonnengottes, von dem im letzten Vers die Rede gewesen sein könnte (s. vorige FN), und hinter der Bezeichnung „Bräutigam“ steht die Vorstellung, dass der Sonnengott eine Braut gehabt habe - wie z.B. der mesopotamische Sonnengott Schamasch mit seiner „Braut“ Aya liiert war (vgl. z.B. Sarna 1965Sarna, Nahum N.: Psalm XIX and the Near Eastern Sun-God Literature, in: Proceedings of the World Congress of Jewish Studies 1, 1965. S. 171-175., S. 171f.). Oder aber der Satz ist „nur“ metaphorisch zu lesen: Im Alten Israel war es Brauch, dass Braut und Bräutigam ihre Hochzeitsnacht in einem Brautzelt - der „Chuppa“ - vollzogen (vgl. Dalman 1939Dalman, Gustaf: Arbeit und Sitte in Palästina VI. Zeltleben, Vieh- und Mlchwirtschaft, Jagd, Fischfang. online unter: http://goo.gl/veDLFc, S. 36; Homann 2002Homan, Michael M.: To Your Tents, O Israel! The Terminology, Function, Form, and Symbolism of Tents in the Hebrew Bible and the Ancient Near East. Leiden u.a., 2002., S. 80; s. noch 2Sam 16,22; Joel 2,16 und häufig im rabbinischen Schrifttum; noch heute existiert dieser Brauch in abgewandelter Form, s. Wikipedia/Chuppa). Wenn man den StichoDer „Sticho“ oder das „Kolon“ ist die Grundeinheit biblischer Poesie; er entspricht in etwa dem „Vers“/der „Verszeile“ in der europäischen Lyrik. Der Sticho ist meist eine vollständige „Sinn-Einheit“ - z.B.: ein Haupt- oder Nebensatz - aus zwei bis fünf Worten, die zusammen mit weiteren „parallelen“ Stichen einen Parallelismus bildet. Zum Beispiel besteht Ps 1,1 aus drei parallelen Stichen, die daher zusammen ein „Tristichon“ bilden: „1. Wie glücklich ist der Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, / 2. der nicht den Pfad der Sünder betritt / 3. und nicht im Kreis der Spötter sitzt...“. Vgl. näher z.B. Weber 2007: Poesie, unter: http://goo.gl/jB8Crn nach Art der Deutung (1) auflöst, könnte man ihn also auch so lesen, dass die Sonne mit einem Bräutigam nach dessen Hochzeitsnacht verglichen wird und überhaupt keine mythologischen Bezüge hat; das tertium comparationis wäre dann wohl die Freudigkeit des Bräutigams nach der vollzogenen Hochzeitsnacht. (Zurück zu v.6)
r Brautzelt (Zelt) - Hierzu s. letzte FN. (Zurück zu v.6)
s freut sich wie ein Held [darüber] (freut sich, wie ein Held [sich darüber freut]) - Wortspiel im Hebräischen: Ebenso, wie im vorigen StichoDer „Sticho“ oder das „Kolon“ ist die Grundeinheit biblischer Poesie; er entspricht in etwa dem „Vers“/der „Verszeile“ in der europäischen Lyrik. Der Sticho ist meist eine vollständige „Sinn-Einheit“ - z.B.: ein Haupt- oder Nebensatz - aus zwei bis fünf Worten, die zusammen mit weiteren „parallelen“ Stichen einen Parallelismus bildet. Zum Beispiel besteht Ps 1,1 aus drei parallelen Stichen, die daher zusammen ein „Tristichon“ bilden: „1. Wie glücklich ist der Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, / 2. der nicht den Pfad der Sünder betritt / 3. und nicht im Kreis der Spötter sitzt...“. Vgl. näher z.B. Weber 2007: Poesie, unter: http://goo.gl/jB8Crn (s. vorige FN) offen bleibt, ob die Sonne gleich einem Bräutigam ihr Zelt verlässt oder ob sie einem Bräutigam gleicht, der sein Zelt verlässt, bleibt hier offen, ob (1) die Sonne sich gleich einem Helden darüber freut, ihre Bahn - die Sonnenbahn - durchlaufen zu können, oder ob sie sich „schlechthin“ freut - wie auch ein Held sich darüber freut, seine Bahn - die Rennbahn - berennen zu können. Auch das Bild der Schnelligkeit des spurtenden Sonnengottes und ebenso die Bezeichnung „Held“ für den Sonnengott war in der altorientalischen Mythologie weit verbreitet (vgl. wieder bes. Sarna 1965Sarna, Nahum N.: Psalm XIX and the Near Eastern Sun-God Literature, in: Proceedings of the World Congress of Jewish Studies 1, 1965. S. 171-175., S. 172) und würde nach der ersten Deutung hier aufgegriffen; nach der zweiten Deutung wäre das tertium comparationis wieder „nur“ die Freudigkeit des spurtenden „Helden“ und das freudige Strahlen der Sonne. Speziell mit dem „Helden“ würde die Sonne in diesem Fall nur verglichen, weil sportliche Wettbewerbe im Alten Israel offenbar v.a. unter Kriegern verbreitet waren (vgl. z.B. Noegel 2007, S. 521); ein funktionales Äquivalent zum „Helden“ wäre deshalb heute eigentlich eher „Athlet“ (so z.B. CJBComplete Jewish Bible, EVDEasy-to-Read English Version for the Deaf, GNBGood News Bible, HCSBHolman Christian Standard Bible, MSGThe Message, NAB, NCVNew Century Version, NLTNew Living Translation), was allerdings gerade hier wieder das Wortspiel zerstören würde. (Zurück zu v.6)
t Ende - der äußerste Ort der Welt, an dem der Himmel auf den „Pfeilern des Himmels“ aufruht (für eine schöne grafische Darstellung des hebräischen Weltbildes s. hier). Die Sonne beginnt ihre Reise entlang des Firmaments also am östlichen „Ende des Himmels“ und vollendet ihn am westlichen Ende. (Zurück zu v.7)
u der Himmel - hierzu vgl. FN c. (Zurück zu v.7)
v ihrer Glut (Hitze, seiner Sonne) - Wortspiel im Hebräischen: Das Wort chamat bedeutet sonst stets „Sonne“; man sollte also meinen, dass chamato hier „seine - d.i., JHWHs - Sonne“ meint (so daher z.B. Briggs 1906Briggs, Charles A./Emilie G. Briggs: A Critical and Exegetical Commentary on the Book of Psalms; Vol. I. Edinburgh, 1906. online unter: http://goo.gl/HZWmGT, S. 167f; Taylor 1993Taylor, J. Glen: Yahweh and the Sun. Biblical and Archaeological Evidence for Sun Worship in Ancient Israel. Sheffield, 1993., S. 223). Sehr viel natürlicher ist aber das Possessivpronomen auf die Sonne zu beziehen, dann müsste chamat gedeutet werden als „ihre Glut/Hitze“. Auch dies gehört zum in den Anmerkungen beschriebenen Mehrdeutigkeit; nach der ersten Deutung würde die Sonne wieder depotenziert, indem sie als sein Geschöpf JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. zu- und untergeordnet wird; im zweiten Fall spräche der Satz von der Allgegenwart des Sonnengottes, ein weiteres häufiges Motiv aus der altorientalischen Sonnengottliteratur (vgl. Sarna 1965Sarna, Nahum N.: Psalm XIX and the Near Eastern Sun-God Literature, in: Proceedings of the World Congress of Jewish Studies 1, 1965. S. 171-175., S. 172). (Zurück zu v.7)
w Gesetz + Gebot + Weisungen + Satzung + Wort + Rechtssätze - In den Vv. 8-10 stehen fünf Begriffe, die alle in etwa die selbe Bedeutung haben. Programmatisch beginnt die Begriffsreihe mit torah jhwh, „Tora JHWHs“ - eine Formel für den (meist schon schriftlich, mindestens aber satzhaft) fixierten Gesamtwillen Gottes. Damit wird noch nicht der Pentateuch gemeint sein, der erst zur Zeit Esras kanonisch wurde, aber einzelne Sammlungen von Geboten existierten schon Jahrhunderte vorher. Meist wird es übersetzt mit „Weisung“, aber da dies in V. 9a die angemessenste Übersetzung ist, sollte man hier besser „Gesetz“ o.Ä. wählen.

V. 8b ist die Rede vom edut JHWHs, was in der Bibel meist als terminus technicus für die 10 Gebote fungiert - die Übersetzung „Zeugnisse“, die sich häufig in Üss. findet, ist zwar möglich, hier aber unpassend.
piqudim (V. 9a) als Ausdruck für die Anweisungen Gottes findet sich neben unserer Stelle nur in den späten Psalmen 103 (V. 18), Ps 111 (V. 7) und oft in Ps 119. Auffällig ist, dass das Wort oft zusammen mit derek („Weg“) steht und als etwas geschildert wird, dem man „folgen“ kann (s. Ps 119,15.27.45.104.110.128) und kontrastiert wird mit Lügen und Betrug (Ps 119,69.78.104) - die piqudim werden vorgestellt als eine Art „gute Wegbeschreibung“ (Ps 119,110.128!). Diese Vorstellung könnte auch hinter unserer Stelle stehen, denn die piqudim JHWHs sind jescharim, „richtig, eben, angenehm zu befolgen“. Will man diese Vorstellung auch in der Übersetzung herauskommen lassen, empfähle sich die Übersetzung „Weisungen“.

Die „Satzung“ (9b) und die „Rechtssätze“ (10b) dürften selbsterklärend sein; erwähnenswert ist, dass auch sie meist als satzhafte Vorgaben aufzufassen sind. Zum „Wort JHWHs“ s. ad loc. (zu v.8 / zu v.9 / zu v.10)
x Vv. 8-10 sind in einem auffällig anderem Rhythmus verfasst. Bonkamp 1949Bonkamp, Bernhard: Die Psalmen. Nach dem hebräischen Grundtext. Freiburg i. Br, 1949., Delitzsch 1894Delitzsch, Friedrich: Biblischer Kommentar über die Psalmen. Leipzig, 5 1894. und andere haben versucht, das in Schriftbild und Rythmus auch der dt. Übersetzung nachzuahmen; auch für die LF wäre das eine Überlegung wert. Ansonsten einfach:

Das Gesetz JHWHs ist vollkommen,

es bringt zurück Lebenskraft.
- und ähnlich in den nächsten Stichen. (zu v.8 / zu v.9 / zu v.10)
y bringt zurück Lebenskraft (gibt neue Lebenskraft, bekehrt {die Seele}) - Wortspiel im Hebräischen: Die Wendung „die nefesch zurückbringen“ meint im Hebräischen oft „Leben(skraft) (nicht: „Seele“) zurückbringen“ (s. 1Kön 17,21f; Ijob 33,30; Ps 23,3; Spr 25,13). nefesch ist im Hebräischen aber häufiger als nicht nur ein Wechselbegriff für das Pronomen „ich“, und „zurückbringen“ kann auch „bekehren“ bedeuten, dann: „Das Gesetz JHWHs ist vollkommen: es bekehrt.“ (so z.B. VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr.: „convertens animas“, „es konvertiert die Seele“; so auch CABComplete Apostle's Bible, Coverdale, EJ2000, Geneva-Bible, KJVKing James Version, LITVLiteral Translation Version, NKJVNew King James Version, Tyndale, Webster, Wycliffe). Die Aussage des Satzes könnte also entweder sein, dass das Gesetz JHWHs jemandem frische Lebenskraft verleiht - eine Leistung, die auch für altorientalische Sonnengötter typisch war - oder, dass es „bekehrt“ - z.B. von der sündigen Verehrung von Sonnengöttern zum rechten JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-Glauben, was gut zusammenstimmen würde mit dem folgenden „glaubwürdig“ und „macht den Einfältigen weise“ in V. 8b und dem „erleuchtet den Geist“ in V 9a; s. die Anmerkungen. (Zurück zu v.8)
z erfreuen das Herz (erhellen den Geist) - Wortspiel im Hebräischen: Die beiden Glieder der geprägten Formel „das Herz erfreuen“ - d.h. „den Menschen erfreuen“, denn „Herz“ ist im Hebräischen häufig nur Wechselbegriff für den Menschen als Ganzen - lassen sich je auch anders deuten: Das Wort für „erfreuen“ meint eigentlich „erhellen“ (vgl. Greenfield 1959Greenfield, Jonas: Lexicographical Notes II, in: HUCA 30, 1959. S. 141-151., S. 147f.; Klouda 2000Klouda, Sheri L.: The Dialectical Interplay of Seeing and Hearing in Psalm 19 and Its Connection to Wisdom, in: BBR 10/2, 2000. S. 181-195. online unter: http://goo.gl/WlIkzN, S. 18; Sarna 1965Sarna, Nahum N.: Psalm XIX and the Near Eastern Sun-God Literature, in: Proceedings of the World Congress of Jewish Studies 1, 1965. S. 171-175., S. 174), und das „Herz“ ist in der israelitischen Anthropologie wesentlich häufiger vorgestellt als der Sitz des Verstandes als als Sitz der Emotionen (vgl. z.B. Wolff 1973Wolff, Hans Walter: Anthropologie des Alten Testaments. München, 1973., S. 77-84). Erstens ist also auch hier die in den Anmerkungen beschriebene „Solarisierung“ des Gesetzes merklich, zweitens wird auch hier - wie in V. 8a („bekehrt“) und 8b („macht den einfältigen weise“) - auf die „bekehrende“ Wirkung der Gebote JHWHs angespielt (s. FN y). (Zurück zu v.9)
aa lauter (licht) - Wortspiel im Hebräischen: Das Wort bar kann sowohl als gleichbedeutend aufgefasst werden mit dem „vollkommen/makellos“ in 9a und hat auch meist diese Bedeutung; gleichzeitig lässt es sich aber auch verstehen als „brilliant, hell, licht“ (vgl. Eaton 1968Eaton, John: Some Questions of Philology and Exegesis in the Psalms, in: JTS 19/2, 1968. S. 603-609., S. 604f.; Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965., S. 122; Nel 2004Nel, Philip:Psalm 19: The Unbearable Lightness of Perfection, in: JNSL 30/1, 2004. S. 103-117., S 109; Vos 2004Vos, Cas J.A.: Theopoetical and Liturgical Patterns of the Psalms with Reference to Psalm 19, in: Ders. / Dirk J. Human: Psalms and Liturgy. Sheffield, 2004., S. 263; Wagner 1999Wagner, J. Ross: From the Heavens to the Heart: The Dynamics of Psalm 19 as Prayer, in: CBQ 61, 1999. S. 245-261., S. 255; auch Clines 2013Clines, David J. A.: A Martian Reads the Psalms, in Particular Psalm 19. 2013. online unter: http://goo.gl/KRVzPZ, Deissler 1989Deissler, Alfons: Die Psalmen. Düsseldorf, 6 1989. und Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953. übersetzen mit „radiant“, „bright“ und „hell“). Auch dies trägt zur in den Anmerkungen beschriebene „Solarisierung“ des Gesetzes bei. (Zurück zu v.9)
ab macht die Augen hell - Die „Augen“ sind in der israelitischen Vorstellung eine Art „Barometer der Lebenskraft“ (Anderson 1972Anderson, A. A.: The Book of Psalms. Volume I: Introduction and Psalms 1-72. London, 1972., S. 129): Ist ein Mensch alt, krank, schwach oder traurig, hören seine Augen auf, zu „leuchten“ (s. Dtn 34,7; Ijob 17,7; Ps 6,8; 38,11; Klg 5,17). Gesundet er oder erholt er sich, leuchten seine Augen dagegen wieder auf (s. 1Sam 14,27.29; Esra 9,8; Ps 13,4). So verstanden ist der Ausdruck also gleichbedeutend mit dem „Lebenskraft zurückbringen“ in V. 8a und dem „das Herz erfreuen“ in V. 9a. Gleichzeitig trägt der Ausdruck aber auch zur nun schon mehrfach genannten Solarisierung der Gebote JHWHs bei (s. wieder die Anmerkungen). (Zurück zu v.9)
ac TextkritikDer Versuch, aus den überlieferten Bibelhandschriften die ursprünglichste Textversion zu ermitteln. Im AT gilt der sogenannte „Masoretische Text“ als Richtschnur, er ist allerdings teilweise über 2000 Jahre jünger als der zu ermittelnde „Urtext“ und kann daher Überlieferungsfehler enthalten. Atl. Textkritik versucht, durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Textversionen solche womöglich fehlerhaften Stellen zu berichtigen. Bisweilen sind dabei Textänderungen nötig, die überhaupt kein Fundament in den alten Textzeugen haben, sondern nur auf Vermutungen basieren. Das NT ist wesentlich besser überliefert: Eine Vielzahl älterer Manuskripte sind erhalten. Allerdings gibt es keinen Ausgangstext mit einem dem Masoretischen Text vergleichbaren Stellenwert. Die ntl. Textkritik wägt daher Textvarianten aus unterschiedlichen Texttraditionen gegeneinander ab, um zu beurteilen, welche Variante die ursprünglichere ist.: Der hebräische Text hat hier stehen: jir´at JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., die „Furcht vor JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.“. Wenn man es beibehielte, hätte diese Wendung sicher - wie meist - den Sinn von „die Ehrfurcht vor JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., die Verehrung JHWHs“. Hier fällt der Begriff aber deutlich aus der Reihe der sechs Begriffe heraus, in der die anderen fünf Begriffe stets für satzhafte Gebote und Anweisungen stehen; auch wäre es unter den sechs Phrasen die einzige, die als Genitivus objektivus statt Genitivus subjectivus konstruiert wäre (also nicht: „Die Furcht JHWHs“ i.S.v. „die Furcht, die JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. empfindet“, sondern „die Furcht vor JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.). Emendiere daher mit BHS, Briggs 1906Briggs, Charles A./Emilie G. Briggs: A Critical and Exegetical Commentary on the Book of Psalms; Vol. I. Edinburgh, 1906. online unter: http://goo.gl/HZWmGT, Herkenne 1936Herkenne, Heinrich: Das Buch der Psalmen. Bonn/Hanstein, 1936., Kraus 1961Kraus, Hans-Joachim: Psalmen. 1. Teilband. Neukirchen, 2 1961. und Wyatt 1995Wyatt, N.: The Liturgical Context of Psalm 19 and its Mythical and Ritual Origins, in: UF 27, 1995. S. 559-596. nach imrat JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., „das Wort JHWHs“ (wie z.B. in Ps 119,38).

Vielleicht noch sanfter: Der Buchstabe Mem von enajim („die Augen“) ist als Haplographie zu fassen (d.h., ein Schreiber hat es versehentlich nur einmal - nämlich am Ende von enajim - geschrieben statt zweimal, d.h. am Ende von enajim und am Anfang von jir´at); dann lies mir´at JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., „das Gebot JHWHs“ - so aber nur Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965., S. 123 und man müsste davon ausgehen, dass mir´at ein in der Bibel sonst unbelegter Aramäismus ist; besser daher doch die erste Alternative.

Exegeten, die an der Lesung jir´at („Furcht“) festhalten wollen, erklären es dann i.d.R. so, dass es tatsächlich „Verehrung JHWHs“ bedeute, dann aber nicht die subjektiv ausgeübte, sondern das objektive Gesamt von religiösen Regeln, und deshalb doch einigermaßen in die Reihe der anderen fünf Begriffe passe. Das ist schon eine sehr gezwungene Erklärung, vielleicht aber wirklich auch eine mögliche Deutung. (Zurück zu v.10)
ad rein (leuchtend) - Wortspiel im Hebräischen: Das hierige hebräische tahor hat in etwa den selben Bedeutungsumfang wie das hebräische bar („lauter, licht“) in V. 9b, wobei bar mehr die ethisch-moralische Reinheit, tahor mehr die kultische und die materielle Reinheit meint. Und ebenso wie bar kann auch tahor „hell, leuchtend“ meinen (s. Ex 24,10: „glänzend“; Hld 6,10: „hell“; möglicherweise auch Ex 31,8; Lev 24,4: „die hellen Leuchter“; so daher Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983., Eaton 1968Eaton, John: Some Questions of Philology and Exegesis in the Psalms, in: JTS 19/2, 1968. S. 603-609., Klouda 2000Klouda, Sheri L.: The Dialectical Interplay of Seeing and Hearing in Psalm 19 and Its Connection to Wisdom, in: BBR 10/2, 2000. S. 181-195. online unter: http://goo.gl/WlIkzN Wagner 1999Wagner, J. Ross: From the Heavens to the Heart: The Dynamics of Psalm 19 as Prayer, in: CBQ 61, 1999. S. 245-261.) und trägt so ebenso wie jenes zur Solarisierung der Gebote JHWHs bei. (Zurück zu v.10)
ae Wahrheit (wahr) - Subst. verwendet als Adj. (häufig im Heb.); übersetze: „wahr“. (Zurück zu v.10)
af Wörtlich: „11 Die Begehrenswerteren als Gold [...]. 12 Auch dein Sklave wird gewarnt durch sie.“ V. 11 ist offensichtlich kein vollständiger Satz; entweder ist also V. 11 zu V. 10 zu ziehen und so zu analysieren, dass der Artikel noch einmal das Substantiv „Rechtssätze“ aufgreift, woran sich dann ein unmarkierter Relativsatz anschließt (zur Konstruktion vgl. GKC §126b); also „Die Rechssätze JHWHs sind wahr und allesamt gerecht - sie, die begehrenswerter sind als...(so z.B. B-R„Die Schrift“, übersetzt von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Eine jüdische Übersetzung des Alten Testaments, die berühmt ist für ihre eigenwilligen Übersetzungsentscheidungen und ihren teilweise sehr gewagten Stil.; Baethgen 1892Baethgen, Friedrich: Die Psalmen. übersetzt und Erklärt. Göttingen, 1892.; Ehrlich 1905Ehrlich, Arnold B.: Die Psalmen. Neu uebersetzt und erklaert. Berlin, 1905.; ELBKurz für „Elberfelder Bibel“. Sehr genaue und wenig kommunikative Übersetzung; als Vollbibel erstmals 1871 erschienen.; FREE; Gunkel 1968Gunkel, Hermann: Die Psalmen. Übersetzt und erklärt. Göttingen, 5 1968.; König 1927König, Eduard: Die Psalmen. eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1927.; Kraus 1961Kraus, Hans-Joachim: Psalmen. 1. Teilband. Neukirchen, 2 1961.), oder man versteht Vv. 11f als Casus pendens-Konstruktion: Ein Nomen oder Pronomen - etwa hier: „Die Begehrenswerteren...“ wird von seiner syntaktischen „Stelle“ in einem Satz an den Anfang des Satzes verschoben und seine Stelle durch ein Pronomen - etwa hier: „durch sie“ - gefüllt (sehr schön erklärt z.B. von Harper 1886); also eigentlich „Auch dein Sklave wird belehrt durch die Begehrenswerteren als Gold...“. So m.W. nur Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953.; aber da sich das „durch sie“ in V. 12 sicher wieder auf V. 11 zurückbezieht, ist diese Auflösung vorzuziehen und V. 11 entgegen der Mehrheitsmeinung zu Vv. 12-15 zu ziehen, wohin ohnehin die dreimalige Wiederholung von „reichlich“ in Vv. 11-14 weist. Vielleicht weist dahin außerdem die Tatsache, dass im folgenden V. 13 direkt noch eine Casus pendens-Konstruktion folgt. (Zurück zu v.11 / zu v.12)
ag Honig des Honigs - Der Psalmist verwendet in Vv. 11cd drei verschiedene Wörter mit der Bedeutung „Honig“: „süßer als Honig 1, / ja, als Honig 2 des Honig 3´s“. Diese Konstruktion dient der Intensivierung der gesamten Aussage - ähnlich, wie im häufigen „der Himmel und der Himmel der Himmel“ (Dtn 10,14; 8,27; 2Chr 2,5; 6,18) nicht neben dem „gewöhnlichen Himmel“ noch zusätzlich von einem „Super-Himmel“ die Rede ist, sondern die Aussage noch einmal intensiviert werden soll („Der Himmel und der Himmel der Himmel können ihn nicht fassen“ = „Der Himmel kann ihn nicht fassen - nicht ansatzweise kann er das!“). Sinngemäß wäre daher vielleicht etwas wie: „süßer als Honig - ja, unendlich viel süßer!“ (Zurück zu v.11)
ah Oder adversativ: „sie, die begehrenswerter sind als Gold... / Obwohl dein Sklave durch sie gewarnt wird [und] in ihrer Befolgung reichlich großer Lohn liegt: ‚Wer bemerkt schon Verirrungen!?‘“; so aber nur Ehrlich 1905Ehrlich, Arnold B.: Die Psalmen. Neu uebersetzt und erklaert. Berlin, 1905. und Schökel 1980Schökel, Luis Alonso: Treinta Salmos: Poesia y Oracion. Madrid, 2 1980..
Oder: „sie, die begehrenswerter sind als Gold ... / Auch wird dein Knecht...“; so viele eng. Üss. (Zurück zu v.12)
ai dein Sklave ist in der Bibel und v.a. in der biblischen Poesie oft nur ein höflicher Ersatz für Personalpronomen und sollte ins Deutsche besser nicht wörtlich übersetzt werden (vgl. FN g zu Lk 1,48). Auch hier meint „dein Sklave“ sehr sicher nur „ich“ (ad loc. vgl. Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965., S. 124; Gunkel 1968Gunkel, Hermann: Die Psalmen. Übersetzt und erklärt. Göttingen, 5 1968., S. 80; König 1927König, Eduard: Die Psalmen. eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1927., S. 104). Hier kommt durch das „dein Sklave“ aber gleichzeitig zum Ausdruck, dass der Beter sich den Geboten JHWHs unterordnet; wenn diese Aussage in der LF bei einer Übertragung durch „ich“ nicht zum Ausdruck kommt, sollte man besser darauf verzichten und das „dein Sklave“ beibehalten. (Zurück zu v.12 / zu v.14)
aj gewarnt (erleuchtet) - Wortspiel im Hebräischen: Mit „gewarnt“ ist gemeint, dass der Beter sich vorsieht, JHWHs Gebote nicht zu übertreten, wohin dann auch noch kommt, dass ihm dann großer Lohn versprochen ist, wenn ihm die Einhaltung der Gebote gelingt. Das Verb zahar meint zugleich aber erleuchten, was wieder zur in den Anmerkungen genannten Solarisierung der Gebote JHWHs gehört; so auch Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983., Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965., Dahood 1982Dahood, Mitchell, S.J.: An Ebla Personal Name and the Metaphor in Psalm 19,11-12, in: Bib 63/2, 1982. S. 260-263., Eaton 1968Eaton, John: Some Questions of Philology and Exegesis in the Psalms, in: JTS 19/2, 1968. S. 603-609., Meinhold 1983Meinhold, Arndt: Überlegungen zur Theologie des 19. Psalms, in: ZThK 80/2, 1983. S. 119-136., Sarna 1965Sarna, Nahum N.: Psalm XIX and the Near Eastern Sun-God Literature, in: Proceedings of the World Congress of Jewish Studies 1, 1965. S. 171-175., Vos 2004Vos, Cas J.A.: Theopoetical and Liturgical Patterns of the Psalms with Reference to Psalm 19, in: Ders. / Dirk J. Human: Psalms and Liturgy. Sheffield, 2004., Wagner 1999Wagner, J. Ross: From the Heavens to the Heart: The Dynamics of Psalm 19 as Prayer, in: CBQ 61, 1999. S. 245-261.. (Zurück zu v.12)
ak Oder: Der StichoDer „Sticho“ oder das „Kolon“ ist die Grundeinheit biblischer Poesie; er entspricht in etwa dem „Vers“/der „Verszeile“ in der europäischen Lyrik. Der Sticho ist meist eine vollständige „Sinn-Einheit“ - z.B.: ein Haupt- oder Nebensatz - aus zwei bis fünf Worten, die zusammen mit weiteren „parallelen“ Stichen einen Parallelismus bildet. Zum Beispiel besteht Ps 1,1 aus drei parallelen Stichen, die daher zusammen ein „Tristichon“ bilden: „1. Wie glücklich ist der Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, / 2. der nicht den Pfad der Sünder betritt / 3. und nicht im Kreis der Spötter sitzt...“. Vgl. näher z.B. Weber 2007: Poesie, unter: http://goo.gl/jB8Crn ist der wörtliche Inhalt der Warnung: „Durch sie ... wird auch dein Sklave gewarnt: ‚In ihrer Befolgung liegt reichlich Lohn!‘“. (Zurück zu v.12)
al [Doch] - Der Zhg. von Vv. 12.13 ist sicher adversativ; das muss man in der LF wohl besser durch die Einfügung eines „Doch“ o.Ä. ausdrücklich machen. (Zurück zu v.13)
am Versehen (versehentliche Fehler) - Bedeutung unsicher (-> Hapax legomenonUns sind nicht sehr viele altgriechische und noch viel weniger althebräische Texte überliefert; häufig finden sich daher in der Bibel Begriffe, die im gesamten überlieferten altgriechischen / althebräischen Textkorpus nur ein Mal oder nur wenige Male verwendet werden. Die Bedeutung dieser Begriffe ist entsprechend unsicher. Einen Begriff, der nur einmal verwendet wird, nennt man „Hapax legomenon“; Begriffe, die nur zweimal oder dreimal verwendet werden, nennt man entsprechend „Dis legomenon“ und „Ter legomenon“.); vermutlich meint es in etwa das selbe wie das folgende „Verborgene (ungewollte Sünden)“; vgl. z.B. König 1927König, Eduard: Die Psalmen. eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1927., S. 104; Kittel 1914Kittel, Rudolf: Die Psalmen. Leipzig, 1914., S. 78; Wagner 1999Wagner, J. Ross: From the Heavens to the Heart: The Dynamics of Psalm 19 as Prayer, in: CBQ 61, 1999. S. 245-261., S. 258; Nel 2004Nel, Philip:Psalm 19: The Unbearable Lightness of Perfection, in: JNSL 30/1, 2004. S. 103-117., S. 113f. (Zurück zu v.13)
an Versehentliche Fehler - wer bemerkt sie - d.h. „Wer bemerkt versehentliche Fehler?“: Casus pendens-Konstruktion; s. FN af. Die Konstruktion soll eine stärkere EmphaseStilmittel: Ein Wort wird durch Intonation, Fokuspartikeln, Wortstellung u.Ä. besonders hervorgehoben; im Hebräischen auch durch Affigierung, s. „Lamed emphaticum“. Manchmal soll durch diese Hervorhebung signalisiert werden, dass das Wort hier auf eine bestimmte Weise zu verstehen ist, z.B. in „Nicht alle Soldaten sind Männer, aber alle Soldaten sind MÄNNER“ soll durch die Intonation signalisiert werden, dass das zweite „Männer“ nicht wortwörtlich, sondern metaphorisch i.S.v. „mannhaft, tapfer“ verstanden werden soll. Meist dient die Emphase aber nur der Verstärkung eines Teils der Äußerung oder der ganzen Äußerung, z.B. in „Du bist wun-der-schön“ soll „wun-der-schön“ stärker sein als „wunderschön“, oder „Geh jetzt endlich HEIM“ soll insgesamt stärker sein als „Geh jetzt endlich heim“. auf diese „versehentliche Fehler“ legen: Gegen bewusste Sünden kann man sich verwahren, indem man auf JHWHs Gebote achtet - versehentliche Fehler jedoch... (Zurück zu v.13)
ao Verborgenen (ungewollte Sünden) ist ein Begriff aus der israelitischen Rechtsterminologie; man bezeichnet damit Vergehen und Sünden, die ein Sünder unwissentlich begangen hat. Vgl. z.B. Lev 4-5. (Zurück zu v.13)
ap Mit dem Wort für Vermessenheit werden in der Bibel sonst stets Personen bezeichnet. Meist bezeichnet das Wort die „Gattung“ von Feinden des einzelnen Beters, die sich besonders durch anmaßende Wortsünden (s. bes. Spr 21,24; auch Jes 13,11; Jer 43,2; Mal 3,15 (vgl. V. 14)) und eine prinzipielle Missachtung der Gebote Gottes (Ps 119,21.85) auszeichnen - es sind die „Vermessenen, Anmaßenden“. Das in Üss. häufig zu findende „Übermütige“ ist wohl noch ein Relikt aus der Zeit, zu der „übermütig sein“ im Dt. noch „anmaßend sein“ bedeutete.

Viele Exegeten gehen aber davon aus, dass das Wort hier entgegen seinem gewöhnlichen Gebrauch nicht Menschen, sondern personifizierte Sünden meine (Barnes 1869Barnes, Albert: Notes, Critical, Explanatory, and Practical, on the Book of Psalms. Vol I. New York, 1869. online unter: http://goo.gl/tpdmTW, S. 175; Terrien 2003Terrien, Samuel: The Psalms. Strophic Structure and Theological Commentary. Grand Rapids, 2003., S. 206; Wagner 1999Wagner, J. Ross: From the Heavens to the Heart: The Dynamics of Psalm 19 as Prayer, in: CBQ 61, 1999. S. 245-261., S. 258: „presumptuous sins“, Deissler 1989Deissler, Alfons: Die Psalmen. Düsseldorf, 6 1989., S. 81: „Vermessenes“; Harrelson 1999Harrelson, Walter: Psalm 19: A Meditation on God's Glory in the Heavens and in God's Law, in: M. Patrick Graham u.a.: Worship and the Hebrew Bible. FS John T. Willis. Sheffield, 1999., S. 143: „proud thoughts“; König 1927König, Eduard: Die Psalmen. eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1927., S. 104: „Übermütigkeiten“), was dann speziell - im Gegensatz zu den unwillentlich begangenen Sünden in V. 14 - die willentlichen Sünden meinen soll (so z.B. Buttenwieser 1938Buttenwieser, Moses: The Psalms. Chronologically Treated with a New Translation. Chicago, 1938. online unter: http://goo.gl/bpgnjM, S. 853; Christensen 2005.19Christensen, Duane L.: Psalm 15:1-15. Translation, Logoprosodic Analysis, and Observations. 2005. online unter: http://goo.gl/gm8kAY, S. 2: „wilful sins“; Ehrlich 1905Ehrlich, Arnold B.: Die Psalmen. Neu uebersetzt und erklaert. Berlin, 1905., S. 40: „mutwillige Übertretungen“; fast alle eng. Üss.; wohl auch VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr.: „ab occultis meis ... et ab alienis“: „von meinen verborgenen und von anderen“).

Diese Deutung ist grammatisch auch unproblematisch und passt wirklich besser zum vorigen Vers; allerdings wohl weniger zum folgenden Teilvers; denn es ist doch fraglich, wie „anmaßende Taten“ über jemanden „herrschen“ sollen. Daher dann doch noch besser zu deuten als Abstraktplural: Der Psalmist kann sich nicht beherrschen (Spr 16,32), sondern wird beherrscht von „Anmaßung, Vermessenheit“ (vgl. HER05Kurz für „revidierte Herder Bibel“, einer Revision der Herderbibel von 2005 durch Johannes Franzkowiak. Stilistisch eher den „liturgischen Bibelübersetzungen“ zuzuordnen., NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie.: „Hochmut“; Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953., S. 85: „pride“) - der Bereitschaft und gar dem Willen zum willentlichen Übertreten der Gebote Gottes (sehr gut daher EEBEasy English Bible: „Stop your servant from wanting to sin“). (Zurück zu v.14)
aq Von ungewollten Sünden mache mich rein / Auch von Vermessenheit halte zurück deinen Sklaven - Wenn die Deutung von „Vermessenheit“ als Ausdruck von Gesinnungssünden richtig ist, sind die beiden Verse wohl ein hyperbatischer (-> HyperbatonRhetorische Figur: Gezieltes Abweichen von gewöhnlicher Wort- oder Satzteilfolge. S. z.B. Gen 2,5: „Noch wuchs kein wildes Steppengewächs auf der Erde und keine Feldfrucht auf dem Feld, denn der Gott JHWH hatte es noch nicht regnen lassen auf der Erde und es war kein Mensch da, der den Acker bestellte“ = „Noch wuchs kein wildes Steppengewächs auf der Erde, denn der Gott JHWH hatte es noch nicht regnen lassen auf der Erde. Auch keine Feldfrucht wuchs auf dem Feld, denn es war kein Mensch da, der den Acker bestellte.“) MerismusRhetorische Figur: Ein Oberbegriff wird durch zwei Unterbegriffe umschrieben. Besonders häufig: Ausdruck einer Gesamtheit durch zwei gegensätzliche Begriffe. Bsp.: Ex 10,9: „Mose sprach: Wir wollen ziehen mit Jung und Alt, mit Söhnen und Töchtern, mit Schafen und Rindern; denn wir haben ein Fest JHWHs.“ zu deuten: „Von Sünden - sowohl unwillentlichen Sünden als auch Gesinnungssünden - reinige mich (wenn ich sie schon begangen habe) und halte mich zurück (damit ich sie zukünftig nicht begehe).“ - Der Psalmist bittet um Beistand Gottes beim Streben nach vollkommener Sündenfreiheit; denn dann wird er in der Tat „vollkommen sein“. (Zurück zu v.14)
ar reichlich [großes] Vergehen - Bed. unsicher: Entweder ist mit Dahood 1982Dahood, Mitchell, S.J.: An Ebla Personal Name and the Metaphor in Psalm 19,11-12, in: Bib 63/2, 1982. S. 260-263., Moran 1959Moran, W. L.: The Scandal of the „great sin“ at Ugarit, in: JNES 18, 1959. S. 180f., Rabinowitz 1959Rabinowitz, Jacob J.: The Great Sin in Ancient Egyptian Mariage Contracts, in: JNES 18, 1959. S. 73. und Wagner 1999Wagner, J. Ross: From the Heavens to the Heart: The Dynamics of Psalm 19 as Prayer, in: CBQ 61, 1999. S. 245-261. davon auszugehen, dass der Dichter hier einen mit dem Ausruck „reichlich [große] Sünde“ (Gen 20,9; Ex 32,21.30f; 2Kön 7,21) verwandten Rechtsterminus aus dem ägyptischen und ugaritischen Raum verwendet, der speziell Götzenverehrung bezeichnet, oder der Psalmist nennt in Vv. 13.14ab.14cd nacheinander die „unwillentliche Sünden“, die „Gesinnungssünden“ und allgemein die „schweren Sünden“ als einzelne „Sündengattungen“, wobei die ersten beiden als Vorstufen der dritten gedacht sind und derart, dass sie unweigerlich zur dritten führen müssen: Steht Gott dem Beter dabei bei, selbst diese nicht zu begehen, wird er sich automatisch auch jener nicht schuldig machen.
Anm. d. Üs. (S.W.Sebastian Walter; http://goo.gl/WEo8mm): Im zweiten Fall wäre übrigens spannenderweise schon die Vorstellung der katholischen Sündenlehre vorweggenommen, dass erst dann eine schwere Sünde vorliege, wenn sie mit voller Kenntnis und aus böser Gesinnung begangen wird; vgl. z.B. KKK 1860: „Unverschuldete Unkenntnis kann die Verantwortung für ein schweres Vergehen vermindern, wenn nicht sogar aufheben. [...] Auch Triebimpulse [und] Leidenschaften [...] können die Freiheit und die Willentlichkeit eines Vergehens vermindern. Die Sünde aus Bosheit, aus überlegter Entscheidung für das Böse, wiegt am schwersten.“ (Zurück zu v.14)
as Es seien zum Wohlgefallen die Reden meines Mundes / und das Sinnen meines Herzens vor deinem Gesicht - HyperbatonRhetorische Figur: Gezieltes Abweichen von gewöhnlicher Wort- oder Satzteilfolge. S. z.B. Gen 2,5: „Noch wuchs kein wildes Steppengewächs auf der Erde und keine Feldfrucht auf dem Feld, denn der Gott JHWH hatte es noch nicht regnen lassen auf der Erde und es war kein Mensch da, der den Acker bestellte“ = „Noch wuchs kein wildes Steppengewächs auf der Erde, denn der Gott JHWH hatte es noch nicht regnen lassen auf der Erde. Auch keine Feldfrucht wuchs auf dem Feld, denn es war kein Mensch da, der den Acker bestellte.“; natürliche Wortfolge: „Es seien zum Wohlgefallen vor deinem Gesicht die Reden meines Mundes und das Sinnen meines Herzens“ (vgl. Ex 28,38). Das HyperbatonRhetorische Figur: Gezieltes Abweichen von gewöhnlicher Wort- oder Satzteilfolge. S. z.B. Gen 2,5: „Noch wuchs kein wildes Steppengewächs auf der Erde und keine Feldfrucht auf dem Feld, denn der Gott JHWH hatte es noch nicht regnen lassen auf der Erde und es war kein Mensch da, der den Acker bestellte“ = „Noch wuchs kein wildes Steppengewächs auf der Erde, denn der Gott JHWH hatte es noch nicht regnen lassen auf der Erde. Auch keine Feldfrucht wuchs auf dem Feld, denn es war kein Mensch da, der den Acker bestellte.“ dient hier nur dem Zweck, die beiden parallelen Phrasen „die Reden meines Mundes“ und „das Sinnen meines Herzens“ auf zwei Stichen verteilen zu können; die Ergänzung von „möge kommen“ o.Ä. im zweiten StichoDer „Sticho“ oder das „Kolon“ ist die Grundeinheit biblischer Poesie; er entspricht in etwa dem „Vers“/der „Verszeile“ in der europäischen Lyrik. Der Sticho ist meist eine vollständige „Sinn-Einheit“ - z.B.: ein Haupt- oder Nebensatz - aus zwei bis fünf Worten, die zusammen mit weiteren „parallelen“ Stichen einen Parallelismus bildet. Zum Beispiel besteht Ps 1,1 aus drei parallelen Stichen, die daher zusammen ein „Tristichon“ bilden: „1. Wie glücklich ist der Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, / 2. der nicht den Pfad der Sünder betritt / 3. und nicht im Kreis der Spötter sitzt...“. Vgl. näher z.B. Weber 2007: Poesie, unter: http://goo.gl/jB8Crn ist unnötig. Der Sinn ist: „Mein Reden und mein Denken sei dir wohlgefällig.“
V. 15 ist daher wohl auch weniger eine „abschließende Spendeformel“ (Meinhold 1983Meinhold, Arndt: Überlegungen zur Theologie des 19. Psalms, in: ZThK 80/2, 1983. S. 119-136., S. 133; ähnlich Bonkamp 1949Bonkamp, Bernhard: Die Psalmen. Nach dem hebräischen Grundtext. Freiburg i. Br, 1949., S. 117; Gerstenberger 1991Gerstenberger, Erhard S.: Psalms. Part 1. With an Introduction to Cultic Poetry. Grand Rapids, 1991., S. 100 Gese 1991Gese, Hartmut: Die Einheit von Psalm 19, in: Ders.: Alttestamentliche Studien. Tübingen, 1991., S. 145; Oesch 1985Oesch, Josef M.: Zur Übersetzung und Auslegung von Psalm 19, in: BN 26, 1985. S. 71-89., S. 84) zu werten, sondern wiederholt noch einmal die Bitte aus Vv. 13f: Der Psalmist bittet in Strophe 3 darum, auch über die äußerliche Gesetzestreue hinaus Gott wohlgefällig zu sein - in Gedanken, Worten und Werken; ganz und gar - und bittet dafür um Gottes Beistand. (Zurück zu v.15)
Ansichten
  • Seite
  • Diskussion
  • Quelltext anzeigen
  • Versionen/Autoren
Rubriken
Benutzeranmeldung
Drucken/exportieren