Psalm 13

Aus Die Offene Bibel

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Eine erste Übersetzung aus dem Urtext ist komplett und kann weiter verbessert und geprüft werden. Auf der Diskussionsseite ist Platz für Verbesserungsvorschläge, konstruktive Anmerkungen und zum Dokumentieren der Arbeit am Urtext.

Lesefassung (Psalm 13)

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Anmerkungen

Studienfassung (Psalm 13)

1 Für den den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden).a
Ein Psalm (begleitetes Lied) von (für, über, nach Art von) David.


2 Bis wann (wie lange) b, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., wirst (willst) du mich [so] gänzlich (für immer, fortwährend) c vergessen d?

Bis wann (Wie lange)b wirst (willst) du dein Gesicht vor mir verbergene?

3 Bis wann (Wie lange)b muss (werde) ich Pläne (Auflehnung?, Schmerzen?, Kummer?, Sorgen?) f in meine Seele g legen,

Wobei ([Bis wann (wie lange)] [wird sein/muss ich legen])h Kummer in meinem Herzen [ist] [sogar] am Tag (täglich?, den ganzen Tag?, Tag [und Nacht]? {am Tag}?)i?
Bis wann (Wie lange)b wird (darf) mein Feind (meine Feinde)j mir überlegen sein (über mich erhoben sein, über mich erhaben sein, über mich triumphieren)k?


4 Schau ([auf mich])!l, antworte mir, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.!m

Mein Gott, lass meine Augen leuchtenj,

Damit ich nicht zum Tod entschlafe (im Tod schlafe, tot schlafe, den [Schlaf des] Tod[es] schlafe)!n

5 Damit mein Feind (meine Feinde)j nicht sagen kann: „Ich habe ihn übermocht (Ich habe ihn ausgetilgt?, Ich habe es geschafft?)o!“


Mögen auch meine Bedränger jubeln (Meine Bedränger jubeln)m, weil (wenn, dass) ich wanke (wanken werde)p -

6 vertraue ich dagegen (Ich dagegen vertraue)q auf deine Gnade (Güte):

Mein Herz (Ich)r soll [dereinst] jubelnq über deine Hilfe,

Ich will JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. (dich)s [dereinst] besingenq: {denn} (denn, ja!, sobald) „Er hat (Du hast)s an mir [Gutes] getanq!“

Anmerkungen

a Genaue Bedeutung unklar. Die gewählte Übersetzung ist mehr oder weniger Konvention, obwohl es nicht an alternativen Übersetzungsvorschlägen mangelt. (Zurück zu v.1)
b Bis wann (wie lange) - Einige Exegeten denken, dass mit „bis wann“ eingeleitete rhetorische Fragen sich in der Bibel besonders in „vorwurfsvoller Rede“ fänden und daher als eine ungeduldigere Variante zum üblichen „Wie lange noch“ aufzufassen sei (so z.B. Gerstenberger 1991Gerstenberger, Erhard S.: Psalms. Part 1. With an Introduction to Cultic Poetry. Grand Rapids, 1991., S. 84; Herkenne 1936Herkenne, Heinrich: Das Buch der Psalmen. Bonn/Hanstein, 1936., S. 75f.; Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987., S. 75). Auf einige Stellen mag das auch passen, aber vgl. zum vorwurfsvollen „Bis wann“ vs. „Wie lange“ z.B. Jos 18,3; Ijob 18,2 vs. Ps 82,2; 94,8 und zum wohl eher „vorwurfslosen“ und unserem Vers ähnlicheren „Bis wann“ vs. „Wie lange“ z.B. Jer 47,6; Hab 1,2 vs. Ps 6,4; 74,10; 80,5; 90,13; 94,3 - „Bis wann“ und „Wie lange“ sind daher wohl doch eher schlicht gleichbedeutende Ausdrucksvarianten, die beide sowohl vorwurfsvollen als auch vorwurfslosen Unterton haben können. (zu v.2 / zu v.3)
c [so] gänzlich (für immer, fortwährend) - Deutung umstritten; s. die Anmerkung zum Text a. Nach unserem Verständnis hat das Wort superlativische Funktion und soll das „vergessen“ noch zusätzlich steigern; vgl. bes. Ehrlich 1905Ehrlich, Arnold B.: Die Psalmen. Neu uebersetzt und erklaert. Berlin, 1905., S. 25; Thomas 1956Thomas, D. Winton: The Use of נַצַח as a Superlatie in Hebrew, in: JSS 1, 1956. S. 106-109.; so auch ALBLudwig Albrechts Übersetzung des NTs und der Psalmen von 1920/1927. Eine wörtliche, aber flüssig zu lesende Übertragung.; Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern.; H-RKurz für „Henne-Rösch - Bibel“. Zusammenführung der AT-Übersetzung von Henne und Gräff und der NT-Übersetzung durch Rösch um 1935. Auch bekannt als „Paderborner Bibel“. Recht gutes Gleichgewicht von „wörtlich“ und „verständlich“.; HER05Kurz für „revidierte Herder Bibel“, einer Revision der Herderbibel von 2005 durch Johannes Franzkowiak. Stilistisch eher den „liturgischen Bibelübersetzungen“ zuzuordnen.; Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953., S. 52; LUTKurz für „Lutherbibel“. 1534 erstmals als Vollbibel erschienen. Zwar entgegen verbreitetem Urteil nicht die erste deutsche Bibelübersetzung, zweifellos aber die einflussreichste. Auch heute noch die verbreitetste deutsche Bibel überhaupt.; MENKurz für „Menge Bibel“; entstanden zwischen 1900 und 1922. Dennoch auch heute noch gut lesbar und recht häufig empfohlen als Muster einer Übersetzung, der es gelingt, philologisch genau und dennoch kommunikativ zu übersetzen. Sprachlich merkt man ihr Alter allerdings deutlich.; NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie.; Nötscher 1959Nötscher, Friedrich: Die Psalmen. Würzburg, 4 1959., S. 34; SLTKurz für „Schlachter“; gemeint ist damit die Revision von 1995-2004 der erstmals 1905 erschienenen Bibelübersetzung von Franz Eugen Schlachter. Die Schlachter-Bibel ist recht urtexttreu; Schlachter verstand es aber, dieses genaue Übersetzen mit einem herrlichen kräftig-würzigen Stil zu verbinden, so dass sich am Ende dennoch eine gut lesbare Bibel ergab.; STADDie freie jüdische Psalmenübersetzung von Alisa Stadler, der „jüdischen Psalmsängerin unserer Tage“. Eher für Psalmenliebhaber und als Inspiration für die Übertragung der LF interessant als für Exegese und Übersetzungsvergleich; noch mehr aber für Bibliophile: Ein ganz wundervoll gestaltetes Buch.; TURjüdische Übersetzung des ATs von 1935-59 durch Naftali Herz Tur-Sinai. Philologisch genaue Übersetzung eines großen Exegeten in eigenwilligem und kräftigem Sprachduktus.; van Ess; Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987., S. 73; ZÜRKurz für „Zürcher Bibel“. Zurückgehend auf die Übersetzung Zwinglis, wurde sie erstmals 1907-1931 erneut übersetzt. Seit 2007 liegt sie in neuer Revision vor. Ihr Ziel ist die Verbindung von philologischer Genauigkeit und „geschmeidiger, gehobener Sprache“ - und das macht sie so gut, dass viele Exegeten sie als Referenzübersetzung in Aufsätzen und Kommentaren benutzen.. (Zurück zu v.2)
d vergessen ist nicht wörtlich zu verstehen - als hätte Gott ein schlechtes Gedächtnis. Ähnlich, wie die Rede davon, dass Israel Gott oder seine Gebote „vergisst“, fast stets meint, dass es sich von Gott und seinen Geboten abgewandt hat, meint auch die Rede von Gottes „Vergessen“ ein aktives sich-Abwenden Gottes (s. noch 1Sam 1,11; Ps 10,12; 42,10; 44,25; Jes 49,14; Klg 5,20): Gott entzieht jenem, den er „vergisst“, seine Huld und lässt so zu (vielleicht sogar: sorgt dafür), dass ihm Schlimmes zustößt; vgl. gut Janowski 2001Janowski, Bernd: Das verborgene Angesicht Gottes. Psalm 13 als Muster eines Klagelieds des einzelnen, in: JBTh 16, 2001. S. 25-53., S. 27f; Wöhrle 2011Wöhrle, Jakob: Der verborgene und der rettende Gott. Exegetische und religionsgeschichtliche Überlegungen zur Theologie der Klagepsalmen, in: BZ 55/2, 2011. S. 224-241., S. 228.230. (Zurück zu v.2)
e dein Gesicht vor mir verbergen - Die Rede davon, dass Gott „sein Angesicht vor jemandem verbirgt“, hat exakt die selbe Bedeutung wie die, dass er jemanden „vergisst“ (s. vorige FN): Gott verbirgt sein Gesicht vor jemandem = Gott schaut jemanden nicht mehr gnädig an (und lässt so zu, dass Unheil über ihn hereinbricht); vgl. FN u zu Ps 30,8; ad loc. gut auch Kraus 1961Kraus, Hans-Joachim: Psalmen. 1. Teilband. Neukirchen, 2 1961., S. 100; Nötscher 1959Nötscher, Friedrich: Die Psalmen. Würzburg, 4 1959., S. 34f; Prinsloo 2013Prinsloo, Gert T.M.: Suffering Bodies - Divine Absence: Towards a Spatial Reading of Ancient Near Eastern Laments with Reference to Psalm 13 and An Assyrian Elegy, in: OTE 26/3, 2013. S. 772-803. online unter: http://goo.gl/hD2gtD, S. 793. (Zurück zu v.2)
f Pläne (Auflehnung?, Schmerzen?, Kummer?, Sorgen?) - Bedeutung umstritten; vgl. Anmerkung zum Text b. Am Besten ist der StichoDer „Sticho“ oder das „Kolon“ ist die Grundeinheit biblischer Poesie; er entspricht in etwa dem „Vers“/der „Verszeile“ in der europäischen Lyrik. Der Sticho ist meist eine vollständige „Sinn-Einheit“ - z.B.: ein Haupt- oder Nebensatz - aus zwei bis fünf Worten, die zusammen mit weiteren „parallelen“ Stichen einen Parallelismus bildet. Zum Beispiel besteht Ps 1,1 aus drei parallelen Stichen, die daher zusammen ein „Tristichon“ bilden: „1. Wie glücklich ist der Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, / 2. der nicht den Pfad der Sünder betritt / 3. und nicht im Kreis der Spötter sitzt...“. Vgl. näher z.B. Weber 2007: Poesie, unter: http://goo.gl/jB8Crn nach der alten Erklärung von Baethgen 1892Baethgen, Friedrich: Die Psalmen. übersetzt und Erklärt. Göttingen, 1892., S. 34 zu verstehen, „der Sänger mach[e] sich Pläne, wie er den Gefahren[, die in V. 3c genannt werden,] entrinne.“
Gelegentlich wurde eingewandt, dass „Pläne“ nicht zu nefesch (hier traditionell - und ungenau - übersetzt mit: „Seele“) passen würde, weil nefesch nicht den Verstand des Menschen, sondern seine Emotionen bezeichne (zu nefesch als Sitz der Emotionen vgl. z.B. Wolff 1973Wolff, Hans Walter: Anthropologie des Alten Testaments. München, 1973., S. 33). Das greift nicht: Wenn - was in der Tat richtig ist - nefesch den Menschen in seinem Streben und Sehnen beschreibt, heißt das ja nur, dass „Wie lange muss ich noch Pläne in meine nefesch legen?“ nicht nach dem rationalen Überdenken möglicher Auswege aus der Notsituation fragt, sondern nach dem Streben nach einem solchen Ausweg; sinngemäß also: „Wie lange muss ich mich noch nach einem Ausweg sehnen?“ Recht gut daher R-SKurz für „Rießler-Storr“, die Zusammenführung der AT-Übersetzung von Paul Rießler und der NT-Übersetzung von Rupert Storr. Auch bekannt als „Grünewald Bibel“. Häufig ungewöhnliche Übersetzung; z.B. ist biblische Lyrik durchgehend im jambischen Rhythmus übersetzt; z.B. hat Rießler Akrostycha tatsächlich als alphabetische Gedichte auch ins Deutsche übersetzt, usw. („Wie lange soll ich meinen Geist mit Sinnen quälen?“); Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987., S. 73 („Bis wann muß ich mit Gedanken quälen meine Seele?“). (Zurück zu v.3)
g in meine Seele - dazu s. vorige FN. (Zurück zu v.3)
h Wobei Kummer in meinem Herzen ist (Wie lange wird sein/muss ich legen Kummer in meinem Herz) - Beide Auflösungen sind hier gleichermaßen möglich; die eingeklammerte erfordert allerdings die Ergänzung (->BrachylogieEin erwartetes Satzglied wird ausgespart, da es im direkten Umfeld der betreffenden Stelle schon einmal gesetzt wurde und daher aus dem Kontext erschlossen werden kann. Besagtes Satzglied tut dann „double duty“ an beiden Stellen. Zu unterscheiden ist die Brachylogie von der Ellipse, in der ein Satzglied ausgespart wird, ohne im direkten Umfeld schon einmal gesetzt zu sein.) von „wird sein“ und „muss ich legen“ aus dem vorigen StichoDer „Sticho“ oder das „Kolon“ ist die Grundeinheit biblischer Poesie; er entspricht in etwa dem „Vers“/der „Verszeile“ in der europäischen Lyrik. Der Sticho ist meist eine vollständige „Sinn-Einheit“ - z.B.: ein Haupt- oder Nebensatz - aus zwei bis fünf Worten, die zusammen mit weiteren „parallelen“ Stichen einen Parallelismus bildet. Zum Beispiel besteht Ps 1,1 aus drei parallelen Stichen, die daher zusammen ein „Tristichon“ bilden: „1. Wie glücklich ist der Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, / 2. der nicht den Pfad der Sünder betritt / 3. und nicht im Kreis der Spötter sitzt...“. Vgl. näher z.B. Weber 2007: Poesie, unter: http://goo.gl/jB8Crn, was aber nicht problematisch ist. Dass dieser StichoDer „Sticho“ oder das „Kolon“ ist die Grundeinheit biblischer Poesie; er entspricht in etwa dem „Vers“/der „Verszeile“ in der europäischen Lyrik. Der Sticho ist meist eine vollständige „Sinn-Einheit“ - z.B.: ein Haupt- oder Nebensatz - aus zwei bis fünf Worten, die zusammen mit weiteren „parallelen“ Stichen einen Parallelismus bildet. Zum Beispiel besteht Ps 1,1 aus drei parallelen Stichen, die daher zusammen ein „Tristichon“ bilden: „1. Wie glücklich ist der Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, / 2. der nicht den Pfad der Sünder betritt / 3. und nicht im Kreis der Spötter sitzt...“. Vgl. näher z.B. Weber 2007: Poesie, unter: http://goo.gl/jB8Crn der einzige in Vv. 2f ist, in dem das einleitende „Bis wann“ fehlt, ist aber so auffällig, dass die primäre Übersetzung doch etwas wahrscheinlicher ist. (Zurück zu v.3)
i [sogar] am Tag (täglich?, den ganzen Tag?, Tag [und Nacht]?, am Tag?) - Deutung umstritten; s. Anmerkung zum Text d. Vermutlich ist das „am Tag“ steigernd zu verstehen: Während die übliche Zeit, zu der man Kummer besonders intensiv „im Herzen“ empfindet, eigentlich die Nacht ist (so schon Olshausen 1853Olshausen, Justus: Die Psalmen. Erklärt. Leipzig, 1853. online unter: http://goo.gl/mR9E53, S. 75), ist der Kummer des Psalmisten besonders groß - so groß ist er, dass er sogar noch am Tag seinen Kummer gar nicht verdrängen kann (Barthélemy 1982Barthelemy, Dominique: Critique textuelle de l'Ancien Testament, Tome 4: Psaumes. Fribourg/Göttingen, 1982., S. 54; Janowski 2001Janowski, Bernd: Das verborgene Angesicht Gottes. Psalm 13 als Muster eines Klagelieds des einzelnen, in: JBTh 16, 2001. S. 25-53., S. 26; mit „[sogar]“ übersetzen auch Wöhrle 2011Wöhrle, Jakob: Der verborgene und der rettende Gott. Exegetische und religionsgeschichtliche Überlegungen zur Theologie der Klagepsalmen, in: BZ 55/2, 2011. S. 224-241. und Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987.; vielleicht aus diesem Grund auch Deissler 1989Deissler, Alfons: Die Psalmen. Düsseldorf, 6 1989., S. 62: „am hellen Tag“). (Zurück zu v.3)
j Mein Feind (meine Feinde) + Lass meine Augen leuchten - An der Deutung dieser beiden Ausdrücke hängt die Deutung des gesamten Psalms. „Mein Feind“ - im Hebräischen Singular - ließe sich auch deuten als sog. „kollektiver Singular“ (so z.B. Anderson 1972Anderson, A. A.: The Book of Psalms. Volume I: Introduction and Psalms 1-72. London, 1972., S. 129), müsste dann treffender als Plural „Meine Feinde“ übersetzt werden und würde dann wie „Meine Bedränger“ in V. 5 die vielen Feinde des Psalmisten meinen. Oder aber „Mein Feind“ steht bewusst im Singular und ist ein Schimpfwort für den Tod, den Erzfeind des Menschen (so Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983., S. 142; Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965., S. 76; Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987., S. 80f).

Die Frage nach der Bedeutung von „Lass meine Augen leuchten“ ist etwas komplexer: Im Hebräischen gibt es zwei Idiome, die sich hier nahelegen: Die „Augen“ sind in der israelitischen Vorstellung eine Art „Barometer der Lebenskraft“ (Anderson 1972Anderson, A. A.: The Book of Psalms. Volume I: Introduction and Psalms 1-72. London, 1972., S. 129): Ist ein Mensch alt, krank, schwach oder traurig, hören seine Augen auf, zu „leuchten“ (s. Dtn 34,7; Ijob 17,7; Ps 6,8; 38,11; Klg 5,17). Gesundet er oder erholt er sich, leuchten seine Augen dagegen wieder auf (s. 1Sam 14,27.29; Esra 9,8; Ps 19,9). Ein weiteres häufiges Idiom ist die Rede davon, dass Gott sein Gesicht „über jemandem leuchten“ lässt; eine geprägte Wendung dafür, dass er allgemein gnädig an jemandem handelt (s. Num 6,25; Ps 31,17; 67,2; 80,4.8.20; 119,135 (vgl. Vv. 134.136); Dan 9,17). - Dass wir hier Idiom (1) vor uns haben, ist ganz deutlich. Einige denken aber - geleitet davon, dass in V. 2 vom „Verbergen des Gesichts Gottes“ die Rede ist, dass auch in V. 4 das Verb „leuchten“ verwendet wird und dass auch „schau her, antworte mir!“ in V. 4 in etwa die selbe Bedeutung hat wie das zweite Idiom (dazu s. dort) -, dass diese zweite Bedeutung mindestens mitgemeint sei (so bes. Janowski 2001Janowski, Bernd: Das verborgene Angesicht Gottes. Psalm 13 als Muster eines Klagelieds des einzelnen, in: JBTh 16, 2001. S. 25-53., S. 35f; z.B. auch Craigie 1983Craigie, Peter C.: Psalms 1-50. Dallas, 1983., S. 142; Kraus 1961Kraus, Hans-Joachim: Psalmen. 1. Teilband. Neukirchen, 2 1961., S. 101f; NIDOTTE, S. 325). - Fraglich ist also: Bedeutet „Lass meine Augen leuchten“ nur „Lass mich wieder gesunden“, meint es gleichzeitig auch allgemein „Erbarme dich meiner“ oder fragt der Psalmist mit diesem Ausdruck gar ausschließlich allgemein nach dem Erbarmen Gottes?

Abhängig von der Deutung der beiden Ausdrücke lassen sich zwei Gesamtbedeutungen für den Psalm konstruieren - die Unterschiede sind im folgenden kursiviert:

  1. Gott ist dem Psalmisten nicht mehr gnädig (V. 2), darum schwebt er in Todesgefahr: er wird von seinem Erzfeind - dem Tod - bedroht und sucht verzweifelt nach einer Rettung (V. 3). Mit letzter Kraft und zum wiederholten Male ruft er zum Herrn um Rettung (4a): Er soll ihn wieder gesunden lassen (4b), da ja sonst sein Erzfeind - der Tod - über ihn triumphiert (4c.5a).
  2. Gott ist dem Psalmisten nicht mehr gnädig (V. 2), darum ist Unheil über ihn hereingebrochen: Seine Gegner sind ihm überlegen und er sucht verzweifelt nach einer Rettung (V. 3). Mit letzter Kraft und zum wiederholten Male ruft er zum Herrn um Rettung (4a): Er soll ihm wieder gnädig sein (4b), da sonst seine Gegner endgültig über ihn triumphieren (4c.5).
Nach der ersten Deutung wäre Ps 13 also ein „allgemeines“ Gebet um die Errettung vom Tod, nach der zweiten Deutung ein Gebet um die Errettung von Feinden, die dem Psalmisten so sehr überlegen sind, dass er in Todesgefahr schwebt. Es ist recht schwierig, zu entscheiden, welche von beiden hier vorzuziehen ist. Etwas mehr in Richtung von Deutung (1) scheint aber zu weisen, dass erst dann der Singular von „mein Feind/meine Feinde“ wirklich motiviert wäre, während im Falle von Deutung (2) unerklärlich bliebe, warum der Psalmist zweimal von „den Feinden“ im Singular (Vv. 3.4) und einmal im Plural (V. 5) spricht; außerdem die Tatsache, dass in besagten beiden Idiomen das „Licht des Gesichts Gottes“ und das „Licht der Menschenaugen“ eigentlich nichts miteinander zu tun haben und nicht zuletzt natürlich, dass das zweite Idiom („Lass dein Gesicht über mir leuchten“) einfach nicht in unserem Psalm steht. Der „Feind“ ist daher wohl tatsächlich besser als Ausdruck für den Tod zu lesen und „Lass meine Augen leuchten“ als Idiom für „Lass mich wieder gesunden“, was dann darauf hindeutet, dass der Psalm in der Situation einer langen Krankheit gesprochen ist (als Gebet eines Kranken wird er z.B. auch gedeutet von Gerstenberger 1991Gerstenberger, Erhard S.: Psalms. Part 1. With an Introduction to Cultic Poetry. Grand Rapids, 1991., S. 85; Steck 1980Steck, Odil Hannes: Beobachtungen zur Beziehung von Klage und Bitte in Psalm 13, in: BN 13, 1980. S. 57-62., S. 60f.; Schmidt 1934Schmidt, Hans: Die Psalmen. Tübingen, 1934., S. 22). (Zurück zu v.3 / zu v.4 / zu v.5)
k überlegen sein (erhoben sein, erhaben sein, triumphieren) - „überlegen sein“ gut nach Ges18Gesenius, Wilhelm/H. Donner/R. D. Meyer: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Berlin u.a, 1987-2012.. Die Übersetzung „erhaben sein“ ist nicht sinnvoll, da der Begriff einen „sittlich-ästhetischen Wertbegriff“ bezeichnet, der hier sicher nicht gemeint ist, und dass der Feind noch nicht über den Psalmisten „triumphiert“ hat, wird in V. 5 ja deutlich gesagt. Sehr gut daher Fokkelman 2001Fokkelman, Jan P.: Reading Biblical Poetry. An Introductory Guide. Louisville, 2001., S. 92: „How long will my enemy have the upper hand?“. Möglich wäre außerdem die Deutung als „erhoben sein“; der Fokus läge dann nicht auf der schieren Überlegenheit des Feindes über den Psalmisten, sondern darauf, dass Gott ihm diese Überlegenheit verliehen und den Psalmisten so an ihn ausgeliefert hat. (Zurück zu v.3)
l Schau ([auf mich]) ist entweder eine sog. „phatische Äußerung“ - d.h. eine Äußerung, die die Aufmerksamkeit des Hörers auf den Sprecher lenken soll (vergleichbar etwa einem gehobenerem Deutschen „Hey!,...“, „Hör mal:...“; vgl. dazu z.B. Jenni 2005Jenni, Ernst: Verwendungen des Imperativs im Biblisch-Hebräischen, in: Ders.: Studien zur Sprachwelt des Alten Testaments II. Herausgegeben von Jürg Luchsinger, Hans-Peter Mathys und Markus Saur. Stuttgart, 2005., S. 242), oder man muss ein „auf mich“ aus dem folgenden „antworte mir“ ergänzen (-> BrachylogieEin erwartetes Satzglied wird ausgespart, da es im direkten Umfeld der betreffenden Stelle schon einmal gesetzt wurde und daher aus dem Kontext erschlossen werden kann. Besagtes Satzglied tut dann „double duty“ an beiden Stellen. Zu unterscheiden ist die Brachylogie von der Ellipse, in der ein Satzglied ausgespart wird, ohne im direkten Umfeld schon einmal gesetzt zu sein.; so auch AOATThe Old Testament. An American Translation.; Barnes 1869Barnes, Albert: Notes, Critical, Explanatory, and Practical, on the Book of Psalms. Vol I. New York, 1869. online unter: http://goo.gl/tpdmTW; Buttenwieser 1938Buttenwieser, Moses: The Psalms. Chronologically Treated with a New Translation. Chicago, 1938. online unter: http://goo.gl/bpgnjM; Christensen 2005.13Christensen, Duane L.: Psalm 13:1-6. Translation, Logoprosodic Analysis, and Observations. 2005. online unter: http://goo.gl/qt8fZP; Dahood 1965Dahood, Mitchell, S.J.: Psalms I. 1-50. New York, 1965.; Dolson-Andrew 2004Dolson-Andrew, Stephen L.: An Exegesis of Psalm 13, in: CTS Journal 10. S. 49-71. online unter: http://goo.gl/om4xzV; FENZFenz, Augustinus Kurt: Das Gebet der Jahrtausende. Aktualisierte Psalmenübersetzung für die Praxis. Aus dem hebräischen Text neu formuliert. Leipzig, 1998. - Eine aktualisierende Psalmenübersetzung, die „den Text zum Leuchten“ bringen will, indem sie z.B. „heutige Sprachbilder an die Stelle fremdartiger, erklärungsbedürftiger Bilder“ setzt und diese in „angemessener Sprache“ formuliert.; Fokkelman 2001Fokkelman, Jan P.: Reading Biblical Poetry. An Introductory Guide. Louisville, 2001., S. 92; Limburg 2000Limburg, James: Psalms. Louisville, 2000.; NWKurz für „Neue-Welt-Übersetzung“, der Übersetzung der Zeugen Jehovas. Will eine möglichst genaue Übersetzung sein, trifft dabei aber gelegentlich auch etwas sonderbare Übersetzungsentscheidungen. Vielleicht aber gerade deshalb durchaus lesenswert.; Terrien 2003Terrien, Samuel: The Psalms. Strophic Structure and Theological Commentary. Grand Rapids, 2003.; Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987.). Bedeutungsmäßig besteht kein großer Unterschied zwischen beiden Analysen: Im ersten Falle würde das „Schau!“ das folgende „Antworte mir!“ (dazu s. nächste FN) noch zusätzlich unterstreichen, im zweiten wäre es gleichbedeutend mit dem folgenden „Antworte mir!“ - nämlich würde in diesem Fall der Psalmist mit dem Idiom „Schau auf mich“ darum bitten, dass Gott sich des Elends des Beters annimmt (vgl. TWATJenni, Ernst/Claus Westermann: Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament. München - Zürich, 1971-9. II, S. 696f) - und würde auf diese Weise das folgende „antworte mir“ verstärken. In beiden Fällen wäre eine Übersetzung mit „Schau her!“ oder „Sieh auf mich!“ irreführend; im ersten Fall besser etwas wie „Sieh her [Ach,] erhöre mich [doch], JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.!“; im zweiten etwas wie „Erbarme dich meiner! Erhöre mich, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.!“. Beide Analysen sind hier gleichermaßen möglich; weil aber rückwirkende Brachylogien (d.h. unvollständige Konstruktionen, die man nicht aus einer vorangegangenen Konstruktion „vervollständigen“ muss, sondern aus einer erst noch folgenden Konstruktion - wie hier dem folgenden „antworte mir) auch im Hebräischen eher selten sind, sollte man sich vielleicht doch eher für Analyse (1) entscheiden. (Zurück zu v.4)
m Die Strukturierung von Vv. 4f ist in der Exegese umstritten; s. Anmerkung zum Text f. Mit der Aufteilung von V. 4 zwischen „JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.“ und „mein Gott“ folgen wir Fokkelman 2000Fokkelman, Jan P.: Major Poems of the Hebrew Bible. At the Interface of Prosody and Structural Analysis. Volume II: 85 Psalms and Job 4-14. Assen, 2000., S. 87; Fokkelman 2001Fokkelman, Jan P.: Reading Biblical Poetry. An Introductory Guide. Louisville, 2001., S. 92; Weber 2005Weber, Beat: Zum sogenannten „Stimmungsumschwung“ in Psalm 13, in: Peter W. Flint / Patrick D. Miller: The Book of Psalms. Composition and Reception. Leiden, 2005. S. 116-138., S. 121 und Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987., mit der Parallelisierung von 5b mit 6a Kissane 1953Kissane, Edward J.: The Book of Psalms. Translated from a Critically Revised Hebrew Text. Vol. I. Dublin, 1953., S. 53; Steck 1980Steck, Odil Hannes: Beobachtungen zur Beziehung von Klage und Bitte in Psalm 13, in: BN 13, 1980. S. 57-62., S. 62; Zenger 1987Zenger, Erich: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Einführung ins Psalmenbuch. Freiburg i. Br./Basel/Wien, 1987., S. 73f und Zorell 1928Zorell, Francisco S.J.: Psalterium Ex Hebraeo Latinum. Rom, 1928., S. 17. (Zurück zu v.4 / zu v.5)
n zum Tod entschlafe (im Tod schlafe, tot schlafe, den [Schlaf des] Tod[es] schlafe) - Analyse umstritten; s. Anmerkung zum Text g. Der primäre Vorschlag ist die Mehrheitsmeiung und ist auch als der einfachste vorzuziehen. „Schlaf“ wird hier - wie öfter (vgl. z.B. Lanckau 2010) - als Metapher für „Tod“ verwendet; „zum Tod entschlafen“ ist also eine Art „semantische figura etymologica“ (vgl. gut Ehrlich 1905Ehrlich, Arnold B.: Die Psalmen. Neu uebersetzt und erklaert. Berlin, 1905., S. 25) und meint „des Todes sterben“ oder schlicht „sterben“ (so daher z.B. GNT, GWGord's Word Translation, HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln., NCVNew Century Version, NIRVNew International Reader's Version, NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien., NLTNew Living Translation, STADDie freie jüdische Psalmenübersetzung von Alisa Stadler, der „jüdischen Psalmsängerin unserer Tage“. Eher für Psalmenliebhaber und als Inspiration für die Übertragung der LF interessant als für Exegese und Übersetzungsvergleich; noch mehr aber für Bibliophile: Ein ganz wundervoll gestaltetes Buch.). Eine Nachahmung der bildl. Rede versuchen Gerstenberger 1972Gerstenberger, Erhard S. u.a.: Psalmen in der Sprache unserer Zeit. Der Psalter und die Klagelieder eingeleitet, übersetzt und erklärt von E. Gerstenberger, K. Jutzler und H. J. Boecker. Neukirchen-Vluyn, 1972. („damit ich nicht in den Tod hinüberdämmere“), GNKurz für „Gute Nachricht Bibel“; als Vollbibel erstmals 1978 erschienen. Erste deutsche kommunikative Vollbibel; außerdem erste einzige durchgehend ökumenische deutsche Bibelübersetzungen. Ihre Rolle für die Geschichte der deutschen Bibelübersetzung ist schwer zu überschätzen. („damit ich nicht in Todesnacht versinke!“) und NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie. („dass ich nicht in Todesnacht falle“). (Zurück zu v.4)
o Ich habe ihn übermocht (Ich habe ihn ausgetilgt?, Ich habe es geschafft?) - Bedeutung umstritten; s. Anmerkung zum Text h. Nach unserer Deutung ist das Wort vom Hebräischen jakal abzuleiten, das sowohl „überlegen sein“ als auch „siegen“ bedeuten kann; der StichoDer „Sticho“ oder das „Kolon“ ist die Grundeinheit biblischer Poesie; er entspricht in etwa dem „Vers“/der „Verszeile“ in der europäischen Lyrik. Der Sticho ist meist eine vollständige „Sinn-Einheit“ - z.B.: ein Haupt- oder Nebensatz - aus zwei bis fünf Worten, die zusammen mit weiteren „parallelen“ Stichen einen Parallelismus bildet. Zum Beispiel besteht Ps 1,1 aus drei parallelen Stichen, die daher zusammen ein „Tristichon“ bilden: „1. Wie glücklich ist der Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, / 2. der nicht den Pfad der Sünder betritt / 3. und nicht im Kreis der Spötter sitzt...“. Vgl. näher z.B. Weber 2007: Poesie, unter: http://goo.gl/jB8Crn greift damit gleichzeitig den Gedanken aus StichoDer „Sticho“ oder das „Kolon“ ist die Grundeinheit biblischer Poesie; er entspricht in etwa dem „Vers“/der „Verszeile“ in der europäischen Lyrik. Der Sticho ist meist eine vollständige „Sinn-Einheit“ - z.B.: ein Haupt- oder Nebensatz - aus zwei bis fünf Worten, die zusammen mit weiteren „parallelen“ Stichen einen Parallelismus bildet. Zum Beispiel besteht Ps 1,1 aus drei parallelen Stichen, die daher zusammen ein „Tristichon“ bilden: „1. Wie glücklich ist der Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, / 2. der nicht den Pfad der Sünder betritt / 3. und nicht im Kreis der Spötter sitzt...“. Vgl. näher z.B. Weber 2007: Poesie, unter: http://goo.gl/jB8Crn 3c („Bis wann wird mein Feind mir überlegen sein?“) und StichoDer „Sticho“ oder das „Kolon“ ist die Grundeinheit biblischer Poesie; er entspricht in etwa dem „Vers“/der „Verszeile“ in der europäischen Lyrik. Der Sticho ist meist eine vollständige „Sinn-Einheit“ - z.B.: ein Haupt- oder Nebensatz - aus zwei bis fünf Worten, die zusammen mit weiteren „parallelen“ Stichen einen Parallelismus bildet. Zum Beispiel besteht Ps 1,1 aus drei parallelen Stichen, die daher zusammen ein „Tristichon“ bilden: „1. Wie glücklich ist der Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, / 2. der nicht den Pfad der Sünder betritt / 3. und nicht im Kreis der Spötter sitzt...“. Vgl. näher z.B. Weber 2007: Poesie, unter: http://goo.gl/jB8Crn 4c („damit ich nicht sterbe“) wieder auf. Im Deutschen laufen beide Bedeutungen wohl am besten zusammen im Wort „übermögen“, doch ist das vielleicht schon zu alt für die LF (?) - in diesem Fall vielleicht besser: „Ich habe ihn überwältigt“. (Zurück zu v.5)
p Zum Wanken vgl. FN r zu Ps 30,7: „Wanken“ ist eine häufige Metapher für eine Gefährdung, aus der direkt Vernichtung und Tod folgt. Wer dagegen „nicht wankt“ ist sicher und geschützt und wird daher ewig bestehen. Meist handelt es sich bei diesem nicht-Wanken um eine Gnadengabe Gottes, beim Wanken dagegen um eine direkte Folge aus einem Gnadenentzug (einer „Gesichtsverbergung“; s. V. 2; Ps 30,7f) Gottes. (Zurück zu v.5)
q Die Funktion der Verbformen in V. 6 ist umstritten; s. Anmerkung zum Text i. Nach unserer Deutung drücken der Jussiv „Mein Herz soll jubeln“ und der Kohortativ „Ich will besingen“ aus, was der Psalmist sich „auf Gottes Hilfe vertrauend“ für die Zukunft von Gott erbittet; V. 6 ist nach dieser Deutung also immer noch Appell an die Gnade Gottes und Bitte um seine Hilfe. (zu v.6)
r Mein Herz (Ich) - Das „Herz“ - wie auch viele andere „Teile“ des Menschen, z.B. seine „Seele“, sein „Kopf“ etc. - werden im Hebräischen sehr häufig fast wie reine Personalpronomen verwendet. So sicher auch hier; „Mein Herz soll jubeln“ = „Ich will jubeln“. (Zurück zu v.6)
s JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. (dich) + Er hat (Du hast) - Vor allem in der biblischen Poesie kann ein hebräischer Autor ohne erkennbare Gründe von einem StichoDer „Sticho“ oder das „Kolon“ ist die Grundeinheit biblischer Poesie; er entspricht in etwa dem „Vers“/der „Verszeile“ in der europäischen Lyrik. Der Sticho ist meist eine vollständige „Sinn-Einheit“ - z.B.: ein Haupt- oder Nebensatz - aus zwei bis fünf Worten, die zusammen mit weiteren „parallelen“ Stichen einen Parallelismus bildet. Zum Beispiel besteht Ps 1,1 aus drei parallelen Stichen, die daher zusammen ein „Tristichon“ bilden: „1. Wie glücklich ist der Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, / 2. der nicht den Pfad der Sünder betritt / 3. und nicht im Kreis der Spötter sitzt...“. Vgl. näher z.B. Weber 2007: Poesie, unter: http://goo.gl/jB8Crn auf den anderen von einer Person zur anderen wechseln; man bezeichnet diese stilistische Eigenart als „P-ShiftShift: Kurz für „PNGT-Shift“ oder „Person-Numerus-Genus-Tempus - Shift“; oft auch „Ennalage“ oder „Heterosis“. V.a. in der hebräischen Poesie kann ein hebräischer Autor aus stilistischen Gründen von einer Person/Numerus/Genus/Tempus zu einer anderen Person/Numerus/Genus/Tempus wechseln, ohne dass dies Einfluss auf die Bedeutung der Textsemantik hätte. Meist finden diese Shifts von einem Sticho auf den nächsten statt, es ist aber sogar möglich, dass sie im selben Sticho erfolgen; s. z.B. Gevirtz 1961, S. 157f..“. Das Deutsche kennt solche Shifts nicht; besser sollte man hier daher auch mit direkter Anrede übersetzen; also nicht: „Ich will JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. besingen“, sondern „Ich will dich besingen, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.“. (zu v.6)
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