Serubbabel

Aus Die Offene Bibel

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Serubbabel ist eine Person im AT. Über ihn ist nur wenig bekannt. Sein Auftreten ist im AT allein mit der Wiederkehr der Exulanten aus Babylon, dem Wiederaufbau des Tempels und einer Verheißung verbunden.

Inhaltsverzeichnis

Der Name Serubbabel

Der Name זְרֻבָּבֶל bedeutet „Spross Babels“ oder „Nachkomme von Babel“ und besteht daher aus זֶרַב und בָּבֶל. Diese Verbindung (zēr + Ortsname) „ist ein akkadisch belegter Namenstyp“a, der bei neuassyrischen Königsnamen (zum Beispiel zēr Aššur) oder im Spätbabylonischen bei Inschriften unter Darius I. nachgewiesen ist.b Es wird also deutlich, dass Serubbabel wahrscheinlich in Babylon geboren wurde und daher auch zur Gemeinde der Exiljudäer gehörte.

Textbefund

Altes Testament

Der Name Serubbabel wird in den Büchern 1 Chronik, Esra, Nehemia, Haggai und Sacharja erwähnt – insgesamt ist der Name im MT 22-mal zu finden. Bei diesen Textstellen muss zwischen zeitgenössischen Zeugen und historiographischen Verarbeitungen unterschieden werden. Erstere bestehen aus den Worten an Serubbabel (allein oder in Zusammenhang mit anderen) in Hag 1,1; Hag 1,12; Hag 1,14; Hag 2,2; Hag 2,4; Hag 2,21 und Hag 2,23 sowie in Sach 4,6f. und Sach 4,9f. Ob in Sach 3,8 und Sach 6,12f. mitצֶמַחBezug auf Serubbabel genommen wird, ist fraglich. Die historiographischen Verarbeitungen sind 1 Chr 3,19; Esra 2,2; Esra 3,2; Esra3,8; Esra 4,2f. und Esra 5,2 sowie Neh 7,7; Neh 12,1 und Neh 12,47. Die LXX nennt Serubbabel 34-mal (nämlich zusätzlich in 3 Esra 4,13; 3 Esra 5; 3 Esra 6 und in Sir 49,13.

Neues Testament

Im NT wird Serubbabel in Mt 1,12f. und Lk 3,27 genannt.

Der geschichtliche Kontext

Als um 520 v.Chr. eine Gruppe von Exulanten nach Jerusalem zurückkehrte, war auch Serubbabel unter ihnen. Serubbabel kam jedoch nicht als Angehöriger eines judäischen Königshauses oder allein als Angehöriger der Exilsgemeinschaft nach Jerusalem, sondern sollte sich vorrangig – wohl durch die persische Regierung beauftragt (sog. Kyros-Edikt) – dem Wiederaufbau des Tempels widmen.

Zur Person

Herkunft

Serubbabel war nach atl. Überlieferung der Enkel des judäischen Königs Jojachinc, der nach Babylon deportiert wurde. Dort wurde Serubbabel während des Exils wohl geboren. Die Angaben über Serubbabels Vater sind jedoch uneindeutig: zum einen wird Pedajad und zum anderen Schealtiël genannt. Um diesen Widerspruch zu lösen, wird häufig eine Leviratsehe nach Dtn 25,5-10 zur Erklärung herangezogen: die Witwe des kinderlos gebliebenen Schealtiël wird mit dessen Bruder Pedaja verheiratet, der mit ihr Serubbabel zeugt – physisch gesehen gehörte Serubbabel dann zu Pedaja, rechtlich jedoch zu Schealtiël. Ob es sich so zugetragen hat oder nicht, muss offen bleiben. Denn im Grunde ist die Angabe über Serubbabels Großvater in 1 Chr 3,17-19 bedeutender: als dessen Enkel steht Serubbabel in der Linie der Nachkommen Davids. Die anderen Quellen nennen explizit jedoch nur den Vater und geben keine Auskünfte über den Großvater.

Serubbabels Rolle

In den Büchern Esra und Nehemia, die von Serubbabels Ankunft in Jerusalem berichten, hat er keinen Titel. Jedoch wird ihm bei Haggai das Attribut פֶּחַה (pæchah) beigefügt und er wird dort fast durchgehend zusammen mit Jeschua, dem Hohenpriester, genannt. Da das Buch Haggai unter den bisher genannten Quellen zu Serubbabel (1 Chronik, Esra, Nehemia und Sacharja) als die älteste gilt,e kann es daher als sicher angenommen werden, dass dieses Attribut durchaus historisch ist. Das Wort pæchah kommt aus dem akkadischen pāḫatu und bedeutet „Amtsbezirk“ oder auch „Provinz“ – der Vorsteher eines solchen Bezirkes wird als bēl pāḫati bezeichnet. In den klassischen deutschen Übersetzungen wird der Titel stets mit Statthalter übersetzt. Die Frage, ob Serubbabel wirklich der Statthalter von Juda war, ist jedoch nicht einfach zu beantworten. Archäologisch betrachtet liegt der sicherste Fund, der den Titel „Statthalter von Juda“ (pḥt yhwd) für die Perserzeit nachweist, auf Papyri aus Elephantine vor, die in das Jahr 407 v.Chr. datiert sind.f Zudem ist der Gebrauch des Titels פֶּחַה im AT recht undifferenziert: er wird im Singular wie im Plural verwendet und auch für verschiedene Rangordnungen (u.a. wird in Esra 5,3 der Satrap Tattenai als פֶּחַה bezeichnet, obgleich Ushtani nachweislich für diese Zeit Satrap war)g. Schließlich wird häufig bestritten, dass Juda zur Zeit Serubbabels überhaupt eine eigenständige Provinz war – der Begriff müsse daher etwas anderes gemeint haben. Es gab in der atl. Fachliteratur deshalb verschiedene Übertragungssversuche wie „Reptrariierungskommissar“, „Sonderbeauftragter der persischen Zentralregierung“, „Regierungskommissar“ oder „Kommissar für Juda“. Da diese Frage bisher aber nicht eindeutig beantwortet werden kann, kommt die Übertragung mit Statthalter oder Gouverneur der eigentlichen Bedeutung des Titels innerhalb der persischen Verwaltungsstrukturen wohl am nächsten. So lange die Bedeutungsklärung des Titels jedoch nicht sicher ist, könnte das Nomen jedoch am besten in seiner hebr. Form als Pächa beibehalten werden.

Anmerkungen

aWilli, TRE, Bd. 31, S. 171. (Zurück zum Text: a)
bVgl. von Soden, AHw, Bd. 3, S. 1521f. und vgl. Gelb u.a. (Hg.), CAD, Bd. 21, S. 95. (Zurück zum Text: b)
cIn 1 Chr 3,17 wird er Jechonja genannt. (Zurück zum Text: c)
dVgl. 1 Chr 3,19. (Zurück zum Text: d)
eVgl. Zenger u.a. (Hg.), Einleitung in das Alte Testament, S. 588. (Zurück zum Text: e)
fVgl. Kaiser (Hg.), TUAT, Bd. 1/3, S. 254. (Zurück zum Text: f)
gVgl. Kratz, FAT, Bd. 42, S. 101. (Zurück zum Text: g)
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