Kommentar:Jona 2

Aus Die Offene Bibel

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K („„Sûp“ war um meinen Kopf gewunden“)
(„„Sûp“ war um meinen Kopf gewunden“)
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Was jedoch viel wichtiger ist: „Wirklich alte“ Bibeln – sofern sie nicht selbst ''sûp'' haben – greifen gegenüber den heute üblichen zu gänzlich anderen Übersetzungen: Keine einzige „neuere“ Bibel steht bei „Meer“ oder „Ende“ - nicht einmal die Nova Vulgata! - und keine „wirklich alte“ Bibel steht bei „Algen...“ oder „Schilf“.<ref>vgl. auch Sasson 1990, S. 185: The versions had a very difficult time with what stuck to Jonah´s head. They treated the crucial term in a radically different way than is done by modern translators [...].“</ref><br>
 
Was jedoch viel wichtiger ist: „Wirklich alte“ Bibeln – sofern sie nicht selbst ''sûp'' haben – greifen gegenüber den heute üblichen zu gänzlich anderen Übersetzungen: Keine einzige „neuere“ Bibel steht bei „Meer“ oder „Ende“ - nicht einmal die Nova Vulgata! - und keine „wirklich alte“ Bibel steht bei „Algen...“ oder „Schilf“.<ref>vgl. auch Sasson 1990, S. 185: The versions had a very difficult time with what stuck to Jonah´s head. They treated the crucial term in a radically different way than is done by modern translators [...].“</ref><br>
 
Das heißt aber gleichzeitig, dass zeitgenössische Übersetzungen von älteren Textzeugen nicht gedeckt sind – und bei einer derart zweifelhaften Frage wie der nach der Übersetzung des ''sûp'' sollte allein das schon zu denken geben.<br>
 
Das heißt aber gleichzeitig, dass zeitgenössische Übersetzungen von älteren Textzeugen nicht gedeckt sind – und bei einer derart zweifelhaften Frage wie der nach der Übersetzung des ''sûp'' sollte allein das schon zu denken geben.<br>
Die Probleme, die wir bei den beiden zeitgenössischen Übersetzungsweisen sehen, sind nach der Strukturbeschreibung relativ offensichtlich (so hoffen wir zumindest). (1) Passt die Schilderung des sich-um-Jona´s-Haupt-Schlingen´s von Schilf oder Tang nicht in die Oberflächenstruktur (und nicht nur nicht in unsere Struktur – wir sind auf keine einzige Strukturbeschreibung gestoßen, in die es hineingepasst hätte<ref>vgl. z.B. die vier verschiedenen Vorschläge zu einer konzentrischen Strukturierung: Cánez 2011, S. 87; Christensen 1985, S. 226; Sasson 1990, S. 167; Wendland 1996, S. 377; vgl. auch die unserem Vorschlag entsprechende Strukturierung Simons in Simon 1994, S. 95f.</ref>), da der Vers so als einziger aus den beiden Strukturprinzipien des konsekutiven Abstiegs und der Jona-Jahwe-Dialektik herausfällt, (2) passt sie ebenso wenig zur semantisch-“isotopischen“ Tiefenstruktur (die Übersetzung mit „Wasserpflanze“ o.Ä. würde vielleicht noch zur Wasser-isotopie passen, aber an dieser Stelle des Psalms ist diese ja bereits auf die „mythische Ebene“ gewechselt), (3) passt sie in ihrer Banalität nicht in die Stimmung des Psalms. Und (4) hat die Übersetzung mit „Algen“ / „Tang“ / „Seegras“ das Problem, dass sie aus der Luft gegriffen ist (gleich, welches hebräische Wörterbuch man durchblättert, im Eintrag unter ''sûp'' ist Jon 2,6 mit „Meerespflanzen“ oder Ähnlichem ein Fremdkörper, der den anderen Textstellen mit „Schilf“ radikal gegenüber steht); die Übersetzung mit Schilf dagegen, dass sie an dieser Stelle keinen Sinn macht – die Abwärtsbewegung Jona´s hat hier ihren tiefsten Punkt erreicht, wo also soll auf einmal „Schilf“ herkommen?
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Die Probleme, die wir bei den beiden zeitgenössischen Übersetzungsweisen sehen, sind nach der Strukturbeschreibung relativ offensichtlich (so hoffen wir zumindest). (1) Passt die Schilderung des sich-um-Jona´s-Haupt-Schlingen´s von Schilf oder Tang nicht in die Oberflächenstruktur (und nicht nur nicht in unsere Struktur – wir sind auf keine einzige Strukturbeschreibung gestoßen, in die es hineingepasst hätte<ref>vgl. z.B. die vier verschiedenen Vorschläge zu einer konzentrischen Strukturierung: Cánez 2011, S. 87; Christensen 1985, S. 226; Sasson 1990, S. 167; Wendland 1996, S. 377; vgl. auch die unserem Vorschlag entsprechende Strukturierung Simons in Simon 1994, S. 95f.</ref>), da der Vers so als einziger aus den beiden Strukturprinzipien des konsekutiven Abstiegs und der Jona-Jahwe-Dialektik herausfällt, (2) passt sie ebenso wenig zur semantisch-“isotopischen“ Tiefenstruktur (die Übersetzung mit „Wasserpflanze“ o.Ä. würde vielleicht noch zur Wasser-isotopie passen, aber an dieser Stelle des Psalms ist diese ja bereits auf die „mythische Ebene“ gewechselt), (3) passt sie in ihrer Banalität nicht in die Stimmung des Psalms. Und (4) hat die Übersetzung mit „Algen“ / „Tang“ / „Seegras“ das Problem, dass sie aus der Luft gegriffen ist (gleich, welches hebräische Wörterbuch man durchblättert, im Eintrag unter ''sûp'' ist Jon 2,6 mit „Meerespflanzen“ oder Ähnlichem ein Fremdkörper, der den anderen Textstellen mit „Schilf“ radikal gegenüber steht);<ref>so zumindest in BDBF, Ges 18. Aufl., eHALOT, Holladay und TWOT; ThWAT dagegen problematisiert zusätzlich das mutmaßliche Etymon ''twf'' (äg.) von ''sûp'', da es ausschließlich im Neuägyptischen belegt sei, verzeichnet dann aber im Gegensatz zu den fünf erstgenannten Wörterbüchern auch für Jon 2,6 „Schilf“: „Schilf umschlingt den Kopf des Propheten“. (ThWAT V Sp. 794-796)</ref> die Übersetzung mit Schilf dagegen, dass sie an dieser Stelle keinen Sinn macht – die Abwärtsbewegung Jona´s hat hier ihren tiefsten Punkt erreicht, wo also soll auf einmal „Schilf“ herkommen?
  
 
Batto hat 1983 einen Vorschlag zur Übersetzung des ''sûp'' gemacht, der in der Jona-exegese beinahe vollständig ignoriert wurde – obwohl sein Übersetzungsvorschlag allen oben aufgezählten Problemen ein Ende bereiten und sich auch nahtlos in Oberflächen- und Tiefenstruktur des Psalms einfügen würde. Zwar wird sein Aufsatz gelegentlich zitiert und der erste Teil seines Argumentationsgangs in diesen Fällen dann in der Regel anerkannt und übernommen, der zweite – und zentrale – Teil dagegen wird fast durchweg einfach totgeschwiegen.<ref>vgl. Sasson 1990, S. 185: „[...] Mindful that the psalm´s ancient readers saw no connection with Egyptian flora, whether they read ''sûp'' or *''sôp'', I find appealing Batto´s argument (1983: 32-35) that we are dealing here with one more expression for a primordial body of water.“</ref> Batto´s Vorschlag, soviel sei vorweggenommen, wird unser alternativer Übersetzungsvorschlag werden. Im Verlaufe seines Artikels hat er aber eine zweite Lösung angedeutet, von der ihm selbst gar nicht bewusst geworden zu sein scheint, dass auch diese eine Lösung der meisten Übersetzungsprobleme von Jon 2,6 wäre.<br>
 
Batto hat 1983 einen Vorschlag zur Übersetzung des ''sûp'' gemacht, der in der Jona-exegese beinahe vollständig ignoriert wurde – obwohl sein Übersetzungsvorschlag allen oben aufgezählten Problemen ein Ende bereiten und sich auch nahtlos in Oberflächen- und Tiefenstruktur des Psalms einfügen würde. Zwar wird sein Aufsatz gelegentlich zitiert und der erste Teil seines Argumentationsgangs in diesen Fällen dann in der Regel anerkannt und übernommen, der zweite – und zentrale – Teil dagegen wird fast durchweg einfach totgeschwiegen.<ref>vgl. Sasson 1990, S. 185: „[...] Mindful that the psalm´s ancient readers saw no connection with Egyptian flora, whether they read ''sûp'' or *''sôp'', I find appealing Batto´s argument (1983: 32-35) that we are dealing here with one more expression for a primordial body of water.“</ref> Batto´s Vorschlag, soviel sei vorweggenommen, wird unser alternativer Übersetzungsvorschlag werden. Im Verlaufe seines Artikels hat er aber eine zweite Lösung angedeutet, von der ihm selbst gar nicht bewusst geworden zu sein scheint, dass auch diese eine Lösung der meisten Übersetzungsprobleme von Jon 2,6 wäre.<br>
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Das heißt, allein schon der Kontext von 2,6c legt hier eine Lesart nahe, mit der 2,6c so gelesen würde, dass auch hier ein „tödliches Fesseln Jona´s“ seinen Ausdruck findet.
 
Das heißt, allein schon der Kontext von 2,6c legt hier eine Lesart nahe, mit der 2,6c so gelesen würde, dass auch hier ein „tödliches Fesseln Jona´s“ seinen Ausdruck findet.
  
Batto schlägt nun eine Übersetzung vor, die erstens die vier obigen Probleme umgeht und die zweitens diesem Kontext des Teilverses gerecht wird. Und zwar setzt er an bei dem Wörtchen ''sûp''. Für ''sûp'' gibt es drei mögliche etymologische Ursprünge: einen ägyptischen, einen aramäischen und einen semitischen. Bis auf Batto denkt  fast jeder Exeget an die ägyptische Etymologie und übersetzt ''sûp'' mit Schilf. Diese Herleitung ist aber schon länger vor Batto problematisiert worden; Batto z.B. bezieht sich auf einen Aufsatz von Snaith 1965, in die selbe Bresche schlagen auch Ahlström 1977, Copisarow 1962, Edelman 1998, und Vervenne 1995: Sie schlagen vor, ''sûp'' lieber herzuleiten vom aramäischen ''sôp'', was „Ende“ bedeuten würde.<br>
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Batto schlägt nun eine Übersetzung vor, die erstens die vier obigen Probleme umgeht und die zweitens diesem Kontext des Teilverses gerecht wird. Und zwar setzt er an bei dem Wörtchen ''sûp''. Für ''sûp'' gibt es drei mögliche etymologische Ursprünge: einen ägyptischen, einen aramäischen und einen semitischen. Bis auf Batto denkt  fast jeder Exeget an die ägyptische Etymologie und übersetzt ''sûp'' mit Schilf (äg. Etymon ''twf'' (aber vgl. ThWAT  V Sp 795f.)). Diese Herleitung ist aber schon länger vor Batto problematisiert worden; Batto z.B. bezieht sich auf einen Aufsatz von Snaith 1965, in die selbe Bresche schlagen auch Ahlström 1977, Copisarow 1962, Edelman 1998, und Vervenne 1995: Sie schlagen vor, ''sûp'' lieber herzuleiten vom aramäischen ''sôp'', was „Ende“ bedeuten würde.<br>
 
Batto geht noch einen Schritt weiter, denn an der obigen Herleitung wird gelegentlich bemängelt, dass die Lesart von ''sûp'' als den Aramäismus ''sôp'' anachronistisch wäre (Gesetzt, unser Datierungsvorschlag wäre richtig, stellte allerdings auch das kein Problem dar). Batto liest es deshalb vom semitischen ''sûp'' her: „„to come to an end,“ „to cease (to exist).“ As a substantive ''sûp'' is attested in the meaning of „end,“ „edge,“ „border,“ and carries connotations of „non-existence,“ „extinction,“ and perhaps even „destruction.““<ref>Batto 1987, S. 34</ref><br>
 
Batto geht noch einen Schritt weiter, denn an der obigen Herleitung wird gelegentlich bemängelt, dass die Lesart von ''sûp'' als den Aramäismus ''sôp'' anachronistisch wäre (Gesetzt, unser Datierungsvorschlag wäre richtig, stellte allerdings auch das kein Problem dar). Batto liest es deshalb vom semitischen ''sûp'' her: „„to come to an end,“ „to cease (to exist).“ As a substantive ''sûp'' is attested in the meaning of „end,“ „edge,“ „border,“ and carries connotations of „non-existence,“ „extinction,“ and perhaps even „destruction.““<ref>Batto 1987, S. 34</ref><br>
 
Batto geht weiterhin ein auf die letzte Parallelstelle, Ijob 40,13. Er vermutet, dass das Bild des „Das-Gesicht-Binden´s“ herkommt von der Verwendung der Leichentücher bei Beerdigungen den Hebräern:
 
Batto geht weiterhin ein auf die letzte Parallelstelle, Ijob 40,13. Er vermutet, dass das Bild des „Das-Gesicht-Binden´s“ herkommt von der Verwendung der Leichentücher bei Beerdigungen den Hebräern:

Version vom 20. Juni 2012, 08:44 Uhr


Jona, der Fanatiker. Ein Kommentar zum Jonabuch
Vorbereitendes und Vorläufiges | Jona 1 | Jona 2 | Jona 3 | Jona 4


Ich fange wieder an, hier nach und nach eine vorläufige Version einzustellen. Über das hier werde ich noch genauer drüber sehen als über die ersten beiden Teile, weil ich hier das Gefühl habe, dass ich mich ein bisschen zu lang mit den Vorbemerkungen aufhalte. Auch stilistisch ist das überwiegend eher hingeschludert, denn das korrigiere ich prinzipiell immer erst am Ende eines geschriebenen Kapitels. Ich stelle es trotzdem schon mal ein; hauptsächlich, weil ich sehen will, ob die Parallelstellenversion die Parallelstellen auch in einem Kommentarkapitel richtig anzeigt. Was außerdem noch gesagt werden muss, ist, dass sich die Strukturanalyse in 2,6 von der in der Einleitung unterscheidet. Das kommt daher, dass ich mich jetzt noch einmal sehr intensiv mit der Struktur befasst habe und sogar vor metrischer Analyse nicht zurückgeschreckt bin :) -, jedenfalls, im Einleitungskapitel muss ich zumindest den Absatz mit Christensens Morae-Zählung noch korrigieren. Das werde ich aber erst am Ende des Kommentar-Schreibens machen.

Inhaltsverzeichnis

Übersetzung

1 Jahwe bestimmte einen großen Fisch, der Jona verschlingen sollte.
Jona war drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches. 2 Und Jona betete aus dem Bauch des Fisches zu seinem Gott Jahwe. 3 Er sprach:


Ich rief aus meinem Unheil zu Jahwe

und er hat mich erhört.

Aus der Hölle Schoß schrie ich um Hilfe

du hast sie mir gewährt.


4 Auf hoher See warfst du mich in das tiefe Meer,

dass Meeresströme mich umgaben.

All deine Brandungen und deine Brecher

strömten über mir einher.

5 Und ich, ich dacht bei mir:

„Ich bin verdammt aus deinen Augen.“

Und dennoch sollt ich wieder schauen

deinen heil´gen Tempel.


6 Es umgab mich das Wasser,

Die Urflut umschloss mich
und Seegras war mein Leichentuch.a

Vorbemerkungen

Zur Methodologie der Jonapsalmanalyse

Bevor wir mit dem Einzelstellenkommentar zu Jona 2 beginnen können, müssen zunächst einmal gleich mehrere Vorbemerkungen gemacht werden.
Zum Ersten: In Jon 2,3-10 haben wir es mit einem Psalm zu tun, mit Lyrik also. Wir ersparen dem Leser hier eine Abhandlung zur hebräischen Poesie (da wir ohnehin planen, nach Abschluss des Jonakommentars hierzu einige Zeilen zu schreiben) und belassen es bei einigen kurzen Anmerkungen; wer schon jetzt einer genaueren Vorstellung über die hier zur Anwendung kommenden poetologischen Theorien bedarf, sei verwiesen (1) zum Thema „Bausteine der hebräischen Poesie“ auf den Aufsatz von de Moor / Korpel (1988) und (2) zum Thema „Methodologie der Lyrikanalyse“ auf Fokkelman (2001).b.

Nun wohl: Die kurzen Anmerkungen: de Moor / Korpel unterscheiden in der hebräischen Poesie sieben verschiedene strukturelle Größen auf unterschiedlichen Strukturebenen: Silbe => Fuß => Colon => Vers => Strophe => Canticum => Sub-Canto => Canto. Wie ein Gedicht aufzuteilen sei in seine Silben / Füße / ..., dazu werden drei verschiedene Vorgehensweisen angeführt. Da zu diesen aber auch nur bedingt verlässliche Orientierungspunkte zählen wie etwa die Akzentsetzung der Masoreten, bleibt als einzig relativ verlässlicher Orientierungspunkt das Strukturprinzip der hebräischen Poesie schlechthin: Der Parallelismus.
Die klassische Parallelismus-theorie – die Gliederung des Parallelismus membrorum in synonymen, antithetischen und synthetischen Parallelismus - allerdings ist in der neueren und neuesten Forschung zur hebräischen Poesie hinfällig geworden;c unter Anderem, da im Laufe der letzten Jahre mehr und mehr neue Formen des Parallelismus „entdeckt“ wurden und das Gedritt synonym – antithetisch – synthetisch auf gänzlich unsystematische Weise einfach um diese neuen Vorschläge angereichert wurde, ohne dass über diese einzelnen Anreicherungen auch wirklich Konsens geherrscht hätte. Auch zum Jonabuch übrigens; Christensen 1983 etwa entdeckt in Jon 3,7 einen sogenannten „Janus-parallelismus“. In der Folge sind einige neue Parallelismus-theorien ausgearbeitet wordend; aber auch hier gibt es nun keine allgemein anerkannte Theorie mehr – womit die Analyse biblischer Lyrik auch ihr letztes verlässliches Standbein verloren hat.
Es ist dies ein Umstand, der die Analyse hebräischer Poesie gewaltig erschwert, und nichts liegt uns ferner, als uns hier ohne eine ausführlichere Diskussion einfach einer der verschiedenen Parallelismus-positionen anzuschließen. Für eine ausführlichere Diskussion ist dies aber nicht der Ort, und also müssen wir uns behelfen. Folgendes soll unser Behelf sein: Gleich, welcher Art genau die verschiedenen aktuellen Parallelismus-theorien auch seien, in der Regel setzen sie stets am selben Phänomen an: An hebräischer Dichtung als „Verdichtung“. Deswegen kann auch Fokkelman seine „Definition“ von Dichtung folgendermaßen formulieren:

„What exactly is „poetry“? The German term for it, Dichtung, by a lucky coincidence sounds as if it was derived from the German root dicht, meaning „dense,“ a similarity I simply must take advantage of. The sounds create an association that we can put to good use, even if it is no more than my own opportunist popular etymology.
What a poet undertakes does have a lot to do with creating „density.“ Poetry is the most compact and concentrated form of speech possible.“e

„Parallelismus“ heißt, dass mindestens zwei Einheiten innerhalb eines Gedichtes „parallelisiert“, in Bezug zueinander gesetzt werden; und dieses In-Beziehung-Stehen erzeugt die Dichte, die ein Gedicht als Gedicht erst ausmacht – weshalb auch klar ist, dass, sobald ein Dichtungstheoretiker von „Parallelismus“ redet, er an diesem Phänomen ansetzen muss. Auf welche Weise nun genau der Parallelismus in Subtypen aufgeteilt wird, ist eigentlich unerheblich. Ein klares System wäre hier zwar wünschenswert, aber analysieren lässt sich ein Gedicht auch auf eine asystematische Weise. In Ermangelung einer von der Mehrheit der Exegeten anerkannten Parallelismus-theorie soll das also unser Vorgehen sein: Möglichst genau auf den Text zu blicken und die verschiedenen Verdichtungen des Gedichts als Anhaltspunkt für die Strukturierung zu nehmen, ohne hier die Verdichtungs-„subformen“ auch schon namhaft zu machen.

Auch die Aufgliederung des Jonapsalms in seine Colae und Verse wollen wir dem Leser ersparen und stattdessen auf den Aufsatz von Walsh 1982 verweisen, dem wir hier weitestgehend folgen werden; wo nicht, rechtfertigen wir dies gesondert. Die Aufteilung in Strophen dagegen werden wir dem Leser nicht ersparen. Zum einen, weil wir mit dieser Aufteilung eine Minderheitenmeinung vertreten (soweit wir das sehen können, hat einzig Simon 1994 die selbe strophische Gliederung), zum Anderen, weil wir ihrer zum Zwecke der Diskussion der schwierigen Übersetzungsfrage von Jon 2,6c bedürfen. Aus diesem Grund werden wir die Aufteilung in Strophen auch erst an dieser Stelle des Einzelstellenkommentars diskutieren.

Der Jonapsalm und seine Parallelen im Psalter

In der Exegese von Jon 2 ist das Auffinden von Parallelstellen regelrecht zum Volkssport avanciert; Wendland spricht beim Jonapsalm deshalb vom „mother lode“ of intertextual citation and paraphrase“f
Lange Zeit wurden diese vielfältigen Bezüge zum Psalter angesehen als „Zitate“; noch Brichto etwa behauptet, im Jonapsalm sei „each stone copied from one or another placement in the Psalter.“g
Wir haben mal die Sekundärliteratur durchforstet nach Vorschlägen für solche Parallelstellen und fügen hier eine Psalmenversion inklusive der eindeutigeren und sinnvolleren Parallelstellenvorschläge ein. Im Volkssport der Parallelstellensuche dürften wir damit Tabellenführer sein, auch, wenn wir die weiter hergeholten Parallelstellenvorschläge hier schon ausgespart haben.

3 Ich rief in meiner Not zu Jahwe,

und er hat mich erhört.

Aus der Hölle Schoß schrie ich um Hilfe,

du hast sie mir gewährt.


4 Auf hoher See warfst du mich in das tiefe Meer,

dass Meeresströme mich umgaben.

All deine Brandungen und deine Brecher

strömten über mir einher.

5 Und ich, ich dacht bei mir::

„Ich bin verdammt aus deinen Augen.“

Und dennoch sollt ich wieder schauen

deinen heil´gen Tempel.


6 Es umgab mich das Wasser,

Die Urflut umschloss mich,
und Seegras war mein Leichentuch.

7 Zum Fundament der Berge stieg ich hinab,

Der Erde Riegel sollten sich für immer um mich schließen.

Da zogst du aus dem Grabe mich,

mein Gott Jahwe.


8 Als mir der Atem schwand

rief ich zu Jahwe,

mein Beten drang zu dir empor

an deinen heil´gen Tempel.


9 Anhänger eitler Nichtse -

ihre Liebe lassen sie.

10 Ich aber will mit lautem Dank

dir Opfer bringen.

Was ich gelobt, will ich erfüllen.

Hilfe kommt von Jahwe.


Wenn man sich diese vielfältigen Bezüge einmal ansieht, wird schnell ersichtlich, wie absurd die Vorstellung ist, ein Autor habe sich einen Psalm aus all diesen Parallelstellen zusammengebastelt. Aus diesem Grund ist hier Bolin zuzustimmen, die in Anschluss an Bewer ausführt:

„Ninety years ago Julius A. Bewer held that Jonah´s psalm is not so much the result of a direct borrowing from the Psalter, but rather demonstrates, „that the author was steeped in the religious language of the post-exilc community. That he should have worked these 'quotations' together into a psalm, taking them from these various other psalms, does not seem likely... The phrases it has in common with the other psalms were the common property of the religious language of the author´s day.“ [...] What is at work in Jonah´s song is not a direct dependence or borrowing of a text or texts by another, but evidence of an established method of literary composition in which certain motifs occur in the same cluster within the larger, differing contexts of several Hebrew poems.“h

Ein Weiteres lässt sich zeigen mit dieser Parallelstellenversion: Wieder und wieder wird die Behauptung Magonets zitiert, der gesamte Psalm sei von Psalterbezügen durchwaltet – außer in Jon 2,6, wo die ungeheuerliche Situation auch ein neues, ungeheuerliches Sprechen erforderlich mache:

„The familiar frame of reference and customary terminology continue until verse 6a, and then suddenly in this second stage of descent, all familiarity ceases [...] At this point both stylistically (the narrative form) and from the point of view of what is described, the author breaks into new territory, where the terminology of his tradition is no longer used, and and perhaps can no longer be used. In parallel to the situation he describes, the sudden change from familiar to unfamiliar language takes one into the depths of a frightening new world, far from God, where only the sudden intervention of God Himself can restore the lost soul.“i

Wie wenig diese Behauptung zutrifft, lässt sich oben wohl auf den ersten Blick sehen. Es wird Zeit, dass sie endlich zu Grabe getragen wird.

Der Jonapsalm – eine Parodie?

Der Jonapsalm ist also, wie wir sahen, getränkt von religiösem Vokabular. Das ist natürlich, wie man heute so sagt, „a pain in the ass“ für die Exegeten, die in der Figur des Jona gerne einen Anti-helden sehen würden, der sich bösartig gegen Gott vergeht.
Die Lösung des Problems liegt nahe: Der Psalm wird als sekundär erklärt. Und in der Tat wurde dies ja von vielen, vielen Exegeten vertreten, etwa: Allen, Bewer, Budde, Childs, Collins, Couffignal, Cross, Daube, Day Eissfeld, Fohrer, Friedman, Gunkel, Halpern, Johnson, Keller, Licht, Nogalski, Soggin, Trible, Walsh, Weimar, Wolff (Wolff geht sogar so weit, dass er den Jonapsalm in seiner Übersetzung in „Studien zum Jonabuch“ einfach weglässt, und zwar mit der merkwürdigen Begründung, dass der Jonapsalm im Gegensatz zu den anderen beiden Gebeten im Jonabuch (1) Poesie und (2) kein Klagepsalm seij), ...
In letzter Zeit wurde aber häufig auch eine weniger naheliegende Lösung vertreten: Das Problem sei überhaupt kein Problem, so heißt es dann – denn der Psalm sei ja gar nicht ernst gemeint.
Der erste Ansatz ist hier, Jona 2 als „Parodie“ zu interpretieren. Er wurde bei Jon 2 im Anschluss an Miles 1990 v.a. von Berlin 1993 vertreten. Miles nämlich versucht in seinem Aufsatz „Laughing at the Bible: Jonah as Parody“, das ganze Jonabuch als Parodie auszuweisen. U.a. wird bei ihm Jon 3 zu einer Parodie auf die Textsorte „Prophet wird von einem König zurückgewiesen“ – was völlig absurd ist, da in Jona 3 die selben Aktanten auftreten mögen wie in der genannten Textsorte, in ihrer (nicht einmal vorhandenen!) Interaktion aber kein einziges der diese Textsorte konstituierenden Plotbestandteile zusammenkommt. Nach der selben Logik könnte man heute auch einen Krimi als Romanze klassifizieren, weil in beiden Genres Menschen auftreten. Wie auch immer: Brenner jedenfalls findet Miles Ansatz sinnvoll und versucht nun ihrerseits, Jon 2 als Parodie zu bestimme. Sie gibt zwar selbst zu:

The possibility that the poem is a parody – critical and humorous, a comical presentation of genre and fictional character – could not have been so defined in isolation. Had there not been other indications of genre parody [...] and satire [...], I would have been happy to consider the prayer as an imagined sincere expression of a person in distress.“, k

aber weil diese indications nun mal angeblich da sind, geht sie trotzdem dazu über, einzelne Indikatoren für das Parodistische im Jonapsalm aufzuzeigen. Dass „Parodie“ ein biblischen Schriftstellern gar nicht zur Verfügung stehendes Genre war, zeigten wir schon in der Einleitung, wir müssen uns mit diesem Ansatz also gar nicht weiter beschäftigen – obwohl es Spaß machen würde, denn die Indizien, die Brenner und Andere auflisten, um von ihnen her kommend Jon 2 als Parodie oder Satire bestimmen zu können, sind teils so absurd, dass sie sich ohne Weiteres dazu eignen würden, aus der Widerlegung selbst einen humoristischen Text zu gestalten. Nur ein kurzes Beispiel: Brenner geht davon aus, dass die Not, die im Psalm geschildert wird, nicht die Not des Ertrinkens sei, sondern der Fisch. Daher bestimmt sie – Miles folgend – die Funktion des Psalms als ein „beseeching God for a metaphorical 'rescue from a pit'.“l Bei 2,6 werden wir sehen, dass das völlig am Text vorbeigeht; aber weiter: Durch diese Funktionsbestimmung ergeben sich natürlich Schwierigkeiten mit der Zeitform: Die Not wird ja im Psalm eindeutig in die Vergangenheit verortet, nicht in die Gegenwart des Im-Fisch-Seins. Brenner registriert das natürlich, aber gerade das wird ihr zum Anlass, den Psalm als humoristischen Text umzuinterpretieren. Obwohl also im Psalm Jona sich nicht etwa beklagt, sondern dankt (s. Einleitung), und obwohl als die geschilderte Not eben nicht der gegenwärtige Fisch, sondern das vergangene Beinahe-Ertrinken konstituiert wird, bestimmt sie das im Psalm Geschilderte als Metaphern für die beklagenswerte Situation, nämlich den Fisch. Das passt natürlich auch nicht; das Gesagte lässt sich nämlich keineswegs metaphorisch auf die Situation im Fisch beziehen. Und auch das registiert Brenner - aber weit davon entfernt, spätestens hier wieder von ihrer Interpretation abzugehen, kommt jetzt, aufgepasst, der Aufweis der Komik: Gerade das sei nämlich urkomisch – dass nicht nur der Klagepsalm ein Dankpsalm sei, dass nicht nur die Zeitform falsch sei, sondern dass darüber hinaus nicht mal die Metaphern Metaphern seien (man fragt sich, wie sie dann überhaupt dazu kommt, die „Metaphern“ als Metaphern zu bestimmen):

„Unlike the imagery in similar psalms, the metaphors in Jonah´s prayer are rendered invalid because, within the story, they cease to function as metaphors. Factuality and image cancel each other out. The result is a ludicrous parody of the true believer´s complaint: will the same metaphors still be meaningful when the metaphorized situation materializes?“m

Verstanden? Gelacht? Wir auch nicht.〈a href="#note_n" id="reference_n_1" title='Dieser Argumentationsgang Brenners wird aber sogar auch von anderen Exegeten aufgegriffen; Sharp 2008 etwa referiert lakonisch: "Second, figures of speech …'n〉

Ein zweiter Ansatz ist es, den Psalm nicht als Parodie zu lesen, sondern ihn als durchweg ironisch aufzufassen. Auch hierfür zitiert Brenner Gewährsmänner (aber die Auffassung des Psalms als ironisch ist wohl eine der verbreitetsten überhaupt in der Exegese des Jonapsalms):

„Magonet (1983: 39-54) argues that the poem is authentic and original; that its many echoes of the Book of Psalms are deliberate [mis]quotations [...]; [...] that the poem´s apparent incongruity disappears when its 'pious' nature is perceived as ironic [...].“o

Besonders frech ist, dass Brenners Hinzufügung von „[mis]“ zu „[mis]quotation“ daraus selbst eine misquotation macht – Magonet hat in seiner Jonaexegese eine dem Jonabuch eigene Zitationsweise herausgearbeitet, die zwar sehr komplex ist, die aber mit „misquotations“ nicht annähernd erfasst werden kann. Aber, desungeachtet: Wer soll es denn eigentlich sein, der hier „ironisch“ spricht? Jona oder der Erzähler? Gleich, wer es sein soll; beides macht keinen Sinn. Denn, was heißt „Ironie“? Bar-Efrat unterscheidet in „Narrative Art in the Bible“ zwischen „dramatic irony“ and „verbal irony“. „Dramatic irony“ können die Exegeten hier im Jonabuch nicht meinen, weil sie die scheinbaren Paradoxa des allzufrommen Jonapsalms nicht auflösen würde: Dramatische Ironie kommt zustande in Situationen, bei denen „the character knows less than the reader, or unknowingly does things which are not in his or her own best interest, or from the course of events leading to results which are the reverse of the character´s aspirations.“p Also ist wohl „verbal irony“ gemeint. „Verbal irony“ lässt sich am leichtesten mit Sutherlands Bestimmung definieren: „At its simplest, irony is saying one thing and meaning another. [...] The etymological origin or the word – the Greek eironeia – translates as „deception,“ „hypocrisy“ or „lie.““q Aber wie hätte man sich dementsprechend den Autor des Jonabuchs vorzustellen? Sitzt er, sich ins Fäustchen lachend, über seinem Papyrus und denkt sich: „Hihi – Nicht...!“? Welche Funktion hätte dann noch der Psalm? Und, andererseits, der ironische Jona: Man stelle sich einmal die Situation vor: Da sitzt Jona seit drei Tagen im Bauch des Fisches, der ihn vor dem Ertrinken gerettet hat. In dieser Situation sich mit solchen Worten an Gott zu wenden und das Gegenteil des Gesagten zu meinen, würde bedeuten, dass Gott hier wider Jonas Interesse gehandelt hätte; das im Psalm gesagte könnte in diesem Fall aber gar nicht als Ironie verstanden werden, sondern wäre sarkastischer Hohn - und das passt nun wirklich nicht in den Verlauf den Jonabuches. Und auch hier wieder: Welche Intention steckte dann noch hinter diesem Psalm?
Hinzu kommt: Auf die Bestimmung des Psalms als Ironie kommt man ja überhaupt erst, wenn einem der Psalm als „zu fromm“ erscheint, weil man Jona eben als „nicht-fromm“ auffasst und dieses „nicht-fromm“ herleitet aus Jonas sich-Vergehen gegen Gott. Wäre dieses sich-Vergehen so aber richtig aufgefasst, dann wäre dies ein derart gewaltiger Frevel, dass als Reaktion Gottes nicht etwa der sanfte Spott, Jona vom Fisch wieder ausspeien zu lassen, zu erwarten wäre – sondern Jonas Tod, vgl. 1 KönKönig, Eduard: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig, 1922. 13; 20,35f . Ein biblischer Autor würde sich also hüten, einen solchen Frevel durch Ironisierung abzuschwächen. vgl. auch Simon: „Das Urteil für einen Propheten, der sich weigert zu prophezeien, wird in der Mischna festgelegt: „Wer sein Prophetentum niederhält ..., wird durch den Himmel sterben, denn es ist gesagt: 'Und ich werde es von ihm fordern' (Dtn 18,19)“ (Sanhedrin 11,5). Dies wird im Babylonischen Talmud auf Jona bezogen (Sanhedrin 89a).“

In diesem Kommentar stellt der „allzu fromme Jonapsalm“ überhaupt kein Problem dar; denn es war ja überhaupt erst Anlass dieses Kommentars, aufzuzeigen, dass Jona hier keineswegs dargestellt wird als nicht-fromm, sondern als allzu fromm – als Fanatiker nämlich; und aus dieser Perspektive ist der Jonapsalm nicht etwa disgruent mit dem Rest des Jonabuches sondern passt hier hervorragend hinein. Aber dazu später mehr; beginnen wir einstweilen mit dem Einzelstellenkommentar.

Einzelstellenkommentar

2,1-3a

1 Jahwe bestimmte einen großen Fisch, der Jona verschlingen sollte.
Jona war drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches. 2 Und Jona betete aus dem Bauch des Fisches zu seinem Gott Jahwe. 3 Er sprach:


Jona wird, nachdem wir ihn in 1,15 aus den Augen verloren haben, in 2,1 wieder in die Handlung eingeführt, und die Art der Einführung erweckt den Eindruck, das in 2,1 Geschilderte trüge sich zeitgleich mit dem Bekehrungsgeschehen auf dem Schiff zu. So schreibt schon Ben Eli:

„[Chronologically], this verse immediately follows 1:15, but it is inserted after the men worshipped the LORD (v. 16) in order to mention the faith of the people and their conversion at the time that the sign was performed."r

Diese Deutung lässt sich grammatisch stützen, denn das Imperfectum consecutivum schließt dicht an die Gabelung an 1,15a an.s In der 12-Propheten-Qumran-Rolle wird zudem kein Leerraum eingefügt zwischen Jon 1 und Jon 2, anscheinend beginnt hier erst nach Jon 2,11 ein neues Kapitel.t Wir waren daher zunächst versucht, aus diesen Gründen mit Allen und Wolff mit „Inzwischen hatte...“ zu übersetzen. Allerdings erweist sich mit Einsatz des Psalmes die anfängliche Wahrnehmung des Lesers ja als verkehrt; der Fisch hat Jona eben nicht direkt von der Wasseroberfläche weggefressen, sondern Jona muss zunächst tiefer und tiefer – bis hinab zur Unterwelt – sinken, bis der Herr ihm den Fisch sendet. Und auch das lässt sich über das Tempus von V. 1 ausdrücken:

„Der Erzähler benutzt nicht die Form [...] „und der Herr hatte einem Fisch befohlen“ [...], die die Vorvergangenheit ausdrückt. Daher ist es wahrscheinlich, daß er betonen wollte, daß das Eingreifen Gottes nicht sofort geschah, nachdem der Prophet ins Meer geworfen war.“u

Mit der obigen Lösung haben wir versucht, das Tempus so unspezifisch zu lassen, dass beide Lesarten auch im Deutschen noch möglich bleiben. Wie auch immer: Gleich, wie V. 1 hier zu lesen ist, auf jeden Fall ist festzuhalten, dass wir es hier ein weiteres Mal mit einer planvollen Nachholung zu tun haben. Natürlich beginnt Jonas Kampf mit dem Wasser gleichzeitig mit dem Bekehrungsgeschehen der Schiffsleute. Aber indem Jonas Wasserkampf am Ende von Jon 1 ausgespart und erst in Jon 2 ausgeführt wird, liegt am Schluss von Jon 1 das Augenmerk auf der Bekehrung der Schiffer als direkte Reaktion auf Jonas Selbstopferung, und auf diese Weise kann Jon 1 so auch mit dieser Szene schließen.

Doch auf welche Weise wird Jona hier eingeführt? – Kaum ist er wieder da, ist er auch schon wieder fort, denn ein von Jahwe bestellter großer Fisch taucht urplötzlich aus den Tiefen des Meeres auf und verschlingt ihn. Das Verb „Verschlingen“ hat zum Einen die Konnotation der Plötzlichkeit, v zum Anderen die Konnotation der höchsten Gefährdung. Es soll also zu Beginn von Kapitel 2 zunächst der Eindruck erweckt werden, der Fisch sei unseres Herren Instrument zur Bestrafung Jona, der ihn direkt von der Wasseroberfläche wegfrisst:w

„[Verschlucken] bedeutet in der Psalmensprache immer äußerste Gefährdung, oft sogar Vernichtung; [...] an Rettung soll der Leser hier also noch keineswegs denken [...].“x

bestimmte“ hat eine Sonderrolle im Jonabuch: 4 Mal „bestimmt“ unser Herr etwas: in 2,1 den Fisch, in 4,6 den Efeu, in 4,7 den Wurm und in 4,8 den Wind. Jedes Mal steht das mannah mit einem anderen Gottesnamen (vgl. o.), und jedesmal folgt auf das mannah ein Wortspiely (was ein Indiz dafür ist, dass es höchstwahrscheinlich ist, dass Jon 2,1 und Jon 4 den selben Verfasser haben). Es ist also wichtig, die Bedeutung dieses Wortes richtig zu sehen, da es sich hier um eines der Leitmotive des Jonabuches handelt.
Calvin deutete das mannah noch von seiner Prädestinationslehre her: Schon seit Anbeginn der Zeit habe Gott Wal, Pflanze, Wurm und Ostwind dazu bestimmt, zu diesem Zeitpunkt genau das zu tun, was sie im Jonabuch eben tun. Und in der Tat kann mannah so gelesen werden, s. z.B. Jes 65,12; und tatsächlich wurde es auch schon häufiger so gelesen. In der Zohar etwa sind folgende Worte Rabbi Abba´s festgehalten:

„„Where and when did God speak to the fish?“ he asked. „It was,“ he replied, „at the time of Creation, when the Holy One, bessed be He, created the world; to wit, on the fifth day, when He created the fishes of the sea. Then He ordained and appointed a certain fish to swallow up Jonah and retain him in its body three days and three nights and then eject him [...]“.“z

Rudolph 1971 kommentiert außerdem zum praeparavit der Vulgata, dass sich Hieronymus „offenhalten wollte, ob Jahwe das Tier eigens für Jona erschuf.“aa Die hierige grammatische Form geht aber in der Regel eher einher mit der Idee des jemandem-etwas-Zubestimmens, des planvollen Einsetzens von etwas; vgl. etwa 1 Chr 9,29: „Andere waren zur Aufsicht über die sonstigen Geräte und alle Geräte des Heiligtums bestimmt worden“; Dan 1,5.10: „der König bestimmte ihnen Speisen zu“, Dan 1,11: „der Mann, den der Oberkämmerer zum Aufseher für ihn selbst sowie für Hananja, Mischael und Asarja bestimmt hatte“ usw.ab
Bedenkt man nun noch, dass in Jon 4 all die „bestimmten“ Dinge tatsächlich einem eindeutigen Zweck dienen – nämlich Jona zu belehren -, so liegt diese Deutung hier näher.ac

großer Fisch“ - Ins kulturelle Gedächtnis eingegangen als „Wal“, heißt es hier doch nur „Fisch“. Die Tradition, dag zu lesen als "Wal", wurde gelegentlich auf Jesus zurückgeführt, der in Mt 12,39-41 vermeintlich von Jona im Wal spricht. Das NT hat hier aber kätos, was ebenso wie dag und das cetus der Vulgata sowie das hût der arabischen Version ganz allgemein für einen großen Fisch oder Seeungeheuer stehen kann.ad Der wahre Bösewicht war nicht Jesus, sondern Luther, der zwar nicht diese Stelle, aber Mt 12,40 übersetzte mit „Wal“.ae
Noch bis vor wenigen Jahrzehnten lag das Hauptinteresse von Exegeten vor Allem auf der Frage, wie „realistisch“ es denn eigentlich sei, dass da jemand 3 Tage im Bauch eines Fisches überleben könne (Haupt 1907 z.B. zitiert Berichte von Seemännern, die angeblich lebend aus dem Bauch eines Hais geborgen wurden), dass jemand im Mittelmeerraum von einem „Wal“ verschlungen werde (wo es im Mittelmeerraum doch allenfalls Pottwale gäbe, aber keine „echten Wale“) und ob ein Mensch nicht zerquetscht werde, wenn ein Pottwal ihn verschlinge (Aalders 1948 z.B. referiert biologische Sachverhalte, um zu belegen, dass es so unmöglich gar nicht sei, ganz im Magen eines Pottwals anzukommen und dort auch zu überleben; Keil und Delitzsch inkludieren in ihrem Kommentar zu 1,17 eine „note“ zum aqualus carcharias L., in dem sie biologische Daten zu dieser Tierart referieren usw.). In nahezu jedem neueren Kommentar werden außerdem noch ältere rationalisierende Erklärungsansätze referiert, die den Inhalt von Jon 2 als Traum erklären wollen oder die davon ausgehen, „großer Fisch“ sei der Name des Schiffes oder Ähnliches, die aus dem selben Beweggrund entstanden.
Zusätzlich für Verwirrung hat gesorgt, dass der große Fisch von 2,1 nach 2,2 offenbar eine Geschlechtsumwandlung durchmacht und sich dann in 2,11 doch wieder umentscheidet: in 2,1.11 steht dag, in 2,2 daga. Die gebräuchlichste Erklärung ist, dass es sich bei 2,1.11 um eine generische Bestimmung des Fisches handle, während es sich bei 2,2 um ein nomen unitatis handle, das dazu diene, „to indicate a single example of a class which is denoted by the masculine form“af. Es leuchtet dann aber nicht ein, warum dann in 2,11 wieder zum Maskulinum gewechselt wird. Ebenfalls häufig ist der Erklärungsansatz, dass es sich hier um eine rein stilistische Variation handle. Sasson schließlich merkt hier an, dass in einzelnen Fällen in denen das Geschlecht eines Bezeichneten irrelevant ist, dieses Bezeichnete auch mit beiden Geschlechtern bezeichnet werden könne.ag Wir gestehen, der Grund für die Geschlechtsumwandlung ist uns völlig rätselhaft.

Zwischen den beiden Sätzen von 2,1 hat der MT einen ´atnah-Akzent, einen starken disjunktiven Akzent. Wir haben aus diesem Grund hier einen Zeilenumbruch eingefügt, weil es zum Charakter dieses ersten Verses (und des Jonabuchs insgesamt) passt, dass nach der scheinbaren plötzlichen Vernichtung Jonas durch das Verschlungen-Werden überraschenderweise doch wieder eingesetzt wird mit „Aber er lebte doch noch: Drei Tage und drei Nächte...“.

Bei Bauch wird gelegentlich betont, dass es theoretisch auch andere Körperteile bezeichnen könnte, etwa die „Innereien“ah; Limburg schlägt auch „Brust“ vor.ai Es ist dies aber ganz unnötig. Was ein Wort bedeutet, geht nicht nur aus dem Lexikon hervor, sondern auch aus dem Kontext. Und nachdem der Fisch Jona „verschluckt“ und nach drei Tagen wieder „erbricht“, liegen andere Übersetzung als Bauch (i.S.v. Magen) sehr fern.

Spätestens seit Landes 1967 ist auch über das drei Tage und drei Nächte sehr viel spekuliert worden. Landes nämlich vertritt die Theorie, dass mit den drei Tagen und drei Nächten nicht eine bestimmte Zeitspanne gemeint sei, sondern dass hier hiermit die Zeit, die man für eine Reise zur Unterwelt (oder zurück) brauche, bezeichnet würde. Er leitet dies aus einem Mythos ab, in dem Inanna ebenso lang für den Abstieg in die Unterwelt braucht.aj Es ist dies gewaltig spekulativ, würde aber tatsächlich zu Jon 2 passen, da Jona ja im Verlauf des Psalms mehrfach äußern wird, bis hinab zur Unterwelt gesunken und von dort von unserm Herrn gerettent worden zu sein. An sich ist es aber unerheblich, ob auch die drei Tage und drei Nächte für diese Reise Symbol sind oder nicht; dass der große Fisch von der Unterwelt wieder an Land transportiert, kommt auch so zum Ausdruck.
Eine andere, noch häufiger zu lesende Position ist, dass 3 Tage idiomatisch für eine kurze Zeitspanne stünden. Aber auch das lässt sich nicht zweifelsfrei belegen; wahrscheinlicher ist es, dass derart idiomatische Zeitausdrücke kontextuell gedeutet werden müssen und also hier „drei Tage und drei Nächte“ einfach zu lesen ist als „ein paar / einige Tage“.ak Das selbe lässt sich übrigens einwenden gegen den Vorschlag, das „40 Tage“ in Jon 3 als idiomatischen Ausdruck für eine lange Zeit zu lesen.

Zum seinem Gott“ schließlich hat Stuart etwas Wichtiges geschrieben:

„[...] We are reminded that Yahweh was still, as ever, Jonah´s God. [...] Jonah´s flight and the circumstances that followed in no way contravened Jonahs faith. That remained as strong as ever.“al

Es sind diese wenigen Buchstaben, die Hieronymus berechtigen, in einem Brief an Paula zu schreiben: „Jonah, that headstrong prophet, once fled from me, yet in the depths of the sea he was still mine.“am

2,3

Ich rief aus meinem Unheil zu Jahwe

und er hat mich erhört.

Aus der Hölle Schoß schrie ich um Hilfe

du hast sie mir gewährt.


Heinrich Hudemann leitet Jonas Gebet in seinem Epos „Jona“ ein mit folgenden Versen:

„Was aber fragestu mag da gewesen seyn
Des Jonae Werck? Der Bauch des Fisches fein
Ein Tempel jhme war! darinnen er getichtet
Hat ein sehr schön Gebet/ als er mit ernst gerichtet
Sein Andacht hoch zu GOtt/ und recht von Hertzen Grund
Gesprochen diese wort auß seinem weysen Mund.“an

Wie verblüffend anfangs dieser Jonapsalm im Zusammenhang des Jonabuches wirken muss, kommt hier sehr schön im Gegensatz von „Der Bauch des Fisches fein / Ein Tempel jhme war“ zum Ausdruck, und in der Tat hat dieser Aspekt des Jonabuches Exegeten bisweilen Probleme bereitet. Simon etwa fragt sich:

„Drei Tage und drei Nächte war der Prophet eingesperrt und gefangen. [...] Nicht die bedrohliche Meereswellen brachten ihn dazu, wieder den Kontakt mit Gott zu suchen, sondern die Eingeweide des Fisches; nicht die tödliche Bedrohung öffnete ihm den Mund, sondern die Kraftlosigkeit eines Zustands zwischen Tod und Leben. Warum ist dann aber das Gebet, das er spricht, ein Dankpsalm (der sich auf etwas Vergangenes bezieht: die Errettung vor dem Ertrinken), und kein Bittpsalm (der hauptsächlich die Bitte um Errettung aus dem Fisch enthielte), wie zu erwarten wäre?“ao

Wenn es völlig klar wäre, dass Jona hier für eine in der Vergangenheit liegende Errettung vom Ertrinken dankt, stellte dies kein allzu großes Problem dar; es wäre naheliegend, dass Jona in diesem Fall in ein Dankgebet ausbricht. Aber auch diese Vergangen-heit der Not wurde von Exegeten problematisiert. Sasson zum Beispiel schreibt über die Zeitformen des Psalms:

„Many modern commentators, who argue that in gulping Jonah the fish rescued him from death, similarly seek to explain the past tense: Jonah´s psalm gratefully acknowledges God´s interference in his behalf; lastly Stuart 1987: 479-80. [...]
In prayers, appeals, and vows, the speaker is not normally concerned with a meticulous and accurate reherasal of past deeds. [...] There is an abiding and timeless quality to these statements that can be compromised by a servile attachment to the verbal forms of the Hebrew.
Consequently, I commonly use the English general present to translate Jonah´s psalm where the Hebrew has the perfect, but also imperfect, tense forms. This decision in no way contravenes Hebrew grammar [...].“ap

Die Kommentatoren, die Sasson hier anspricht, halten in der Regel dagegen, dass der Psalm eine typische Dankpsalm-struktur habe und also eine andere Lesart sehr fern liege, lesen dann aber eine Struktur in den Jonapsalm hinein, die er nicht wirklich hat. Wir ziehen hier exemplarisch Stuarts Wiedergabe der Dankpsalm-struktur abaq; für einen anderen Vorschlag vgl. Limburg 1993, S. 65:

Strukturelement Vers(e)
Introduction to the psalm v 3
Description of past distress vv 4-7
Appeal to God for help v 8
Reference to the rescue God provided v 7b
Vow of praise and/or testimonial vv 8-10


Im Kommentar zu v. 6 werden wir, hierbei teilweise Barker folgend, eine andere Struktur herausstellen. Aber auch, bevor wir dies getan haben, können wir leicht gegen diese verkehrte „Vergegenwärtigung“ Sassons argumentieren, indem wir einfach darauf hinweisen, dass die Verbildlichungen des Wassers vielleicht noch als Metaphern für seinen Aufenthalt im Fisch gelesen werden könnten, spätestens die Erwähnung der Fundamente der Berge aber nicht mehr; zudem darauf, dass v. 8 eindeutig von einer „schon erfolgten Gebetserhörung“ar spricht und sich also auf ein Gebet und eine Erhörung vor dem ins Jonabuch aufgenommenen Psalm bezieht und darauf, dass Jona seine Not unter Anderem dadurch beschreibt, dass er sagt, unser Herr habe ihn in die Tiefe geworfen, was sich auf das Hinabwerfen der Schiffer beziehen kann, nicht aber auf das Verschlungen-Werden durch den großen Fisch. Die übliche Übersetzung mit Vergangenheitsformen ist also die korrekte und wird so von uns beibehalten. Es bleibt dabei: Der Fisch ist für Jona Rettung, für die er unserm Herren dankt; ein „Tempel, darinnen er getichtet“: „Er sagt nicht: „Ich rufe“, sondern: Ich RIEF; und er bittet auch nicht für die Zukunft, sondern dankt für Vergangenes.“as

Ich rief greift wieder ein Leitwort aus Jon 1 auf. Rufen, das ist exakt das, wogegen Jona sich zu Beginn des ersten Kapitels verweigert hat und wozu ihn auch der Kapitän aufgefordert hatte. „Now Jonah finally carries out the request.“at Spätestens von hier an wird Jona uns nur noch als vorbildlicher ´ebed JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. unterkommen, denn selbst dies Kritische, das „Rufen“, wird nun von Jona entsprechend dem Willen unsres Herrn ausgeführt (vgl. Jon 3,3.4). Dies zu beachten ist wichtig, da es uns davor bewahrt, auf falsche Weise – nämlich negative / ironische... Weise – auf den Jonapsalm zu sehen; ist dies zentrale Wort doch auch das erste Wort überhaupt im Jonapsalm. Das ist umso eindrücklicher, als dieser erste Vers fast wortwörtlich Ps 120,1 entspricht – nur ist dort die Position von rufen und Not vertauscht.au Zu einem weiteren, noch kleineren Unterschied siehe den Punkt „aus“.

Unheil – Der Psalm nimmt häufiger mythische Züge an (vgl. 2,6f.). Auch dies lässt sich schon erahnen in diesem ersten Vers, nämlich an diesem Wort. Wir geben eine Übersicht über die verschiedenen Übertragungsweisen in den wichtigeren deutschen Bibeln:

Not: Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern., GNKurz für „Gute Nachricht Bibel“; als Vollbibel erstmals 1978 erschienen. Erste deutsche kommunikative Vollbibel; außerdem erste einzige durchgehend ökumenische deutsche Bibelübersetzungen. Ihre Rolle für die Geschichte der deutschen Bibelübersetzung ist schwer zu überschätzen., Grünewalder, Herder, HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln., NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie., NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien. , Rudolph, Tur-Sinai, Weiser
Drangsal: Buber, Krüger, SLTKurz für „Schlachter“; gemeint ist damit die Revision von 1995-2004 der erstmals 1905 erschienenen Bibelübersetzung von Franz Eugen Schlachter. Die Schlachter-Bibel ist recht urtexttreu; Schlachter verstand es aber, dieses genaue Übersetzen mit einem herrlichen kräftig-würzigen Stil zu verbinden, so dass sich am Ende dennoch eine gut lesbare Bibel ergab., Wolff
Bedrängnis: ELBKurz für „Elberfelder Bibel“. Sehr genaue und wenig kommunikative Übersetzung; als Vollbibel erstmals 1871 erschienen., Jeremias, Menge, Simon
Angst: LUTKurz für „Lutherbibel“. 1534 erstmals als Vollbibel erschienen. Zwar entgegen verbreitetem Urteil nicht die erste deutsche Bibelübersetzung, zweifellos aber die einflussreichste. Auch heute noch die verbreitetste deutsche Bibel überhaupt.,

und dies sind auch Übersetzungen, die in BDBF, HOL und TWOT nahegelegt werden. Im HALOT dagegen findet man die Bemerkung: „the opposite of deliverance, salvation“av. Um diese Nuance besser herauskommen zu lassen, haben wir hier mit „Unheil“ übersetzt, obwohl dies die Metrik der Übersetzung stört. Es gibt ein weiteres Indiz dafür, dass dies die notwendige Übersetzung ist: Das aus. „Aus“ ist der zweite kleine Unterschied von Jonapsalm und der Einleitung von Ps 120,1: Aus „in meinem Unheil“ in Ps 120 wird „aus meinem Unheil“.aw Simon referiert zu 2,2 Rabbi David Qimchi:

„Das Mem ('aus') [...] steht nicht anstelle eines Bet ('in'), sondern es soll aussagen, daß er aus der Bedrängnis heraus betete, wie auch: 'Aus dem Bauch der Unterwelt flehte ich' (V 3).“

Dies „aus“ steht drei Mal in diesen beiden Versen; seine Funktion ist „spatially, indicating the place from where an action is undertaken“:ax Jona betet aus dem Bauch des Fisches, er ruft aus seinem Unheil und er schreit aus dem Schoß der Hölle. Fischbauch, Höllenschoß und eben Unheil bilden hier ein Gedritt der Not, aus der Jona jeweils sich an Gott wendet, und schrittweise ändert sich der Bezugsrahmen von realistisch nach mythisch: Fischbauch => Unheil => Hölle. Dies geht einher mit der sich steigernden Intensität der Verba dicendi: beten => rufen => schreien (vgl. auch Ps 18,7). Es wird hier bereits die Entwicklung antizipiert, die in den beiden folgenden Strophen ein weiteres Mal feststellbar sein wird. Auch dies ist wieder ein Indiz dafür, dass Jon 2,2 und Jon 2,3 vom selben Autor stammen.


Hölle ist die Widergabe des hebräischen Scheol. „Scheol“ ist in der hebräischen Vorstellung das Reich des Todes. Im biblischen Weltbild liegt die dieses noch unter dem Wasser unter der Erde und kann also gleichgesetzt werden mit „Zisternen“ (Ps 30,4) oder „Gruben“ (Ps 16,10);ay kein Ort ist damit weiter entfernt von Gott als dieser (vgl. Pss. 6,5; 88,10ff ), obwohl Gottes Arm natürlich auch bis dort hinunter reicht; az gleichzeitig heißt es aber gelegentlich, dass von der Sheol aus jede Kommunikation mit Erde und Himmel unmöglich ist (vgl. Jes 38,18; Ps 30,10).ba
In Kommentaren wird gelegentlich geschrieben, der Jonapsalm sei im Qina-Metrum der Totenklage gehalten.bb Im Zusammenhang mit dem gerade Erläuterten würde dies auch gut passen; allerdings sind wir uns bezüglich der Frage des Qina-Metrums nicht ganz sicher; vom typischen 3+2-Fuß-Qina-Metrum gibt es hier sehr viele Ausnahmen. So z.B. schon in den ersten beiden Colae: Walsh 1982 will auch hieraus Fälle des Qina-Metrums machen und teilt auf:

qara´tî missarah lî
´el yhwh wayya´anenîbc

qara´ ´el + [Gottesname] ist aber idiomatisch in der Bibel; diesen Ausdruck auseinanderzureißen nur zugunsten eines hypothetischen Metrums wäre unnatürlichbd (und, noch einmal: Die Semantik des Urtextes ist der verlässlichste Orientierungspunkt zur Aufteilung in Colae, Verse etc.). Somit ergäbe sich also schon für das erste Bicolon eine erste Ausnahme mit einem Metrum von 4+1.

Die Tatsache, dass hier die Rede ist vom Schoß der Hölle ist mit der Hauptgrund, warum so viele Kommentatoren dazu verführt wurden, diesen Ausdruck als Synonym für den Bauch des Fisches zu lesen, denn die hebräische Entsprechung zu „Schoß“ lässt sich auch mit „Bauch“ übersetzen. Es wird hier aber ein anderes Wort verwendet als im Ausdruck „Bauch des Fisches“,be und gerade in einem Buch, das derart mit Leitwörtern arbeitet wie das Jonabuch, ist das bedeutsam. Es hat allerdings diese Verwechslung eine lange und ehrwürdige Tradition; schon Theodoret schreibt nämlich:

„He called the belly of the whale, „The belly of Hades“. Both the beast is capable of bringing death, and he was a dead man by virtue of what had happened to him, but he lived by God´s grace alone. [...] Above all, as a type of the Lord Christ, who spent three days and nights in the heart of the earth (Matt 12:40), he states reasonably that he had been in the belly of Hades.“bf

Du hast sie mir gewährt – Auch dieser Abschnitt wird in der Regel ungenau übersetzt; immer etwa mit „du hörtest meine Stimme“. Wir geben eine weitere Übersicht:

Stimme hören: Buber, ELBKurz für „Elberfelder Bibel“. Sehr genaue und wenig kommunikative Übersetzung; als Vollbibel erstmals 1871 erschienen., Herder, Jeremias, Krüger, LUTKurz für „Lutherbibel“. 1534 erstmals als Vollbibel erschienen. Zwar entgegen verbreitetem Urteil nicht die erste deutsche Bibelübersetzung, zweifellos aber die einflussreichste. Auch heute noch die verbreitetste deutsche Bibel überhaupt., NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien., Rudolph, Simon, SLTKurz für „Schlachter“; gemeint ist damit die Revision von 1995-2004 der erstmals 1905 erschienenen Bibelübersetzung von Franz Eugen Schlachter. Die Schlachter-Bibel ist recht urtexttreu; Schlachter verstand es aber, dieses genaue Übersetzen mit einem herrlichen kräftig-würzigen Stil zu verbinden, so dass sich am Ende dennoch eine gut lesbare Bibel ergab., Tur-Sinai, Weiser, Wolff,
Rufen hören: Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern., Grünewalder, NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie.
Hilferuf hören: GNKurz für „Gute Nachricht Bibel“; als Vollbibel erstmals 1978 erschienen. Erste deutsche kommunikative Vollbibel; außerdem erste einzige durchgehend ökumenische deutsche Bibelübersetzungen. Ihre Rolle für die Geschichte der deutschen Bibelübersetzung ist schwer zu überschätzen., HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln.

„Du hörtest meine Stimme“ ist aber nicht einmal die wörtliche Übersetzung; bzw. sie ist es nur, wenn man Konnotationen nicht mit zur Wortbedeutung rechnet. Du hast mich gehört und Du hast meine Stimme gehört sind beides Idiome „for more than just auditory sensation; they connote the gracious accession of God to the suppliant´s situation, not simply receipt of his or her words.“bg TWOT 2412 hat deshab unter shama die Übersetzungsvorschläge „hear“, „listen to“ und „obey“; in Gen 22,18 z.B. muss es sogar mit „gehorchen“ übersetzt werden. Beide Male geht es hier nicht darum, dass Gott ein gutes Gehör hätte, sondern dass er Jonas Flehen entsprochen hat. Die einzige wirkliche Entsprechung, die wir zum Ausdruck dieser Bedeutung im Deutschen haben, ist „erhören“, das wir schon im ersten Bicolon „aufgebraucht“ haben. Daher haben wir uns im zweiten Bicolon zu der freieren Übertragung „Du hast sie mir gewährt“ entschieden.

Schon der erste Vers des Jonapsalms ist damit meisterhaft konstruiert. Im ersten Colon liegt das klangliche Schwergewicht auf dem Vokal a: qaratî missarah lî; in Colon 3 und 4 auf der Alliteration mit Shin (sprich: sch) – mibbeten še´ôl šiwwa´tî / šama´ta qôlî. Bicolon 1 und 2 entsprechen sich mit der aufeinanderfolge [Jona: Ruf]-[JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-erhören]; Colon 1 und 3 sind zudem chiastisch strukturiert („ich rief aus meiner Not“) – („aus dem Schoß der Hölle schrie ich“);bh hinzu kommt noch die Dreierfolge aus den immer intensiveren Verba dicendi in Kombination mit der sich-steigernden Gottesferne.

2,4

Auf hoher See warfst du mich in das tiefe Meer,

dass Meeresströme mich umgaben.

All deine Brandungen und deine Brecher

strömten über mir einher.


Jon 2,4 gehört mit zu den schwierigsten Sätzen des Jonabuchs. Fraglich ist hier vor Allem, wie 2,4aα und 4aβ sich grammatisch zueinander verhalten; denn 4aβ wird von einer Präposition regiert, 4aα nicht. Damit ist die syntaktische Funktion mindestens von 4aα unklar. Vorgeschlagen wurde etwa,

  • dass 4aα von der Präposition 4aβ mitregiert werde und es sich hier um eine sogenannte „double-duty preposition“ handlebi
  • dass 4aβ eine Nachinterpretation zu 4aα sei („Ins Herz [die Tiefe] der Meere hattest du mich geworfen“bj),
  • dass 4aα und 4aβ gleichwertige alternative Formulierungen seien, zwischen denen der Vorbeter sich entscheiden konntebk,
  • dass es sich bei 4aβ um einen appositionalen Nebensatzbl oder zwei „complementary, and not necessarily equivalent, formulas“bm handle,
  • dass die beiden Ortsangaben zur Angabe der vertikalen und horizontalen Position Jonas dientenbn und
  • dass 4aα sich adverbial verhalte / dass es sich bei 4aα um einen „Akkusativ des Ortes“ bzw. „adverbial accusative“ handlebo („you cast me depthwards, into the heart of the seas“bp). Tucker bestimmt zudem 4aβ näher: „As an adjunct to the verb [...], the prepositional phrase stands as an adverbial modifier.“bq

Zumindest das grammatische Verhältnis von 4aαβ und 4b aber scheint klar: Es handelt sich hier um einen resultativen / konsekutiven Nebensatzbr bzw. einen „Folgesatz, der den neuen Zustand beschreibt“.bs
Die LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. hat „die Tiefe des Herzens der Meere“; VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr. und TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. ergänzen eine Präposition. Auch von der Metrik dürfen wir keine Hilfe erwarten, da v. 4 so oder so metrisch „unrein“ ist, selbst, wenn wir für den Jonapsalm ein Qina-Metrum ansetzen. Und auch grammatisch ist die Übersetzungsfrage offenbar nicht eindeutig zu lösen (s.o.); sehen wir also, ob wir uns der Übersetzungsfrage nicht aus dem Kontext zumindest annähern können. Um zu wissen, wonach wir suchen müssen, sind wir hier gezwungen, etwas aus der Strukturbeschreibung im Kommentar zu 2,6 vorwegzunehmen: Jon 2,4-7 verdichtet einen konsekutiven Abstieg Jonas:

„The stages of descent in „Jonah“ are described with almost „geographical“ exactitude: at first the „flood,“ the breakers and waves pass over him; he descends further to the base of the mountains till the very earth closes over him. Every other such description in the Psalter consists only of a series of synonymous phrases, any of which are interchangeable, but no other consecutive descent is described. The significance of this is two-fold. Once again it demonstrates the uniqueness of this „psalm“ and the unlikelihood of it being taken from a standart collection of such material.“bt

Zur Veranschaulichung ziehen wir aus Janowski´s „Das biblische Weltbild“bu eine Skizze des biblischen Weltbildes ab, die er selbst von Keel übernommen hat:

[| zur Skizze; leicht angepasst nach Janowski 2001, S. 11]

Aufschlüsseln werden wir diese Darstellung im Kommentar zu Jon 2,6; vorerst zurück zu 2,4. Wir wissen: Jon 2 verdichtet einen konsekutiven Abstieg, und wir wissen: Jon 2,4b ist ein resultativer Nebensatz; anders gesagt, er schildert das Ergebnis von 4aαβ. Schon aus Magonets Beobachtung folgt, dass Jona sich zu Beginn von v. 4 noch an der Wasseroberfläche befinden muss, und auch der Ausdruck „wenahar yesobebenî“ scheint das nahezulegen.bv Wenn sich Jona aber noch an der Wasseroberfläche befindet und dies das Resultat daraus ist, dass Gott ihn geworfen hat in die mesûlâ, darf dies nicht übersetzt werden mit „Tiefe“. Es muss also entweder mit Walsh adverbial gedeutet werden („hinab“) oder mit „the deep sea“.bw Ähnlich lässt sich argumentieren bei der Formulierung bilbab yammîm: Auch hierfür gilt, dass mit „Herz / Inneres der Meere“ nicht ein vertikales Innen, also die Meerestiefe gemeint sein kann. Gesenius, 18. Aufl., S. 592 hat es aber ohnehin verzeichnet mit „bildl. f. Mitte des Meeres“ und das HALOT gibt für bilbab an: „right in the middle of“; es wird hier also gesagt, dass Jona weit von der Küste entfernt über Bord ging; die deutsche Entsprechung ist demnach „auf hoher See“.
Und damit scheiden schon mal die Lösungen von Christensen, Simon, Stuart und Wolff aus. Es bleiben als mögliche Lösungen,

  • dass 4aα von der Präposition 4aβ mitregiert wird und es sich darum hier um eine sogenannte „double-duty preposition“ handeltbx
  • dass 4aα sich adverbial verhält / dass es sich bei 4a um einen „Akkusativ des Ortes“ bzw. „adverbial accusative“ handeltby („you cast me depthwards, into the heart of the seas“bz),
  • dass es sich bei 4aβ um einen appositionalen Nebensatzca oder zwei „complementary, and not necessarly equivalent, formulas“cb handelt.

Auch die „double-duty preposition“ können wir ausschließen. Die double-duty preposition ist ein Sonderfall der grammatischen Ellipse.cc Ellipsen funktionieren aber anaphorisch, nicht kataphorisch; denn der Witz der Ellipse ist ja, dass etwas ausgespart wird, bei dem der Leser in der Lage ist, es selbst zu ergänzen. Deswegen kann man für „Ist diese Erklärung gut oder ist diese Erklärung schlecht?“ auch schreiben „Ist diese Erklärung gut oder schlecht?“, nicht aber *„Gut oder ist diese Erklärung schlecht?“; und deshalb kann kann Waltke auch zur double-duty preposition schreiben:

„In adjacent lines of poetry a preposition may govern an object in one line and by extension in the next; we can say that a single preposition does double duty or that the second occurrence of the preposition has been removed by gapping.“cd

Auch der „appositionale Nebensatz“ lässt sich ausschließen. 4aβ, gelesen als appositionaler Nebensatz, müsste 4aα lokal näher spezifizieren: „The second member specifies the place where the first member is to be found.“ce Aber weder „hinab, d.h. auf hoher See“ noch „in das tiefe Meer, d.h. auf hoher See“ funktionieren. Und damit haben wir unsere Lösung. mesûlâ ist ein adverbialer Akkusativ, der das „goal of a movement“cf näher bestimmt und bilbab yammîm ist eine als Adjunkt fungierende präpositionale Phrase:cg „Auf hoher See warfst du mich in das tiefe Meer.“ Tucker hat also ganz Recht mit seiner grammatischen Analyse.

Was das Verb werfen angeht, so ist auffällig, dass hier ein anderes Wort verwendet wird als in Jon 1. Simon erklärt dies damit, dass der Autor hier eine andere Konnotation angezielt habe:

„Wie in Jes 14,19 wird das Verb [...] hier zugleich in seinen zwei Bedeutungen benutzt: In der realen Bedeutung des in die Abgründe des Meeres „Geworfenwerdens“, und in der übertragenen Bedeutung des „Verachtetseins“, „Verworfenseins“ [...]. Da er sein „Weggeworfensein“ - in doppelter Bedeutung – auf Gott bezieht, schreibt er auch die Wellen, die ihn umgeben, Gott als dessen Gesandte zu - „deine Brandungen und deine Wellen“.“ch


Simon´s Bemerkung ist ganz richtig; das „Hinabwerfen“ gerät so nämlich in einen motivischen Zusammenhang, den wir im Punkt 3.4.1 näher herausstellen werden; ebenso die Rolle der beiden Possesivpronomina. Auf das „du“ in „du warfst“ mich wiesen wir bereits im Kommentar zu 1,12 hin.
Weiterhin wichtig ist, dass Jona hier, in Jon 2,4b, angekommen ist auf der nächsttieferen Ebene in der obigen Grafik. Mishbar nämlich sind die Brecher; Wellen, die sich am Ufer brechenci und bezeichnen also keine Wasserströmungen in der Tiefe des Meeres, und gal bezeichnet „Wellen“, die qua Wellen eben auch an der Wasseroberfläche zu finden sind. Jedoch: Diese Brecher und Wellen strömten über ihm einher (HALOT: „pass over someone“; Gesenius: „überfluten“; BDBF: „of waves, over one´s head“) – er befindet sich also nun unter der Wasseroberfläche. Mit „Brandungen und Brecher“ haben wir übersetzt, um den Gleichklang von kol-misbarêka wegallêka auch in der Übersetzung ausdrücken zu können, „strömten über mir einher“ aus stilistischen Gründen.

2,5f.

5 Und ich, ich dacht bei mir:
„Ich bin verdammt aus deinen Augen.“
Und dennoch sollt ich wieder schauen
deinen heil´gen Tempel.


6 Es umgab mich das Wasser,
Die Urflut umschloss mich
und Seegras war mein Leichentuch.cj


Wenn man sich eine Zeitlang etwas intensiver auseinandersetzt mit dem Jonapsalm, kann der Eindruck aufkommen, die Forschung habe sich in jedem Vers festgebissen an genau einer exegetischen Frage und eventuelle zusätzliche Erläuterungen zum jeweiligen Vers seien exegetisches Beiwerk. In V. 3 ist dies die Frage danach, ob der „Schoß der Hölle“ gleichzusetzen sei mit dem Bauch des Fisches und ob ein Dankpsalm hier eigentlich angemessen sei; in V. 4 ist es die Frage nach der syntaktischen Funktion von mesûlâ, in V. 5 die nach dem Partikel ´ak und in V. 6 die nach der Übersetzung von sûp. Obwohl unserer Ansicht nach beide Verse zu unterschiedlichen Strophen gehören, müssen wir sie gemeinsam behandeln, da die Antwort auf diese beiden strittigen Fragen auf der selben Argumentationsgrundlage fußt.

Kurz zur Einführung: Das Problem mit dem Partikel ´ak ist überhaupt kein Urtextproblem, wie es z.B. die Frage nach der syntaktischen Funktion von mesûlâ ist. Der Streit um das ´ak ist viel mehr ein Kampf mit Windmühlen; dass es überhaupt zu einem exegetischen Problem werden konnte, ist vollständig „auf dem Mist der Exegeten gewachsen“. Denn die einzige Frage, die der Urtext bei diesem Wort aufwirft, ist, ob ´ak emphatisch oder adversativ zu übersetzen sei - „Sicherlich werde ich wieder deinen heil´gen Tempel schauen!“ oder „Dennoch werde ich wieder deinen heil´gen Tempel schauen.“ (obwohl diese Frage natürlich mit anderen Fragen zusammenhängt). Exegeten, die nicht akzeptieren wollten, dass der Fisch Jona´s Rettung statt seiner Strafe darstellt und die zusätzlich Verfechter des „Antihelden-axioms“ waren, hatten von jeher ein Problem mit beiden Übersetzungen – woher sollte denn dieser von Gott verstoßene Sünder die Zuversicht nehmen, mit der er hier erklärt, trotz Allem wieder (nach) Gottes Tempel zu schauen? Einige Kommentatoren durchsuchten nun alternative Textversionen. Zwar hat neben MT auch TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. Ps.-J. und wahrscheinlich auch Mur 88 die selbe Lesartck, aber: LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. und Theodotion lesen anders: LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. leitet ein mit ἆρα und interpretiert Jon 2,5b als Frage - „Werde ich denn jemals wieder deinen heil´gen Tempel sehen?“cl. Und Theodotion vokalisiert das ´ak als ´êk, überträgt dies mit πῶς und bietet so jene Lesart, „die die meisten heutigen Exegeten befürworten: „Wie soll ich je wieder schauen...“, einen Ausdruck völliger Verzweiflung.“;cm diese Theodot´sche Vokalisation ist sogar die vorgeschlagene Lesart der BHS.
Die Frage nach dem sûp ist komplizierter. Súb wird ohne Ausnahme übersetzt mit „Tang“, „Algen“ oder Ähnlichem; der Teilvers klingt dann so, als haben Algen sich um Jonas Kopf gewunden. Das Wort wird in eigentlich jedem Kommentar diskutiert; in der Regel aber nach dem gleichen Muster. Wolffs Bemerkung zu diesem Wort ist hier typisch: „[Sûp] bezeichnet sonst nur das Schilf am Nilufer [...]. Hier aber muß an großwüchsige Algen gedacht sein, die in den Tiefen des Meeres wachsen [...].“cn In den meisten Kommentaren war´s das; näher geht man auf dieses Wort nicht ein. Dabei ist aber für sûp allenfalls die Übersetzung „Schilf“ belegt; eine Übersetzung mit „Algen“ oder „Tang“ ist völlig aus der Luft gegriffen. Aus diesem Grund wird in einigen Übersetzungen dies Wort dann auch tatsächlich mit „Schilf“ wiedergegeben; aber im Zusammenhang mit der räumlichen Verortung des sich-um-Jona´s-Haupt-Schlingen des „Schilfs“ – an den Fundamenten der Erde – macht diese Übersetzung keinen Sinn. Hinzu kommt, dass sowohl die Übertragung mit „Schilf“ als auch die mit „Tang / Algen“ sowohl von der Isotopie als auch von der Stimmung des Verses und zudem von der Struktur des gesamten Psalms her gesehen aus dem Rahmen fällt – gerade so, als würde jemand, der davon berichtet, beinahe umgekommen zu sein während eines Banküberfalls auf einmal etwas Triviales einfließen lassen wie einen offenen Schnürsenken oder Ähnliches.

Für die Lösung beider Übersetzungsprobleme bedürfen wir der Strukturbeschreibung. Die Struktur des Psalms (so wie wir sie für richtig halten) wird aber erst dann richtig klar, wenn beide Stellen richtig übersetzt sind (d.h., so wie wir sie für richtig halten). Wir sind deshalb gezwungen, während der Strukturbeschreibung so zu tun, als wäre die Übersetzung dieser Stellen schon klar und bitten deshalb den Leser, uns einen Vertrauensvorschuss zu geben.
Nun denn: Die Strukturbeschreibung.

Zur Struktur des Jonapsalms

Kenneth L. Barker behandelt in „Cracking Old Testament Codes“ exemplarisch für die Textsorte „Dankpsalm“ den Jonapsalm. Er leitet dies ein mit:

„Jonah 2:3-10 is an excellent example of declarative praise, and it is appropriate here as a reminder that there are psalms of praise outside the Psalter, and to correct a popular misconception that understands Jonah 2 as a prayer for deliverance from the great fish. The very structure and contents show that this is a song of thanksgiving or psalm of declarative praise for deliverance already experienced, not a psalm of lament and/or prayer for deliverance. Jonah utters his declarative praise from inside the fish (v. 2), and he thanks God for delivering him from drowning in the Mediterranean Sea by rescuing him with the fish. That is why the verb tenses are past (except in v. 10). The fish, then, is an instrument of grace and deliverance, not of punishment and judgment. [...]
The form or structure of declarative praise may be applied to Jonahエs prayer or song of thanksgiving as follows:
* Introduction: summary of Jonah´s testimony (v. 3)
* Main section: narration of Jonah´s experience (vv. 4-8)
* Conclusion: acknowledgment of God´s gracious act and a promise to present a thank-offering (vv. 9-10)co


Unter „Jonah´s experience“ versteht er das „portrayal of his affliction (2:4-7a), looking back at this time of need. [...] Jonah also gives thanks for the deliverance already experienced (v. 7b).“cp

Barker hat hier die Gattung des Jonapsalms völlig richtig erfasst, aber mit seiner Klassifkiation der Funktion von vv. 4-8 ist ihm etwas entgangen, das in der modernen Jonaexegese den Jonaexegeten regelmäßig entgeht. Blicken wir also einmal neu auf die Struktur des Psalms.

Wie häufig in Dankpsalmen dient v. 3 der Einleitung, indem er die Struktur des restlichen Psalms komprimiert vorwegnimmt: „It presents the drama of distress, entreaty, and salvation of which the entire psalm is an artful elaboration.“cq Einiges zu diesem Vers haben wir oben bereits vorweggenommen: Zusammen mit V. 2 konstituiert dieser Vers ein sich steigerndes „Gedritt der Not“. Ineins damit werden aber die „Stationen der Not“ Jona´s mit einer dieser Not entgegenstehenden Rettungstat unseres Herrn kontrastiert:

  • Ich rief <=> Er hat mich erhört;
  • Ich schrie um Hilfe <=> Du hast sie mir gewährt.

Eben das „drama of distress and salvation“. Damit können wir schon einmal Vers 3 als Einleitungsvers vom restlichen Psalm abgrenzen.
Ebenso leicht lässt sich Vers 9f. abgrenzen; denn, wie in der Regel bemerkt, haben V. 3-8 den Gegensatz von Jona´s Not und Gottes Rettungstat im Blick, während in Vers 9 der Psalmist auf einmal das Thema wechselt. Vers 10 ist dabei aber ein typischer Abschluss für einen Dankpsalm – Opfer werden gelobt, Gelübde abgelegt und ein Fazit gezogen. Wir werden auf diese Verse im Einzelkommentar zu diesen Stellen noch einmal eingehen und lassen sie deshalb hier weitestgehend außer acht.
Bis hierhin entspricht unsere Strukturbeschreibung noch der typischen Beschreibung in der Exegese. Nun aber: Für gewöhnlich wird Vers 4-8 so aufgefasst, dass Vers 4-7ab Jona´s Not behandle und Vers 7cd.8 Gottes Rettungstat näher beschreibe, dass die Abfolge „distress and salvation“ also verdichtet sei in der Abfolge V. 4-7ab und V. 7cd.8. So ist dies aber nicht; die Abfolge von „distress and salvation“ ist vielmehr ein strukturelles Merkmal, das den gesamten Psalm durchwaltet:cr Immer wieder folgt hier auf einen Teilvers / mehrere Teilverse mit Fokus auf Jona / Jona´s Not ein Teilvers / mehrere Teilverse mit Fokus auf Gott / Gottes rettendes Handeln, und jede einzelne dieser Dialektiken wird entfaltet auf der Ebene der selben Isotopie. Bei Vers 2, 7 und 8 ist dies, wie gesagt, die Mehrheitsmeinung der Exegeten:

  • V. 2,3a: Ich rief <=> V. 2,3b: Er hat mich erhört
  • V. 2,3c: Ich rief um Hilfe <=> V. 2,3d: Du hast sie mir gewährt
  • V. 7bc: Der Erde Riegel schlossen mich <=> V. 7de: Du zogst mich aus dem Grabe
  • V. 8ab: Ich rief Jahwe an <=> V. 8cd: Mein Beten drang zu dir empor.

Die gleiche semantische Tiefenstruktur ist auch in V. 5 feststellbar:

  • V. 5ab: Aus deinen Augen verstoßen sein <=> V. 5cd: Deinen Tempel schauencs

Nicht erfasst in dieser Auflistung sind die Verse 4 und 6 und 7a – diese handeln nur von Jona´s Not. Auch hier lässt sich aber ein Muster erkennen:
Insgesamt vorherrschend in diesen Versen sind Isotopien aus dem semantischen Feld „Wasser“ - vom „Meer“ ist hier die Rede, von „Brandungen und Brechern“, von der „Urflut“ (einem Begriff aus dem Umfeld des „Chaosmeer-konzeptes“, s.u.),den Riegeln der Unterwelt (die nach hebräischer Vorstellung entweder unter dem Meer liegt oder in manchen Fällen auch mit dem Meer gleichgesetzt wird (vgl. Frymer-Kensky 1987:

„Somewhere below, perhaps on the bottom of the sea, is the realm of death, Sheol, and the way to this realm s always through water... the partals of Death are visible at the foot of the mountain, at the bottom of the seas (Jer 2:6; Job 38:16-17), and people cross a water-channel on their way to the netherworld.“ct))

und den Fundamenten der Berge (die bis zum Grund des Meeres hinabreichen - entweder zum Eingang der Sheol also oder bis zum Grund der Sheol). In dieser Hinsicht hängen diese Verse also zusammen. Jedoch lassen sich auch in dieser Hinsicht beide Verse klar voneinander scheiden. Wie wir oben schon in Vers 2f. eine Entwicklung von „realistisch“ zu „mythisch“ - von Fisch zu Scheol – festgestellt haben, so lässt sich diese Entwicklung auch hier erkennen. In Vers 4ab ist Jona noch an der Wasseroberfläche, in Vers 4cd strömen die „Brandungen und Brecher“ schon über ihm hinweg. In Vers 6 wird diese Wasser-isotopie dann aber auf einmal über die Entwicklung von „Wasser“ zu „Urflut“ verwoben mit der Isotopie von Tod und Sterben; es ist die Rede von Urflut und sûp (das, wie wir weiter unten darlegen werden, entweder zum selben semantischen Feld gehört oder zumindest über habash in den Zusammenhang mit diesem semantischen Feld gerät) – er befindet sich nun im Chaosmeer – und in Vers 7 ist er dann endgültig bei den Säulen der Erde und in der Unterwelt angelangt. Wir zeigen zur Erinnerung noch einmal obige Skizze und ziehen einen längeren Abschnitt aus dem Lemma „Weltbild, Kosmologie“ aus dem BHH ab: [| zur Skizze; leicht angepasst nach Janowski 2001, S. 11]

„Unter der Erde befindet sich die Unterwelt, die teils als Chaoswasser (Gn 7,11 8,2 49,25 Dt 33,13; vgl. Ps 69,35 96,11 135,6), über dem Gott bei der Schöpfung die Erde gegründet hat (Ps 24,2), teils als Totenwelt (Js 14,9–20 Hi 10,21) gedacht wird. Diese Doppelheit erklärt sich durch zwei verschiedene Aspekte (approaches): Als Chaoswasser erscheint die Unterwelt, wenn man an die Schöpfung (kosmogonisch) denkt (Ps 24,2), wobei die Urflut (hebr. t·hōm) sogar gelegentlich dem Nichts gleichgesetzt werden kann (Hi 26,7); als Wohnsitz der Toten, wenn man an ihre Funktion denkt. Unter diesem Aspekt kann man sie auch als eine Stadt mit Toren [oder Riegeln] ansehen (Js 38,10 Ps 9,14 107,16.18 Hi 38,17), was sicherlich auf babylon. Vorstellungen zurückgeht (AOT, 206ff; ANET, 52ff). Für den Hebräer haben sich diese beiden Vorstellungen nicht notwendig ausgeschlossen (Am 9,2f Hi 26,5f Jon 2,3f). [...] Die Erde stellte man sich als eine runde Scheibe vor (Js 40,22 ḥūg), die wohl an ihrem Ende (Js 5,26) mit dem Ende des Himmels (Js 13,5 Ps 19,7) zusammenstößt (Hi 26,10). Der Himmel ruht dabei auf den als Säulen gedachten Bergen (Hi 26,11). Die Erde ihrerseits ist über der Unterwelt auch auf Säulen gegründet (Hi 9,6 Ps 75,4 104,5), als die (nach Ps 46,3) die Wurzeln der Berge angesehen wurden.cu

Die Stufen des Abstiegs sind im Psalm klar zu erkennen. Weiterhin findet dieser „Abstiegs-vorgang“ darin seinen ausdruck, dass es in Vers 4 noch Gott ist, der Jona hinabwarf und dass es seine Brecher und seine Brandungen sind, die über Jona hinwegströmen, dagegen in Vers 6.7ab von Gott überhaupt nicht mehr die Rede ist.cv Jona ist hinabgesunken bis zum tiefstmöglichen Punkt; weiter kann man sich gar nicht von Gott entfernen.
Und schließlich muss man hier auf einen Motivkomplex achten: Scheol, der Weg zu ihr hinab und der Tempel. Zu speziell diesem Motivkomplex haben wir in Jona-kommentaren noch nichts gelesen – dabei liegt es nahe, denn dieser Motivkomplex kommt häufiger in den Psalmen vor (so häufig, dass Hauge ein ganzes Buch darüber geschrieben hatcw). Radebach-Huonker fasst zusammen:

 : „Die Tempelmotive in den Ich-Psalmen repräsentieren literarische Stereotypen für die Beschreibung einer biographischen Erfahrung, es handelt sich laut M.R. Hauge hierbei um eine sogenannte „meta-language“. Die religiöse Topographie dieser meta-language ist durch drei Stationen konstituiert: Den Tempel, die Sheol und den dazwischenliegenden Weg. Der Tempel ist eine Metapher für Leben, Zuflucht und Mahl, so beispielsweise in Psalm 36 und 140. Weiterhin ist der Tempel eine Metapher für Preisen und Freude (Psalm 42 und 43), Quelle des Lebens und Nähe Gottes. Die Sheol dagegen symbolisiert den Tod, das Böse, Frevel, Leiden, Feinde, Revolte, Niederlage. Es handelt sich also um zwei völlig gegensätzliche Sphären, die durch den dazwischenliegenden Weg miteinander verbunden sind.“cx

Dass der Tempel hier tatsächlich derart semantisch aufgeladen ist, lässt sich ablesen aus den Kontexten, darinnen er vorkommt. Zunächst einmal ist der größere Kontext ja ein Psalm, in dem eben die Rede ist von Tempel, Weg zur Scheol und Scheol selbst; allein dies zeigt schon in die Richtung. Dann aber: Die beiden Verse, darinnen vom Tempel die Rede ist, sind Vers 5 und Vers 8:

Da dacht ich mir:
Ich bin verstoßen aus deinen Augen.
Dennoch sollt ich wieder schauen
deinen heil´gen Tempel.
...
Als mir der Atem / das Leben schwand
rief ich zu Jahwe
mein Beten drang zu dir empor
an deinen heil´gen Tempel.


Der erste Zusammenhang ist der des „Verstoßen-seins“ von Gott, der zweite der der „Todesnähe“. Vers 8 ist auch laut den meisten anderen Exegeten durchwaltet von der Dialektik Jona-Gott; Vers 8ab und 8cd stehen sich derart entgegen – und der Tempel wird zum Gegenkonzept der Todesnähe. Es ist dies ein Indiz dafür, dass wir richtig liegen damit ´ak adversativ als „Dennoch“ zu lesen, denn dann würde gleichfalls in Vers 5 der Tempel zum Gegenkonzept der Gottesferne – was, s.o., übereinstimmt mit der Rolle des Tempels im beschriebenen Motivkomplex.cy Auch ließe sich Vers 5 bei einer Übersetzung mit „dennoch“ einordnen in die den ganzen Psalm durchwaltende Dialektik von Jona / Jona´s Not und Gott / Gottes rettendes Handeln, wofür auch spricht, dass diese Stelle „isotopisch“ genau so strukturiert ist wie die anderen Fälle. Weiterhin beginnt Vers 5 einmal mehr mit der ungewöhnlichen Wortstellung Subjekt – Objekt, was eine besondere Betonung auf das Subjekt legtcz. Die Zürcher übersetzt daher mit „Und ich, ich dachte...“ Dieser syntaktische Aufbau wäre höchst passend, wenn hier eine Ansicht Jonas (s.u.) kontrastiert werden soll mit etwas anderem; im Falle eines „kontrastlosen“ „Wie soll ich wieder schauen...“ müssen Vertreter dieser Lesart diese Satzspitzenstellung noch erklären. Und schließlich spricht auch dafür, dass ja ´ak noch einmal im Jonapsalm vorkommt, nämlich in Vers 9 – und hier hat es ganz eindeutig adversative Bedeutung: Die Götzenanbeter... <=> Ich dagegen...
Eine andere Übersetzung als mit „jedoch“ ist damit sehr unwahrscheinlich.

Wir können damit nun die Strukturbeschreibung des Jonapsalms zusammenfassen: Der Jonapsalm ist aufgebaut in „Blöcke“. In jedem dieser Blöcke kommt die Dialektik von Jona / Jona´s Not und Gott / Gottes rettendem Handeln zum Ausdruck. Die Grenzen dieser Blöcke sind zusätzlich semantisch-thematisch markiert: Vers 3 spricht abstrakt – ohne Berücksichtigung der Seenot – von Jona´s Not, Vers 4-7 dagegen konkret, Vers 8 wieder abstrakt und Vers 9f. ist die conclusion, die von der besagten Dialektik überhaupt nicht durchwaltet ist. Vers 4.5 lässt sich darüber hinaus von Vers 6.7 scheiden durch den Gegensatz realistisch – mythisch. Damit verhält sich Vers 4-5 zu 6-7 wie Vers 2 zu 3cd und 6a zu 6b. Darüber hinaus entsprechen sich Vers 4-5 und 6-7 durch gleichen Aufbau ebenso wie Vers 3 und Vers 8 (sogar der Wechsel von „er, Jahwe“ zu „du, Jahwe“ entsprechen sich in Vers 3ab.8ab und 3cd und 8cdda). Wir haben versucht, diese Struktur in dieser Grafik möglichst übersichtlich auszudrücken: [| zur Skizze]

Nun können wir mit dieser Hilfe auch die Übersetzung des restlichen Teilvers 5c rechtfertigen: Er könnte nämlich sowohl mit „fortfahren, zu schauen“ als auch mit „wieder schauen“ und sowohl mit „blicken auf“ als auch mit „blicken in Richtung“ übersetzt werden:

  1. Dennoch werde ich deinen heiligen Tempel wieder sehen
  2. Dennoch werde ich wieder in Richtung deines heiligen Tempels blicken
  3. Dennoch werde ich fortfahren, deinen heiligen Tempel zu sehen
  4. Dennoch werde ich fortfahren, in Richtung deines heiligen Tempels zu sehen.

(1) würde in unserem Kontext bedeuten, dass er (a) die Chance bekommt, als Gottesmann „recht zu tun“ und (b) dass Gott ihn überleben lässt, (2) ergibt nur Sinn als sinnlose Äußerung des Trotzes („Verstoß mich nur – ich werde dir trotzdem wieder dienen, pech gehabt!“), (3) ergibt keinen Sinn, da er momentan den heiligen Tempel ganz offensichtlich ja nicht sieht und (4) würde bedeuten, dass er seines Verstoßen-seins zum Trotz dennoch nicht aufhört, gottgefällig zu leben - was gleichfalls sinnlos ist, da gerade seine Nicht-Gottgefälligkeit ja ganz offensichtlich der Grund dafür war, dass Gott ihn in die Tiefe warf.
In die Struktur des Psalms passt von diesen Alternativen ganz eindeutig nur (1), so dass unsere Wahl auf sie fallen muss. Die Struktur macht darüber hinaus klar, wie sie zu verstehen ist: Die Tatsache, dass Jona Gottes Tempel wieder sehen wird, ist ebenso Gnadentat Gottes wie jede andere Erwähnung von Erhörung oder Rettung im Jonapsalm sich auf eine (die selbe) Gnadentat Gottes bezieht. (Dies gegen Exegeten wie Niccacci, die zwar MT folgen, den Vers aber verstehen nach dem Muster „Already in 2:5c Jonah proclaims his firm intention of seeking God in the temple, at the same time as he complains of having been cast out from God´s presence (2:5b).“db - die Absurdität einer solchen Lesart sollte schon in diesem Zitat erkennbar sein. Um in der Übersetzung Missverständnisse vorzubeugen, haben wir übersetzt mit sollte statt „werde“.

„„Sûp“ war um meinen Kopf gewunden“

Nun zur Frage nach der Übersetzung des sûp. Diese Übersetzungsfrage ist die zweifelhafteste überhaupt in diesem Jonakommentar; wir können keine einzige problemlose Übersetzung anbieten. Wir geben deswegen hier zwei verschiedene Übersetzungsalternativen.
Der kritische Teilvers ist hier Vers 6c, der in der Regel übersetzt wird nach dem Muster Tang hatte sich um mein Haupt geschlungen.
Wir wollen auch hier eine Übersicht über die verschiedenen deutschen und englischen Übersetzungsweisen geben, da solche Übersichten bisweilen helfen können, ein Übersetzungsproblem besser einschätzen zu können. Alte Übersetzungen drucken wir kursiv, wissenschaftliche fett.

  • Algen / Tang / Seegras: Allen, Baldwin, Brichto, Haupt, Jeremias, Krüger, Mulzer, Rudolph, Sasson, Smith/Page, Wolff, Bishops, Coverdale, Geneve, KJV, Tyndale, Buber, Darby, ELBKurz für „Elberfelder Bibel“. Sehr genaue und wenig kommunikative Übersetzung; als Vollbibel erstmals 1871 erschienen., ERV, ESV, Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern., GNKurz für „Gute Nachricht Bibel“; als Vollbibel erstmals 1978 erschienen. Erste deutsche kommunikative Vollbibel; außerdem erste einzige durchgehend ökumenische deutsche Bibelübersetzungen. Ihre Rolle für die Geschichte der deutschen Bibelübersetzung ist schwer zu überschätzen. (ähnlich), Grünewalder, HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln., Menge, NASB, KJV, NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie., NIV, NLT, SLTKurz für „Schlachter“; gemeint ist damit die Revision von 1995-2004 der erstmals 1905 erschienenen Bibelübersetzung von Franz Eugen Schlachter. Die Schlachter-Bibel ist recht urtexttreu; Schlachter verstand es aber, dieses genaue Übersetzen mit einem herrlichen kräftig-würzigen Stil zu verbinden, so dass sich am Ende dennoch eine gut lesbare Bibel ergab., WEB, Webster, Young,
  • Schilf: Craig, Limburg, Niccacci, Weiser, Bibel Teutsch, Kurfürstenbibel, Wormser Propheten, Herder, LUT84Kurz für „Lutherbibel 1984“, der Revision der Lutherbibel von 1984. Anpassung der ursprünglichen Lutherbibel an das zeitgenössische Deutsche, dennoch ist Luthers wundervoller Stil immer noch überall erkennbar., Nova Vulgata (!) („iuncus“ („Binse“)), Tur-Sinai, ZÜRKurz für „Zürcher Bibel“. Zurückgehend auf die Übersetzung Zwinglis, wurde sie erstmals 1907-1931 erneut übersetzt. Seit 2007 liegt sie in neuer Revision vor. Ihr Ziel ist die Verbindung von philologischer Genauigkeit und „geschmeidiger, gehobener Sprache“ - und das macht sie so gut, dass viele Exegeten sie als Referenzübersetzung in Aufsätzen und Kommentaren benutzen.
  • Das Meer: Ms Hunt 206, TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. Ps.Jon, Aquila, Theodotion, Pirke de Rabbi Eliezer, VULDie Vulgata - neben der Septuaginta die wohl wichtigste antike Übersetzung der gesamten Bibel - ins Lateinische - von Hieronymus; entstanden zwischen 380 n. Chr. und 400 n. Chr., Rashi, Ben Eli, Douay-Rheims, Dietenberger, Eck, Wycliffe,
  • Ende / Auslöschung: Batto, (Vervenne), LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. (eschatos), Syrisch („bottom of the sea“), Symmachus (aperantos), Altlatein (postremo)


Diese Liste ist äußerst spannend. Zunächst – dies nur als aside – sieht man hier sehr schön „nationale Vorlieben“: Nicht-wissenschaftliche englische Bibeln übersetzen hier stets mit „Weeds“ oder „Seaweeds“, deutsche Bibeln teilen sich auf zwischen „Algen, ...“ und „Schilf“, ältere Bibeln aus dem englischen Sprachraum (bis auf Wycliffe) stehen allesamt bei „Algen...“, dagegen ältere deutsche bei „Schilf“ und „Meer“.
Was jedoch viel wichtiger ist: „Wirklich alte“ Bibeln – sofern sie nicht selbst sûp haben – greifen gegenüber den heute üblichen zu gänzlich anderen Übersetzungen: Keine einzige „neuere“ Bibel steht bei „Meer“ oder „Ende“ - nicht einmal die Nova Vulgata! - und keine „wirklich alte“ Bibel steht bei „Algen...“ oder „Schilf“.dc
Das heißt aber gleichzeitig, dass zeitgenössische Übersetzungen von älteren Textzeugen nicht gedeckt sind – und bei einer derart zweifelhaften Frage wie der nach der Übersetzung des sûp sollte allein das schon zu denken geben.
Die Probleme, die wir bei den beiden zeitgenössischen Übersetzungsweisen sehen, sind nach der Strukturbeschreibung relativ offensichtlich (so hoffen wir zumindest). (1) Passt die Schilderung des sich-um-Jona´s-Haupt-Schlingen´s von Schilf oder Tang nicht in die Oberflächenstruktur (und nicht nur nicht in unsere Struktur – wir sind auf keine einzige Strukturbeschreibung gestoßen, in die es hineingepasst hättedd), da der Vers so als einziger aus den beiden Strukturprinzipien des konsekutiven Abstiegs und der Jona-Jahwe-Dialektik herausfällt, (2) passt sie ebenso wenig zur semantisch-“isotopischen“ Tiefenstruktur (die Übersetzung mit „Wasserpflanze“ o.Ä. würde vielleicht noch zur Wasser-isotopie passen, aber an dieser Stelle des Psalms ist diese ja bereits auf die „mythische Ebene“ gewechselt), (3) passt sie in ihrer Banalität nicht in die Stimmung des Psalms. Und (4) hat die Übersetzung mit „Algen“ / „Tang“ / „Seegras“ das Problem, dass sie aus der Luft gegriffen ist (gleich, welches hebräische Wörterbuch man durchblättert, im Eintrag unter sûp ist Jon 2,6 mit „Meerespflanzen“ oder Ähnlichem ein Fremdkörper, der den anderen Textstellen mit „Schilf“ radikal gegenüber steht);de die Übersetzung mit Schilf dagegen, dass sie an dieser Stelle keinen Sinn macht – die Abwärtsbewegung Jona´s hat hier ihren tiefsten Punkt erreicht, wo also soll auf einmal „Schilf“ herkommen?

Batto hat 1983 einen Vorschlag zur Übersetzung des sûp gemacht, der in der Jona-exegese beinahe vollständig ignoriert wurde – obwohl sein Übersetzungsvorschlag allen oben aufgezählten Problemen ein Ende bereiten und sich auch nahtlos in Oberflächen- und Tiefenstruktur des Psalms einfügen würde. Zwar wird sein Aufsatz gelegentlich zitiert und der erste Teil seines Argumentationsgangs in diesen Fällen dann in der Regel anerkannt und übernommen, der zweite – und zentrale – Teil dagegen wird fast durchweg einfach totgeschwiegen.df Batto´s Vorschlag, soviel sei vorweggenommen, wird unser alternativer Übersetzungsvorschlag werden. Im Verlaufe seines Artikels hat er aber eine zweite Lösung angedeutet, von der ihm selbst gar nicht bewusst geworden zu sein scheint, dass auch diese eine Lösung der meisten Übersetzungsprobleme von Jon 2,6 wäre.
Wir beginnen mit dieser ersten Lösung.

Batto nennt für Jon 2,6c zwei Parallelstellen: Ps 18,5-6 und Ijob 40,13. Wir ergänzen um 2Sam 22,5f. und Ps 116,3:

Ps 18,5-6 [2 Sam 22,5-6]

„Es umfingen mich die Stricke [Wellen] des Todes,
Wogen des Verderbens erschreckten mich.
Fesseln des Totenreiches umschlangen mich,
Fallen des Todes traten mir entgegen.“dg

Ps 116,3

„Es umfingen mich die Fesseln des Todes,
die Ängste des Totenreichs erreichten mich [...]

Ijob 40,13

„Hide (i.e., bury) them in the dust together,
bind (habos) their faces in [/withdh] the hidden places (i.e., the underworld)“di


Am wichtigsten ist hier zweifellos zunächst mal die erste Parallelstelle, denn dieser Psalm greift zurück auf exakt die gleiche Bilderwelt wie Jon 2,6. Das Verb in Ps 18,5a entspricht wortwörtlich dem in Jon 2,6a – wie bei uns „Fluten“ ihn umgeben“, umgeben den Beter in Ps 18,5 „Stricke bzw. Wellen des Todes“.
Sûp in Jon 2,6c übernimmt in diesem Motivkomplex die Rolle der „Fesseln des Totenreiches“. Wir können ergänzen: 2,6a und 2,6c sind zusätzlich bis zu einem gewissen Grade parallel aufgebaut: in 2,6a „umgeben“ Jona die Fluten, und zwar bis zu nephesh. Die Grundbedeutung von nephesh ist „Seele, Leben, Atem, es wird aber auch häufig verwendet, um die ganze menschliche Person zu bezeichnen:

„[... It] can also be used to denote the entire human person. It may substitute for the personal pronoun: „Let me die [lit., „let my nepeš die“] the death of the upright“ (Num. 23:10; cf. Deut. 4:9, RSV).“dj

Das selbe gilt für rosh in Jon 2,6c. In der Regel wird es übersetzt mit „Kopf, Haupt“, aber wie nephesh kann auch rosh als pars pro Toto für die ganze menschliche Person stehen.dk Das heißt: beide Worte stehen hier in einem Syntagma, dass in paradigmatischem Zusammenhang mit weiteren Syntagment steht, die so wieder auf diese Wörter zurückwirken. Nämlich: habash gerät in Zusammenhang mit anderen Worten aus dem semantischen Feld des Fesselns: Die Fluten umgeben ihn, die Abyss umschließt ihn, die Riegel der Unterwelt schließen ihn ein.dl Und ebenso wird eventuell Jona in 2,6 dreimal auf unterschiedliche Weise sich auf sich selbst beziehen: mit Seele, mit mich und mit Kopf. Damit hätten wir drei parallele Teilverse:

  • Die Wasser umgaben mich bis zum Leben (=mich)
  • Die Urflut umschloss mich
  • Sûp war gewunden um mein Haupt (=mich).dmdn


Hierzu passt auch die grammatische Form von 6c: „Der partizipiale NS in V. 6c stellt ein Geschehen in seinem Gewordensein (perfektisch) dar, wobei der Zeitbezug auf die Vergangenheit durch den Kontext V. 6a-b bestimmt wird.“do
Wohl auch deshalb interpretiert Tucker auch diesen Vers als konsekutiven Abstieg und übersetzt mit:

"Die Wasser schlossen sich über meiner Kehle (? - „neck“)
Die Tiefen begannen, mich zu umringen,
Seegras war an meinen Kopf gebunden."dp


Das Geworden-sein von 6c ergibt hervorragend Sinn: Vers 6 ist nämlich der Brückenvers beim Übergang von „realistisch“ nach „mythisch“. Sind es in 6a noch die „Wasser“, werden daraus in 6b die „Urfluten“, die deshalb auch durch die Subjekt-Objekt-Syntax von 6b besonders betont und hervorgehoben werden. In Vers 7a dann befindet er sich an den Fundamenten der Berge, dem Eingang zur Totenwelt also. Es machte daher Sinn, wenn das Ergebnis dieses Weiter-hinabsinkens bis zu mythischen Tiefen der Tod wäre.
Das heißt, allein schon der Kontext von 2,6c legt hier eine Lesart nahe, mit der 2,6c so gelesen würde, dass auch hier ein „tödliches Fesseln Jona´s“ seinen Ausdruck findet.

Batto schlägt nun eine Übersetzung vor, die erstens die vier obigen Probleme umgeht und die zweitens diesem Kontext des Teilverses gerecht wird. Und zwar setzt er an bei dem Wörtchen sûp. Für sûp gibt es drei mögliche etymologische Ursprünge: einen ägyptischen, einen aramäischen und einen semitischen. Bis auf Batto denkt fast jeder Exeget an die ägyptische Etymologie und übersetzt sûp mit Schilf (äg. Etymon twf (aber vgl. ThWATBotterweck, G. Johannes/Helmer Ringgren: Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament. Stuttgart u.a, 1970ff.. V Sp 795f.)). Diese Herleitung ist aber schon länger vor Batto problematisiert worden; Batto z.B. bezieht sich auf einen Aufsatz von Snaith 1965, in die selbe Bresche schlagen auch Ahlström 1977, Copisarow 1962, Edelman 1998, und Vervenne 1995: Sie schlagen vor, sûp lieber herzuleiten vom aramäischen sôp, was „Ende“ bedeuten würde.
Batto geht noch einen Schritt weiter, denn an der obigen Herleitung wird gelegentlich bemängelt, dass die Lesart von sûp als den Aramäismus sôp anachronistisch wäre (Gesetzt, unser Datierungsvorschlag wäre richtig, stellte allerdings auch das kein Problem dar). Batto liest es deshalb vom semitischen sûp her: „„to come to an end,“ „to cease (to exist).“ As a substantive sûp is attested in the meaning of „end,“ „edge,“ „border,“ and carries connotations of „non-existence,“ „extinction,“ and perhaps even „destruction.““dq
Batto geht weiterhin ein auf die letzte Parallelstelle, Ijob 40,13. Er vermutet, dass das Bild des „Das-Gesicht-Binden´s“ herkommt von der Verwendung der Leichentücher bei Beerdigungen den Hebräern:

„This image of death as a binding of the face/head may derive from funerary customs of shrouding the body for burial. If so, the aptness of „sûp was bound to my head“ becomes all the more poignant as an expression of the threat of death or non-existence in Jonah 2.“</ref>

Diese Vermutung ist, wie gesagt, nur eine Vermutung Batto´s und damit spekulativ. Sie ist aber keinesfalls spekulativer als die Übersetzung von sûp mit „Algen“ oder „Tang“, die, wie gesagt, aus der Luft gegriffen ist. Im Gegensatz zur Übersetzung mit „Schilf“, „Algen“ oder „Tang“ jedoch hat sie den Vorteil, dass bei ihr die oben aufgezählen Probleme nicht existieren und sie dem Kontext von 2,6c gerecht wird - „Ende war um mein Haupt gewunden“ als „expression of the threat of death or non-existence in Jonah 2.“
Nun mag dies unter Umständen ein feststehender Ausdruck im Alten Israel gewesen sein – Deutsch ist das nicht. Wir übersetzen daher diesen unseren alternativen Übersetzungsvorschlag frei nach einem Vers von Achim von Arnim: „Mein Haupt war mit dem Tod gekettet“

Nun zur zweiten – unserer ersten – Übersetzungsalternative. Wie gesagt, bei Ijob 40,13 vermutet Batto, dass sich dieser Ausdruck auf das mit-Leichtentüchern-Einwickeln von Leichnamen bezieht. Das ist auch die Ansicht der NEB, die Ijob 40,13 deshalb übersetzt mit „shroud them in an unknown grave“, eine Übersetzungsweise, die zumindest in TWOT 599 bezeichnet wird als „treffend“. Für „to shroud“ haben wir im Deutschen kein wirkliches Äquivalent; in dieser Verwendung bezeichnet es den Vorgang des Verhüllens mit Leichentüchern; der Ausdrück „to shroud a corpse“ entspricht unserem „eine Leiche einkleiden“. Unter Umständen ist dies auch die Bedeutung von habash in Jon 2,6: „sûp war um meinen Kopf gewunden“ würde dann nicht für das Bild stehen, dass Jona mit Wasserpflanzen am Fuß der Berge angebunden ist (oder, nach der merkwürdigen Interpretation Rudolph´s, dass die Wasserpflanzen hier einen Gegensatz zum „Blumenkranz, den sich der Lebende beim fröhlichen Fest aufs Haupt setzt (Jes 28,1)“dr), sondern, dass die Wasserpflanzen hier die Funktion des Leichentuchs übernehmen.
Diese Deutung würde nicht das Übersetzungsproblem von sûp selbst beseitigen, zumindest aber die anderen drei oben aufgezählten und darüber hinaus dem Kontext gerecht werden; sie hat weiterhin den Vorteil, dass sie für den Bibelleser akzeptabler ist als das in deutschen Bibelübersetzungen völlig neue „Mein Haupt war mit dem Tod gekettet“ und es muss nach dieser Lesart bei keinem der Wörter dieses Verses abgewichen werden von der Standartinterpretation in der Jona-exegese; allein eine unterschiedliche Grundbedeutung von habash wird hier verstanden. Aus diesen Gründen ist dies unsere erste Wahl. Von den verschiedenen Übersetzungen wählen wir „Seegras“, weil es uns klanglich am Besten zur Stimmung der Strophe zu passen scheint: „Seegras war mein Leichentuch“.
Aber, um es noch mal zu betonen: Es ist auch diese Übersetzung mehr ein „educated guess“. Wir wissen es einfach nicht mit Sicherheit. Wir greifen deshalb zurück auf eine Mittel Jack Sassons und drucken diesen Vers kursiv in der Übersetzung, um damit auszudrücken, dass sie unsicher ist.ds

Sonstige Fragen

Metrisch folgen wir in Vers 5 wieder Walsh, der allerdings selbst hier eine Anomalie zugibt, diese aber mti dem Adjektiv „pleasing“ überspielt: „The second couplet´s meter ([...] 3+2) is a pleasing variation of the dominat qînâ rhythm.“dt. In Vers 6 dagegen müssen wir wieder von seinem Vorschlag abweichen. Seiner nämlich ist (für Vers 6f.):

Es umgaben mich die Fluten,
Das Urmeer umschloss mich
Seegras war um meinen Kopf gewunden;
zu den Wurzeln der Berge
stieg ich hinab [und] zur Unterwelt;
ihre Riegel [waren] hinter mir auf ewig.du

Vers 6 ist natürlich nicht aufzuteilen auf zwei Bicola. Erstens muss man dann den „Dreisatz“ in 2,6 aufbrechen, dafür aber zweitens die Cola 2,6c und 2,7a verbinden (bei denen sogar Walsh einen Neueinsatz liest und mit der Zeichensetzung des Semikolons statt des Punktes versucht, die Kontraintuitivität dieser Zusammenstellung abzumildern) und drittens müsste man den sôp pasûq am Ende von 2,6 übergehen, der zwar primär der Versabgrenzung dient, dabei in der Regel aber doch auch gleichzeitig ein starker disjunktiver Akzent ist.dv Vers 6 ist daher entweder ein ungewöhnlich langes Bicolon oder, was besser zu dem Dreisatz passte und daher auch unsere Wahl ist, ein Tricolon.
Wir wollen hier einmal ein metrisches Zwischenfazit ziehen:

  • Vers 3: 4+1, 3+2
  • Vers 4: 4+2, 3+2
  • Vers 5: 2+3, 3+2
  • Vers 6: 3+2+3

Ein Qina-Metrum lässt sich hierin wohl nur mit Mühe erkennen.

Ich dachte kann auch mit „sagen“ übersetzt werden. In Psalmen wird es aber häufig nicht verwendet, um ein Zitat wiederzugeben, sondern um eine Geisteshaltung oder Ähnliches auszudrücken – nach dem Muster „Ich sagte mir“. vgl. auch Stuart:

„„I said“ is much less likely, since the suppliant´s words refer more to his experience than to any public declarations. In both prose and poetic contexts, [... it] commonly means „think,“ often connoting a false assumption (cf. eg., Gen 44:28; Eccl 8:17 [, auch Ps 31,23; Klgl 3,65]).“(Stuart 1987, S. 610; vgl. auch Sasson 1990, S. 178)

Zu „Verstoßen“ merkt Limburg an, dass Jona hier „fortgetrieben“ sei wie das Meer vom Wind oder der Nil von der Natur „getrieben“ wird (- „[...] so Jonah feels himself '“driven away“ from the Lord´s sight by forces he cannot control.“dw
Uns dagegen scheint hier eine andere Bedeutung wesentlich treffender: Das selbe Wort wird nämlich auch in Gen 3,24 verwendet, wo Adam aus dem Garten Eden vertrieben wird.dx Baldwin übersetzt deshalb mit „to be driven away“, „vertrieben sein“. Diese Lesart scheint uns deshalb treffender, weil im Jonapsalm ja nicht nur Gott als der Retter erscheint, sondern gleichzeitig als der, der Jona überhaupt erst in die Situation gebracht hat, aus der er gerettet werden muss. Strophe 2 und 3 ist ja in der Tat gerahmt von „Du warfst mich hinab“ und „du zogst mich aus dem Grabe“. Des Weiteren liegt folgt dieser Teilvers direkt auf Vers 4, wo eben Gott ihn in die Tiefe geworfen hat und es Gottes Brecher und Brandungen sind, die über ihn hinwegströmen; es passte besser in den Kontext, wenn es auch auf Gott zurückzuführen wäre, dass Jona „vertrieben“ ist von vor Gottes Augen. Um den Vers rhythmisch zu glätten, haben wir es aber mit „verdammt“ übersetzt - was ja genau so passt; aus Gottes Nähe vertrieben zu werden ist ja nichts anderes als Verdammung.

Deinem heil´gen Tempel – wörtl. „Tempel deiner Heiligkeit“, aber vgl. Tucker 2006, S. 55.

a kursiv, da unsicher.
Alternativ: Mein Haupt war mit dem Tod gekettet. (Zurück zum Text: a)
b Das sollte ausreichend sein; wer sich darüber hinaus noch genauer zum Thema „Parallelismus membrorum“ informieren will, sei verwiesen auf Berlin (2008), der wir allerdings keinesfalls durchgehend folgen werden. (Zurück zum Text: b)
c der Wichtigste Titel zu diesem Hinfällig-Werden ist immer noch Kugel (1981) (Zurück zum Text: c)
d der wohl Wichtigste der letzten Jahre ist wohl der schon genannte in Berlin (2008) (Zurück zum Text: d)
e Fokkelman (2001), S. 15 (Zurück zum Text: e)
f Wendland 1997, S. 80 (Zurück zum Text: f)
g Brichto 1992, S. 74 (Zurück zum Text: g)
h Bolin 1997, S. 112f. (Zurück zum Text: h)
i Magonet 1976, S. 49. Nach einem ähnlichen Muster geht er übrigens auch bei einigen weiteren Parallelstellenanalysen vor, die teilweise recht gezwungen wirken. Es sind diese Stellen nach unserem Empfinden die schwächsten in seinem großen Buch. Noch detaillierter hat übrigens Mulzer 2005 diese Behauptung Magonets behandelt und zurückgewiesen. (Zurück zum Text: i)
j vgl. Wolff 1965, S. 60-62 (Zurück zum Text: j)
k Brenner 1993, S. 189 (Zurück zum Text: k)
l Brenner 1993. S. 184 (Zurück zum Text: l)
m Brenner 1993, S. 189 (Zurück zum Text: m)
n Dieser Argumentationsgang Brenners wird aber sogar auch von anderen Exegeten aufgegriffen; Sharp 2008 etwa referiert lakonisch: "Second, figures of speech and images that ordinarily would be employed in metaphorical senses in Israel´s psalmody are here used in ways that are hyperbolically literalistic in Jonah´s actual briny circumstances." (Sharp 2008, S. 178) (Zurück zum Text: n)
o Brenner 1993, S. 183 (Zurück zum Text: o)
p Bar-Efrat 1997, S. 125 (Zurück zum Text: p)
q Sutherland , S. 93 (Zurück zum Text: q)
r Ben Eli 2007, S. 49 (Zurück zum Text: r)
s vgl. Wolff 1977, S. 102 (Zurück zum Text: s)
t vgl. Sasson 1990, S. 147 (Zurück zum Text: t)
u Simon 1994, S. 97 (Zurück zum Text: u)
v vgl. BDBF 1267; Limburg 1993, S. 62 (Zurück zum Text: v)
w vgl. Landes 1999, S. 283 (Zurück zum Text: w)
x Wolff 1977, S. 108 (Zurück zum Text: x)
y vgl. Sasson 1990, S. 148 (Zurück zum Text: y)
z Limburg 1993, S. 108; Simon zitiert zudem aus der Berishit Rabba eine ähnliche Passage:
„R. Jonatan sagte: Man lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, mit dem Meer ein Abkommen schloß, daß es sich vor Israel teile ... R. Yirmiya Ben El´azar sagte: Nicht nur mit dem Meer schloß der Heilige, gepriesen sei er, ein Abkommen, sondern mit allem, was an den sechs Schöpfungstagen geschaffen wurde, ... Ich befahl den Raben, daß sie Elija versorgten ..., ich befahl dem Fisch, daß er Jona ausspie.“ (Simon 1994, S. 26) (Zurück zum Text: z)
aa vgl. Rudolph 1971, S. 346 (Zurück zum Text: aa)
ab vgl. auch TWOT 1213f.; Wolff 1977, S. 107 (Zurück zum Text: ab)
ac So auch Sasson: „[...] We can say that God is not so much keen to appoint a „big fish“ (nor, for that matter, in bringing forth plants, worms, or hot winds) than to set the most appropriate conditions for teaching Jonah teh desired lessons.“, Sasson 1990, S. 149 (Zurück zum Text: ac)
ad vgl. Haupt 1907, S. 152f.; Sasson 1990, S. 149; TWOT 401 e: „The identity or biological classification of this great water monster is unknown, as Jonah does not give us details about the miracle. (Zurück zum Text: ad)
ae vgl. Rudolph 1971; Fußnote S. 349; in der Kurfürstenbibel hat er aber auch hier übersetzt mit „Wal“; vgl. Steiger 2011, S. 77 (Zurück zum Text: ae)
af GKCGesenius, Wilhelm/Emil Kautzsch/Arthur Ernest Cowley: Gesenius' Hebrew Grammar. Oxford, 1909., § 122 t (Zurück zum Text: af)
ag vgl. Sasson 1990, S. 156f. (Zurück zum Text: ag)
ah BDBF 5484 (Zurück zum Text: ah)
ai Limburg 1993, S. 62; auch Sasson möchte sich hier nicht festlegen; Sasson 1990, S. 152. (Zurück zum Text: ai)
aj vgl. Landes 1967 (Zurück zum Text: aj)
ak so auch Bauer 1958, S. 355; Bolin 1997, S. 108; Halton 2008, S. 204, Rudolph 1971, S. 351; Sasson 1990l S. 153f.; Vanoni 1978, S. 133 (Zurück zum Text: ak)
al Stuart 1987, S. 618 (Zurück zum Text: al)
am online unter (Zurück zum Text: am)
an Aurnhammer 2011, S. 213 (Zurück zum Text: an)
ao Simon 1994, S. 92 (Zurück zum Text: ao)
ap Sasson 1990, S. 163f. (Zurück zum Text: ap)
aq vgl. Stuart 1987, S. 615 (Zurück zum Text: aq)
ar Jeremias 2007, S. 95 (Zurück zum Text: ar)
as Hieronymus 2003, S. 147 (Zurück zum Text: as)
at Limburg 1993, S. 66; ebenso Jeremais 2008, S. 207 (Zurück zum Text: at)
au vgl. Wolff 1977, S. 109 (Zurück zum Text: au)
av HALOT, S. 3847 (Zurück zum Text: av)
aw vgl. Wolff 1977, S. 109 (Zurück zum Text: aw)
ax Tucker 2006, S. 50 (Zurück zum Text: ax)
ay vgl. BHH Bd. 3, S. 2014 (Zurück zum Text: ay)
az vgl. Limburg 1993, S. 66f. (Zurück zum Text: az)
ba vgl. Sasson 1990, S. 172 (Zurück zum Text: ba)
bb vgl. z.B. Jeremias 2007, S. 93 (Zurück zum Text: bb)
bc Walsh 1982, S. 220 (Zurück zum Text: bc)
bd vgl. Sasson 1990, S. 169 (Zurück zum Text: bd)
be vgl. Stuart 1987, S. 618 (Zurück zum Text: be)
bf Theodoret 2006, S. 58.60 (Zurück zum Text: bf)
bg Stuart 1987, S. 618; vgl. auch Sasson 1990, S. 170 (Zurück zum Text: bg)
bh vgl. Walsh 1982, S. 220 (Zurück zum Text: bh)
bi Niccacci 1996, S. 27 (Zurück zum Text: bi)
bj Wolff 1977, S. 102; vgl. auch Christensen 2005, S. 15 (Zurück zum Text: bj)
bk Stuart 1987, S. 610 (Zurück zum Text: bk)
bl NET-Kommentar (Zurück zum Text: bl)
bm Sasson 1990, S. 175, der dies zusätzlich illustriert mit dem ähnlich konstruierten Ps 88,7 (Zurück zum Text: bm)
bn Simon 1994, S. 99 (Zurück zum Text: bn)
bo Niccacci 1996, S. 27; Tucker 2006, S. 52, Walsh 1983, S. 221 (Zurück zum Text: bo)
bp Walsh 1983, S. 221 (Zurück zum Text: bp)
bq Tucker 2006, S. 52 (Zurück zum Text: bq)
br Mulzer 2005, S. 111; Tucker 2006, S. 52 (Zurück zum Text: br)
bs Wolff 1977, S. 102 (Zurück zum Text: bs)
bt Magonet 1976, S. 40f. (Zurück zum Text: bt)
bu Janowski 2001, S. 11 (Zurück zum Text: bu)
bv Nahar bedeutet Fluss, Strom, Strömung. Sucht man in der Bibel gezielt nach Stellen, an denen die Höhe von Nahar ablesbar ist und die nicht von einem „groß“, „tief“ oder „gewaltig“ näher bestimmt sind, bleiben Stellen wie: Jb 14,11; Jb 22,16; Jb 40,23; Ps 66,6; Ps 105,41; Jes 19,5; Nah 1,4.

Jb 14,11; Jes 19,5 und Nah 1,4 handeln von Strömen, die Gott versiegen lässt; Jb 22,16 spricht von „alten Pfaden, über deren Grund sich ein Strom ergoss“, Jb 40,23 von Nilpferden, die ruhig bleiben, auch wenn Ströme so stark anschwellen, dass das Wasser ihm bis ans Maul reicht, Ps 66,6 spricht vom Strom als dem, das übrig bleibt, wenn das Meer in trockenes Land verwandelt ist und Ps 105,41 handelt von den „Strömen“, die Jahwe durch Mose aus den Felsen springen ließ. Es sind also durchweg Fluten von geringer Höhe.
Weiter zum Cabab. In Jon 2,4.6 wird es in der Regel übersetzt mit „umströmen“. Was aber genau heißt „umströmen“? Bis wohin wird man „umströmt“? Blickt man in die Lexika nach potentiell „dreidimensionalen“ Bedeutungen von cabab, blickt man, abgesehen von metaphorischen Verwendungen, im Polel vergeblich; insgesamt ist das höchste der Gefühle „umschwirren“ (im Qal), bezogen einmal auf einen Pfeilhagel und einmal auf einen Bienenschwarm(BDBF 6429 ; Gesenius, 18. Aufl., S. 868f.): HALOT und Gesenius 18. Aufl. listen unter Poel Dtn 32,10; Ps 7,8; 26,6; 32,7.10; 55,11; 59,7.15; Jer 31,22; Am 3,11; Jon 2,4.6 und Cant 3,2.
Dtn 32,10 („jmd. umringen“ i.S.v. „behüten“) und Ps 32,7.10 („mit Rettungsjubel / mit Gnade umgeben“) sind Metaphern; Ps 26,6; 55,11; 59,7.10; Cant 3,2 steht für „umhergehen“ und Am 3,11 und Ps 7,8 spricht von Menschen, die jemanden umzingeln. Am Besten ist dies wohl zu sehen an Ps 7,7.8, wo der Witz gerade ist, dass Gott sich über die ihn Umgebenden erheben soll:

„Herr, in deinem Grimm erhebe dich,
stelle dich entgegen der Wut meiner Feinde;
im Gericht, das du verordnet, steht für mich ein.
Dich umstehe die Versammlung der Völker,
hoch über ihnen besteige den Richterstuhl.
Wir haben damit also hier einen Ausdruck, bestehend aus (1) einem Substantiv, das in der Regel für Fluten von geringer Höhe steht und (2) einem Verb, das in der Regel für ein „zweidimensionales“ Umzingeln verwendet wird; Wolff übersetzt wohl auch daher mit dem stilistisch eher unschönen „daß mich die Flut umringte“ (Wolff 1977, S. 101). (Zurück zum Text: bv)
bw BDBF 8069; s. auch Limburg 1993, S. 67: „„The deep“ refers literally to the sea (Pss. 68,22; 107:24; Micah 7:19) or is often used ficuratively for discress (Pss. 69:2, 15; 88:6).“ (Zurück zum Text: bw)
bx Niccacci 1996, S. 27 (Zurück zum Text: bx)
by Niccacci 1996, S. 27; Tucker 2006, S. 52, Walsh 1983, S. 221 (Zurück zum Text: by)
bz Walsh 1983, S. 221 (Zurück zum Text: bz)
ca NET-Kommentar (Zurück zum Text: ca)
cb Sasson 1990, S. 175, der dies zusätzlich illustriert mit dem ähnlich konstruierten Ps 88,7 (Zurück zum Text: cb)
cc vgl. Miller 2009, S. 100 (Zurück zum Text: cc)
cd Waltke / O´Connor § 11.4.2.b; erste Hervorhebung: Ich, S.W.Sebastian Walter; http://goo.gl/WEo8mm; vgl. auch van der Merwe § 32.1 (Hervorhebung: Ich, S.W.Sebastian Walter; http://goo.gl/WEo8mm): „There are, however, cases where the preposition is written before the first complement only.“ (Zurück zum Text: cd)
ce van der Merwe § 29.3.vi (Zurück zum Text: ce)
cf Waltke / O´Connor § 10.2.2.b (Zurück zum Text: cf)
cg vgl. van der Merwe § 32.2.3 (Zurück zum Text: cg)
ch Simon 1994, S. 99 (Zurück zum Text: ch)
ci vgl. BDBF 9677; HALOT, S. 2579; Holladay 5175; Gesenius 18. Aufl. S. 749; Simon 1994, S. 100 (Zurück zum Text: ci)
cj kursiv, da unsicher.
Alternativ: Mein Haupt war mit dem Tod gekettet. (Zurück zum Text: cj)
ck Bolin , S. 109f. (Zurück zum Text: ck)
cl Eine Übersetzung, die Luther so sehr verachtete, dass er in der Kurfürstenbibel kommentierte: „Jm Griechischen wirds Frageweiß gesetzet: Werde ich auch den Tempel sehen? Welches recht also verdolmetsched wird/ ich werde den Tempel nicht sehen. Da man denn an die Ebraisten sich nicht zukehren/welche in Erklärung der heiligen Schrifft sind Rabinisten/ das ist/ unverständige Thier. Sie haben von solchen hohen Sachen im Hertzen nichts erfahren noch gefühlet/ daher können sie auch den rechten Wort=Verstand nicht treffen.“(Steiger 2011, S. 77)
Sasson interpretiert interessanterweise auch die LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. und die ihr folgende arabische Version als adversativ: „The Targum sides with the latter interpretation, using the adversative brm, „nevertheless,“ and so does the LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. (followed by Arabic) when it frames the sentence as a rhetorical question: „Do you think that I may yet see your holy temple?“ (Sasson 1990, S. 179) (Zurück zum Text: cl)
cm Jeremias 2007, S. 95 (Zurück zum Text: cm)
cn Wolff 1977, S. 111 (Zurück zum Text: cn)
co Barker 1995, S. 228f.; die Verszahlen haben wir stillschweigend an die deutsche Zählweise angepasst. (Zurück zum Text: co)
cp ebd., S. 228 (Zurück zum Text: cp)
cq Walsh 1983, S. 225; vgl. auch NET-Kommentar (Zurück zum Text: cq)
cr vgl. ähnlich Niccacci 1996, Fußnote S. 28; van der Woude 1981, S. 490 (Zurück zum Text: cr)
cs vgl. auch Sasson 1990, S. 181 (Zurück zum Text: cs)
ct Frymer-Kensky 1987, S. 233 (Zurück zum Text: ct)
cu BHH Bd. 3, S. 2162 (Zurück zum Text: cu)
cv vgl. auch Walsh 1983, S. 226 (Zurück zum Text: cv)
cw Hauge 1995 (Zurück zum Text: cw)
cx Radebach-Huonker 2010, S. 27. (Zurück zum Text: cx)
cy vgl. auch Rudolph 1971, S. 353; vgl. auch Wolff 1977, S. 110: „Im Zusammenhang erklärt a die Todesgefahr als Verstoßung aus der Gegenwart Jahwes („aus deinen Augen verstoßen“ [...]). Wie könnte der Beter des Endes solcher Verwerfung gewiß werden? Dadurch, daß er selbst Jahwes heiligen Tempel wieder schauen dürfte.“

Gelegentlich wird am Begriff des Tempels festgemacht, dass der Psalm nicht ursprünglich ein Jona-psalm gewesen sein könnte, da Jona aus Gat-Hepher Bürger des Nordkönigreiches sei (z.B. Rudolph 1971).

Sasson wendet dagegen ein: „We may note, however, that another psalmist creates a similar scene for David (Ps 138:1-2) even when everyone knew that the king did not build the temple.“ (Sasson 1990, S. 181) (Zurück zum Text: cy)
cz vgl. Limburg 1993, S. 48 (Zurück zum Text: cz)
da vgl. auch Craig 1999, S. 125 (Zurück zum Text: da)
db Niccacci 1996, S. 30 (Zurück zum Text: db)
dc vgl. auch Sasson 1990, S. 185: The versions had a very difficult time with what stuck to Jonah´s head. They treated the crucial term in a radically different way than is done by modern translators [...].“ (Zurück zum Text: dc)
dd vgl. z.B. die vier verschiedenen Vorschläge zu einer konzentrischen Strukturierung: Cánez 2011, S. 87; Christensen 1985, S. 226; Sasson 1990, S. 167; Wendland 1996, S. 377; vgl. auch die unserem Vorschlag entsprechende Strukturierung Simons in Simon 1994, S. 95f. (Zurück zum Text: dd)
de so zumindest in BDBF, Ges 18. Aufl., eHALOT, Holladay und TWOT; ThWATBotterweck, G. Johannes/Helmer Ringgren: Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament. Stuttgart u.a, 1970ff.. dagegen problematisiert zusätzlich das mutmaßliche Etymon twf (äg.) von sûp, da es ausschließlich im Neuägyptischen belegt sei, verzeichnet dann aber im Gegensatz zu den fünf erstgenannten Wörterbüchern auch für Jon 2,6 „Schilf“: „Schilf umschlingt den Kopf des Propheten“. (ThWATBotterweck, G. Johannes/Helmer Ringgren: Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament. Stuttgart u.a, 1970ff.. V Sp. 794-796) (Zurück zum Text: de)
df vgl. Sasson 1990, S. 185: „[...] Mindful that the psalm´s ancient readers saw no connection with Egyptian flora, whether they read sûp or *sôp, I find appealing Batto´s argument (1983: 32-35) that we are dealing here with one more expression for a primordial body of water.“ (Zurück zum Text: df)
dg Diese und die nächste Parallelstelle ist eine Melange aus verschiedenen Bibelübersetzungen, die wir zusammengemischt haben, um die Parallelität besser einsehbar zu machen (Zurück zum Text: dg)
dh vgl. Fußnote Batto 1983, S. 34 (Zurück zum Text: dh)
di Batto 1983, S. 34 (Zurück zum Text: di)
dj Limburg 1993, S. 69 (Zurück zum Text: dj)
dk vgl. Ryken 1998Ryken, Leland / James C. Wilhoit / Temper Longman III: Dictionary of Biblical Imagery. Leicester, 1998., S. 185.359f.; Schroer u.a. 2001, S. 83 (Zurück zum Text: dk)
dl vgl. auch Wolff 1977, S. 111 (Zurück zum Text: dl)
dm vgl. auch Simon 1994, S. 101: „Die erneute Beschreibung der Schrecken des Ertrinkens, die sich mit der vorhergehenden in V. 4 durch das Wort [...] „umgab mich“ [...] verbindet, beginnt mit einem Parallelismus der Synonyme [...“umgaben mich“] und [...“umschloss mich“] (vgl. Ps. 18,5-6) und des Wortes [...] „Abgrund“ [...], dass unter Hinzufügung der Dimension der Tiefe parallel zu [...] „Wasser“ [...] steht (s.a. Gen 1,2; Ez 31,4; Ps 77,17; 104,6).“ (Zurück zum Text: dm)
dn Zugegeben – die Lesart mit yam-sûp statt sûp, also „Rotes Meer“, würde sogar noch besser in diesen Parallelismus passen. (Zurück zum Text: dn)
do Mulzer 2005, S. 111 (Zurück zum Text: do)
dp Tucker 2006, S. 47 (Zurück zum Text: dp)
dq Batto 1987, S. 34 (Zurück zum Text: dq)
dr Rudolph 1971, S. 353 (Zurück zum Text: dr)
ds “I have italicized „kelp“ in my translation because I am not sure how to render sûp properly in this verset.“ (Sasson 1990, S. 185) (Zurück zum Text: ds)
dt Walsh 1983, S. 222 (Zurück zum Text: dt)
du nach Walsh 1983, S. 222f. (Zurück zum Text: du)
dv vgl. BHRGvan der Merwe, Christo H.J./Jackie A. Naudé/Jan H. Kroeze: A Biblical Hebrew Reference Grammar. Sheffield, 1999., § 9.4: „The sôf pasûq, which looks like a boldly printet colon [:], is the sign that indicates the end of a verse. It may be compared to a full stop.“ (Zurück zum Text: dv)
dw Limburg 1993, S. 67 (Zurück zum Text: dw)
dx vgl. Baldwin 2009, S. 570 (Zurück zum Text: dx)
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