Genesis 1

Aus Die Offene Bibel

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Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett und kann weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.

Genesis 1/Persönliche Fassung (Aaron)

Lesefassung (Genesis 1)

1 Als Gott mit der Schöpfung von Himmel und Erde begann, 2 gab es die Erde noch gar nicht: Finsternis herrschte über dem Wasser und ein göttlicher Sturmwinda fegte über die Fluten.
3 Da sprach Gott: „Helligkeit soll entstehen!“ - und Helligkeit entstand.
4 Gott sah, dass die Helligkeit gut war.
Er teilte Helligkeit und Finsternis; die eine nannte er „Tag“ und die andere nannte er „Nacht.“
5 Es wurde Abend und es wurde Morgen: Ein „Tag“.


6 Dann sprach Gott: „Ein Schalenförmiges soll im Wasser entstehen und das Wasser teilen!“ - so geschah es auch. 7 Gott machte das Schalenförmige und teilte so das Wasser auf in das Wasser unterhalb des Schalenförmigen und das Wasser oberhalb des Schalenförmigen. 8 Gott nannte dieses Schalenförmige „Himmel“.
Es wurde Abend und es wurde Morgen: Ein zweiter Tag.


9 Dann sprach Gott: „Das Wasser soll sich an einem Ort sammeln und Trockenes freigeben!“ - so geschah es auch. 10 Gott nannte dieses Trockene „Erde“, das gesammelte Wasser dagegen nannte er „Meer“.
Gott sah, dass es gut war.
11 Und Gott sprach weiter: „Auf der Erde soll es grünen und blühen! Getreide soll wachsen, das Frucht trägt, und Bäume, die Früchte tragen!“ - so geschah es auch. 12 Die Erde grünte und blühte, und all die verschiedenen Arten von Getreide und Fruchtbäumen sprossten empor.
Gott sah, dass es gut war.
13Es wurde Abend und es wurde Morgen: Ein dritter Tag.


14 Dann sprach Gott: „Lichter sollen am Himmel entstehen, um den Tag von der Nacht zu unterscheiden! Sie sollen Zeitmesser sein für Festzeit und Weltzeit! 15 Und Lichter sollen sie sein, um über der Erde zu leuchten!“ - so geschah es auch. 16 Gott machte die beiden großen Lichter: Das größere machte er für den Tag, das kleinere für die Nacht; außerdem die Sterne. 17 Er setzte sie an den Himmel, damit sie über der Erde leuchteten 18 - das eine bei Tag, das andere bei Nacht - und so den Tag von der Nacht unterschieden.
Gott sah, dass es gut war.
19 Es wurde Abend und es wurde Morgen: Ein vierter Tag.


20 Dann sprach Gott: „Im Wasser sollen sich Schwärme von Lebewesen tümmeln und Vögel sollen am Himmel dahinfliegen!“ 21 Also schuf er die großen Meereslebewesen, das ganze Getümmel im Meer und all die verschiedenen Arten von Vögeln.
Gott sah, dass es gut war.
22 Er segnete sie mit den folgenden Worten: „Seid fruchtbar und vermehrt euch! Füllt das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich auf Erden vermehren!“
23 Es wurde Abend und es wurde Morgen: Ein fünfter Tag.


24 Dann sprach Gott: „Auch die Erde soll erfüllt sein von Lebewesen - von verschiedensten Arten von Vieh, Reptilien und wilden Tieren!“ - so geschah es auch. 25 Gott machte all die verschiedenen Arten von wilden Tieren, von Vieh und von Reptilien.
Gott sah, dass es gut war.
26 Und Gott sprach weiter: „Ich will einen mir ähnliche Stellvertreter auf Erden machen: Den Menschen! Er soll Herr sein über die Fische, die Vögel, das Vieh, die wilden Tiere und alle Reptilien!“


27 Gott schuf den Menschen als seinen Stellvertreter,

Als Stellvertreter Gottes schuf er ihn,
männlich und weiblich schuf er sie.


28 Er segnete sie mit den folgenden Worten: „Seid fruchtbar und vermehrt euch! Füllt die Erde! Unterwerft euch die Fische, die Vögel und alle Reptilien!“ 29 Und er fuhr fort: „Hiermit gebe ich euch alles fruchtbringende Getreide auf der ganzen Erde und alle Fruchtbäume! Sie sollen euch als Nahrung dienen. 30 Auch für alle wilden Tieren, alle Vögel und alle Reptilien - ja, für jedes Lebewesen - sollen die Pflanzen Nahrung sein!“ - so geschah es auch.
31 Gott sah, dass alles, was er gemacht hatte, sehr, sehr gut war.
Es wurde Abend und es wurde Morgen: Der sechste Tag.

Anmerkungen

a Die meisten Übersetzungen haben hier „Geist Gottes“. Dieser wird nach einer alten christlichen Tradition häufig mit dem Heiligen Geist identifiziert (so z.B. schon Basilius, Hexaemeron 2,6). Im Judentum folgt man dieser Deutung nicht. Auch im Bibeltext selbst ist keine Anspielung auf das christliche, dreieinige Gottesbild nachweisbar. Dies schließt natürlich nicht aus, dass Christen aus anderen Gründen den Sturm/Geist als „Heiliger Geist“ deuten können. (Zurück zu Lesefassung v.2)

Studienfassung (Genesis 1)

1 Als (nachdem, bevor) Gott begann (begonnen hatte)b, Himmel und Erde (die Himmel und die Erde, die Welt)c zu schaffen (teilen)d, 2 war die Erde (- die Erde war)e Null und Nichts (leer, sinnlos, zerstört?)f: (stattdessen) Dunkelheit [war] auf der Oberfläche (dem Gesicht) der Tiefe (Urtiefe, Wasser)g und ein Wind Gottes stürmte (der Atem Gottes wehte, ein starker Wind stürmte, der Geist Gottes schwebte)h über der Oberfläche (dem Gesicht) des Wassers (der Wasser).
3 Dai sprach Gott: Helligkeit (Licht)j soll (wird) entstehen (sein, werden)! Da entstand (war, wurde) Helligkeit (Licht).
4 Gott sah, dass die Helligkeit (das Licht) gut war.k
Dann trennte (teilte, unterschied) Gott {zwischen}l die Helligkeit (das Licht) {und} von (zwischen) der Finsternis (Dunkelheit). 5 Gott nannte (rief)m die Helligkeit (das Licht) „Tag“, die Finsternis (Dunkelheit) abern nannte (rief) er „Nacht“.
Es wurde (war) Abend und es wurde Morgen: Ein „Tag“ (der erste Tag)o.


6 Dann sprach Gott: Ein Schalenförmiges (Gewölbe, Firmament)p soll (wird) inmitten des Wassers entstehen (sein, werden) und es soll ein Trenner zwischen Wasser und Wasser sein (es soll Wasser von Wasser trennen). [So geschah (war) es (auch:)q]r. 7 Gott machte das Schalenförmige (Gewölbe, Firmament) und trennte (teilte, schied) [so] {zwischen}l das Wasser {welches} unterhalb des Schalenförmigen (Gewölbes, Firmaments) {und zwischen} [vom] Wasser {welches} über dem Schalenförmigen (Gewölbe, Firmament).s {So geschah (war) es.}r8 Gott nannte das Schalenförmige (Gewölbe, Firmament) „Himmel“.t
Es wurde (war) Abend und es wurde Morgen: Ein zweiter Tag.


9 Dann sprach Gott: Das Wasser (die Wasser) soll sich von unter dem Himmel [weg] an (zu … hin) einen Ort (Sammelplatz?)u sammeln (gesammelt werden)v und Trockenes (das Festland) soll zum Vorschein kommen (erscheinen, sich zeigen). So geschah (war) es. 10 Gott nannte (rief) das Trockene (das Festland) „Erde“ und den Ort des Wassers nannte (rief) er „Meer“.
Gott sah, dass [es] gut [war].
11 Weiterhin sprach Gott: Die Erde soll auf Erden Grünes grünen lassen:w Samen tragendes Getreide (Pflanzen)x und y verschiedenste Arten vonz Frucht tragenden Fruchtbäumen, {die} [deren Früchte] ihren Samen in sich haben. So geschah es. 12 Die Erde lies Grünes grünen: verschiedenste Arten von Samen tragendem Getreide und verschiedenste Arten von Frucht tragenden Fruchtbäumen, {die} [deren Früchte] ihren Samen in sich haben.
Gott sah, dass es gut war (ist).
13 Es wurde (war) Abend und es wurde Morgen: Ein dritter Tag.


14 Dann sprach Gott: Lichter sollen am Schalenförmigen (Gewölbe, Firmament) des Himmels (, das der Himmel ist)aa entstehen (sein), um (so dass) {zwischen} den Tag {und} von (zwischen) der Nacht zu trennen (teilen, scheiden). Sie sollen als Zeichen für (und als)ab Festzeiten (Jahreszeiten)ac und für (als) Tage und Jahre dienen (sein) 15 und sie sollen als Lichterad am Schalenförmigen (Gewölbe, Firmament) des Himmels (, das der Himmel ist)aa dienen (sein), um (so dass) über der Erde zu scheinen (leuchten). So geschah (war) es. 16 Gott machte die beiden großen Lichter: das größere (große)ae Licht zur Herrschaft (Beherrschung) über den Tag (am Tag)af und das kleinere Licht zur Herrschaft (Beherrschung) über die Nacht (zur Nacht)ag; auch die Sterneah. 17 Gott setzte (gab) sie an (in) das Schalenförmige (Gewölbe, Firmament) des Himmels (, das der Himmel ist)aa, damit (so dass) sie über der Erde schienen (leuchteten) 18 und damit (so dass) sie über den Tag und die Nacht herrschten und damit (so dass) sie {zwischen} die Helligkeit (das Licht) {und} von (zwischen) der Finsternis (Dunkelheit) trennten (teilten, schieden).
Gott sah, dass [es] gut [war]. 19 Es wurde (war) Abend und es wurde Morgen: Ein vierter Tag.


20 Dann sprach Gott: Das Wasser (die Wasser) soll schwärmen mit Schwärmen lebendiger Wesen (Seelen, Leben) und Vögel (fliegende Tiere)ai sollen über der Erde unter (an)aj dem Schalenförmigen (Gewölbe, Firmament) des Himmels (, das der Himmel ist)aa fliegen.ak21 Gott erschuf die großen Meereslebewesen (Seeungeheuer, Seeschlangen, das Seeungeheuer)al und all die verschiedenen Lebewesen, die im Wasser schwärmen (wimmeln) und all die verschiedenen geflügelten Tieream.
Gott sah, dass [es] gut [war]. 22 Und Gott segnete sie folgendermaßen (indem er sprach)an: „Seid fruchtbar und vermehrt euch (werdet zahlreich)ao und füllt das Wasser im Meer (in den Meeren), und die Vögel sollen sich über (auf, in) der Erde vermehren (zahlreich werden)!“ 23 Es wurde (war) Abend und es wurde Morgen: Ein fünfter Tag.


24 Dann sprach Gott: Die Erde soll verschiedenste Arten von Lebewesen hervorbringen: Verschiedenste Arten von Vieh, Reptilien (kriechende Tiere)ap und wilden Tierenaq (Tieren des Feldes).ar So geschah (war) es. 25 Gott machte verschiedenste Arten von wilden Tieren (Tieren des Feldes), verschiedenste Arten von Vieh und all die verschiedenen Arten von Reptilien (kriechenden Tiere). Gott sah, dass [es] gut [war]. 26 Weiterhin sprach Gott: Ich will (Wir wollen/werden, Lasst uns)as Menschen (die Menschheit, Adam)at als mir (uns) ähnlichesau Bildnis (Stellvertreter, Widerpart)av machen! (Damit)aw Sie sollen über die Fische {des Meers} und über die Vögel {des Himmels}ax und über das Vieh und über die ganze Erde (alle wilden Tiere)ay und über alle auf der Erde kriechenden Reptilien (kriechenden Tiere) herrschen (knechten).az

27 Gott schuf den Menschen alsba sein Bildnis (Widerpart, Stellvertreter),

als Gottes (göttliches) Bildnis (Widerpart, Stellvertreter) schuf er ihn,
männlich und weiblichbb schuf er sie.bc

28 Dann segnete Gott sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch (werdet zahlreich)bd; füllt die Erde, unterwerft sie und herrscht über (unterjocht, macht euch Untertan)be die Fische {des Meeres}, über die Vögel {des Himmels} und über alle Reptilien (alle Lebewesen, die auf der Erde kriechen)! 29 Weiterhin sprach Gott: Hiermit (siehe) gebe ich euchbf euch alles Samen tragende Getreidebg, das auf der Oberfläche (dem Gesicht) der ganzen Erde [ist], und alle Bäume, die in ihren Baumfrüchten (Früchten des Baums) Samen tragen (samen). Sie sollen (werden) euch als (zur) Nahrung dienen (gehören, sein).bh30 Auch allen wilden Tieren (Tieren des Feldes), allen Vögeln {des Himmels} und allen Reptilien (allen Tieren, die auf der Erde kriechen) [, allem]bi das in sich Lebensatem (lebenden Atem) hat (das lebt), [gebe ich (sollen sein)]bj alle Pflanzen (Getreide?)bk als Nahrung [sein (dienen)]. So geschah (war) es. 31 Gott betrachtete (sah), dassbl alles, was er gemacht hatte (machte), sehr gut war.
Es wurde (war) Abend und es wurde (war) Morgen: Der sechstebm Tag.


Anmerkungen

b Die Syntax von Gen 1,1-3 wird in der Exegese sehr heftig diskutiert. Eine Diskussion der verschiedenen Vorschläge würde den Raum einer FN sprengen; wir begnügen uns hier daher mit der Nennung der vier wichtigsten Übersetzungsvorschläge und verweisen für eine ausführliche Diskussion der einzelnen Positionen auf den Kommentar.

Vorgeschlagen wurden als Übersetzungsmöglichkeiten:

  1. „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ (die häufigste Übersetzung)
  2. „Am Anfang davon, dass Gott Himmel und Erde schuf...“, oder „deutscher“: „Als Gott begann, Himmel und Erde zu schaffen...“ (die zweithäufigste; unsere Deutung)
  3. „An jenem Anfang, an dem Gott die Welt schuf...“
  4. „In jener sehr frühen Zeit, in der Gott die Welt schuf...“
Für alles Weitere vgl. wie gesagt den Kommentar. (Zurück zu v.1)
c Der MerismusRhetorische Figur: Ein Oberbegriff wird durch zwei Unterbegriffe umschrieben. Besonders häufig: Ausdruck einer Gesamtheit durch zwei gegensätzliche Begriffe. Bsp.: Ex 10,9: „Mose sprach: Wir wollen ziehen mit Jung und Alt, mit Söhnen und Töchtern, mit Schafen und Rindern; denn wir haben ein Fest JHWHs.“ „Himmel und Erde“ ist im Hebräischen der Standard-Ausdruck für den Kosmos/das Universum; vgl. ad loc. Arbez/Weisengoff 1948Arbez, Edward P./John P. Weisengoff: Exegetical Notes on Genesis 1:1-2, in: CBQ 10. 1948. S. 140-150., S. 146; Halévy 1893aHalévy, Joseph: La Création et les Vicissitudes du premier homme, in: Revue sémitique d'épigraphie et d'histoire ancienne 1/1, 1893., S. 28; Sasson 1992Sasson, Jack M.: Time...to Begin, in: Michael Fishbane/Emanuel Tov: Sha´arei Talmon: Studies in the Bible, Qumran, and the Ancient Near East, presented to Shemaryahu Talmon. Winona Lake, 1992., S. 184; Scharbert 1990Scharbert, Josef: Genesis 1-11. Würzburg, 3 1990., S. 39; Soggin 1997Soggin, J. Alberto: Das Buch Genesis. Kommentar. Darmstadt, 1997., S. 23f.; Waltke 1975-6Waltke, Bruce K.: Creation account in Genesis 1:1-3, pt. 1-5, in: BS 132-133. 1975-6, S. 218; Wenham 1987Wenham, Gordon J.: Genesis 1-15. Dallas, 1987.; Westermann 1983Westermann, Claus: Genesis. Kapitel 1-11. Neukirchen-Vluyn, 3 1983., S. 140f. (Zurück zu v.1)
d Vom hebräischen Wort בָּרָא schaffen heißt es oft, dass es eine theologisch besonders bedeutsame Vokabel wäre: Weil stets JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. das Subjekt der בָּרָא-Tätigkeit sei und weil nie angegeben würde, dass etwas aus etwas anderem geschaffen würde, folgert man, dass das Wort ausschließlich der Schöpfertätigkeit Gottes vorbehalten sei.
Das ist wahrscheinlich nicht so. Erstens steht es auch im Qal nicht stets für eine Neuschöpfung, sondern auch für das Umarbeiten von etwas; vgl. z.B. Jes 43,15; 65,18 (so ad loc. auch NET; König 1919König, Eduard: Die Genesis. Eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1919., S. 132), zweitens heißt es nicht einmal überall schaffen, sondern bedeutete wohl ursprünglich „spalten, schneiden“ und hat diese Bedeutung auch zu biblischen Zeiten noch im Piel bewahrt. Einige Exegeten denken sogar, dass es diese Bedeutung auch zu biblischen Zeiten auch noch im Qal habe, unter anderem auch in Gen 1 - so z.B. Dantinne 1961Dantinne, É.: Création et séparation, in: Le Muséon 74. 1961. S. 441-51., van Wolde 2009van Wolde, Ellen: Why the Verb ברא Does Not Mean 'to Create' in Genesis 1.1-2.4a, in: JSOT 34/1. 2009. S. 3-23. und van Wolde-Rezetko 2011van Wolde, Ellen/Robert Rezetko: Semantics and the Semantics of ברא: A Rejoinder to the Arguments advanced by B. Becking and M. Korpel], in: JHS 11. 2011.. Doch ist das eine starke Minderheitenmeinung, daher sollte man in der LF doch mit „schaffen“ übersetzen. (Zurück zu v.1)
e Exegeten, die V. 1 nach der Variante 2 deuten (s. FN b), sind sich uneins darin, ob dieser Vers dann Vordersatz zu (1) V. 2 ist („Als Gott begann, die Welt zu schaffen, war die Erde...“) oder zu (2) V. 3 und V. 2 dann als „Parenthese“ zu deuten wäre („Als Gott begann, die Welt zu schaffen - die Erde war (damals?) ... - da sprach Gott...“).

Gegen Deutung (2) wurde gelegentlich ins Feld geführt, dass Parenthesen asyndetisch konstruiert würden, und da sich V. 2 mit der Konjunktion וְ und an V. 1 anschließe, könne es sich hier demzufolge gar nicht um eine Parenthese handeln - so zuerst Gross 1980Gross, Walter: Syntaktische Erscheinungen am Anfang althebräischer Erzählungen: Hintergrund und Vordergrund, in: Congress Volume Vienna 1980. Leiden, 1980., S. 142f.; mit ihm dann auch Rottzoll 1991Rottzoll, Dirk U.: Die Vorbedingungen für Gottes große „Auseinander-Schöpfung“. Eine vornehmlich syntaktische Untersuchung zum Prolog des priesterschriftlichen Schöpfungsberichts, in: BZ 35. 1991. S. 247-256. (allerdings skeptisch) und Winther-Nielsen 1992Winther-Nielsen, Nicolai: ''In the beginning'' of Biblical Hebrew discourse: Genesis 1:1 and the fronted time expression, in: Shin Ja J. Hwang/William R. Merrifield: Language in context: Essays for Robert Longacre. Texas, 1992.. Das ist nicht so; sogar Anakoluthe werden im Hebräischen häufig mit einer Konjunktion eingeführt (vgl. König 1900König, Eduard: Stilistik, Rhetorik, Poetik. in Bezug auf die biblische Litteratur komparativisch dargestellt. Leipzig, 1900., S. 126) und Rechenmacher 2002Rechenmacher, Hans: Gott und das Chaos. Ein Beitrag zum Verständnis von Gen 1,1-3, in: ZAW 114. 2002. S. 1-20., S. 27 gibt mit Dan 10,4-5 ein Gen 1,1-3 ganz ähnliches Beispiel. Sprachlich sind sowohl Möglichkeit (1) als auch Möglichkeit (2) möglich.

Dass wir uns hier für Möglichkeit (1) entschieden haben, liegt nur daran, dass Gen 1,1-2 dann mit der Konstruktion Protasis - Apodosis vielen anderen altorientalischen Schöpfungsmythen strukturell entsprechen würde (vgl. z.B. Waltke 1975-6Waltke, Bruce K.: Creation account in Genesis 1:1-3, pt. 1-5, in: BS 132-133. 1975-6, S. 227). (Zurück zu v.2)
f Bei der Deutung des Syntagmas תֹהוּ וָבֹהוּ sind drei Deutungen verbreitet:
  1. formlos/chaotisch und formlos/chaotisch
  2. formlos/chaotisch und leer/nichts
  3. leer/nichts und leer/nichts.

Für eine Analyse der Bedeutung muss man an תֹהוּ ansetzen, da בֹהוּ sich nur drei Mal (hier, Jes 34,11 und Jer 4,23) und nur im Zusammenhang mit תֹהוּ findet und seine EtymologieAls „Etymologie“ bezeichnet man die Wissenschaft von der Entstehung von Wörtern. Mehrere Sprachen einer „Sprachfamilie“ - z.B. Deutsch, Englisch, Niederländisch oder Hebräisch, Ugaritisch, Arabisch - gehen auf gemeinsame „Vorfahren“ zurück - in diesen Fällen Indogermanisch oder Protosemitisch. Stammt ein Wort X1 von einem „Wort-vorfahren“ x ab, nennt man dieses x das „Etymon“ von X1; die „Geschwister“ X2 und X3 von X1 in verwandten Sprachen, die vom selben Etymon abstammen, nennt man die „Kognate“ von X1. In der Bibelwissenschaft ist die Etymologie besonders deshalb hilfreich, weil ein Wort X1 oft in seiner Bedeutung mehr oder weniger mit den Bedeutungen seines Etymons x und seiner Kognate X2 und X3 übereinstimmt. Kennt man also nicht die genaue Bedeutung von X1, aber die Bedeutungen von X2 und X3, lassen sich über die Bedeutungen der Kognate Rückschlüsse auf die Bedeutung von X1 ziehen. unbekannt ist, so dass seine Bedeutung allein aus dem Kontext und von תֹהוּ abgeleitet werden muss. Für תֹהוּ allerdings ist die Bedeutung „formlos/chaotisch“ umstritten (und wird daher z.B. nur von 12 der 22 von uns gesichteten Lexika gelistet); auch prinzipiell spricht nichts für die Existenz dieser Bedeutung:
(1) Es passt nicht zu den anderen Wortbedeutungen (weshalb z.B. Fürst/Davidson es von der Bedeutung „zerstört“, KönKönig, Eduard: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig, 1922. von der Bedeutung „Wüste“ und SDBHDe Blois, Rainer: Semantic Dictionary of Biblical Hebrew. 2000-2013. von der Bedeutung „Nichtexistenz“ ableiten wollen);
(2) Keines der Kognate (->EtymologieAls „Etymologie“ bezeichnet man die Wissenschaft von der Entstehung von Wörtern. Mehrere Sprachen einer „Sprachfamilie“ - z.B. Deutsch, Englisch, Niederländisch oder Hebräisch, Ugaritisch, Arabisch - gehen auf gemeinsame „Vorfahren“ zurück - in diesen Fällen Indogermanisch oder Protosemitisch. Stammt ein Wort X1 von einem „Wort-vorfahren“ x ab, nennt man dieses x das „Etymon“ von X1; die „Geschwister“ X2 und X3 von X1 in verwandten Sprachen, die vom selben Etymon abstammen, nennt man die „Kognate“ von X1. In der Bibelwissenschaft ist die Etymologie besonders deshalb hilfreich, weil ein Wort X1 oft in seiner Bedeutung mehr oder weniger mit den Bedeutungen seines Etymons x und seiner Kognate X2 und X3 übereinstimmt. Kennt man also nicht die genaue Bedeutung von X1, aber die Bedeutungen von X2 und X3, lassen sich über die Bedeutungen der Kognate Rückschlüsse auf die Bedeutung von X1 ziehen.) legt die Bedeutung nahe (QH תּוֹהוּ Nichtigkeit, Nichts, Ödnis; MH תּוֹהוּ Erstarrung, Ödnis; ar. tîh Wüste; ug. thw Wüste);
(3) Die alten Übersetzungen deuten es anders (Ausnahme: LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen., die aber klar interpretativ übersetzt: „unsichtbar und ungeformt“. Dagegen aber VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr.: „leer und leer“; AqAquila's Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische; entstanden 125 n. Chr. Offenbar bewusst in Abgrenzung von der LXX als wörtlichere Übersetzung des MT konzipiert. Heute nur noch fragmentarisch erhalten in den von Field gesammelten Überresten der Hexapla des Origines.: „leer/nichts und nichts“; Th: „nichts und nichts“);
(4) Keiner der Kontexte, in denen sich תֹהוּ findet und gelegentlich als „formlos/chaotisch“ aufgefasst wird, legt diese Bedeutung nahe (Jes 24,10 meint es „leerer Raum“, vgl. Vv. 3.6.8f: V. 10 beschreibt keine chaotische Stadt, sondern eine Geisterstadt. In Jes 45,18 beschreibt es eine Stadt, die unbewohnt ist und nach der Zerstörung wiedererbaut werden muss - denkbar wäre hier die Bedeutung „zerstört“ oder wieder „leerer Raum“). Insbesondere nicht unsere Stelle: Dort wird die Schöpfung so vorgestellt, dass die Welt anfänglich aus Wasser besteht und dass Gott zunächst die Wasser in zwei Teile trennen muss, um einen Himmel schaffen zu können (V. 6-8) und dann das restliche Wasser verlagern muss, damit überhaupt trockenes Land (das Gott dann als „Erde“ benennt) sichtbar werden kann (V. 9-10). Vor Vers 9 gibt es also offenbar noch gar keine „Erde“. Das selbe Schöpfungsmodell findet sich auch in Ps 104, s. bes. Vv. 5-9, und es ist dieses Schöpfungsmodell im ganzen Alten Orient verbreitet - etwa in Babylon (s. das Enuma Elisch), in Ägypten (s. z.B. COS 1.2; COS 1.8; COS 1.9; COS 1.12) und in Phönizien (vgl. z.B. Schedl 1964Schedl, Claus: Psalm 8 in ugaritischer Sicht, in: FuF 38, 1964. S. 183-185., S. 249). Saadia paraphrasiert sogar unsere Stelle so: „Und die Erde war versunken im Meer und bedeckt von Wasser“.
Wenn also Gen 1,2 die Erde als noch gar nicht existent darstellt, legt sich von den oberen Optionen deutlich „nichts und nichts“ nahe; vgl. ebenso Galling 1950Galling, Kurt: Der Charakter der Chaosschilderung in Gen. i 2, in: ZThK 47. 1950. S. 145-157, S. 150: „in der Existenz einer Nicht-Existenz“; Rottzoll 1991Rottzoll, Dirk U.: Die Vorbedingungen für Gottes große „Auseinander-Schöpfung“. Eine vornehmlich syntaktische Untersuchung zum Prolog des priesterschriftlichen Schöpfungsberichts, in: BZ 35. 1991. S. 247-256., S. 254: „ein Nichts und Gar-Nichts“.
Machen wir schließlich noch die Gegenprobe und probieren diese Bedeutung in Jes 34,11 und Jer 4,23 aus, machen sie auch dort Sinn (vgl. zu beiden Stellen ähnlich Galling 1950Galling, Kurt: Der Charakter der Chaosschilderung in Gen. i 2, in: ZThK 47. 1950. S. 145-157):

  • Jes 34,11: „Nur noch Pelikan und Igel werden dort [=in Edom] wohnen; Eule und Rabe werden dort hausen! Die Messschnur des Nichts wird er darüber ausspannen und das Senkblei der Nichtigkeit. (vgl. V. 12: Kein Adeliger wird mehr da sein, den man zum Königtum berufen könnte; ihre Fürsten werden nicht mehr sein.)
  • Jer 4,23: „Ich blickte zur Erde - sie war nicht da! Ich blickte zum Himmel - da war kein Licht! (vgl. V. 25: Ich blickte mich um - kein Mensch war mehr da! Selbst die Vögel waren verschwunden!)“.
Die folgende Konjunktion וְ ist dann wohl zu deuten als „explikatives Waw“ oder als „Gegensätze verknüpfendes Waw“ (vgl. Lexikon / Lemma וְ. (Zurück zu v.2)
g In תְהוֹם wollen einige Exegeten mythische Überreste entdecken und es entsprechend der Chaos-/Meeresgöttin Tiamat interpretieren. Und tatsächlich wird es häufiger in Kontexten verwendet, die zumindest mythisierende Sprache verwenden, es kann aber auch einfach für große Wassermassen stehen (beides gilt übrigens genau so für das folgende מָיִם).
Da meist angenommen wird, der Verfasser von Gen 1 würde das ganze Kapitel hindurch Ent-mythisierungsstrategien anwenden, ist sehr wahrscheinlich auch hier eher Letzteres der Fall. (Zurück zu v.2)
h רוּחַ ließe sich sowohl lesen als „Geist“, „Hauch“ oder „Wind“; אֱלֹהִים kann entweder „Gottes“ heißen oder aber superlativische Bedeutung haben. Diese Vieldeutigkeit hat dazu geführt, dass jede der oben angeführten Übersetzungsmöglichkeiten mehrfach vertreten wurden.

Das stärkste Indiz für die richtige Deutung ist das Verb רָחַפ. Früher wurde es häufig mit „brütete“ oder „schwebte“ übersetzt. Aber ebenso wie verwandte syrische (racheph) und ugaritische Wörter (rchp) (-> EtymologieAls „Etymologie“ bezeichnet man die Wissenschaft von der Entstehung von Wörtern. Mehrere Sprachen einer „Sprachfamilie“ - z.B. Deutsch, Englisch, Niederländisch oder Hebräisch, Ugaritisch, Arabisch - gehen auf gemeinsame „Vorfahren“ zurück - in diesen Fällen Indogermanisch oder Protosemitisch. Stammt ein Wort X1 von einem „Wort-vorfahren“ x ab, nennt man dieses x das „Etymon“ von X1; die „Geschwister“ X2 und X3 von X1 in verwandten Sprachen, die vom selben Etymon abstammen, nennt man die „Kognate“ von X1. In der Bibelwissenschaft ist die Etymologie besonders deshalb hilfreich, weil ein Wort X1 oft in seiner Bedeutung mehr oder weniger mit den Bedeutungen seines Etymons x und seiner Kognate X2 und X3 übereinstimmt. Kennt man also nicht die genaue Bedeutung von X1, aber die Bedeutungen von X2 und X3, lassen sich über die Bedeutungen der Kognate Rückschlüsse auf die Bedeutung von X1 ziehen.) bezeichnet es wohl eigentlich eine schnelle Bewegung (vgl. Arbez/Weisengoff 1948Arbez, Edward P./John P. Weisengoff: Exegetical Notes on Genesis 1:1-2, in: CBQ 10. 1948. S. 140-150., S. 148; Cassuto 2005Cassuto, U.: A Commentary on the Book of Genesis. Part 1: From Adam to Noah. Genesis I-VI 8. Jerusalem, 2005., S. 25; Duchesne-Guillemin 1982Duchesne-Guillemin, Jacques: Genèse 1,2c, Ugarit et L´Égypte, in: Comptes rendus des séances de l´Académie des Inscriptions et Belles Lettres 126-3. 1982. S. 512-525., S. 513; Galling 1950Galling, Kurt: Der Charakter der Chaosschilderung in Gen. i 2, in: ZThK 47. 1950. S. 145-157, S. 153; Halévy 1893aHalévy, Joseph: La Création et les Vicissitudes du premier homme, in: Revue sémitique d'épigraphie et d'histoire ancienne 1/1, 1893., S. 28; König 1919König, Eduard: Die Genesis. Eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1919., S. 140; Speiser 1964Speiser, E. A.: Genesis. Introduction, Translation, and Noters. New York, 1964., S. 5). In Dtn 32,11 beschreibt es das „Flattern“ eines Adlers (vgl. dazu z.B. Rechenmacher 2002Rechenmacher, Hans: Gott und das Chaos. Ein Beitrag zum Verständnis von Gen 1,1-3, in: ZAW 114. 2002. S. 1-20., S. 13); in Jer 23,9 vermutlich das „Zittern“ der Knochen im Leib. Die Bedeutung „stürmen“ lässt sich mit diesem Wort vereinbaren (vgl. Beauchamp 1969Beauchamp, Paul: Création et Séparation. Étude exégétique du chapitre premier de la Genèse. Paris, 1969., S. 172-86; NET ad loc.; Rechenmacher 2002Rechenmacher, Hans: Gott und das Chaos. Ein Beitrag zum Verständnis von Gen 1,1-3, in: ZAW 114. 2002. S. 1-20., S. 14; Smith 1928Smith, J. M. Powis: The Syntax and Meaning of Genesis 1:1-3, in: AJSLL 44/2. 1928. S. 108-115., S. 113; Soggin 1997Soggin, J. Alberto: Das Buch Genesis. Kommentar. Darmstadt, 1997., S. 22); „wehen“ oder „schweben“ jedoch nicht - und das weist stark in Richtung „Wind, Sturm“.
Da weiterhin eine andere Bedeutung als „Gottes“ für אֱלֹהִים hier nicht sehr wahrscheinlich ist – bedenkt man, wie oft es sonst noch in Gen 1 in dieser Bedeutung steht – sollte man sich hier am ehesten für „Wind/Sturm Gottes“ entscheiden; so z.B. auch Bandstra 2008Bandstra, Barry: Genesis 1-11. A Handbook on the Hebrew Text. Waco, 2008.; Drouot et al. 2000Drouot, Sophie/Marie-Anne Lacome/Jean-Michel Poirier: Gn 1,1-2,4a. Proposition d'une traduction, in: Bulletin de littérature ecclésiastique 101-4. 2000. S. 367-382.; Good 2009Good, Edwin M.: Genesis 1-11. Tales of the Earliest World. A New Translation and Essays. Stanford, 2009.; Merlo 2008Merlo, Paolo: Alcune note sui primi versetti della Genesi e la ricezione nel prologo giovanneo, in: Nicola Ciola/Giuseppe Pulcinelli: Nuovo Testamento: Teologie in Dialogo Culturale. Scritti in onore di Romano Penna nel suo 70. compleanno. Bologna, 2008.; Wenham 1987Wenham, Gordon J.: Genesis 1-15. Dallas, 1987.; Westermann 1983Westermann, Claus: Genesis. Kapitel 1-11. Neukirchen-Vluyn, 3 1983..

In der christlichen Tradition wird oft „Gottes Geist“ im Sinne von „der Heilige Geist“ rezipiert. Dem hebräischen (und jüdischen) Text selbst ist diese christliche Perspektive nicht zu entnehmen. Diese Interpretationsfrage ist unabhängig von der Frage nach der Übersetzung mit „Wind“ oder „Geist“, denn einerseits wird ja auch das Wort „Geist“ im Judentum nicht-trinitarisch verstanden, andererseits wird in der christlichen Tradition der Heilige Geist als der „Hauch Gottes“ oft mit Wind bzw. Sturm in Verbindung gebracht und also könnte aus christlicher Perspektive auch der „Wind/Sturm Gottes“ als Ausdruck für den Heiligen Geist gelesen werden. (Zurück zu v.2)
i Mit der hebräischen Form Wayyiqtol setzt in Vers 3 zum ersten Mal die Handlung ein; Vv. 1-2 geben Hintergrundinformationen. In der LF sollte man das besser ausdrücklich machen, z.B. durch die Einfügung eines solchen „Da“. (Zurück zu v.3)
j Gen 1 wird u.a. beherrscht von folgendem Strukturprinzip: Gott ruft ein nur abstrakt bezeichnetes Etwas ins Sein, anschließend gibt er ihm einen Namen, unter dem es auch heute bekannt ist (etwa: „Helligkeit“ für „Tag“ und „Finsternis“ für „Nacht“; „etwas Schalenförmiges“ für „Himmel“, „etwas Trockenes“ für „Erde“ usw.; vgl. Good 2009Good, Edwin M.: Genesis 1-11. Tales of the Earliest World. A New Translation and Essays. Stanford, 2009., S. 12). In der Studienfassung haben wir versucht, dieses Muster stets ausdrücklich zu machen. (Zurück zu v.3)
k wörtlich: „Gott sah die Helligkeit, dass gut.“ Es ist dies (1) eine Casus Pendens-Konstruktion (vgl. z.B. König 1919König, Eduard: Die Genesis. Eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1919., S. 141f.; Meek 1938Meek, Theophile J.: Lapses of Old Testament Translators, in: JAOS 58/1. 1938. S. 122-129., S. 122), daher im Deutschen „Gott sah, dass die Helligkeit gut.“ und (2) ein verbloser Satz, bei dem man sich im Deutschen eine Kopula hinzudenken muss, daher im Deutschen: „Gott sah, dass die Helligkeit gut war“. (Zurück zu v.4)
l בֵּין „zwischen“ wird im Hebräischen doppelt gesetzt, während es im Deutschen nur einmal gesetzt wird. (Zurück zu v.4 / zu v.7)
m Zenger 1983Zenger, Erich: Gottes Bogen in den Wolken. Untersuchungen zu Komposition und Theologie der priesterschriftlichen Urgeschichte. Stuttgart, 1983., S. 55 übersetzt: „Gott berief das Licht als Tag.“, da wegen der Konstruktion קָרַא + לְ „streng genommen [... keine] Benennung im üblichen Sinn“ (S. 55) vorliege. Das ist nicht der Fall; קָרַא + לְ wird in der Bibel sogar recht häufig als „Benennungsformel im üblichen Sinn“ verwendet; vgl. z.B. Gen 16,14; 21,31; 31,47; Ex 33,7; Ri 18,12; 1Sam 23,28; Jes 58,12; 60,14; 61,3; 62,12 u.ö. (Zurück zu v.5)
n Struktur: Verb („Gott nannte“) - Nomen („die Helligkeit“) | Nomen („die Finsternis“) - Verb („nannte“). Für die Übersetzung irrelevante TopikalisierungsstrategieBegriff aus der funktionalen Grammatik. Satzglieder haben in den meisten Sprachen eine feste Position in Sätzen; z.B. in einem deutschen Aussagesatz ist die Satzgliedfolge SUBJEKT-PRÄDIKAT-OBJEKT: „Ich liebe dich“. Mit „Topikalisierung“ bezeichnet man das syntaktische Phänomen, dass ein Satzglied aus kommunikativ-pragmatischen Gründen von seiner angestammten Position im Satz an die Satzspitze verschoben wird; z.B. könnte man auf die Frage „Wen liebst du?“ antworten: „Dich liebe ich“.. (Zurück zu v.5)
o „Tag“ wird hier näher bestimmt durch die Zahl אֶחָד „eins“. Im Semitischen kann eine Aufzählungsreihe auch lauten: „Eins, zweitens, drittens...“, vgl. Speiser 1964Speiser, E. A.: Genesis. Introduction, Translation, and Noters. New York, 1964., S. 6; diese Regel kennen z.B. auch König 1919König, Eduard: Die Genesis. Eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1919. und Wenham 1987Wenham, Gordon J.: Genesis 1-15. Dallas, 1987.. Es ist aber gut möglich, dass diese Regel hier keine Anwendung findet und der Autor aus einem anderen Grund nicht das Ordnungszahlwort, sondern das Grundzahlwort verwendet: König 1919König, Eduard: Die Genesis. Eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1919., S. 143f.; Sasson 1992Sasson, Jack M.: Time...to Begin, in: Michael Fishbane/Emanuel Tov: Sha´arei Talmon: Studies in the Bible, Qumran, and the Ancient Near East, presented to Shemaryahu Talmon. Winona Lake, 1992., S. 191 und Steinmann 2002Steinmann, Andrew E.: אחד as an Ordinal Number and the Meaning of Genesis 1:5, in: JETS 45/4. 2002. S. 577-584., S. 583f. gehen davon aus, dass der Sinn dieser beiden Worte der ist, dass Gott nach der Definition des Unterschieds von „Tag“ und „Nacht“ gleich noch ineins damit eine „zeitliche Ordnung“ ins Sein setzt und deshalb als Grundeinheit der Zeit nun auch die zeitliche Größe „Tag“ definiert: Es muss einmal Abend werden und einmal Morgen werden, dann ist die Zeitspanne von „einem Tag“ vergangen (vgl. ähnlich Westermann 1983Westermann, Claus: Genesis. Kapitel 1-11. Neukirchen-Vluyn, 3 1983., S. 155). (Zurück zu v.5)
p Im hebräischen Weltbild ist der Himmel ein festes Gefüge mit metallenem Charakter, das die überirdischen Wasserfluten zurückhält. Vgl. z.B. Soggin 1997Soggin, J. Alberto: Das Buch Genesis. Kommentar. Darmstadt, 1997., S. 33: „Man stellte [sich den Himmel] vor wie einen metallenen Deckel in Form einer Halbkugel, als umgekehrte Kuppel oder als eine metallene Glocke, wie sie bei Unterwasserarbeiten gebraucht wird; darunter konnte sich der Kosmos in Sicherheit entfalten, indem [er] vor den chaotischen Gewässern schützte.“
Die Vulgata übersetzte „Himmel“ mit firmamentum „etwas fest Gefügtes“ - dem Etymon für unser „Firmament.“ Traditionell wird es übersetzt mit „Gewölbe“ oder eben „Firmament“, was zwar schön und sehr treffend ist, aber das in FN j beschriebene Textmuster verschleiert. Der hebräische Ausdruck ist in unserem Kontext gerade deshalb ungewöhnlich, weil ein Begriff „aus dem Bereich der Metallurgie“ (van Wolde 2009van Wolde, Ellen: Why the Verb ברא Does Not Mean 'to Create' in Genesis 1.1-2.4a, in: JSOT 34/1. 2009. S. 3-23., S. 9) auf den Himmel angewandt wird. Man sollte daher besser nicht mit einem geläufigen Begriff übersetzen. Die Übersetzung „schalenförmig“ stammt von Good 2009Good, Edwin M.: Genesis 1-11. Tales of the Earliest World. A New Translation and Essays. Stanford, 2009., S. 12. (Zurück zu v.6)
q Zenger 1983Zenger, Erich: Gottes Bogen in den Wolken. Untersuchungen zu Komposition und Theologie der priesterschriftlichen Urgeschichte. Stuttgart, 1983., S. 52f. will mit Steck das וַיְהִי־כֵן nicht lesen als Ausführungsformel, sondern als Überleitungsformel, die signalisiert, dass das von Gott Bestimmte im Folgenden in der Tat auch so geschieht; er will diese Funktion markieren durch eine Übersetzung mit „dementsprechend geschah es:...“. Zengers Ausführungen (S. 54-56) zeigen aber schon selbst, wie unwahrscheinlich das ist; nur an zwei der sieben Stellen lässt sich diese Interpretation problemlos durchhalten. (Zurück zu v.6)
r Textkritik: Die meisten Exegeten folgen LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. und verschieben das וַיְהִי־כֵן vom Ende von V. 7 ans Ende von V. 6, da es auch sonst unmittelbar auf den Schöpfungsbefehl folgt; vgl. z.B. Westermann 1983Westermann, Claus: Genesis. Kapitel 1-11. Neukirchen-Vluyn, 3 1983., S. 109. (Zurück zu v.6 / zu v.7)
s Wörtlich wohl als verbloser Satz zu interpretieren: „das Wasser, das unterhalb des Schalenförmigen [war/ist/sein würde] und das Wasser, das oberhalb des Schalenförmigen [war/ist/sein würde].“ (Zurück zu v.7)
t Textkritik: Die LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. ergänzt: „Gott sah, dass es gut war“. Die meisten Exegeten lehnen das ab, da die LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. in Gen 1 häufiger eine andere Textgestalt habe als M; im Falle von Vers 8 wird außerdem gern darauf hingewiesen, dass Gott seine Arbeit am Wasser ja am dritten Tag fortsetzt und folgerichtig erst dann gesagt werden könne, dass es gut sei (so schon BerR 4,6; auch Cassuto 2005Cassuto, U.: A Commentary on the Book of Genesis. Part 1: From Adam to Noah. Genesis I-VI 8. Jerusalem, 2005., S. 31; Soggin 1997Soggin, J. Alberto: Das Buch Genesis. Kommentar. Darmstadt, 1997., S. 34 u.a). Wenham 1987Wenham, Gordon J.: Genesis 1-15. Dallas, 1987. weist außerdem darauf hin, dass unter anderem das „Gott sah, dass es gut war“ genau sieben Mal im Text verwendet wird und dass dies wohl planvoll sei, da allgemein die Siebenzahl in der Struktur des Kapitels vorherrsche.
Man könnte nun argumentieren: Die Mehrzahl der Exegeten geht davon aus, dass die Strukturierung hin zur Siebentägigkeit erst zu einem recht späten Zeitpunkt der Textbearbeitung in den Text eingearbeitet wurde; man könnte deshalb davon ausgehen, dass die Version der LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. die ursprünglichere sei (und die LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. vielleicht sogar eine frühere Vorlage vorliegen hatte). Aber das würde dann nur auf einer textgeschichtlichen Spekulation basieren; deshalb sollte man auch hier besser Abstand von einer solchen Textänderung nehmen. (Zurück zu v.8)
u Textkritik: Die LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. übersetzt συναγωγη „Sammelplatz“; einige Exegeten (Albright, Dahood, Hummel, König, Schedl u.a.) wollen daher מַקוֹם „Ort“ umpunktieren zu מִקְוֶם und dies lesen als מִקְוֶה „Ansammlung, Sammelbecken“ + enklitisches Mem. Nötig ist das nicht; συναγωγη ist eine durchaus sinnvolle und auch nicht unwahrscheinliche Übersetzung für מַקוֹם „Ort“ (vgl. Wenham 1987Wenham, Gordon J.: Genesis 1-15. Dallas, 1987.). Cassuto wendet außerdem ein, dass bei מִקְוֶה die Spezifizierung אֶחָד „ein“ keinen Sinn ergebe; aber das ist wohl nicht der Fall; אֶחָד kann auch einfach als unbestimmter Artikel verwendet werden. Bedenkenswert ist der Gedanke durchaus, da er an der Stelle Sinn machen würde. Der MT gibt aber genau so Sinn, so dass man den Text doch besser beibehalten sollte.
Fenton 1984Fenton, T. L.: „One Place“, ''mâqôm ´echâd'', in Genesis I 9: Read ''miqwîm'', „Gatherings“, in: VT 34-4. 1984. S. 438-445. will sogar lesen: מִקְוִים „Sammelplätze“; das אֶחָד „ein“ dagegen will er als zu einer anderen hebräischen Version als der Übersetzungsvorlage der LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. gehörig streichen. Das ist zurückzuweisen. (Zurück zu v.9)
v Nifal kann theoretisch sowohl medial als auch passivisch gedeutet werden. Bandstra 2008Bandstra, Barry: Genesis 1-11. A Handbook on the Hebrew Text. Waco, 2008., S. 60 z.B. übersetzt passivisch und geht davon aus, dass Subjekt des „Sammelns“ das „divine council“ sei, das in V. 26 impliziert sein soll. Es ist dort aber sehr wahrscheinlich nicht die Rede von einem „divine council“ (s. dort), daher ist entschieden die mediale Deutung als die weniger problematische vorzuziehen. (Zurück zu v.9)
w Theoretisch ließe sich im MT auch ein Dreischritt lesen: „Die Erde soll grünen lassen: (1) Grünes, (2) Getreide und (3) Fruchtbäume“. Vermutlich ist aber דֶּשֶׁא Grünes als Oberbegriff von „Getreide“ und „Fruchtbäumen“ zu verstehen; vgl. z.B. Bandstra 2008Bandstra, Barry: Genesis 1-11. A Handbook on the Hebrew Text. Waco, 2008., S. 65; Cassuto 2005Cassuto, U.: A Commentary on the Book of Genesis. Part 1: From Adam to Noah. Genesis I-VI 8. Jerusalem, 2005., S. 40; Wenham 1987Wenham, Gordon J.: Genesis 1-15. Dallas, 1987.. (Zurück zu v.11)
x Meist allgemein übersetzt als „Pflanzen“ oder „Kraut“. Hier ist es aber näher bestimmt dadurch, dass es זֶרַע tragen soll. Dies steht in der Bibel sehr eindeutig für Samen und Saatgut. Entsprechend wird es sich wohl auch hier sehr sicher um eine Nutzpflanzen handeln: עֵשֶׂב מַזְרִיעַ זֶרַע ist das „Frucht bringende Getreide“; עֵץ פְּרִי sind (unbestritten) die Fruchtbäume - Gott lässt zu Schöpfungsbeginn ausschließlich „sinnvolle“ Pflanzen sprießen. (Zurück zu v.11)
y Textkritik: Ergänze mit Soggin 1997Soggin, J. Alberto: Das Buch Genesis. Kommentar. Darmstadt, 1997., S. 36; Westermann 1983Westermann, Claus: Genesis. Kapitel 1-11. Neukirchen-Vluyn, 3 1983., S. 110 vor עֵצ Bäume die Konjunktion וְ und (so auch viele Manuskripte), da sonst „Bäume“ in Apposition zu „Getreide“ stünde. (Zurück zu v.11)
z das i.d.R. mechanisch übersetzte „nach ihrer Art“ ist sehr wahrscheinlich adjektivisch als Ausdruck für „jeglicher Art“ bzw. „verschiedenste Arten von...“ zu verstehen; so zuletzt wieder Neville 2011Neville, Richard: Differentiation in Genesis 1: An Exegetical Creation ''ex nihilo'', in: JBL 130/2. 2011. S. 209-226., S. 216; ähnlich auch schon Driver 1905Driver, S. R.: The Book of Genesis. With Introduction and Notes. London, 4 1905., S. 9. Sehr gut übersetzt es Speiser 1964Speiser, E. A.: Genesis. Introduction, Translation, and Noters. New York, 1964. („various kinds“). (Zurück zu v.11)
aa wohl zu lesen als epexegetische Constructus-Verbindung (also „am Schalenförmigen, d.h. am Himmel“); übersetze in der LF besser schlicht „Himmel“. (Zurück zu v.14 / zu v.15 / zu v.17 / zu v.20)
ab wohl explikatives Waw; siehe nächste Fußnote. vgl. auch Cassuto 2005Cassuto, U.: A Commentary on the Book of Genesis. Part 1: From Adam to Noah. Genesis I-VI 8. Jerusalem, 2005., S. 44; Cole 2007Cole, H. Ross: Genesis 1:14: Translation Notes, in: AUSS 45-1. 2007. S. 63-67.; König 1919König, Eduard: Die Genesis. Eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1919., S. 149; Speiser 1964Speiser, E. A.: Genesis. Introduction, Translation, and Noters. New York, 1964., S. 6. (Zurück zu v.14)
ac מוֹעֲדִים ließe sich sowohl als Ausdruck für „Jahreszeiten“ als auch für „Festzeiten“ lesen. Die erste Lesart vertritt z.B. Soggin 1997Soggin, J. Alberto: Das Buch Genesis. Kommentar. Darmstadt, 1997.. Die Reihung „Jahreszeiten, Tage und Jahre“ ist aber merkwürdig „chaotisch“; aus diesem Grunde sollte man wohl eher die zweite Lesart wählen (vgl. dazu auch Rudolph 2003Rudolph, David: Festivals in Genesis 1:14, in: TB 54/2. 2003. S. 23-40., dessen Untersuchung ergibt, dass „the plural form of mô`êd means 'festivals' one hundred percent of the time in the Torah.“ (S. 40)) - die Planeten sind Zeichen sowohl für die kultische als auch die weltliche Zeitordnung („Tage und Jahre“ ist wohl ein stehender Ausdruck für eine unbestimmte Zeitspanne; vgl. noch 1Sam 29,3 und 4Q385, Frg. 3 („Ich messe die Zeit / und verkürze Tage und Jahre.“).
Möglich wäre außerdem, nicht zu lesen als „Zeichen für Festzeiten...“, sondern als „Sie sollen dienen als Zeichen, als Festzeiten, als...“; so z.B. Tigchelaar 2005Tigchelaar, Eiberg: 'Lights Serving as Signs for Festivals' in Enûma Elisch and Early Judaism, in: George H. van Kooten: The Creation of Heaven and Earth. Re-interpretations of Genesis 1 in the Context of Judaism, Ancient Philosophy, Christianity, and Modern Physics. Leiden, Boston, 2005.. Während aber einleuchtend ist, wie Planeten als „Zeichen“ dienen sollen (etwa als „Omen“), ist nicht ersichtlich, wie Planeten „als Jahreszeiten, Tage und Jahre“ dienen wollen; vorzuziehen ist daher wohl doch die traditionelle Übersetzungsweise (Zurück zu v.14)
ad Textkritik: Ehrlich 1908Ehrlich, Arnold B.: Randglossen zur Hebräischen Bibel. Textkritisches, Sprachliches und Sachliches. Bd 1: Genesis und Exodus. Leipzig, 1908. schlägt die Textkorrektur von למערת zu המערת vor; המערת müsste dann als Subjekt des Satzes gelesen werden („Die Lichter am Himmel sollen dazu dienen, über der Erde zu leuchten.“), da sonst „das, wozu das Subjekt werden soll [=Lichter] sich [...] von dessen vorläufiger Beschaffenheit [=Lichter] durch nichts unterscheide[n würde]; vgl. Saadja.“ Das ist ein sehr sinnvoller Vorschlag; allerdings weist Wenham 1987Wenham, Gordon J.: Genesis 1-15. Dallas, 1987. auf eine ähnliche Tautologie in Num 15,39 hin, so dass er wohl nicht nötig ist. (Zurück zu v.15)
ae W. „das große Licht“, aber Adjektive mit Artikel dient im Hebräischen u.a. auch zur Wiedergabe des Komparativs; vgl. ad loc. z.B. HKLKönig, Eduard: Historisch-Kritisches Lehrgebäude der Hebräischen Sprache. Frankfurt a.M, 1891-1897. III §308a. (Zurück zu v.16)
af Bandstra bezweifelt, dass „Tag“ und „Nacht“ Entitäten seien, die „beherrscht“ werden könnten und liest daher die Präpositionalphrase בַּיּוֹם so, dass sie „the range or domain over which rule is exercised“ (S. 79) angeben würden (also nicht „den Tag und die Nacht beherrschen“, sondern etwa: „bei Tag und bei Nacht herrschen“). Grammatisch ist das möglich; dann wäre aber zu fragen, wen Sonne und Mond denn dann beherrschen sollen, wenn nicht Tag und Nacht? Noch mehr, da vom Verfasser von Gen 1 häufiger gesagt wird, er wende „Entmythisierungsstrategien“ an - unter anderem, um Sonne und Mond, die bisweilen auch als Götter angesehen wurden, zu entmythisieren. Wenn das richtig ist, dann sollte gerade nicht zu erwarten sein, dass Sonne und Mond mehr zugestanden wird, als dass die eine bei Tag und der andere bei Nacht leuchten darf. (Zurück zu v.16)
ag siehe letzte Fußnote (Zurück zu v.16)
ah Oder: „das kleinere Licht und die Sterne zur Herrschaft über die Nacht“ (nach Driver 1885, S. 33: „Wenn hebräische Autoren einen Satz mit doppeltem Subjekt (oder Objekt) konstruieren, tun sie dies gewöhnlich - und sogar recht häufig -, indem sie den Satzteil, der eines der beiden Subjekte (oder Objekte) enthält, zu Ende führen und dann das zweite an diesen Satzteil anhängen.“ (meine Üs.))
Diese Beobachtung Drivers ist recht sicher richtig (ein deutliches Beispiel ist Num 16,18: „Jedermann nahm seine Räucherpfanne ...; ebenso Moses und Aaron“ = „Jeder - unter anderem auch Moses und Aaron - nahm seine Räucherpfanne...“). Es ist uns aber keine Übersetzung bekannt, die so übersetzt; für Gen 1,16 wäre das also eine Minderheitenmeinung. (Zurück zu v.16)
ai Schließt auch Insekten mit ein (DBL Hebrew 6416); Satzstruktur: Nomen - Verb; wohl wieder eine TopikalisierungsstrategieBegriff aus der funktionalen Grammatik. Satzglieder haben in den meisten Sprachen eine feste Position in Sätzen; z.B. in einem deutschen Aussagesatz ist die Satzgliedfolge SUBJEKT-PRÄDIKAT-OBJEKT: „Ich liebe dich“. Mit „Topikalisierung“ bezeichnet man das syntaktische Phänomen, dass ein Satzglied aus kommunikativ-pragmatischen Gründen von seiner angestammten Position im Satz an die Satzspitze verschoben wird; z.B. könnte man auf die Frage „Wen liebst du?“ antworten: „Dich liebe ich“. - Versteil 1 handelt von den „Schwärmen lebendiger Wesen“; von den „Vögeln“ dagegen handelt Versteil 2. (Zurück zu v.20)
aj Ein etwas eigentümlicher Ausdruck, w.: „Auf/Über/An der Erde, auf/über/an dem Schalenförmigen des Himmels“. Da der Himmel als feste Barriere gedacht ist, kann hier nur „zwischen dem Gewölbe und der Erde“ gemeint sein; übersetze daher „unter dem Himmel“. (Zurück zu v.20)
ak Textkritik: LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. ergänzt: „So geschah es“; ihr folgt z.B. Scharbert 1990Scharbert, Josef: Genesis 1-11. Würzburg, 3 1990., S. 40. Vergleiche aber dazu Fußnote t. (Zurück zu v.20)
al Mit den תַּנִּינִם werden sehr häufig mythische Meereswesen bezeichnet. BerR deutet sie auch hier als Behemoth und Leviathan, und es scheint tatsächlich so, dass v.a. תַּנִּינִם und Leviathan häufig synonym verwendet werden (der Plural wäre z.B. erklärbar als pluralis intensivus; „die Tanninim“ könnten dann übertragen werden etwa mit „das große Monster“ o.Ä. (vgl. z.B. Ember 1905Ember, Aaron: The Pluralis Intensivus in Hebrew, in: AJSLL 21-4. 1905. S. 195-231., S. 202)). Hier aber werden die תַּנִּינִם wohl entmythisiert: ebenso wie Sonne und Mond gehören auch sie zu Gottes Geschöpfen (vgl. Vogels 2011Vogels, Walter: „And God created the Great ''Tanninim''“, in: Science et Esprit 63/3. 2011. S. 349-365.). Man sollte תַּנִּינִם daher am Besten so unbestimmt übersetzen, wie das oben vorgeschlagen wurde. (Zurück zu v.21)
am so KBL3Koehler, Ludwig/Walter Baumgartner: Hebräisches und aramäisches Lexikon zum Alten Testament. Leiden, 1967-1990., S. 463 ad loc.; wörtlich „Vögel des Flügels“; wohl attributive Constructus-Verbindung. (Zurück zu v.21)
an das Hebräische leitet des Öfteren Zitate mit mehreren Verba dicendi ein; in einer Übersetzung ins Deutsche kann das zweite Verb dann ohne Bedeutungsverlust gestrichen werden. (Zurück zu v.22)
ao Wortspiel im Hebräischen: perû ûre. Möglicherweise als Hendiadyoin aufzufassen: „Seid höchst fruchtbar“ (so Wenham 1987Wenham, Gordon J.: Genesis 1-15. Dallas, 1987.). Das ließe sich sogar historisch erklären; im Alten Israel war offenbar die Ansicht verbreitet, dass „das Fischgeschlecht sehr geil ist“ (so Lewysohn 1858Lewysohn, Ludwig: Die Zoologie des Talmuds. Eine umfassende Darstellung d. rabbinischen Zoologie, unter steter Vergleichung d. Forschungen älterer u. neuerer Schriftsteller. Frankfurt a.M, 1858., S. 355, zum Talmud). (Zurück zu v.22)
ap Zur Übersetzung mit „Reptilien“ vgl. die übernächste Fußnote.
Im MT werden diese Reptilien in fünf verschiedenen Versen jeweils anders bezeichnet:
Vers Hebräisch Deutsch
V. 24 רֶמֶשׂ Reptilien
V. 25 כָּל-רֶמֶשׂ הָאֲדָמָה Alle Boden-Reptilien
V. 26 כָל-הָרֶמֶשׂ הָרֹמֵשׂ עַל-הָאָרֶץ Alle Reptilien, die auf der Erde kriechen
V. 28 כָל-חַיָּה הָרֹמֶשֶׂת עַל-הָאָרֶץ Alle Lebewesen, die auf der Erde kriechen
V. 30 כֹל רוֹמֵשׂ עַל-הָאָרֶץ Alles auf der Erde kriechende

Sinndifferenzierend scheint das nicht zu sein, und es ist uns auch noch keine Auslegung untergekommen, die auf diese Merkwürdigkeit überhaupt eingegangen wäre.
Westermann weist zumindest darauf hin, dass die Tierarten in V. 24 und V. 25 unterschiedlich und in unterschiedlicher Reihenfolge bezeichnet werden; er führt das aber darauf zurück, dass „der klassifizierende Zug, der sich durch Gn 1 hindurchzieht, den Schöpfungserzählungen ursprünglich fremd ist [... und] die hier genannten drei Arten der Landtiere nicht eine alte, fest geprägte und vorgegebene Gruppierung darstellen, sondern eher einen tastenden Versuch, die Fülle der Landtiere in Hauptarten zu gliedern.“ (S. 197). Aber mindestens das obige Phänomen scheint viel zu bewusst gestaltet, als dass diese Erklärung wirklich einleuchtend wäre; wahrscheinlich handelt es sich eher um eine stilistische Variation. Das selbe gilt wohl auch für die von Westermann genannte Reihenfolge der Nennung der Landtiere: (1) V. 24: Vieh - Reptilien - wilde Tiere; (2) V. 25: Wilde Tiere - Vieh - Reptilien; (3) V. 26: Vieh - wilde Tiere - Reptilien.

Das einfachste wird wohl sein, es in der Lesefassung jedes Mal schlicht mit „Reptilien“ zu übersetzen. (Zurück zu v.24)
aq Im MT ist an „Tiere“ ein „überflüssiges“ Waw angehängt, das wohl als (bedeutungsloses) paragogisches Waw aufzufassen ist; so z.B. Wenham 1987Wenham, Gordon J.: Genesis 1-15. Dallas, 1987.. (Zurück zu v.24)
ar Sg., da Kollektivnomen. So auch in den folgenden Versen. Zur „Gattung“ der bezeichneten Tiere vgl. Scharbert 1990Scharbert, Josef: Genesis 1-11. Würzburg, 3 1990., S. 44: „Von den verschiedenen Tiergattungen werden nur die für den Menschen wichtigsten und auffälligsten aufgezählt. Das mit „Vieh“ in der Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. wiedergegeben Wort bezeichnet in H nicht nur die Haustiere, sondern alle größeren Säugetiere; die „Tiere des Feldes“ sind im AT in der Regel das jagdbare Wild; die „Kriechtiere“ sind die Landreptilien.“ (Zurück zu v.24)
as Es gibt verschiedene Theorien, warum Gott hier im Plural spricht; die meisten werden gut von Clines 1968Clines, David J. A.: The Image of God in Man, in: TB 19. 1968. S. 54-103. wiederlegt. Eine gute Übersicht über die Positionen gibt Westermann 1983Westermann, Claus: Genesis. Kapitel 1-11. Neukirchen-Vluyn, 3 1983., S. 200f. Am meisten Anhänger hat heute wohl die Position, die im Plural einen plural deliberationis sieht (vergleichbar dem deutschen „Dann wollen wir mal X tun“ der Selbstermunterung; im Deutschen aber wahrscheinlich mehr der Umgangssprache zuzuordnen als im Hebräischen, daher keine gute Übersetzung. Übersetze: „Ich will“); vgl. Cassuto 2005Cassuto, U.: A Commentary on the Book of Genesis. Part 1: From Adam to Noah. Genesis I-VI 8. Jerusalem, 2005., S. 55; Clines 1968Clines, David J. A.: The Image of God in Man, in: TB 19. 1968. S. 54-103., S. 68 (mit Einschränkung); JMJoüon, Paul S.J./T. Muraoka: A Grammar of Biblical Hebrew. Rom, 1996. §114; Junker 1953Junker, Hubert: Genesis. Würzburg, 3 1953., S. 13; Koehler 1969Koehler, Ludwig: Die Grundstelle der Imago-Dei-Lehre, Genesis 1,26, in: Leo Scheffczyk: Der Mensch als Bild Gottes. Darmstadt, 1969., S. 9; König 1919König, Eduard: Die Genesis. Eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1919., S. 154f.; Scharbert 1990Scharbert, Josef: Genesis 1-11. Würzburg, 3 1990., S. 44; Westermann 1983Westermann, Claus: Genesis. Kapitel 1-11. Neukirchen-Vluyn, 3 1983., S. 201. Ähnlich schon BerR: „Nach R. Ami berieth sich Gott mit seinem Herzen.“ (Üs. nach Wünsche 1881, S. 31) (Zurück zu v.26)
at Das im Hebräischen häufige Wort für Mensch ist zugleich der Name des ersten Menschen Adam (אָדָם), hier wird es aber vermutlich nicht als Personenname, sondern als Gattungsbezeichnung verwendet, da im Folgevers mit Artikel auf das Wort Bezug genommen wird. אָדָם ist von dem Wort אֲדָמָה („Erdboden“) abgeleitet, das etwa in V. 25 verwendet wurde („Boden“). S.a. NET. (Zurück zu v.26)
au W. auf den ersten Blick: „als unsere Statue als unsere Ähnlichkeit“ (zu den Präpositionen vergleiche gut Clines 1968Clines, David J. A.: The Image of God in Man, in: TB 19. 1968. S. 54-103., S. 75f.; dass beide Präpositionen die selbe Bedeutung haben ist heute die Mehrheitsmeinung); meist wird das zweite Glied כִּדְמוּתֵנוּ „als unsere Ähnlichkeit“ so aufgefasst, dass es das erste Glied בְּצַלְמֵנוּ „als unsere Statue“ näher bestimmt; daher „uns ähnliches“ - vgl. Clines 1968Clines, David J. A.: The Image of God in Man, in: TB 19. 1968. S. 54-103., S. 70; Koehler 1969Koehler, Ludwig: Die Grundstelle der Imago-Dei-Lehre, Genesis 1,26, in: Leo Scheffczyk: Der Mensch als Bild Gottes. Darmstadt, 1969., S. 7f.; König 1919König, Eduard: Die Genesis. Eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1919., S. 156; Schellenberg 2011Schellenberg, Annette: Der Mensch, das Bild Gottes? Zum Gedanken einer Sonderstellung des Menschen im Alten Testament und in weiteren altorientalischen Quellen. Zürich, 2011., S. 82f.; Wenham 1987Wenham, Gordon J.: Genesis 1-15. Dallas, 1987.. (Zurück zu v.26)
av צֶּלֶם Bildnis wird in der Bibel v.a. dann verwendet, wenn von einer Statue nicht als bloßer Statue, sondern als wirkmächtiger Entität die Rede ist - v.a. im Zhg. mit Götzenbildern, die ein Götze sich als „Körper“ auserkoren hat. Entsprechend muss es dann wohl auch hier gedeutet werden; das Wort stellt den Menschen in eine Relation zu Gott: Der Mensch ist insofern צֶּלֶם Gottes, als Gott in ihm und durch ihn auf Erden wirkt (so z.B. auch Clines 1968Clines, David J. A.: The Image of God in Man, in: TB 19. 1968. S. 54-103., S. 88: „According to Genesis 1:26f. man is set on earth in order to be the representative there of the absent God who is nevertheless present by His image.“). So wird das Motiv dann ja auch im Neuen Testament aufgegriffen: Jesus ist „als Ebenbild des unsichtbaren Gottes die Erscheinung, die Sichtbarwerdung Gottes selbst.“ (Schlink 1969, S. 97). Gen 1 greift damit auf ein Motiv zurück, das man v.a. im Zhg. mit dem ägyptischen und babylonischen Königtum kennt: Dort ist es der König, der als „Bild Gottes“ auf Erden regieren soll. Die übliche Übersetzung mit „Bildnis“ macht das nicht klar; die am leichtesten verständliche Entsprechung dazu wäre wohl das alte „Stellvertreter Gottes“. Wenn darauf folgend auch noch betont wird, dass der Mensch nicht nur Stellvertreter Gottes, sondern sogar ein Gott ähnlicher Stellvertreter Gottes ist, stellt dies nur noch eine Steigerung der mit צֶּלֶם ausgedrückten, ohnehin schon engen Mensch-Gott-Relation dar.
Für andere Übersetzungs- und Deutungsweisen vgl. Westermann 1983Westermann, Claus: Genesis. Kapitel 1-11. Neukirchen-Vluyn, 3 1983., der dazu einen elfseitigen Überblick über die Forschungsgeschichte bringt. (Zurück zu v.26)
aw Ob das Herrschen Sinn und Inhalt der Gottesebenbildlichkeit ist oder ob es sich nur sozusagen nebenbei daraus ergibt ist in der Forschung umstritten; „... machen, damit sie herrschen“ oder „... machen. Sie sollen herrschen“ ist beides gleich wahrscheinlich. (Zurück zu v.26)
ax Die Kollokationen „Fische des Meeres“ und „Vögel des Himmels“ bezeichnen einfach nur „Fische“ und „Vögel“; „des Meeres/Himmels“ kann in der Übersetzung ausgespart werden (Zurück zu v.26)
ay Textkritik: „über die ganze Erde“ fügt sich hier recht schlecht in den Textzusammenhang; viele (z.B. Drouot et al. 2000Drouot, Sophie/Marie-Anne Lacome/Jean-Michel Poirier: Gn 1,1-2,4a. Proposition d'une traduction, in: Bulletin de littérature ecclésiastique 101-4. 2000. S. 367-382., S. 369; Speiser 1964Speiser, E. A.: Genesis. Introduction, Translation, and Noters. New York, 1964., S. 7 und Westermann 1983Westermann, Claus: Genesis. Kapitel 1-11. Neukirchen-Vluyn, 3 1983., S. 110) ergänzen daher הית, so dass der Text „Tiere des Feldes“ lauten würde. Alternativ könnte man deuten als Anakoluth und das Waw als Waw emphaticum lesen: „über die Fische, über die Vögel, über das Vieh - ja!, über die ganze Erde! - und über alle Reptilien, die auf der Erde kriechen.“ Von diesen beiden Möglichkeiten ist aber entschieden Variante 1 vorzuziehen. (Zurück zu v.26)
az Die genaue Bedeutung von רדה herrschen ist umstritten. Es scheint einige Kognate (->EtymologieAls „Etymologie“ bezeichnet man die Wissenschaft von der Entstehung von Wörtern. Mehrere Sprachen einer „Sprachfamilie“ - z.B. Deutsch, Englisch, Niederländisch oder Hebräisch, Ugaritisch, Arabisch - gehen auf gemeinsame „Vorfahren“ zurück - in diesen Fällen Indogermanisch oder Protosemitisch. Stammt ein Wort X1 von einem „Wort-vorfahren“ x ab, nennt man dieses x das „Etymon“ von X1; die „Geschwister“ X2 und X3 von X1 in verwandten Sprachen, die vom selben Etymon abstammen, nennt man die „Kognate“ von X1. In der Bibelwissenschaft ist die Etymologie besonders deshalb hilfreich, weil ein Wort X1 oft in seiner Bedeutung mehr oder weniger mit den Bedeutungen seines Etymons x und seiner Kognate X2 und X3 übereinstimmt. Kennt man also nicht die genaue Bedeutung von X1, aber die Bedeutungen von X2 und X3, lassen sich über die Bedeutungen der Kognate Rückschlüsse auf die Bedeutung von X1 ziehen.) mit der Bedeutung „gehen, treten“ zu haben; daraus wird häufig die Grundbedeutung „niedertreten“ => „gewaltsam beherrschen“ abgeleitet. Ingressiv hat es wohl die Bedeutung „unterjochen“ (s. z.B. Zorell 758); durativ listen die meisten Lexika schlicht „herrschen“ fügen dann aber hinzu, dass es auch dann den „Nebensinn des Unterdrückens“ (so z.B. KBL3Koehler, Ludwig/Walter Baumgartner: Hebräisches und aramäisches Lexikon zum Alten Testament. Leiden, 1967-1990., S. 1110) habe (vgl. ähnlich z.B. Alter 1996Alter, Robert: Genesis. Translation and Commentary. New York, 1996., S. 5; Westermann 1983Westermann, Claus: Genesis. Kapitel 1-11. Neukirchen-Vluyn, 3 1983., S. 222).

Einige Exegeten wollen demgegenüber רדה sogar eine besonders sanfte Art des Leitens bedeuten lassen, so z.B. Zenger 1983Zenger, Erich: Gottes Bogen in den Wolken. Untersuchungen zu Komposition und Theologie der priesterschriftlichen Urgeschichte. Stuttgart, 1983., S. 91: „Das Wort bezeichnet eigentlich das Umherziehen des Hirten mit seiner Herde, der seine Herde auf gute Weide führt, der die Tiere gegen alle Gefahren schützt, sie vor Raubtieren verteidigt und die schwachen Tiere seiner Herde gegen die starken schützt und dafür sorgt, daß auch sie genügend Wasser und Nahrung finden.“ Gegen eine solche „sanfte“ Interpretation wendet aber neuerdings wieder überzeugend Schellenberg 2011Schellenberg, Annette: Der Mensch, das Bild Gottes? Zum Gedanken einer Sonderstellung des Menschen im Alten Testament und in weiteren altorientalischen Quellen. Zürich, 2011. ein:

„Gegen eine zu friedliche Interpretation spricht vorab das im gleichen Kontext gebrauchte Verb כבש, das - trotz gegenteiliger Beteuerungen v.a. von Lohfink und Koch - klar gewalttätig konnotiert ist [...]. Im Deutschen trifft man die Konnotation all der verschiedenen Verwendungszusammenhänge von כבש wohl am besten mit der Übersetzung „unterwerfen.“ Dass hinter den Herrschaftsaussagen von 1,26.28 nicht ein besonders friedliches Bild des Mensch-Tier-Verhältnisses stehen kann, zeigt auch die Reihe der dabei genannten Tiere: Sie umschliesst neben dem Vieh auch die Fische, die Vögel, das Kriechgetier und die wilden Tiere, die der Mensch weder „hüten“ noch „domestizieren“ kann.“ (S. 54f.)
Vor diesem Hintergrund scheint uns die Bedeutung „knechten“ eigentlich wahrscheinlicher als das allgemeine „herrschens“. Dies noch mehr, da die Priesterschrift (zu der auch Gen 1 gehört) Gott darstellt als transzendenten und „absoluten Herrscher“ - sogar so sehr, dass er zwei Kapitel später sozusagen einfach mal die ganze Erde vernichten kann, weil ihm nicht passt, wie sie sich entwickelt hat. Wenn richtig ist, was wir eben zur Gottesebenbildlichkeit des Menschen geschrieben haben, legt sich רדה als ein Ausdruck einer absoluten (Gewalt-)Herrschaft gleich noch mal so nahe. Wir haben dennoch „herrschen“ als primäre Alternative angegeben, da diese Übersetzung am ehesten beiden Lagern gerecht werden kann. (Zurück zu v.26)
ba wie V. 26 recht sicher Beth essentiae (Zurück zu v.27)
bb Die beiden Termini zur Geschlechterdifferenzierung lassen sich auch auf Tiere anwenden; Scharbert 1990Scharbert, Josef: Genesis 1-11. Würzburg, 3 1990., S. 45 kommentiert daher, dass sie richtiger eigentlich mit „Männchen und Weibchen“ zu übersetzen wären. König 1919König, Eduard: Die Genesis. Eingeleitet, übersetzt und erklärt. Gütersloh, 1919., S. 159 wählt diese Übersetzung dann auch tatsächlich. Da dies aber sehr unnatürlich klänge, sollte man die beiden Substantive in der LF doch besser als Adjektive übertragen. (Zurück zu v.27)
bc zur Struktur des Minigedichts vgl. Andersen 1995Andersen, Francis I.: What Biblical Scholars Might Learn from Emily Dickinson, in: Jon Davies/Graham Harvey/Wilfred G. E. Watson: Words Remembered, Texts Renewed. Essays in Honour of John F.A. Sawyer. Sheffield, 1995., S. 60; Cassuto 2005Cassuto, U.: A Commentary on the Book of Genesis. Part 1: From Adam to Noah. Genesis I-VI 8. Jerusalem, 2005., S. 57; Polak 2002Polak, Frank H.: Poetic Style and parallelism in the creation account, in: Yair Hoffman/Henning Graf Reventlow: Creation in Jewish and Christian Tradition. Sheffield, 2002., S. 15; Kselman 1978Kselman, John S.: The Recovery of Poetic Fragments from the Pentateuchal Priestly Source, in: JBL 97-2. 1978. S. 161-173., S. 165f.
Kselman identifiziert noch weitere Minigedichte in Gen 1; Polak 2002Polak, Frank H.: Poetic Style and parallelism in the creation account, in: Yair Hoffman/Henning Graf Reventlow: Creation in Jewish and Christian Tradition. Sheffield, 2002. geht sogar davon aus, dass es sich beim gesamten ersten Kapitel der Genesis um Poesie handle. Bis auf den Fall von V. 27 gibt es aber nicht viele Exegeten, die ihnen da zustimmen würden; auch wir haben daher einzig Vers 27 als Gedicht formatiert. Sinnvoll wäre es aber in der Tat an mehreren Stellen. Z.B.:


V. 2:
[Als Gott begann, die Welt zu schaffen] -
Da war die Erde Null und Nichts, (4 Wörter)

und Finsternis war auf den Wasserfluten (3 Wörter)
und starker Sturm stürmt’ auf den Wassermassen (5 Wörter; deutlich parallel zu Colon 2)


V. 6:
Es sei ein Firmament in der Mitte des Wassers, (4 Worte)

Es sei Scheidewand von Wasser und Wasser! (5 Worte)


V. 14f:
Es seien Lichter an des Himmels Firmament (4 Wörter),

zu scheiden zwischen Tag und Nacht (5 Wörter),
zum Zeichendienst für Feste, Tage, Jahre! (5 Wörter)

Sie seien Lichter an des Himmels Firmament (4 Wörter)

um Licht zu geben auf der Erde! (3 Wörter).

Wenn man diesen Vers als Poesie bestimmen würde, würde das außerdem erklären, warum in V. 14 im letzten Colon „Zeichen“ genau so konstruiert ist wie „Feste, Tage, Jahre“, obwohl es einer anderen Funktion dient; außerdem würde es die Merkwürdigkeit erklären, warum V. 15 noch einmal genau so einsetzt wie V. 14.


V. 20:
Im Wasser sollen Schwärme von lebend’gen Wesen schwärmen (5 Wörter; eingebaut ist auch eine Figura etymologica)

Und Vögel sollen fliegen auf der Erde (4 Wörter; wieder eine Figura etymologica; dazu chiastisch zu Colon 1)
unter dem Angesicht des Firmaments des Himmels (4 Wörter)

Auch hier würde die Bestimmung als Poesie die merkwürdige Konstruktion „auf der Erde unter dem Himmel“ (beide Male konstruiert mit עַל erklären.


V. 22:
Seid fruchtbar und vermehrt euch (2 Wörter; perû ûre)

erfüllt des Meeres Wassermassen (3 Wörter; ûmileû (s.o.); hamajim bajamim)
die Vögel aber solln die Erd erfüllen! (3 Wörter; Chiastisch zu Colon 2) (Zurück zu v.27)
bd Wortspiel im Hebräischen: perû ûre. Möglicherweise als Hendiadyoin aufzufassen: „Seid höchst fruchtbar“ (so Wenham 1987Wenham, Gordon J.: Genesis 1-15. Dallas, 1987.) (Zurück zu v.28)
be Die Vokabel dient wohl ebenfalls (vgl. vgl. Fußnote ba) zum Ausdruck der Gewaltherrschaft. Hier ist das sogar noch wahrscheinlicher: רְדוּ „herrscht/unterjocht“ folgt direkt auf כִבְשֻׁהָ „unterwerft sie euch“. Zudem folgt direkt auf V. 28 V. 29: Die beiden Verse klären das Verhältnis des Menschen zu seiner Um- und Mitwelt. Die Pflanzen gibt Gott dem Menschen schon selbst (mit einem performativen Qatal: „Hiermit gebe ich euch“; s. dort) zu Eigen; Subjekt des Verbs ist Gott. Das Verhältnis von Mensch zu Welt und Tieren dagegen ist formuliert in Form eines Auftrags und Subjekt der Imperative ist der Mensch. Zudem - s. das obige Zitat Schellenbergs - ist Objekt der Imperative gerade nicht das „Vieh“, sondern die nicht domestizierbaren „Vögel, Fische und Reptilien“. Daher ist es sinnvoll, den Vers so zu verstehen, dass רְדוּ „herrscht/unterjocht“ ebenso wie כִבְשֻׁהָ „unterwerft“ und im Gegensatz zu נָתַתִּי „Ich gebe euch“ nicht durative, sondern terminative Bedeutung hat und man richtiger übersetzen muss mit „unterwerft euch die Erde und macht euch Fische, Vögel und alle Reptilien Untertan!“ - so auch gut BigS: „Füllt die Erde und bemächtigt euch ihrer. Zwingt nieder die Fische des Meeres“; Kirchentags-Übersetzung: „Füllt die Erde und bemächtigt euch ihrer. Bezwingt die Fische des Meeres...“; ähnlich auch Alter 1996Alter, Robert: Genesis. Translation and Commentary. New York, 1996. („hold sway“), Delitzsch 1887Delitzsch, Franz: Neuer Commentar über die Genesis. Leipzig, 1887. („bezwingt die Erde und unterwerft euch...“); Good 2009Good, Edwin M.: Genesis 1-11. Tales of the Earliest World. A New Translation and Essays. Stanford, 2009. („subdue“); Speiser 1964Speiser, E. A.: Genesis. Introduction, Translation, and Noters. New York, 1964. („subject“). (Zurück zu v.28)
bf Durch הִנֵּה siehe markiertes performatives Qatal (vgl. z.B. JMJoüon, Paul S.J./T. Muraoka: A Grammar of Biblical Hebrew. Rom, 1996. §112f; NicNiccacci, Alviero: The Syntax of the Verb in Classical Hebrew Prose. Sheffield, 1990. §67) zum Ausdruck eines Sprechakts; es wird damit ausgedrückt, dass mit dem Moment der Äußerung das Geäußerte bereits Realität wird (vergleichbar z.B. mit: „Hiermit erkläre ich euch zu Mann und Frau.“). Vgl. ad loc. auch Zenger 1983Zenger, Erich: Gottes Bogen in den Wolken. Untersuchungen zu Komposition und Theologie der priesterschriftlichen Urgeschichte. Stuttgart, 1983., S. 97. (Zurück zu v.29)
bg Zur Übersetzung „Getreide“ s. FN x (Zurück zu v.29)
bh Viele Exegeten halten für wahrscheinlich, dass in diesem Vers der Mensch als Vegetarier vorgestellt wird. Er wirkt auch tatsächlich so, allerdings hat Wenham 1987Wenham, Gordon J.: Genesis 1-15. Dallas, 1987. ihn auf bedenkenswerte Weise kommentiert:
„Genesis 1 verbietet nicht den Verzehr von Fleisch, und es ist gut möglich, dass der Verzehr von Fleisch schon seit der Zeit der Ursünde ins Auge gefasst ist. Der Herr stattete Adam mit Kleidung aus Fell aus (3,21). Abel hütete und opferte Schafe (4,2-4) und Noah unterschied zwischen reinen und unreinen Tieren (7,2). Gispen könnte daher recht damit haben, wenn er vorschlägt, dass 9,3 nicht die nach-ursündliche Praxis des Fleischverzehrs einführt, sondern bloß billigt.“ (unsere Übersetzung) (Zurück zu v.29)
bi Der Nebensatz „... das Lebensatem in sich hat (=das lebt)“ könnte sich sowohl nur auf die letzte Tiergruppe als auch auf alle drei Tiergruppen beziehen. Uns scheint letzteres wahrscheinlicher; in diesem Falle müsste man im Deutschen aber mit einem weiteren „allem“ neu einsetzen. (Zurück zu v.30)
bj Dieser Satz hat kein Verb; man muss daher aus dem vorangehenden Satz ein Verb als double duty-Prädikat ergänzen (->BrachylogieEin erwartetes Satzglied wird ausgespart, da es im direkten Umfeld der betreffenden Stelle schon einmal gesetzt wurde und daher aus dem Kontext erschlossen werden kann. Besagtes Satzglied tut dann „double duty“ an beiden Stellen. Zu unterscheiden ist die Brachylogie von der Ellipse, in der ein Satzglied ausgespart wird, ohne im direkten Umfeld schon einmal gesetzt zu sein.). Die absolute Mehrheit ergänzt „ich gebe euch“; Bandstra 2008Bandstra, Barry: Genesis 1-11. A Handbook on the Hebrew Text. Waco, 2008. schlägt aber vor: „sie sollen sein“ (=dienen). Das ist wahrscheinlich richtig: Vers 29 besteht aus zwei Sätzen: Im ersten gibt Gott dem Menschen die Pflanzen, im zweiten erklärt er, dass sie des Menschen Speise sein sollen. V. 30 steht parallel zum zweiten Satz und das letzte finite Verb ist nicht „ich gebe“, sondern „sie sollen sein“; zudem ist das folgende „So geschah es“ semantisch schwerlich kompatibel mit „Ich gebe ihnen die Pflanzen“ (Ehrlich 1908Ehrlich, Arnold B.: Randglossen zur Hebräischen Bibel. Textkritisches, Sprachliches und Sachliches. Bd 1: Genesis und Exodus. Leipzig, 1908., S. 6 kommentiert es daher sogar mit „ויהי כן [„so geschah es“] kann an dieser Stelle nur so verstanden werden, dass sich der Mensch und alle lebenden Wesen nach erhaltener Erlaubnis gleich über ihre Mahlzeit hermachen.“). Man sollte daher besser mit Bandstra „sie sollen sein“ ergänzen. Dem steht auch der folgende Objekt-Marker אֶת nicht im Wege, da אֶת nicht nur Objekte, sondern bisweilen auch Subjekte markieren kann (vgl. z.B. Rogland 2007Rogland, Max: Text and Temple in Haggai 2,5, in: ZAW 119/3. 2007. S. 410-415., S. 411; ähnlich z.B. auch schon HKL III §270a; Wilson 1890Wilson, Alfred M.: The Particle אֵת in Hebrew. II, in: Heb 6/3. 1890. S. 212-224., S. 221). Grammatisch möglich ist Bandstras Vorschlag allemal. (Zurück zu v.30)
bk Anders als in Vv. 11.29 ist עֵשֶׂב hier nicht durch מַזְרִיעַ זֶרַע näher bestimmt; man dürfte es daher hier anders als in den beiden obigen Versen als Oberbegriff für „Pflanzen“ und nicht als „Getreide“ verstehen müssen. (Zurück zu v.30)
bl Nach Verben des Wahrnehmens kann הִנֵּה wohl auch als emphatischer Relativpartikel dienen; vgl. KBL3Koehler, Ludwig/Walter Baumgartner: Hebräisches und aramäisches Lexikon zum Alten Testament. Leiden, 1967-1990., S. 242. S. auch Gen 19,28: „Er sah, dass Rauch aufstieg.“; 22,13: „Er sah, dass ein Widder sich mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen hatte.“; Ex 3,2: „Er sah, dass der Busch im Feuer brannte“ (LUTKurz für „Lutherbibel“. 1534 erstmals als Vollbibel erschienen. Zwar entgegen verbreitetem Urteil nicht die erste deutsche Bibelübersetzung, zweifellos aber die einflussreichste. Auch heute noch die verbreitetste deutsche Bibel überhaupt.) u.ö. Das Waw ist entweder als emphatisches Waw, als pleonastisches Waw oder als Satztrennungs-Waw zu interpretieren; s. Lexikon / Lemma וְ. Der Teilsatz ist damit Gen 1,4 parallel strukturiert:
Gen 1,4 Gen 1,31
וַיַּרְא אֱלֹהִים אֶת-הָאוֹר כִּי-טוֹב וַיַּרְא אֱלֹהִים אֶת-כָּל-אֲשֶׁר עָשָׂה וְהִנֵּה-טוֹב
Gott sah das Licht, dass es gut war. Gott sah alles, was er gemacht hatte, dass es gut war.
(Zurück zu v.31)
bm Für die Tage 2-5 werden zwar Ordnungszahlwörter verwendet; allerdings ohne Artikel. Ab Tag 6 dagegen wird auch noch der Artikel verwendet; vermutlich soll dies die Tage 6-7 besonders hervorheben. (Zurück zu v.31)
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