Kommentar:Jona 1

Aus Die Offene Bibel

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: „Hätte er nicht eher dem Beispiel Jesu folgen und sagen sollen „Wenn ihr aber mich sucht, lasst diese gehen? Hätte er nicht - wie Jona - sagen sollen „Nehmt mich, und werft mich ins Meer hinab: Denn dieser Sturm stürmt wegen mir?<ref>Cyril von Jerusalem: 18 Catechetical Lectures. Übersetzung: Ich, S.W.</ref>
 
: „Hätte er nicht eher dem Beispiel Jesu folgen und sagen sollen „Wenn ihr aber mich sucht, lasst diese gehen? Hätte er nicht - wie Jona - sagen sollen „Nehmt mich, und werft mich ins Meer hinab: Denn dieser Sturm stürmt wegen mir?<ref>Cyril von Jerusalem: 18 Catechetical Lectures. Übersetzung: Ich, S.W.</ref>
  
: „Wir müssen hier auf die Geistesgröße unseres Flüchtlings achten: Weder weicht er aus, noch versteckt oder verleugnet er seine Schuld, sondern indem er seine Flucht zugibt, akzeptiert er gleichzeitig bereitwillig seine Strafe. Lieber würde er sterben als zu akzeptieren, dass die Seemänner um seinetwillen zugrunde gingen und er zusätzlich zu seiner Desertion auch noch Mord begehen würde.“,<ref>Hieronymus: Commentary on Jonah. Übersetzung: Ich, S.W.<br>Simons Kommentar geht in die selbe Richtung:<br>
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: „Wir müssen hier auf die Geistesgröße unseres Flüchtlings achten: Weder weicht er aus, noch versteckt oder verleugnet er seine Schuld, sondern indem er seine Flucht zugibt, akzeptiert er gleichzeitig bereitwillig seine Strafe. Lieber würde er sterben als zu akzeptieren, dass die Seemänner um seinetwillen zugrunde gingen und er zusätzlich zu seiner Desertion auch noch Mord begehen würde.“,<ref>Hieronymus: Commentary on Jonah. Übersetzung: Ich, S.W. In einem Brief an Ctesiphon schreibt er darüber hinaus, noch eindrücklicher:
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: „Better would it be to imitate Jonah and say: „If it is for my sake that this great tempest is upon you, take me up and cast me forth into the sea.“ He in his humility was thrown into the deep that he might rise again in glory to be a type of the Lord.“; online [http://www.ccel.org/ccel/schaff/npnf206.v.CXXXIII.html?scrBook=Jonah&scrCh=1&scrV=12#v.CXXXIII-p136.1 unter]<br>Simons Kommentar geht in die selbe Richtung:<br>
 
: "Er hätte versuchen können, seinen Verfolger zu zwingen, die Schiffsreisenden wegen seiner eigenen Sünde ertrinken zu lassen, zog es aber vor, um jeden Preis zu verhindern, daß sie in seinen Streit mit seinem Gott hineingezogen werden." (Simon 1994, S. 17)</ref>
 
: "Er hätte versuchen können, seinen Verfolger zu zwingen, die Schiffsreisenden wegen seiner eigenen Sünde ertrinken zu lassen, zog es aber vor, um jeden Preis zu verhindern, daß sie in seinen Streit mit seinem Gott hineingezogen werden." (Simon 1994, S. 17)</ref>
  

Version vom 15. Juni 2012, 09:38 Uhr


Jona, der Fanatiker. Ein Kommentar zum Jonabuch
Vorbereitendes und Vorläufiges | Jona 1 | Jona 2 | Jona 3 | Jona 4


Dies ist vorerst nur eine vorläufige Version; über alles werde ich noch md. einmal drüber sehen, wenn auch die Absätze zu Jon 2-4 ein vorläufiges Gepräge erhalten haben. Ich stelle den Kom. zu Jon 1 dennoch schon mal ein, um vielleicht jetzt schon Diskussionen anzuregen, mich auf Fehler hinweißen zu lassen, die mir nicht aufgefallen sind, Ben seine Vorabbibliographie zu liefern (die unten angeführten sind ausschließlich die Werke, die ich in Jon 1 verwurstet habe) etc.--Sebastian Walter 00:28, 25. Apr. 2012 (CEST)


Inhaltsverzeichnis

Übersetzung

1,1 Ein weiteres Mal sprach Jahwe zu Jona ben Amittai, nämlich: 1,2 „Steh auf! Geh nach Ninive, der großen Stadt, und rufe gegen sie, denn ihre Arg ist bis zu mir hinauf gestiegen!“ 1,3 Also stand Jona auf - um nach Tarschisch zu fliehen, fort von Jahwe. Er ging hinab nach Jafo, wo zufällig gerade ein Schiff aus Tarschisch im Begriff war, einzulaufen. Er bezahlte seinen Preis und stieg in es hinab, um mit ihnen nach Tarschisch kommen, fort von Jahwe.
1,4 Da jedoch warf Jahwe einen großen Sturm auf das Meer hinab, so dass ein großer Seegang im Meer entstand. Als das Schiff zu zerbrechen drohte, 1,5 fürchteten sich die Schiffsleute; ein jeder schrie zu seinem Gott - und um die See zu beschwichtigen, warfen sie die Ladung vom Schiff hinab. Jona indes war nach Unterdeck hinabgestiegen und lag ohnmächtig da. 1.6 Da nahte sich ihm der Kapitän und sprach: „Was ist hier denn los?! Warum bist du ohnmächtig?! Steh auf! Rufe zu deinem Gott! Vielleicht denkt der Gott ja noch einmal über uns nach, so dass wir nicht zugrunde gehen müssen!“
1,7 Daraufhin fasste die Schiffsbesatzung einen Plan: „Kommt! Lasst uns losen, damit uns bekannt werde, wer uns den ganzen Ärger eingebrockt hat!“ Also losten sie - und Jona war es, den sie losten. 1,8 Da sprachen sie: „Sag uns, du, der du uns den ganzen Ärger eingebrockt hast: Was für einen Auftrag führst du aus und von woher kommst du? Aus welchem Land und von welchem Volk stammst du?“ 1,9 Er antwortete: „Ein Diener bin ich, und ich fürchte den Himmelsgott Jahwe, der das Meer und das Festland gemacht hat!“ 1,10 Da fürchteten sich die Männer mit großer Furcht und sprachen: „Wie konnest du das nur tun?!“ - denn es war ihnen bekannt geworden, dass er von Jahwe floh (er hatte es ihnen nämlich selbst erzählt). 1,11 Und sie fragten ihn: „Was müssen wir mit dir tun, damit das Meer von uns ablassen könnte?“ - denn das Meer stürmte immer heftiger. 1,12 Er antwortete: „Nehmt mich und werft mich ins Meer hinab, dann wird es von euch ablassen. Denn es ist mir ja bekannt, dass ich es bin, wegen dem dieser große Sturm über euch gekommen ist.“ 1,13 Doch die Männer ruderten heftig, um zum Festland zurückzukehren. Jedoch: Sie vermochten es nicht, denn das Meer stürmte immer heftiger gegen sie. 1,14 Da riefen sie zu Jahwe: „Oh bitte, Jahwe - lass uns doch nicht zugrunde gehen wegen dem Leben dieses Mannes und bringe nicht unschuldiges Blut über uns! Denn du, Jahwe, hast so gehandelt, wie es dir gefiel“, 1,15 nahmen Jona und warfen ihn hinab ins Meer. Und das Meer ließ ab von seinem Wüten. 1,16 Da fürchteten die Männer Jahwe mit großer Furcht, opferten Jahwe Opfer und gelobten Gelübde.

Einzelstellenkommentar

1,1

Ein weiteres Mal sprach Jahwe zu Jona ben Amittai, nämlich:

Das Jonabuch setzt unvermittelt ein mit einer in der Bibel gut bezeugten Konstruktion: Der Wortereignisformel. Die Form ist immer die selbe: wayehî dabar yhwh ´el NN le´mor - „Und es erging das Wort unseres Herrn an NAME, besagend...“ Im Alten Testament findet sie sich insgesamt 85xa, davon allerdings 21x in Jer und 41x in Ez.
Außer einem Mal an David und einem Mal an Salomon ergeht das Wort des Herrn ausschließlich an Propheten, weshalb Baldwin hier auch kommentieren kann: „To receive the word of the Lord was the authenticating mark of a true prophet [...].“b. Schon die Tatsache, dass hier das Wort an Jona ben Amittai ergeht und ihn so als „wahren Propheten“ kennzeichnet, sollte von einer allzuschnellen negativen Beurteilung der Jonafigur warnen.
In der Regel wird mit der (Wort-)Ereignisformel ausgedrückt, dass innerhalb einer kontinuierlichen Handlung durch überraschendes Eingreifen Gottes ein neuer Abschnitt des Handlungsverlaufs eingeleitet wird.c.

Das Wort unseres Herrn also ergeht an Jona ben Amittai. Dieser Name ist bereits bekannt aus 2 KönKönig, Eduard: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig, 1922. 14. Diese Verknüpfung mit einem vorherigen Buch und die Einleitung mit einer Formel, die für gewöhnlich für Handlungs-kontinua verwendet wird, legen nahe, dass es sich hier um die selbe Person handelt.d


In manchen Kommentaren wird besonders auf den Namen Jona´s hingewiesen. „Jona, Sohn des Amittai“ nämlich ist ein sprechender Name. „Jona“ bedeutet „Taube“; und von der Taube wird dann wahlweise gesagt, sie stehe für das Volk Israel (da Israel gelegentlich mit einer Taube gleichgesetzt wurde; vgl. Ps 74,19; Hos 7,11; 11,11; Targum Hld 2,15; bSchabbath 130a) - oder: Im Namen finde schon die Ängstlichkeit des „Flattergeistes“ Jona ihren Ausdruck.e
Amittai ist ebenfalls ein bedeutsamer Name; allerdings kann man sich offenbar nicht darauf einigen, was er bedeutet. Vorgeschlagen wurde „Treue Gottes“f, „Glaube“g „Wahrheit“ h und „Rufer“i.
Jedoch: Bolin analysiert die biblischen Texte, die in Frage kommen für eine „semantische Aufladung“ des Begriffs „Taube“ mit „Israel“ und kommt zum Schluss, dass die betreffenden Stellen keinesfalls nahelegen, dass „Taube“ tatsächlich im kulturellen Sprachwissen mit „Israel“ verbunden gewesen sei und die behaupteten negativen Konnotationen erst recht nicht belegbar seien.j Und auch die Tatsache, dass „Amittai“ nicht einmal einheitlich übersetzt wird, spricht gegen eine eindeutige symbolische Bedeutung. Ohnehin sollte die Tatsache, dass Jona hier einen „(partially) descriptive name“ hat, nicht überschätzt werden - „There is nothing exceptional about a name derived from the animal world, whether in Hebrew or in other ancient languages [...].“k, für hebräische Ohren war dies vermutlich nicht auffälliger als Eigennamen wie „Müller“ oder „Schuster“ für unsere.l

1,2

Steh auf! Geh nach Ninive, der großen Stadt, und rufe gegen sie, denn ihre Arg ist bis zu mir hinauf gestiegen!

Steh auf! Gehe!...“, heißt es hier wörtlich. Der NET Kommentar liest dies als Hendiadyoin, in dem das erste Wort als adverbiale Modifikation des zweiten fungiert. So kann das zweifellos übersetzt werden: „Gehe sofort in die große Stadt Ninive!“m; allerdings ist das „Aufstehen“ hier bezeichnend, da mit 1,3 die „absteigende Jonalinie“ beginnen wird: Jona geht „hinab nach Jafo“, steigt „hinab ins Schiff“, sinkt „hinab zu den Füßen der Berge“ usw. Derart bildet der Befehl zur „Aufwärtsbewegung“ hier mit dem Absteigen Jonas einen Gegensatz, weshalb dies wörtlich beibehalten werden sollte.
Die beiden Befehle werden in der Regel zu einem Satz verbunden, etwa Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern.: „Mach dich auf den Weg und geh...“. Allerdings hat der masoretische Text zu Beginn des Wortes qum (“Steh auf!“) einen sogenannten talîsa gadôlâ, einen disjunktiven Akzent, in dem zum Ausdruck kommt, dass das eröffnende Wort den vorangegangenen Vers vollendet.n

zu Ninive: vgl. Jon 3,2; zu „groß“ Jon 3,3. „,der großen Stadt“ wird im MT durch Akzentsetzung (konjunktiv unter „Stadt“, disjunktiv unter „der großen“o) vom restlichen Vers abgehoben, weshalb wir hier mit „Ninive, der großen Stadt“ statt mit „der großen Stadt Ninive“ übertragen haben.

Das „rufe gegen sie“, so unschön es stilistisch auch sein mag, muss beibehalten werden: „rufen“ ist eines der Leitwörter des Jonabuches, und ûqera´ `alêha hat eindeutig adversative Bedeutung. Es ist eine Anklage, die Jona hier der Stadt entgegenschreien soll, eine verbale Attacke.p

denn“ - häufig wird hier gesagt, das könne auch einen Satz mit „dass“ einleiten - „rufe gegen sie, dass ihre Arg...“. Wenn tatsächlich beide Möglichkeiten zur Verfügung stünden, wäre dennoch „denn“ vorzuziehen, da dies dem Stil des Jonabuchs besser entspricht.q Wahrscheinlich steht diese zweite Möglichkeit aber auch gar nicht zur Verfügung: „It cannot, as it seems to do in some accounts, introduce direct speech: „declare against it that its citizens´ wickedness...“ In fact, this last way of translating is not available to Hebrew and should be deleted from the dictionaries.“r

Ihre“ - dieses Pronomen steht hier im Maskulinum Plural statt im Femininum Singular, weshalb vermutlich hier auf die Bosheit der Einwohner statt der Bosheit Ninives selbst verwiesen wird.s

Ra´â haben wir hier mit „Arg“ übertragen. Dieses Wort ist eine der Übersetzungsschwierigkeiten des Jonabuches: Es handelt sich hier eines der Leitwörter, das die ganze Geschicht durchziehen wird - vgl. Jon 1,2.7.8; 3,8.10; 4,1.2.6.
Ra´â zu übertragen ist schwierig, da es in verschiedenen Bedeutungen verwendet wird, dabei aber so bedeutsam eingesetzt wird, dass auf jeden Fall in einer Übersetzung ersichtlich bleiben muss, dass es sich beim jeweiligen Wort um eine Übertragung dieses hebräischen Wortes handelt.
Ra´â leitet sich her von der Wurzel r´´; die Grundbedeutung ist die moralische Qualität des „Bösen“. Es kann aber auch stehen für die charakterliche Veranlagung zum Bösen - die Bosheit - oder für schlimme und unglückseelige Zustände oder Ereignisse, und zuletzt sogar für den seelischen Zustand, in den einen Böses, Bosheit oder unglückseelige Ereignisse versetzen können, also Betrübnis, Leid und Verletzung. In Jon 3,8 wird es darüber hinaus im Sinne von „sehr“ verwendet.t In all diesen Bedeutungen wird es im Jonabuch verwendet: Die Bosheit der Nineviten ist zu Gott gedrungen (1,2), Jona hat die Schiffsbesatzung in eine missliche Lage gebracht (1,7), die die Niniviten schreien sehr zu Gott (3,8) und Jona ist zutiefst betrübt über Gottes Entscheidung (4,1). In der Regel wird es im Deutschen übertragen mit „böse“ und „Bosheit“, aber schon bei „Unglück“ und „sehr“ steht dann der Übersetzer vor einem Problem. Wir haben uns daher für „arg“ entschieden:

  • die Bosheit: die Arg
  • das Unglück / das Böse: der Ärger (informell)
  • sehr: arg
  • erbost: ärgerlich

An Jonas Betrübnis in Jon 4,1 werden wir genau so scheitern wie alle anderen Übersetzer. Wählten andere Übersetzer hier die Übersetzungsweise mit „arg“, hätten sie keine Probleme, da sie in der Regel Jon 4,1 so verstehen, dass Bosheit über Jona kommt und er sich ärgert. In diesem Kommentar wird aber davon ausgegangen, dass Jona „betrübt“ ist - vgl. dort -, und dies lässt uns scheitern.

gestiegen“ wird in der Bibel sonst im Zusammenhang mit dem Wohlgeruch des Brandopfers, der zu Jahwe emporsteigt, verwendet. Hier wird diese Vorstellung ins Gegenteil verkehrt; Gott schickt Jona zu den Niniviten, da die Schlechtigkeit gleich dem Duft des Opfers zu ihm dringt und ihm „nicht schmeckt“. In der Smitten übersetzt daher: „Auf, geh nach Ninive - der großen Stadt - und schreie zu ihr hin, denn emporgestiegen ist ihre Schlechtigkeit vor mein Angesicht.“u

1,3

Also stand Jona auf - um nach Tarschisch zu fliehen, fort von Jahwe. Er ging hinab nach Jafo, wo zufällig gerade ein Schiff aus Tarschisch im Begriff war, einzulaufen. Er bezahlte seinen Preis und stieg in es hinab, um mit ihnen nach Tarschisch kommen, fort von Jahwe.

In Kommentaren wird in der Regel zu diesem Vers geschrieben, was hier passiere, sei absolut singulär und noch nie dagewesen - ein Prophet, der Gott die Gefolgschaft verweigert!; vgl. etwa Simon:

"Die Erzählung beginnt mit zwei eigenartigen Vorkommnissen, für die es nichts Vergleichbares in den Prophetenerzählungen gibt: ein Prophet wird ausgesandt, damit er einer nichtisraelitischen Stadt eine Katastrophe ankündigt, und der Prophet weigert sich, die Aufgabe auszuführen.",v

aber vgl. 1 KönKönig, Eduard: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig, 1922. 13; 20,35f.
Nach einem recht gewöhnlichen Einstiegw ergeht ein gewöhnlicher Auftrag an einen gewöhnlichen Propheten. Und gewöhnlich geht es weiter: Auf Gottes Auftrag - „Steh auf“ folgt ordnungsgemäß das Aufstehen Jonas - und nach einem solchen Einstieg auf einmal das. Wie verdammenswert dies ist, hat der Autor hier virtuos in der Struktur des Verses ausgedrückt; wir stoßen hier nämlich zum ersten Mal auf eine konzentrische Struktur:

Also stand Jona auf -
A um nach Tarschisch zu fliehen, fort von Jahwe.
B Er ging hinab nach Jafo
C und fand ein Schiff,
D das im Begriff war, von Tarschisch her einzulaufen.
C“Er bezahlte den Preis [des Schiffes]
B“und stieg in es hinab
A“Um mit ihnen nach Tarschisch zu kommen, fort von Jahwe.x

Die konzentrische Struktur setzt genau zu dem Zeitpunkt ein, da Jona beginnt, Jahwes Willen zuwider zu handeln, und man sieht sehr deutlich, wo das Problem liegt: Gebetsmühlenartig wird es wiederholt: nach Tarschisch will er, fort von Jahwes Angesicht. Und wieder, von Tarschisch kommt das Schiff (s.u.; es ist dies höchst eindrücklich: Von woher das Schiff kommt, ist im Prinzip egal.y Aber um des Leitwortstils Willen muss das Schiff natürlich aus Tarschisch kommen). Und noch einmal: Natürlich steigt er ein, denn er will ja mit ihnen nach Tarschisch kommen, fort von Jahwes Angesicht. Davon wird die Struktur gerahmt - nach Tarschisch, fort von Jahwes Angesicht -, und dies ist der Mittelpunkt: das Schiff, das von Tarschisch kommt.z Hätte er das doch mal nicht getan; eine Menge Ärger wäre ihm erspart geblieben.

Wir müssen hier aber die Aufmerksamkeit des Lesers noch einmal genauer auf Jona´s Reaktion lenken: Es ist durchaus nicht so, dass Jona sich dem Auftrag Gottes vollständig und uneingeschränkt widersetzen würde. Drei Aufforderungen kommen von Gott: „Stehe auf“, „Gehe“ und „rufe“. Dem „Gehen“ und „rufen“ widersetzt sich Jona, dem „Aufstehen“ jedoch leistet er Folge. Das wird noch deutlicher, wenn man diesen Vers vergleicht mit Jon 1,6: Hier wird vom Kaptiän der Befehl Gottes wieder aufgegriffen: „Stehe auf! Rufe zu deinem Gott...“ heißt es da. Und wieder: Jona steht auf; ob er aber zu Gott ruft oder nicht bleibt zumindest unerwähnt. Wie auch immer: Dem ersten Teil der der Aufforderung leistet er Folge; der talîsa gadôlâ in 1,2 ist also vermutlich sehr bewusst gesetzt.
Jona hört mit der Weigerung in 1,3 nicht etwa auf, Prophet oder Diener Gottes zu sein; einzig dem Auftrag, gegen Ninive anzurufen, widersetzt er sich. Noch deutlicher wird dies in Kap 2, wo die Umwendung Jonas eingangs zusammengefasst wird mit „Ich rief in meiner Not zum Herrn...“. Das Rufen ist der entscheidende Aspekt von Jon 2, dem Kapitel der Umwendung Jonas; und das Rufen ist tatsächlich auch das Einzige, dem Jona sich hier widersetzt.
Der Jona des Jonabuches ist kein Feind Gottes - Ninive ist es, gegen das Jona etwas hat. Und deshalb wird er dann auch trotz Allem in 1,9 bekennen können: „Ich, Jona, bin ein Diener des Herrn.“ Das Nicht-rufen ist der einzige wirklich negative Charakterzug Jona´s im ganzen Jonabuch.

Eine weitere Auffälligkeit ist an diesem Vers zu sehen: Unser Herr ruft ihm zu, er solle sich aufrichten. Er richtet sich auf, und dann beginnt es: Er steigt hinab nach Jafo und hinab ins Schiff. Das ist umso auffälliger, als „in ein Schiff hinabsteigen“ nicht nur im Deutschen, sondern auch im Hebräischen eine ungewöhnliche Konstruktion ist.aa Aus aufwärts ist abwärts geworden: Jonas Niedergang beginnt, und mit ihm der Teil der Geschichte, der als „absteigende Jonalinie“ bezeichnet wird. Auch tut sich hier die größte Leerstelle des Jonabuches auf: Warum flieht Jona? Warum? - Doch der Leser muss sich gedulden; erst in Jon 4,2 gibt Jona seine Gründe Preis.

Ein kleines Faszinosum wollen wir noch nicht unerwähnt lassen: Der große Kommentator und Bibelübersetzer Yefet Ben Eli interpretiert das Jonabuch auf eine völlig andere Weise: In seiner Übersetzung verweigert Jona Gott überhaupt nicht den Dienst. "Fliehen" z.B. überträgt er zu lil-mudiy - arabisch für "schnell gehen" -, was eine durchaus zulässige Übersetzung ist, und kommentiert:

"In this way Jonah - peace be upon him - sought out the quickest route. He decided to travel by sea in order to shorten the journey. He would depart for Nineveh from Tarshish.
Or he knew that God would work a miracle through him at sea so that it would be a sign for him and a proof to confirm his words to the people of Nineveh when he would call out, forty days more and Nineveh shall be overthrown (3:4). For this reason it is stated, to 'go quickly' to Tarshish. The phrase from before the LORD means from the place of address. He informs us that his only delay was the time that passed en route while he swiftly proceeded to Tarshish."ab

Wenn man nun noch, anders als üblich (s.u.) Tarschisch nicht in den westlichen Mittelmeerraum lokalisiert, sondern nach Tarsus in der Türkei, ist das sogar eine sinnvolle Reiseroute; und einige der durch diese Lesart entstehenden interpretativen Schwierigkeiten lassen sich tatsächlich ohne größere Mühen mit dieser Interpretation harmonisieren.
Soweit wir das sehen können, steht Ben Eli mit dieser Interpretation völlig allein da (wenn auch, wie gesagt, das durchweg positive Bild der alten Exegeten und der innerbiblischen Jona-Zeugnisse von Jona auffällig ist); und der Gesamtverlauf des Jonabuches weist auch stark in Richtung der üblichen Jonainterpretation - aber es ist dennoch auf jeden Fall schade, dass diese Interpretation in wissenschaftlichen Kommentaren und Aufsätzen nicht einmal mehr erwähnt wird.

also“ - Das wayyiqtol markiert hier die Progression der Erzählung.ac Der Gegensatz von scheinbar gewöhnlicher Progression im Versbeginn und dem mit dieser Erwartung brechendem Folgenden kommt durch die ausdrückliche Übersetzung noch besser zum Ausdruck.

Tarschisch“. Um welche Stadt es sich bei Tarschisch handelt, darüber ist man sich bis heute nicht klar geworden. Schon zu Theodorets Zeiten war diese Frage strittig; die LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. hatte für Tarschisch regelmäßig „Karthago“; (andere) alte Exegeten hielten Tarschisch aber für einen Begriff für „Indien“. Theodoret hält die LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. für richtig:

„[...] I will offer the Holy Scriptures as a witness that Carthage, the capital city of Africa, is Tarsis. For in Isaiah the prophet, where the Seventy have said, „Wail, o ships of Carthage because your fortresss is destroyed“ (Is 23:14) Aquila, Symmachus, and Theodotion have placed „Tharsis“ instead of „Carthage.“ Also, the scriptures of the Hebrews have this name. And in such a way, when the divinely inspired Ezekiel mentions Carthage, we have found „Tharsis“ in the Hebrew and the Syrian (Ez 27:12-25). Because we are guided by these things, we say that the blessed Jonah did not flee to India but to Carthage.“ad

Für Theodoret ist das ganz klar: Jemand, der nach Nordosten beordert wird und flieht, der muss natürlich nach Südwesten fliehen. Diese Logik findet auch heute noch in viele Kommentare ihren Eingang.
Weder Indien noch Karthago spielen in der heutigen Diskussion eine große Rolle,ae denn die Forschung hat neue Hinweise darauf erbracht, welche Stadt gemeint sein könnte.
Zunächst einmal wird Tarschisch oft in einem Atemzug mit der Stadt Tyrus, dem Hafen von Jafo und verschiedenen Mittelmeerinseln und anderen Orten aus dem Mittelmeerraum genannt, und zwar nicht nur in der Bibel, sondern z.B. auch in phönizischen und assyrischen Inschriften. Beitzel z.B. schließt deshalb aus der Bibel und einigen Inschriften, dass Tarschisch vermutlich an der Küste westlich des Ägäischen Meers gelegen ist.af In der engeren Auswahl stehen deswegen in der Forschung:

  • Tarsus in der Türkei
  • Tartessus in Spanien
  • Tharros auf Sardinien

Ein zweites Indiz sind die berühmten „Tarschisch-Schiffe“. Diese nämlich waren einst der Inbegriff der Hochseeschiffe überhaupt. Gesetzt den Fall, dass „Tarschisch“ tatsächlich der Name eines Ortes istag, wäre damit das türkische Tarsus weniger wahrscheinlich, da dieses von Israel aus auch per Küstenschifffahrt erreichbar wäre.
Aber ganz gleich, um welchen Ort es sich bei Tarschisch genau handeln mag: Warum der Autor / Jona Tarschisch wählt, ist klar. Ninive liegt nordöstlich von Jerusalem und Tarschisch aller Wahrscheinlichkeit nach im westlichen Mittelmeerraum. Jona will soweit wie nur irgend möglich fort vom Ort seiner Bestimmung und von Jahwe.

Jahwe“: Der Urtext hat hier „Jahwe´s Angesicht“. Dieser Begriff scheint zunächst etwas rätselhaft. Was ist Gottes Angesicht? Der NET Kommentar listet hier zwei Interpretationsmöglichkeiten: (1) Angesicht steht für die Präsenz unseres Herrn in seinem Tempel, oder (2) Angesicht steht hier für die „Sichtweite Gottes“, und Baldwin gibt als eine dritte Möglichkeit an, (3) dass „Jonah, like Cain (Gen 4:16), associates the Lord´s presence with the place where the Lord had spoken to him, hence his panic-stricken attempt to run away.“ah. Aber betrachtet man es genauer, ist Möglichkeit (1) die wahrscheinlichste. Aus Gottes Auftrag ist ja bereits hervorgegangen, dass sein Arm und Auge bis nach Ninive reicht. Vor diesem Hintergrund wäre es sehr dumm von Jona ben Amittai, dem großen Heilspropheten der Königszeit, Gegenteiliges anzunehmen - was gegen (2) spricht.〈a href="#note_ai" id="reference_ai_1" title='ähnlich argumentiert Simon: "Es liegt auf der Hand, daß Jona sehr wohl wußte, daß es weder auf dem Meer noch auf dem Festland irgendeinen Ort außerhalb …'ai〉 Auch ist „fort vom Angesicht von NN“ eine geprägte Formel, die nicht nur im Zusammenhang mit Gott, sd. auch mit Menschen verwendet werden kann, etwa Gen 27,30; 41,6; Ex 35,20; 2 Sam 24,4 u.ö.; und wenn es das Angesicht Gottes ist, von dem gesprochen wird, ist es in der Regel auch ein „tatsächliches Antlitz“ - so etwa Gen 3,8; 4,16 - der Zeit, da Gott noch auf Erden wandelte - und Ijob 1,12; 2,7, wo Satan gemeinsam mit den Gottessöhnen vor den Herrn hintritt. Daher ist es am Wahrscheinlichsten, dass hier tatsächlich von einer „materiellen Gegenwärtigkeit“ - also vom der Gegenwart Gottes in seinem Tempel - gesprochen wird.aj

wo zufällig ein Schiff“ Üblicherweise wird dies übersetzt mit „ein Schiff finden“. Es hat aber auch die Bedeutungsnuance „to meet by chance“ oder „to come upon unexpectedly“.ak Lässt man dies in der Übersetzung herauskommen, wird das Panische an Jonas Handeln, dass auch ersichtlich ist an den folgenden drei Punkten, besser deutlich.

aus Tarschisch ... einzulaufen“ - Deutsche und englische Übersetzungen übertragen hier ausnahmslos mit „nach Tarschisch“. Schlägt man aber in Lexika nach, wird hier für Qal primär nicht „gehen“, sondern „kommen“ angegeben.al Es handelt sich hier nicht um ein Schiff, das zufällig ohnehin gerade nach Tarschisch will, sondern um ein Schiff, das gerade von Tarschisch kommt.am vgl. auch Punkt „seinen Preis“.

gerade im Begriff war“ - die Form des Verbs ist das Futur instans.<rev>Baldwin, S. 553</ref>. s. weiter: „seinen Preis“

seinen Preis“ Das Suffix des Pronomens steht hier im Femininum; das Pronomen verweist also auf das Schiff. Das legt nahe, dass Jona nicht allein seinen Mit-fahr-preis, sondern den Preis für das ganze Schiff und seine Besatzung zahlt. Baldwin tut dies noch ab als „rabbinische Tradition“an, aber vgl. Sasson und Tuckerao. Die meisten Übersetzungen lassen das Pronomen daher entweder unspezifisch (“den Preis“), übersetzen es, als stünde es im Maskulinum oder lassen es gleich ganz unübersetzt.
Es ist dies ein weiteres Indiz für die Richtigkeit von Punkt „aus Tarschisch“.

1,4

Da jedoch warf Jahwe einen großen Sturm auf das Meer hinab, so dass ein großer Seegang im Meer entstand. Als dass das Schiff zu zerbrechen drohte,...

Dieser Vers beginnt mit der für das Hebräische untypischen Wortstellung waw - Subjekt - Objekt, wodurch eine besondere Betonung auf das Subjekt - Jahwe - gelegt wird.ap. Zudem steht das „warf“ im Hiphil Perfekt, wodurch signalisiert wird, dass hier die narrative Sequenz durch das „werfende Eingreifen“ Gottes unterbochen wird.aq. Weiterhin beginnt „Ein solch großer Wellengang entstand“ wieder mit der „Ereignisformel“ wayehî - vgl. hierzu 1,1. Es kann also fast nicht deutlicher werden: Hier beginnt ein neuer Abschnitt. Die Exposition ist vorbei; jetzt wird es ernst.
Jahwe reagiert auf den Abstieg Jona´s mit einem „Abwurf“: er wirft einen großen Sturm aufs Meer hinab. Mit dem „hinabwerfen“ wird ein weiteres Leitwort eingeführt, das sich durch Jon 1 hindurchzieht: Die Matrosen werden mit einem Hinabwerfen von Ladung auf den Abwurf Gottes reagieren, Jona wird offenbaren, dass sie stattdessen ihn hinabwerfen müssen, und schließlich werfen sie ihn tatsächlich hinab ins Meer. Wie Jahwe auf den Abstieg Jonas mit dem Abwurf reagiert, so reagieren die Seemänner mit dem Abwurf Jonas auf den Aburf Gottes. Auf diese Weise kommt zum Ausdruck, dass es Gottes Wille ist, dass Jona ins Meer geworfen wird (vgl. unten).
Mit diesem Neueinsatz beginnt zugleich ein weiterer, abermals konzetrisch strukturierter Abschnitt:

1: 1,4-5a: Narrative, Fear
2: 1,5b: Prayer of Sailors
3: 1,5c-6a: Narrative
4: 1,6b: Cpt Speech
5: 17a: Sailor Speech
6: 1,7b: Narrative
7: 1,8: Sailor Speech
x: 1,9-10a: Jonah + Fear
7“:1,10b: Sailor Speech
6“:1,10c: Narrative
5“:1,11: Sailor Speech
4“:1,12: Jonah Speech
3“:1,13: Narrative
2“:1,14: Prayer of Sailors
1“: Narrative, Fearar

Man sieht es bereits an diesem Schema: Mit dem neuen Absatz wird weiterhin auch ein viertes Leitmotiv eingeführt: Zu „groß“, „hinabsteigen“ und „hinabwerfen“ gesellt sich nun das Motiv der „Furcht“. Die Furcht ergibt sich direkt aus dem neuen Eingriff Gottes in den Handlungsverlauf; die Gottesfurcht Jonas steht im Zentrum der Struktur und die Gottesfurcht der Seeleute ist das Ziel des Kapitels.

Die Inversion des Subjekts mit dem perfektischen Verb macht sowohl aus 1,4aα als auch aus 1,4b Vordersätze, auf die dann jeweils Sätze folgt, die die Folgen des im Vordersatz Geschilderten zum Ausdruck bringen.as. Daher „so dass“ und „Als das Schiff...“.

Seegang“ wird in deutschen Übersetzungen fast ausschließlich übersetzt mit „Sturm“ (- wo wir „Sturm“ haben, steht in diesen Übersetzungen dann in der Regel „Wind“). Wolff zeigt aber, dass das falsch ist:

“Was bewirkt der Windwurf? Einen סַעַר. Das kann hier nicht den Windsturm meinen wie zumeist (Jer 23,19; Ps 83,16) [...]. Denn erstens verhalten sich der Wurf des Windes und das Entstehen des סַעַר zueinander wie Ursache und Wirkung [...] Zweitens wird der Wind „auf das Meer“ [...] geworfen, der סַעַר aber entsteht „im Meer“ [...] Drittens zeigt der verbale Gebrauch von סַעַר in 11b.13b, daß das Meer selbst sein Subjekt ist. Demnach meint סַעַר hier den hohen Seegang, die aufgepeitschten Wogen des Meeres.“at.

Das Schiff drohte, zu zerbrechen - Manche Exegeten halten dies „drohen“ für defektiv; wörtlich übersetzt lautete der Satz nämlich „Das Schiff rechnete damit, zerbrochen zu werden“.au Dagegen schreibt jedoch Bolin:

“That personification, so much a common literary feature in many (if not all) languages, should be denied to Hebrew is puzzling. There are other examples of personification in the Old Testament. Most fitting for this context is Isa. 23.1, where Tarshish ships are commanded to wail.“av

Weiterhin ist „drohte, zu zerbrechen“ onomatopoetisch; es soll den Klang der vom Wasser gequälten krachenden Planken ausdrücken;aw ein weiteres Indiz für den „eher lyrischen" Charakter auch des Prosateils des Jonabuches. Würde es nicht so unnatürlich klingen, könnte man es übertragen mit „als dass das Schiff zu zerkrachen gedachte“. Weder die Personifikation noch die Onomatopoesie scheinen hier aber bedeutsam zu sein, und es ist uns auch kein Kommentar bekannt, in dem sie als bedeutsam angesehen würden. Daher haben wir diese beiden Sonderfälle an unsere heutige Sprachnorm angepasst (was die angenehme „Nebenwirkung“ hat, dass die Übersetzung nun der Vulgata gerecht wird („periclitabatur“)).

1,5

...fürchteten sich die Schiffsleute; ein jeder schrie zu seinem Gott - und um die See zu beschwichtigen, warfen sie die Ladung vom Schiff hinab.
Jona indes war nach Unterdeck hinabgestiegen und lag ohnmächtig da.

Die Reaktion der Seeleute auf Gottes Handeln folgt im Nu. Gott lässt einen derart heftigen Sturm entstehen, dass das ganze Schiff zu zerbrechen droht und den Matrosen Angst und Bang wird. Jedoch, wie reagieren sie?

Ein jeder schrie zu seinem Gott - die Flexion des „Schreiens“ mussten wir verändern, da hier eine Besonderheit des Hebräischen vorliegt. Wörtlich heißt es: „Es fürchteten sich die Seeleute und es schrien ein jeder zu seinem Gott“. Subjekt des Plural-prädikats „schreien“ ist das Singular-“ein jeder“. Es ist dies ein hebräisches Stilmittel, womit unterstrichen wird, dass ausnahmslos jeder Matrose für sich zu seinem Gott schreit (oder: „zu seinen Götternax Da aber nicht auszuschließen ist, dass auch andere Monotheisten sich an Bord befanden, haben wir hier im Singular übersetzt; dass zu einer Vielzahl von Göttern gebetet wurde, kommt auch so heraus).ay

Eine hektische Betriebsamkeit kommt hier zum Ausdruck, in rascher Folge folgen die Verben aufeinander: sie fürchteten sich, sie schrien und sie warfen die Ladung. In krassem Gegensatz hierzu steht, was mit Jona hier vor sich geht: Der liegt ohnmächtig unter Deck. Dieser Gegensatz kommt sogar in der Syntax zum Ausdruck:

“Note also in the structure of verse 5, the movement of the sailors begins with simple clauses and builds to a longer clause suggesting great activity. The three clauses devoted to Jonah suggest just the opposite - a longer clause suggesting activity, culminating with two shorter clauses suggesting inactivity.“az

Dieses „ohnmächtig“ wird im Deutschen ausnahmslos übersetzt mit „(tief) schlafen“; die LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. ergänzt sogar: „Und schnarchte“. Dieser Halbvers war ein gefundenes Fressen für die Kommentatoren, die sich bemühen, in Jona einen Antihelden zu sehen. Brichto etwa empört sich:

“The perplexing obtuseness of a prophet who undertakes flight from his God is again conveyed to us by his capacity for untroubled slumber while the ship heaves, crashes, and shudders in the hurricane´s grip [...]“ba.

Es gehen allerdings diese Kommentatoren völlig über das unübliche Verb hinweg, das hier zum Ausdruck von Jonas „Schlaf“ verwendet wird. Einer anderen Gruppe von Exegeten fällt wenigstens dieses Verb auf, allerdings deuten sie es auf eine merkwürdige Weise, nämlich lesen sie das wayyeradam aus „Ausdruck von Jonas Todeswunsch“.bb Diese merkwürdige Deutung lässt sich sogar erklären:
Wayyeradam kommt von radam, für das Lanckau die Übersetzung vorschlägt: „ohnmächtig / betäubt sein“;bc Strongs Eintrag zu diesem Wort lautet „to stun, i.e. stupefy (with sleep or death)“ und das AHLB spricht hier, ebenso wie Sasson, von „Trance“. Ball geht davon aus, dass es verwandt ist mit der arabischen Wurzel dam - „stoppen, schließen, versiegeln“bd. Der „radam“-Schläfer ist völlig ausgeschaltet, abgeschottet von der Außenwelt. Und von diesem radam widerum leitet sich eine „Schlaf-Gattung“ ab: Tardemah. Tardemah aber wird ebenso wie radam sehr selten für einen Schlaf verwendet, den man „von selbst“ schlafen würde. Viel häufiger steht es für den Schlaf, in den Jahwe den Menschen versetzt.be Während einer tardemah-Schlafenszeit kann z.B. Gott Adam eine Rippe entnehmen, in einem tardemah-Schlaf kann Gott dem Schläfer Visionen übermitteln und weiteres mehr.
Für einen solchen „radam“-Schlaf kann der Schläfer in der Regel nichts; er überfällt den Schläfer; vgl. z.B. Ps 76,6; Dan 8,18; 10,9. Ähnlich heißt es auch bei Ben Eli: "It may be that God threw him into slumber [...]."bf
Sogar Stuart, einem der größten „Jona-Feinde“ unter den Kommentatoren, hält eine natürlich Ursache des Schlafes für unwahrscheinlich („a special state of deep or hypnotic sleep, from which wakefulness would hardly be automatic. [...] Jonah´s deepsleep therefore can hardly be evidence that he was uncaring or irresponsible, as the rest of the narrative makes clear, but rather that he was „out cold.““bg) und zieht deshalb die etwas gezwungene Erklärung der mit Depressionen einhergehenden Narkolepsie heran, an denen Jona angeblich litt.
Weiterhin (potentiell) wichtig ist in diesem Zusammenhang: „Closely related to the notion that sleep is divinely induced is the idea that sleep is a state of death.“bh Dieser Aspekt erklärt, wie man hier auf eine „Todeswunsch-interpretation“ kommt.
Das Problem ist aber: Weder die Interpretation des wayyeradam als Schlaf noch als Ausdruck eines Todeswunsches sind hier wahrscheinlich. Dass es unmöglich ist, in dieser Situation einfach „normal“ zu schlafen, bringt ja schon das obige Zitat von Brichto zum Ausdruck; auch schon Theodor von Mopsuestia ist dieser Ansicht:

„Es war nicht so, dass er, nachdem jenes geschehen war, in das Boot hinabstieg und schlief. Lächerlich nämlich wäre, wenn jener einschliefe, nachdem ein so großer Lärm entstanden war und alle um die eigene Rettung kämpften. Sondern er tat dies sofort, als er auf das Schiff gekommen war.“bi

Und auch den Schlaf als Ausdruck des Todeswunsches zu deuten macht nur Sinn, wenn man auch 1,12 als Ausdruck des Todeswunsches liest und sich von dort auf diesen Vers zurückverweisen lässt; andernfalls fehlen Indikatoren für eine derartiges Bedeutung in 1,5. Aber 1,12 ist nicht Ausdruck eines Todeswunsches (vgl. dort).
Vermutlich waren die Exegeten, die wayyeradam missdeuteten als „Schlafen“, in die Irre geführt worden vom vorangehenden wayyiskab, das im Deutschen stets (mit einer Ausnahme) übersetzt wird mit „er hatte sich hingelegt“ - so ELBKurz für „Elberfelder Bibel“. Sehr genaue und wenig kommunikative Übersetzung; als Vollbibel erstmals 1871 erschienen., SLTKurz für „Schlachter“; gemeint ist damit die Revision von 1995-2004 der erstmals 1905 erschienenen Bibelübersetzung von Franz Eugen Schlachter. Die Schlachter-Bibel ist recht urtexttreu; Schlachter verstand es aber, dieses genaue Übersetzen mit einem herrlichen kräftig-würzigen Stil zu verbinden, so dass sich am Ende dennoch eine gut lesbare Bibel ergab., Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern., HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln., GA, NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien., NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie., Grünewalder, Herder, Tur-Sinai, Buber, Weiser, Wolff, Krüger. Wäre dies notwendig die richtige Übersetzung, wiese es tatsächlich stark in die Richtung des „Schlafens“. So muss es aber nicht gelesen werden, und das Verhalten, das Jona in Jon 1 den Schiffern gegenüber an den Tag legt, zeigt nicht in diese Richtung - er verhält sich völlig korrekt und bereitwillig (s.u.).
Nun denn: Wayyiskab. Man vergleiche z.B. Gen 30,16 (“er wayyiskab bei ihr die ganze Nacht“); Ri 16,3 (“Samson wayyiskab bis Mitternacht“), 1 Sam 3,15 (“Samuel wayyiskab bis zum Morgen“) u.ö.: Die Interpretation mit „er hatte sich hingelegt“ würde entweder bedeuten, das betreffende Menschen die begonne Bewegung des sich-Niederlegens erst nach der ganzen Nacht / nach Mitternacht / zum Morgengrauen beendeten, oder aber man müsste an Stehaufmännchen denken. Natürlich müssen diese Stellen stativ gelesen werden; nicht etwa „sie hatten sich hingelegt bis zum Morgen“, sondern „sie lagen bis zum Morgen“. Ebenso muss auch hier das wayyeradam gelesen werden; vgl. NET: „The a-class theme vowel of [...] vayyeradam indicates that this is a stative verb, describing the resultant condition of falling asleep: „was sound asleep“. Berücksichtigt man nun noch, dass das „nach Unterdeck hinabsteigen“ plusquamperfektisch verstanden werden mussbj und berücksichtigt man die von Jon 1,4-16 gezeichneten Sinnlinien, muss der Vers übersetzt werden mit: „Jona indes war hinabgestiegen und lag ohnmächtig [da].“ Und ganz ähnlich übersetzt auch die eine Ausnahme unter den deutschen Übersetzungen das wayyiskab: Luther 1984 hat: „Aber Jona war hinunter in das Schiff gestiegen, lag und schlief.“
Es dient diese Information nicht etwa dazu, das Jonabild um eine weitere negative Facette zu bereichern. Ihre Funktion ist, Jona vorübergehend aus der Erzählung zu nehmen, um ihn darauf folgend wieder einführen zu können als den, der, als ob des starken Wellengangs Schiff und Mannschaft schon verloren scheinen, mit seiner Rede vom Gott Jahwe und seiner Bereitschaft zur Selbstaufopferung (s.u.) um der Schiffsleute Willen diese rettet und so zum Katalysator wird für ihre Bekehrung.

Jahwe“ und „Gott“ - Mit der obigen Rede von der „Gottesfurcht“ haben wir bereits vorausgegriffen: Eine weitere Besonderheit lässt sich nämlich hier das erste Mal finden. Wurde in Jon 1,1-4 bei der Rede von Gott ausschließlich von JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. gesprochen, so ist es nun auf einmal el-´elohayw. Lange Zeit wurde immer wieder geschrieben, dass im Jonabuch in „israelitischen Kontexten“ der Gottesname „Jahwe“ gebraucht werde, in heidnischen Kontexten dagegen „Elohim“ und einzig „JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. Elohim“ in 4,6 dieses System störe.bk. Vermutlich war es Magonet, der hier die Wende einleitete; seither nämlich sind mehrere Gottesnamens-systeme für das Jonabuch vorgeschlagen worden. Limburg z.B. sieht die Gottesnamen als Zeichen für die jeweils im Vordergrund stehenden Wesenszüge Gottes; „Elohim“ z.B. steht für Gottes „disziplinierende Aktivitäten“.blWir wollen als Beispiel das Gottesnamenssystem von Magonet nachskizzieren, da es uns das immer noch sinnvollste zu sein scheint:
Magonet unterscheidet zwei verschiedene Gottesnamens-systeme: Eines durchzieht Jona 1-3, ein zweites beherrscht Jona 4. Zu 1-3: JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. ist der Gottesname der Israeliten, Elohim der der Heiden; König und Kapitän - „perhaps as more sophisticated people“ - haben immerhin ein monotheistisches Gottesverständnis und wissen um HaElohim, Den [einen] Gott. Im Verlauf von Kapitel 1 erkennen die Schiffer JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. als den höchsten Gott und kovertieren. Die Niniviten „merely“ repent of their evil ways, having been taught by the king that the supreme God, „HaElohim,“ wishes this, but they make no further identification with YHWH.“bm In Jona 4 dagegen ist die gegensätzliche Entwicklung festzustellen, aus JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. wird zunächst JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. Elohim, dann HaElohim und schließlich Elohim.bn.
Man wird schnell sehen, dass dieses System in die selbe Richtung weist wie die Struktur des Jonabuches, die wir oben herausgestellt haben. Jona 4 unterscheidet sich von Jona 1-3; Jona 1 und 3 handeln von einer Kehre der Heiden, die aber in Jona 1 eine theologische, in Jona 3 dagegen bloß eine ethische ist.
Wir bitten den Leser weiterhin, auf Folgendes zu merken und es bis zum Kommentar zu Jona 4 im Hinterkopf zu behalten: Besonders bezeichnend ist der Wandel des Gottesnamens gegen Ende des Buches, wenn Gott durch seine Zubestimmungen, mit denen er Jona Fisch, Pflanze, Wurm und Wind zubestimmt didaktisch an Jona tätig wird: JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. bestimmt den Fisch, JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. Elohim den Efeu, HaElohim den Wurm und Elohim den Wind. Wir können daher hier schon mutmaßen, dass die Kehrlehre in Jona 4 wohl etwas mit Gott zu tun haben wird, und, da Gott sich von JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH., dem Gott der Juden, zu Elohim, dem Gott der Heiden „entwickelt“, dass diese Lehre mit dem Verhältnis Gott und Heiden zusammenhängen könnte.

Ladung“: vgl. BDB 8761: „cargo of the ship“

um die See zu beschwichtigen“ - Diese Übersetzung orientiert sich an einem Vorschlag von Trible. Für gewöhnlich wird dies übersetzt mit „Sie warfen die Ladung ins Meer hinab, um das Schiff (von ihr) zu erleichtern.“ Trible jedoch ist aufgefallen, dass haqel hier kein grammatisches Objekt hat, das letzte Nomen aber nicht „Schiff“, sondern „Meer“ ist. Grammatisch naheliegender wäre daher eine Übersetzung mit „um das Meer zu erleichtern“.bo. Bolin wendet gegen diesen Vorschlag zwar ein, dass sowohl von Herodot als auch von Achilles Tatius überliefert worden sei, dass bei Unwetter Waren ins Meer geworfen wurden, um das Schiff leicher zu machenbp, aber, um es ganz frei heraus zu sagen: Wen kümmerts? Möglich, dass früher häufiger derart verfahren worden ist, das wäre ein Indiz für die traditionelle Übersetzung. Aber auch entsprechend Trible´s Übersetzung ist früher häufiger verfahren worden:

„[...] When the verb twl is linked with ´el rather than with ´al, as it is in v 5, it suggests that the silors did not cast their load overboard to lighten the ship only, but that they sought to appease the sea with offerings. That such a response to the sea´s raging waves is not farfetched is suggested by classical writers who speak of libations poured over the ship´s stem [...].“bq

Zudem ergibt „um die See zu beschwichtigen“ gerade in diesem Kontext Sinn: Wie wir gerade gesehen haben, wird im weiteren Verlauf eine Bekehrung der Seeleute stattfinden; hier allerdings sind sie noch in der „Bekehrungs-vorbereitungsphase“ - und machen alles falsch. Anstatt, wie es Gottes Wille ist (s.u.), Jona ins Meer zu werfen, werfen sie Waren ins Meer und statt zu JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. zu rufen, rufen sie diverse andere Götter an; zudem haben sie noch keine Gottesfurcht (vgl. Kommentar 1,16), sondern fürchten sich „einfach so“; sie „rufen“ nicht (was das Leitwort für „richtige Äußerungen“ wäre (vgl. Kommentar 1,6)), sondern „schreien“. Hierzu passte es gut, wenn auch die Intention des Erleichterns „theologisch verkehrt“ wäre, und so sprechen auch diese kontextuellen Indizien für Tribles Übersetzung. Und wenn nun Tribles Vorschlag auch noch grammatisch sinnvoller ist, dann ist ganz klar, wofür man sich hier entscheiden werden muss.

Jona indessen“ - einmal mehr haben wir hier die ungewöhnliche Anordnung S-O, was eine besondere Betonung auf das Subjekt legt. Das stimmt auch überein mit der Tatsache, dass hier in einer plusquamperfektischen Nachholung erzählt wird, was vor Gottes Windwurf mit Jona geschehen ist (s.o.).br

nach Unterdeck“ - wörtl.: vermutlich „das Äußerste / Unterste des Deckes (des Gedeckten)“. Das Problem bei diesem Ausdruck ist es, dass nur hier statt `onîyah auf einmal sefînah verwendet wird; ein Wort, das einzig an dieser Stelle im AT zu finden ist. Für gewöhnlich wird auch dies einfach mit „Schiff“ übersetzt, da dies auch gestützt wird durch Mishnah und Gemara. Jedoch:

„But we have to realize that the ordinary Hebrew word for „ship“ is employed in the same and in the two preceding verses; and it is therefore not improbable that the word may have here a different meaning. It may be formed from the genuine Hebrew root safan, meaning „to cover,“ and may be taken for the covered part of the ship; so it informs us that Jonah had gone down to sleep „below decks.““bs

Und yareka könnte sowohl übersetzt werden mit „Fernstes“ als auch mit „Hinterstes“ oder „Unterstes“, da Jona aber „hinabstieg“, ist „Unterstes“ sehr wahrscheinlich die richtige Alternative.

1.6

Da nahte sich ihm der Kapitän und sprach: „Was ist hier denn los? Warum bist du ohmächtig? Steh auf! Rufe zu deinem Gott! Vielleicht denkt der Gott ja noch einmal über uns nach, sodass wir nicht zugrunde gehen müssen!“

Kapitän“ - wörtl. etwas wie „Der Oberste der Matrosenschaft“ - wobei selbst Matrosenschaft noch frei übersetzt ist für die „Gesamtheit der Tauzieher“bt. Es muss dies nicht notwendigerweise für den Kapitän stehen; TgKurz für „Targum“, eine frühjüdische Textgattung: Interpretative Übersetzung eines Bibeltextes ins Aramäische. etwa interpretiert ihn als den Schiffseigner, LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. als ersten Maat. Letztendlich muss spekuliert werden, welchen „Posten“ genau dieser „Oberste der Gesamtheit der Tauzieher“ innehat, aber um der Verständlichkeit willen folgen wir hier der üblichen Interpretation als „Kapitän“, die auch die verschiedener griechischer Versionen und der Vulgata ist.

Was ist hier denn los!? Warum bist du ohnmächtig?“ - Wolffs Kommentar zu diesem Vers ist repräsentativ für die übliche Sichtweise auf diesen Vers: „Er tritt an Jona mit der empörten Frage heran, wie er dazu komme, sich dem Tiefschlaf hinzugeben.“bu. Entsprechend wird die Frage des Kapitäns in der Regel auch übersetzt: „Was schläfst du?“ (LUTKurz für „Lutherbibel“. 1534 erstmals als Vollbibel erschienen. Zwar entgegen verbreitetem Urteil nicht die erste deutsche Bibelübersetzung, zweifellos aber die einflussreichste. Auch heute noch die verbreitetste deutsche Bibel überhaupt., Herder), „Was liegst du hier herum und schläfst?“ (HfAKurz für „Hoffnung für Alle“. Erstmals 1996 als Vollbibel erschienen. Das bisherige Höchstmaß an Kommunikativität auf dem Markt der deutschen Bibeln.), „Wie kannst du schlafen?“ (Buber, GNKurz für „Gute Nachricht Bibel“; als Vollbibel erstmals 1978 erschienen. Erste deutsche kommunikative Vollbibel; außerdem erste einzige durchgehend ökumenische deutsche Bibelübersetzungen. Ihre Rolle für die Geschichte der deutschen Bibelübersetzung ist schwer zu überschätzen.), „Was ist mit dir, dass du (so) schläfst?“ (SLTKurz für „Schlachter“; gemeint ist damit die Revision von 1995-2004 der erstmals 1905 erschienenen Bibelübersetzung von Franz Eugen Schlachter. Die Schlachter-Bibel ist recht urtexttreu; Schlachter verstand es aber, dieses genaue Übersetzen mit einem herrlichen kräftig-würzigen Stil zu verbinden, so dass sich am Ende dennoch eine gut lesbare Bibel ergab., Tur-Sinai), „Was ist mit dir, du Schläfer?“ (ELBKurz für „Elberfelder Bibel“. Sehr genaue und wenig kommunikative Übersetzung; als Vollbibel erstmals 1871 erschienen., NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien.), „Wie kannst du schlafen?“ (Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern.), „Wie? Du schläfst?“ (NeÜKurz für „Neue evangelistische Übersetzung“, eine 2010 erstmals als Vollbibel erschienene Übersetzung durch Karl-Heinz Vanheiden. Vanheiden konzipierte sie als Bibel, die „so leicht lesbar sein sollte wie eine Tageszeitung“, dennoch entfernt sie sich sehr selten zu weit vom Urtext. Bezeichnend ist ihr schöner Stil; v.a. in der biblischen Poesie.), „Was fällt dir ein, zu schlafen?“ (Grünewalder).
Das trifft aber nicht den Sinn des Verses: Zunächst einmal ist nirdam hier wahrscheinlich kein Vokativ, wie das ELBKurz für „Elberfelder Bibel“. Sehr genaue und wenig kommunikative Übersetzung; als Vollbibel erstmals 1871 erschienen. und NLKurz für „Neues Leben“, eine sehr kommunikative Übersetzung, die erstmals 2006 als Vollbibel erschien. wollen. Der Vokativ würde in der Regel einen Partikel erfordern. Es handelt sich hier um einen Niphal Partizip.bv Sodann weist (1) die Tatsache, dass der Kapitän hier das seltene Wort (radam) aus 1,5 wieder aufgreift, in die Richtung, dass auch er durchaus in der Lage ist, den Zustand des gewöhnlichen Schlafens von Jonas radam-Zustand zu unterscheiden, und (2) die von Joüon-Muraoka empfohlene Übersetzung mit „Warum“ weg vom Verständnis als Vorwurf und hin auf ein notwendiges anderes Verständnis, nämlich eher dem, dass es einen anderen Grund als Jona oder Jona´s Faulheit für diesen radam-Zustand geben muss; und dieser Grund ist es, der den Kapitän hier interessiert. Vawters Vorschlag, Jonas Zustand zu lesen als eine Art „prophetische Trance“ hat zwar keine Indizien im Text, ist aber alles andere als weit hergeholt.

Die Formulierung „Was ist hier denn los?“ (mahlekha) wird in der Bibel ausschließlich von Höhergestellten an Tiefergestellte geäußertbw und soll häufig Überraschung ausdrücken;bx als nächstes Äquivalent erschien uns daher das deutsche "Was ist denn hier los".

Mit „Steh auf! Rufe...“ wird dem Kapitän die exakt selbe Formulierung in den Mund gelegt wie Jahwe in 1,1. Und wieder reagiert Jona „selektiv“: Der Aufforderung, aufzustehen, leistet er sofort Folge (vgl. 1,7 Einleitung); ob er zu Gott ruft, wird jedoch zumindest nicht erwähnt. Das ist auch ganz klar: Er ist schließlich immer noch auf der Flucht vor Jahwe und glaubt sich ohnehin von ihm verbannt (vgl. Jon 2,4a). Aber das Rufen ist wieder der einzige Bestandteil der Aufforderung, der er nicht Folge leistet (vgl. oben, Jon 1,1).
Einmal mehr wird hier das Leitwort „rufen“ aufgegriffen. Rufen, wir sagten es bereits zu 1,5, ist im Unterschied zum „sprechen“ und „schreien“ ein gottgemäßes sich-Entäußern. In 1,2 fordert Jahwe Jona auf, „zu rufen gegen“ die Stadt Ninive. Jona tut es nicht. Daraufhin naht sich ihm der Kaptän und fordert ihn auf, seinen Gott „anzurufen“ (1,6). Jona tut es nicht. Als die Schiffer sich von Elohim Jahwe zuwenden, „rufen“ sie Gott an um Vergebung (1,14). In 2,3 endlich wendet auch Jona sich Gott wieder zu: Im ersten Vers des Jonapsalms wird die Leitmotivik des Psalms eingeleitet mit „In meiner Not „rief“ ich zum Herrn / und er hat mich erhört.“ Daraufhin ergeht in 3,2 ein zweites Mal der Befehl Jahwes an Jona, Ninive das „zuzurufen“, was er ihm gesagt habe. Jona befolgt es: Gemäß dem Wort des Herrn „ruft“ er seine Prophezeiung aus (3,4). Die Niniviten reagieren genau richtig: Sie „rufen“ ein Fasten aus (3,5) und „rufen“ um Gnade flehend zu Elohim (3,8).by

Vielleicht“ - zum „Vielleicht“ wird in Kommentaren gelegentlich geschrieben, dass es sich hier um ein sogenanntes „prophetisches Vielleicht“ handle, vgl. z.B. Joel 2,14; 2 Sam 12,22. Aber das trifft nicht den Sinn des Textes. Drei Figuren sprechen im Jonabuch über Gott: Der Kapitän in 1,6, der König in 3,9 und Jona. Während sowohl beim Kapitän als auch beim König ein solches „Vielleicht“ sich finden lässt (3,9: „Wer weiß?“), steht dieses „Vielleicht“ in Kontrast zu einem anderen Leitmotiv des Jonabuchs: Wissen. Die Schiffer werfen in 1,7 das gôral-Los, um zu „wissen“, wer Schuld an ihrem Unheil ist. In 1,12 dagegen spricht Jona: „denn ich „weiß“, dass ich Schuld bin an eurem Unheil.“ Auch muss Jona zunächst seine Untat bekennen, damt die Schiffer „wissen“ können, was er getan hat (1,10). König und Kapitän hoffen darauf, dass HaElohim sie nicht umkommen lässt (1,6; 3,9), Jona dagegen „wusste“ schon immer, dass der Herr ein solcher Gott ist (4,2). Kapitän und König fungieren hier nicht als Propheten; in ihrem „Vielleicht“ und „Wer weiß“ kommt schlicht ihre Unwissenheit zum Ausdruck, die kontrastiert wird mit Jonas „Wissen“.

Die Hoffnung des Kapitäns geht dabei darauf, dass HaElohim „über sie nachdenkt“ und sie deshalb nicht „zugrunde gehen müssen“. ashet ist ein Aramäismus, der einzig hier in diesem Sinn verwendet wird.bz Wolff liest es als „eingedenk sein“: „Vielleicht ist HaElohim uns eingedenk“.ca. Das BDB schlägt aber vor :“God will give a thought to us“ (deutsch: to give a thought to sth: über etwas nachdenken).cb Das macht Sinn: Wie in der Einleitung herausgestellt wurde, ist Jona 1 parallel mit Jona 3 zu lesen. Und in Jona 3 geht die Hoffnung des Königs darauf, dass - „wer weiß?“ - sich Gott doch noch einmal besinnt und sie doch nicht zugrunde gehen. Weiterhin wird es ja aus dem Kontext klar, dass die Schiffer schon längst eine Gottheit als den Urheber des Sturmes ausgemacht haben (im Normalfall nämlich würde bei einem Sturm ein Schiffer lieber versuchen, das Schiff zu sichern. Hier dagegen ist die direkte Reaktion: Sie schreien zu Gott.) Wir kombinieren: Der Kapitän hofft, dass Gott seine Meinung noch einmal ändert, noch einmal „in sich geht“ - eben: noch einmal über sie nachdenkt.
„Und „zugrunde gehen“ wäre wörtlich „dass wir nicht umkommen / verderben“; in vielen Übersetzungen wird es aber mit dem kontextuell angemesseneren „nicht untergehen“ übertragen. Mit „zugrunde gehen“ haben wir uns für einen Kompromiss entschieden, der auch in Jon 3,9 angewendet werden kann. Zu müssen schließlich vgl. Sasson 1990, S. 104.

1,7

Daraufhin fasste die Schiffsbesatzung einen Plan: „Kommt! Lasst uns losen, damit uns bekannt werde, wer uns den ganzen Ärger eingebrockt hat!“ Also losten sie - und Jona war es, den sie losten.

Die Erzählung macht hier einen Sprung; ausgespart wird, ob Jona nun zu Gott „ruft“ oder nicht, ausgespart wird, wie Jona wieder auf das Oberdeck gelangt und ausgespart wird, wie er sich zu den restlichen Menschen auf dem Schiff gesellt.
Dass die Erzählung hier einen Sprung macht, ist klar erkennbar am Losewerfen: Das Wort, das hier verwendet wird, ist gôral. Das gôral-Los ist das in der Bibel am Besten bezeugte; das Wort leitet sich vermutlich her vom arabischen garila (“steinig / aus Stein sein“).cc Der Vorgang der gôral-Los-Mantik war vermutlich wie folgt: Mehrere Steine wurden in ein Behältnis getan, das reihum so lange geschüttelt wurde, bis ein besonders gekennzeichneter Stein aus dem Behältnis herausfiel.cd Während des Losewerfens muss also Jona bereits an Deck gewesen sein.
Losewerfen ist in der israelitischen Vorstellung kein abergläubiges oder magisches Ritual; vielmehr greift Yahwe direkt in den Vorgang des Losewerfens ein und lässt es auf die gesuchte (/schuldige) Person fallen.cecf Ebenso wie das Rufen zu den Elohim ist also auch das Losewerfen ein Indiz dafür, dass die Schiffer schon längst eine höhere Macht als Urheber des Sturms identifiziert haben. Diesem überweisen sie nun die Aufgabe, seinen Willen kundzutun: Er soll zeigen, „gegen wen er etwas hat“.

Theodoret kommentiert diesen Vers wie folgt:

„For surely, if the rough surf was shared in common, they would not attempt to learn the reason for the rough surf by lot. But since they saw the other ships cutting through the surface of the sea without any danger, and their own ship was being tossed about by waves three times larger than normal, they first turned to prayer, beseeching the one each individual thought was God.“cg

Dieser Kommentar Theodorets mag verwirren, da im Jonabuch kein einziges Mal von anderen Schiffen die Rede ist. Theodoret, ohne dies auszuzeichnen, bezieht sich aber hier nicht auf das Jonabuch selbst, sondern auf eine rabbinische Tradition um diese Textstelle: Auch die jüdischen Kommentatoren haben festgestellt, dass die heidnischen Matrosen bereits eine höhere Macht als Urheber des Sturms ausgemacht haben. Sie erklären sich das damit, dass neben dem betreffenden Schiff noch weitere Schiffe in Sichtweite waren, an deren ungestörter Fahrt die Besatzung die übernatürliche Natur des Sturmes ablesen konnten.
Brichto bietet eine weitere Erklärung für die Erkenntnis der Matrosen an: In 1,13 wird berichtet, wie die Mannen versuchen, wieder zurück zur Küste zu rudern, was nach Brichto bedeuten muss, dass das Schiff noch in direkter Küstennähe kreuzt, als der Sturm losbricht, demnach also gerade erst losgefahren sein kann:

„To return to the shore: These few words confirm the rabbinic perception as to the miraculous nature of a storm that rages against one ship alone and within sight, at that, of the shore it has just left. The ancient Israelite audience that knew not the compass, that knew that a stormy sky would black out celestial aids to navigation, could only conclude that the mariners could row for the shore because they could see it.“ch

Daraufhin fasste die Schiffsbesatzung einen Plan:“ - wörtl.: „Und sie sagten, ein Mann zu seinem Kameraden“. Durch diese Konstruktion wird deutlich, dass tatsächlich jeder einzelne der Männer am Sprechen beteiligt ist. Da dies hier funktionell nur die Funktion eines die wörtliche Rede einleitenden Begleitsatzes innehat, haben wir es etwas freier übertragen. Ohnehin ist der ganze Vers recht frei übertragen, da hier ohne größere Probleme in natürlichem Stil übersetzt werden kann:
damit uns bekannt werde“ ist wörtl.: „damit wir wissen“. Hier wird wird wieder das „Wissens-Leitmotiv“ aufgegriffen, das wir aber im ganzen Jonabuch mit „bekannt sein“ übertragen werden.
wer uns den Ärger eingebrockt hat“ weiterhin heißt wörtlich etwa „um wessentwillen dies Arge auf uns ist“. Hier muss ohnehin frei übersetzt werden, da die hebräische Entsprechung von „um wessentwillen“ unübersetzbar ist; sie wird verwendet, um den als Komplement zum mit „erfahren“ übersetzten Verb fungierenden Teilsatz einzuleitenci.
Ärger“ ist wieder ein Fall des „Arg“-Leitmotivs: Gott reagiert auf Jonas Flucht vor dem Auftrag des Rufens gegen die Arg der Niniviten, indem er nun seinerseitsr „Arges“ über Jonas Schiff bringt; aber auch dies ist in der freien Übersetzung erkennbar.

losen“ steht hier zweimal im Hiphil und einmal im Qal, weshalb es im Deutschen für gewöhnlich richtigerweise zweimal mit „Lose werfen“ und einmal mit „das Los fiel auf“ übersetzt wird.cj Tucker jedoch macht darauf aufmerksam, dass dies zur Folge hat, dass in der Übersetzung die dreifache Verknüpfung von naphal und gôral nicht mehr klar erkennbar ist - einem typischen Stilmittel für folkloristische Erzählungen.ck. Um dieses Stilmittel wahren zu können, haben wir hier mit „losen“ übersetzt und den letzten Satz ein wenig umgestellt.

1,8f.

Da sprachen sie: „Sag uns, du, der du uns den ganzen Ärger eingebrockt hat: Was für einen Auftrag führst du aus und von woher kommst du? Aus welchem Land und von welchem Volk stammst du?“
Er antwortete: „Ein Diener bin ich, und ich fürchte den Himmelsgott Jahwe, der das Meer und das Festland gemacht hat!“

Diese beiden Verse müssen gemeinsam behandelt werden, da beide für gewöhnlich aufgrund desselben Missverständnis falsch übersetzt wurden. Der Aufsatz von Brichto ist hier Pflichtlektüre, da er zu der sehr kleinen Gruppe von Exegeten gehört, die diese Verse bis zum Ende durchdacht haben und da er diese Überlegungen zusätzlich pointierter als jeder Andere dargelegt hat.
In einer Wort-für-Wort-Übersetzung lauten die beiden Verse nämlich ganz anders. Zwei Versionen sind möglich:

(1) „Und sie sprachen zu ihm: Erzähle uns, bitte, du, um dessentwillen dies Arge auf uns ist: Was ist deine Arbeit...“
(2) „Und sie sprachen zu ihm: Erzähle uns, bitte: Um wessentwillen ist dies Arge auf uns? Was ist deine Arbeit...“

Zunächst muss zu 1,8 gesagt werden, dass es sich bei „du, der du uns diesen Ärger eingebrockt hast“ unter Umständen eine sekundäre Hinzufügung handelt, da dieser Teilvers als einziger des ganzen Jonabuches in manchen Manuskripten fehlt.cl
Und tatsächlich ist ja in der Lesart „Um wessentwillen ist dies Arge auf uns?“ eine Spannung direkt feststellbar; denn um wessentwillen das Arge auf ihnen ist, haben die Matrosen ja schon im vorherigen Vers durch das Los erfahren.
Diese Spannung ist aber keine notwendige, denn die Grammatik lässt hier eine weitere Lesart zu: „Um wessentwillen ist dies Arge auf uns?“ kann als appositional fungierender Relativsatz gelesen werden, nämlich eben „du, um dessentwillen dies Arge auf uns ist“.cm Dies war bereits im 12. Jh. die Lesart von Rabbi David Kimchi; sowohl Tyndale und KJV lesen ebenso und in der neueren Exegese ist dies auch die Wahl von Ehrlich, Brichto und Sasson. Brichto etwa überträgt es mit dem sehr schönen „Now, then, Mr. On-Whose-Account-This-Misfortune-Has-Come-Upon-Us...“cn Unter den deutschen Bibeln übersetzen einzig Buber und Tur-Sinai auf diese Weise, ansonsten wird Version 1 gewählt. Kurz für „Einheitsübersetzung“. 1980 erstmals als Gesamtausgabe erschienen. Heute noch vorgeschriebene Übersetzung für römisch-katholische Liturgie. Vom Stil her eine sog. „liturgische Übersetzung“: eher frei, eher verständlich; dennoch der Alltagssprache eher fern. und Herder streichen es bis heute.
Landes 1999 schließlich bietet eine weitere Erklärung: Auch er wählt Version 2, geht aber davon aus, dass die Schiffer hier mit dem "on whose account" nicht nach dem Schuldigen, sondern nach dem verursachenden Gott fragen.co. Allerdings würde, so gelesen, dann der unvermittelte Umschwung zu den Fragen nach Jonas Identität irritieren und, wie im Folgenden gezeigt werden soll, ist Version 1 auch kontextuell stimmiger.

Nun zu den Missverständnissen:
Was ist deine Arbeit?“ - „Ich bin Hebräer und ich fürchte Jahwe, den Gott des Himmels, der Meer und trockenes Land gemacht hat.“ - „Was ist deine Arbeit?“ wird in der Regel verstanden als „Handwerk, Geschäft“, und „Hebräer“ wird verstanden aus Bezeichnung einer Volksgruppe. So kommentiert etwa Limburg:

„“What is your business?“ Psalm 107:23 uses the same word to refer to the work of those involved in the business of shipping; Prov. 18,9 describes those who are slack in their work (business) and Prov. 22,29 describes those who are skillful at it.“,cp

und Wolff schreibt:

„Jona aber geht nur auf die vierte Frage nach seiner Volkszugehörigkeit ein, nicht auf die zweite und dritte, geschweige denn auf die heikelste erste nach seinem Auftrag. „Ein Hebräer bin ich.““cq

„Was ist deine Arbeit“ ist aber eine denkbar merkwürdige Einleitung in die Befragung eines Schuldigen. Führen wir uns einmal die Situation vor Augen: Da steht eine ganze Schiffsladung Matrosen Jona gegenüber und weiß darum, dass dieser die Schuld daran trägt, dass ein jeder von ihnen in kurzer Zeit einen nassen Tod sterben wird - und das Beste, was ihnen einfällt, ist die Frage nach seinem Handwerk? Sicher nicht. Zudem muss bedacht werden, dass die Matrosen schon darauf geschlossen haben, dass eine höhere Macht ein Problem mit Jona hat und darum den gewaltigen, übernatürlichen Sturm aufs Meer warf. Und also fragen sie: „Was ist dein X?“, und X ist hier gefüllt durch מְּלַאכְתְּ·ך. Brichto kommentiert dieses Wort:

„The Hebrew word for „work“ here [...] also has the sense of „task, role, vocation, mission.“ and the performer of such work [...] is rendered in varying contexts as „agent, deputy, legate, ambassador“ and (from the Greek word for messenger) „angel.“ The question thus expresses the assumption of the crew that their passenger must be vested with a high office indeed. No minor functionary could draw upon himself so violent an attention from so powerful a god.“cr

Aus der Tatsache, dass wegen eines einzigen Menschen Gott solche Mühen auf sich nimmt, schließen sie darauf, dass Jona in einer wichtigen Mission unterwegs ist (so ja auch Wolff (“Auftrag“, s.o.); auch Sasson übersetzt mit „mission“cs). Und Jona nun ist weit davon entfernt, diese Frage zu ignorieren: „Ich bin Hebräer“, antwortet er, „und ich fürchte Jahwe...“
Hebräer“ aber wird schon zur Lebzeit des historischen Jona kaum noch zur Kennzeichnung eines Volkes verwendet, und noch weniger zur vermutlichen Abfassungszeit. Dennoch findet man dies immer wieder in den Kommentaren - „Hebräer“ sei der Ausdruck, der vor Allem von Ausländern verwendet werde, um damit auf die zu einer anderen Volksgruppe gehörenden Israeliten zu verweisen. Und tatsächlich verwenden Angehörige anderer Volksgruppen in der Bibel häufig „Hebräer“ - aber nicht aufgrund der Volksgruppe der so Bezeichneten:

„Später ist H. ein Ausdruck für Israeliten, soweit diese in gewisser Unterlegenheit oder Unfreiheit erscheinen sollen. H. wird mit Vorliebe gebraucht von höhergestellten Fremden im Verkehr mit Israeliten (Gn 39,14) oder umgekehrt (Ex 2,7 Jon 1,9). Auch heißen Israeliten als Sklaven ihrer Landsleute H. (Ex 21,2 Dt 15,12 Jr 34,9.14), ebenso als Leibeigene der Philister (1Sm 14,21) [...].“ct

Ebenso schreibt Brichto:

„The applicability of this term to the members of the various Israelite tribes in the land of Canaan ceased with their conquest of this territory [they were infiltrating] and with the consolidation of this conquest with the beginnings of monarchical rule in Israel. From that time on the term ´ibri stands for a person, such as an indentured servant, who is neither slave nor free. Jonah´s answer therefore is first, „I am a vassal.“cu

Für diesen Zusammenhang sensibilisierend hätte eigentlich schon die Tatsache wirken müssen, dass „Mit Ausnahme von Jona 1,9 [...] die[se] Bezeichnung [...] nicht mehr [zur Kennzeichnung ethnischer Gruppen] gebraucht [wird].“.cv Aus diesem Grund muss etwa auch Meyer die Verwendung des Terminus im Jonabuch als Ausnahme von der Regel anführen: „Seine Verwendung als Gentilicium ist im AT gerade noch angedeutet (Gn. 14,13; Jon. 1,9). In der Regel bezeichnet er den sozial Tieferstehenden, so vor allem den Vertragssklaven (z.B. Ex. 21,2ff.).“cw

Fürchten“ schließlich hat hier nichts mit „sich ängstigen“ gemein. Das erkennt schon Wolff; weil er aber die Jonafigur unter dem allgemeinen negativen Blickwinkel betrachtet, muss er die tatsächliche Bedeutung herabspielen:

„[... Es] hat dabei die „abgeschliffene, technische Bedeutung >verehren<“ und besagt kaum mehr als die „Konfessionszugehörigkeit“ [...]. Mit Jahwe als dem im Perserreich offiziellen „Himmelsgott gibt Jona seinen amtlichen „Glauben“ an, mit einem nur sehr unpersönlichen Hinweisauf dessen akkute Bedeutung.“cx

Yr´ nämlich kann sowohl „fürchten“ als auch „verehren“ bedeuten. Und als mustergültiges Beispiel für yr´ mit der Bedeutung „verehren“ gibt Gruber in ihrem Aufsatz „Fear, Anxiety and Reverence in Akkadian, Biblical Hebrew and Other North-West Semitic Languages“ genau zwei Bibelstellen an, nämlich Jes 29,13b und:

„Jon i 9b [...] ... and I worship the LORD, the God of heaven.“cy

Die Tatsache, dass 9b verstanden werden muss als duratives Präsenscz macht zusätzlich deutlich, dass hier nicht von „ängstigen“ die Rede sein kann. „Ich bin einer, der vor Jahwe Angst hat“ macht kein Sinn aus dem Munde des Propheten Jona ben Amittai; sollte er tatsächlich Angst haben, dann erst seit kurzem - nämlich seit seiner Flucht. „Ich bin einer, der Jahwe verehrt“ trifft den Textsinn weitaus besser.

Zudem ist „Gott des Himmels, der Meer und Land geschaffen hat“ ein Topos, der häufiger zu finden ist. z.B.:

Neh 9,6:
„Du, Herr, bist der Einzige! Du hast den Himmel geschaffen, den Himmel der Himmel und sein ganzes Heer, die Erde und alles, was auf ihr ist, die Wasser und alles, was in ihnen ist.“
Ps 135,6:
„Alles, was immer er will,
der Herr vollbringt es im Himmel wie auf der Erde,
im Meer und in allen Tiefen der Wasser.“
Ps 146,6:
„[... er], der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde und Meer und all ihre Wesen.“
4Q302, Fr. 3ii:
„Gottes Sitz ist im Himmel, und Erde und Meer unterstehen seiner Macht.“

Der Topos „Gott des Himmels, der Erde und Meer geschaffen hat“ wird verwendet, um Gott zu bekennen.da Im Zusammenhang mit einem Bekenntnis macht aber „verehren“ weitaus mehr Sinn als „fürchten“.

Mehr noch: Dieses „verehren“ wird nämlich nicht nur verwendet im Sinne von „anbeten“, sondern hat gelegentlich auch die Konnotation von „sich ausrichten an“, „ihm folgen“. Deshalb wird es z.B. auch sehr häufig in einem Atemzug verwendet mit „seinen Geboten folgen“ (Dtn 6,2; 8,6 1Sam 12,14; Koh 12,13; 2 KönKönig, Eduard: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig, 1922. 17,34; Ps 112,1, Spr 13,13; Jes 50,10 u.ö.), und so kann auch der NET-Kommentar schreiben: „When God is the object, it normally means “to fear” (leading to obedience; BDB 431 s.v. 1) or “to worship” (= to stand in awe of; BDB 431 s.v. 2)“;db und auch Joüon-Muraoka schreibt in § 121l vom Adjektiv „in the sense of respecting, fearing“.dc vgl. schließlich noch Simon: „[...] „fürchte ich“ [...] ist keine leere Anmaßung von Gottesfurcht [...], sondern die Erklärung, daß er unter Gottes Herrschaft steht [...].“dd Diese Erklärung des „Gott-Fürchtes“ wurde auch schon seit alten Zeiten als Antwort auf die erste Frage der Schiffer gesehen; Josephus etwa fasst zusammen: „When therefore the prophet was taken by their lot-casting, (Jonah 1:9) they inquired where he was from and what his occupation was. (Jonah 1:9) He said that he was a Hebrew by race and a prophet of the greatest God.“de; und auch Luther paraphrasiert dies in der Kurfürstenbibel wie folgt:

„Er sprach zu jhnen: Ich bin Ebraeer/ (aus dem gesegneten Volck/ welches von dem Patriarchen Heber den Namen hat/ 1. B. Mos. 11. v. 16.) und fürchte den HErrn GOtt vom Himmel/ welcher gemacht hat das Meer/ und das Trocken/ (Ich bin ein Prophet/ erkenne/ ehre und bekkene auch den warhafftigen Gott in Israel/ der alles erschaffen hat [...].“df

Ebenso kommentiert er in „Der Prophet Jona, ausgelegt“:

„Daß Jona hie aber sagt: Ich furchte Gott von Himmel, ist auf Ebräisch geredt; denn Gottsdienst heißen sie Gottsfurcht, wie das aus Esaia 28. [29.] wohl ist zu merken, da er spricht: Sie furchten mich mit Menschengebot; das ist, sie meinen, daß sie mich ehren und mir dienen mit Menschengebot.“dg

Eine weitere Beobachtung mag diese Ausführungen noch weiter stützen: Die LXXDie Septuaginta - die älteste durchgängige griechische Übersetzung des AT überhaupt; entstanden zwischen 250 v. Chr. und 100 n. Chr. Die LXX folgt vielerorts einer anderen Verszählung als deutsche Übersetzungen. Stellenangaben, die mit diesem Kürzel versehen sind, können von den Angaben im sonst aus dem Hebräischen übersetzten AT abweichen. hat nämlich nicht „Ich bin ein Hebräer“, sondern: „ δουλος κυριου εγω ειμι“. Für gewöhnlich wird gesagt, dies sei auf eine Verwechslung der Buchstaben Rasch und Dalet in „Hebräer“ zurückzuführen,dh allerdings schreibt Paganini:

„Die Tatsache, dass der Übersetzer [“des Herrn“] ergänzen muss - um dem [sic] Satz zu vervollständigen und um aufzulösen, wem der Dienst Jonas gelten soll - belastet die These der Verwechslung jedoch beträchtlich.“di

Paganini geht daher davon aus, dass es sich hier um eine „interpretative Übersetzung“ handelt, der Übersetzer „hätte damit - wie es zumindest seiner Wahrnehmung entsprochen haben mag - den eigentlichen bzw. tieferen Sinn des hebräischen Terminus wiedergegeben [...].“.dj Bezeichnend ist außerdem, dass in 2 KönKönig, Eduard: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig, 1922. 14,25, der einzigen anderen Stelle, an der von Jona ben Amittai gesprochen wird, dieser bezeichnet wird als ´ebed (Jahwe), „Diener des Herrn“. Nimmt man dies alles zusammen, so wird klar: Die Funktion der Aussage Jona´s hier ist also „to name his liege lord“dk

Aber zurück zur Übersetzung: Auch, wenn hier „fürchten“ als Kennzeichnung seines Verhältnisses zu seinem „liege lord“ verstanden werden muss, müssen wir es in der Übersetzung dennoch beibehalten, da sonst die Mittlerfunktion Jonas in der Entwicklung der Furcht der Schiffer hin zur großen Gottesfurcht nicht mehr erkennbar wäre:
Der Grund dafür, warum hier „fürchten“ verwendet wird, ist nicht die Angst Jonas, sondern der Terminus „fürchten“ hat eine Funktion im größeren Gesamtzusammenhang von Jon 1: Mit „sich fürchten“ wird hier eine „growing phrase“ konstituiert:

1,5: Die Matrosen fürchteten 1,9: Ich fürchte Jahwe 1,10:Die Männer fürchteten mit großer Furcht 1,16:Die Männer fürchteten Jahwe mit großer Furcht

Auf diese Weise kommt auch sprachlich zum Ausdruck, wie gleichzeitig die Angst der Männer nach und nach größer wird und sich wandelt zur Gottesfurcht. Vermittelt wird hier durch Jona, der mit dem Bekenntnis seiner Gottesfurcht (das zudem im Zentrum der konzentrischen Struktur des ersten Kapitels steht und darüber hinaus die erste Wortmeldung Jonas ist, obwohl er doch der Protagonist der Erzählung ist) „Furcht“ verknüpft mit dem Gottesnamen „Jahwe“.

Es gehört dieses Bekenntnis zu den Stellen dies Jonabuches, die von heutigen Kommentatoren in der Regel nicht mehr anders gelesen werden können als ironisch oder humoristisch. So schreibt z.B. Baldwin: „The irony is plain, for this is precisely what Jonah does not do. Although he is in danger of drowning with the crew of the ship, Jonah pays mere lip service to the only God [...].“,dl der NET-Kommentar spricht von einer „hypocritical profession to fear the LORD“ usw.
Diese typische Sicht auf Jona´s Bekenntnis musste sich entwickeln, da, wie gesagt, Jona heute fast nicht mehr anders denn negativ wahrgenommen wird. Zu alten Zeiten war dies anders; Theodoret etwa schreibt hier:

„The prophet is truly admirable and worthy of praise. For even when he is awaiting the sentence of death, he becomes a herald of the power of the God of the universe, calling him the Maker and Master of all. But the majority of people in that time were servng idols, and they were ignorant about the Creator of all. The blessed prophet had to reveal him to the ignorant.“dm

Jona, als wahrer ebed Jahwe, wird hier zum missionarisch tätig.

der Himmelsgott Jahwe, der Meer und Land gemacht hat“ - „Himmelsgott“ wird regelmäßig zitiert als Indiz für die persische Zeit als Abfassungszeit des Jonabuches, denn für diese Zeit ist es typisch:

„The epithet God of heaven which Jonah appends to the divine name, although an ancient one (Gen. 23:3,7), sprang into popularity in the Persian period after the exile. It identified Yahweh as the supreme deity, the ultimate source of all power and authority.dn

Für gewöhnlich wird es übertragen mit „Jahwe, der Gott des Himmels“, jedoch ist mit Hinblick auf das System der Gottesnamen auffällig, dass hier „Elohim“ direkt hinter „Jahwe“ steht und sich diese Stelle derart an die neben Jahwe, HaElohim und Elohim vierte Gottesbezeichnung Jahwe Elohim annähert.
„Der Gott des Himmels, der Meer und Land gemacht hat“ ist ein Doppelmerismus - [Himmel <=> Meer und Land] und [Meer <=> Land] -, so dass JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH. hier ganz eindeutig als der höchste und einzige Herr ausgezeichnet wird; und als dieser höchste und einzige Gott wird hier Jahwe identifiziert. „Jahwe Elohim des Himmels, der...“.
Um dieses Spiel mit den Gottesnamen nicht in der Übersetzung zu zerstören, haben wir hier das übliche „Jahwe, der Gott des Himmels“ übertragen mit „der Himmelsgott Jahwe“, um so die Parallelität zum „der Gott Jahwe“ in Jon 4,6 zu wahren.

1,10

Da fürchteten sich die Männer mit großer Furcht und sprachen: „Wie konnest du das nur tun?!“ - denn es war ihnen bekannt geworden, dass er von Jahwe floh (er hatte es ihnen nämlich selbst erzählt).

Dass Jonas Auskunft tatsächlich „missionarischen Effekt“ hat, ist auch direkt ersichtlich am Folgevers.
Der Teilvers „Da fürchteten sich die Männer mit große Furcht und sprachen: „Wie konntest du das nur tun?!“ ist nämlich einerseits durch den Anschluss an 1,9 mit Waw-Konsekutiv ausgezeichnet als direktes Resultat von Jonas Bekenntnis - Jona bekennt => Die Männer fürchten sich und fragendo - und auch das auf Jonas Bekenntnis der Gottesfurcht folgende „sich großer Furcht fürchten“ der Männer macht den direkten Sinnzusammenhang deutlich.
Andererseits aber wird - erst in einer Nachholung! - als Grund ihrer Furcht die Information Jonas, vor diesem Himmelsgott Jahwe auf der Flucht zu sein, ausgezeichnet.dp. Durch diese kunstvolle Anwendung des Stilmittels der Nachholung gelingt es dem Autor des Jonabuches (1), „allein das wesentliche, nämlich das JHWHEmpfehlung zur Aussprache: mein Herr, der HERR, GOTT, °unser Gott°, °unser Herr°, die/der Eine, die/der Ewige, die/der Heilige, die/der Lebendige, Ich-bin-da, Adonaj, Ha-Schem, Ha-Makom, Schechina. Erläuterungen dazu gibt es auf der Seite JHWH.-Bekenntnis, in der Jonarede wörtlich auszuführen, zumal dieses nun die Mitte des gesamten Textes 1,4 ff. ausmacht.“dq und (2) die Furcht der Männer als direktes Resultat des Bekenntnisses Jona´s auszuzeichnen.

Sie fürchteten sich mit großer Furcht“ Gleichwohl stilistisch wenig elegant, müssen die figurae etymologicae im Jonabuch auf jeden Fall kenntlich bleiben: Sie wirken sinnstiftend und textorganisierend, und auch die growing phrase würde zerstört, übersetzte man hier das direkte Objekt mit „sehr“ - „Sie fürchteten sich sehr.“

Wie konntest du das nur tun?“ ist nicht wirklich eine Frage, sondern ein Ausruf des Entsetzensdr - es wird hier keine Antwort erwartet, sondern unterstreicht nur noch zusätzlich die große Furcht, derer sich die Männer hier fürchten.

1,11f.

Und sie fragten ihn: „Was müssen wir mit dir tun, damit das Meer von uns ablassen könnte?“ - denn das Meer stürmte immer heftiger.
Er antwortete: „Nehmt mich und werft mich ins Meer hinab, dann wird es von euch ablassen. Denn es ist mir ja bekannt, dass ich es bin, wegen dem dieser große Sturm über euch gekommen ist.“

Was müssen wir mit dir tun? - In der Regel wird hier kommentiert, dass die Seeleute Jona um Rat fragen, was zu tun sei. Das trifft aber nicht ganz den Text. „Was sollen wir tun?“ steht hier im Yiqtol Futur und drückt so eine Anfrage der Seeleute nach ihrer Verpflichtung aus.ds Baldwin übersetzt deshalb auch mit „What should be done to you...?“, und Wolff kommentiert:

„Die Formulierung der Frage „Was sollen wir mit dir machen?“ gibt schon zu erkennen, daß sie Vollstrecker des Willens Jahwes an Jona werden müssen, wenn sie nicht mit ihm untergehen wollen.“dt

Es ist hier nicht mir die Entscheidung Jonas oder der Seeleute, was zu tun ist. Mit der Frage „Was müssen wir tun?“ haben die Seeleute sich in die Hand unseres Herrn begeben und die Entscheidung ihm anheim gestellt. Man sieht das auch deutlich an den Folgeversen: In 1,12 ist Jona bekannt, dass wegen ihm der Sturm über ihnen ist, und in 1,13 heißt es „das Meer stürmte immer heftiger gegen sie“. Weiterhin spricht Jona in 1,12 „Werft mich ins Meer hinab“ und greift mit dem „Werft mich hinab“ das zuerst in 1,4 aufgekommene Leitwort „hinabwerfen“ auf: Das Hinabwerfen Jonas ist die Tat, die Gott mit seinem Windwurf intendierte. Windwurf und Seesturm als Botschaft ist an die Matrosen gerichtet, nicht an Jona: Gottes Willen ist die „hinabwerfende Tat“ der Matrosen (daher kann es auch in 2,4 heißen: „Du warfst mich hinab“). Völlig verfehlt ist es deshalb auch, in 1,12 Ausdruck eines Todeswunsches Jonas zu sehendu - Jona wird hier zum Sprachrohr und Werkzeug Gottes, nicht etwa zum von Depressionen geplagten Israeliten.dv
Auch bei den Alten ist die Reaktion Jonas stets positiv wahrgenommen worden: Cyril von Jerusalem zum Beispiel bringt Jona neben Jesus als Muster für vorbildliches Verhalten, und auch Hieronymus spricht hier nur von der Geistesgröße Jona´s:

„Hätte er nicht eher dem Beispiel Jesu folgen und sagen sollen „Wenn ihr aber mich sucht, lasst diese gehen? Hätte er nicht - wie Jona - sagen sollen „Nehmt mich, und werft mich ins Meer hinab: Denn dieser Sturm stürmt wegen mir?dw
„Wir müssen hier auf die Geistesgröße unseres Flüchtlings achten: Weder weicht er aus, noch versteckt oder verleugnet er seine Schuld, sondern indem er seine Flucht zugibt, akzeptiert er gleichzeitig bereitwillig seine Strafe. Lieber würde er sterben als zu akzeptieren, dass die Seemänner um seinetwillen zugrunde gingen und er zusätzlich zu seiner Desertion auch noch Mord begehen würde.“,dx

und auch Baldwin bezeichnet Jonas Handeln als „honorable thing“.dy

damit“ - Finalsatz; vgl. GKCGesenius, Wilhelm/Emil Kautzsch/Arthur Ernest Cowley: Gesenius' Hebrew Grammar. Oxford, 1909. § 165a

von uns ablassen könnte“ - „Since the verb is functioning modally, the translation should attempt to convey the sense of possibility (“might“).“dz
Dies stimmt kontextuell auch überein mit dem Leitmotiv der Unsicherheit der Seeleute. „Vielleicht“, heißt es vom Kapitän; die Matrosen müssen das Los befragen, um das Wissen zu erlangen, wer ihnen „den Ärger eingebrockt habe“, sie wenden sich hilfesuchend an Jona, das Sprachrohr Gottes. Es ist stimmig, dass sie darüber hinaus auch nicht mit sicherer Erwartung das Abflauen des Sturmes kommen sehen - möglicherweise nur könnte es ja etwas geben, das ihnen zu tun auferlegt ist, damit das Meer von ihnen ablässt. Jona dagegen „weiß“ (s.o.), und selbstsicher antwortet er in 1,12: „Tut dies, damit das Meer von euch ablässt.“

das Meer stürmte immer heftiger“ - wörtl. etwa „das Meer fuhr fort, immer heftiger zu wüten“: Partizip Hôlek drückt kontinuierliche Handlungen ausea; geht es aber einem anderen Partizip mit Waw voran, drückt es häufig auch die Idee der Steigerung auseb.
Sasson zieht das „denn das Meer stürmte immer heftiger“ mit in die Anführungszeichen hinein - „„What must we do to you for the sea to calm its raging against us, for the sea is becoming increasingly tempestuous?““. Es ist dies keine grammatische Frage, und auch Sasson selbst gibt zu, dass er sich nur aus Gründen der Dramatik für diese Übersetzungsalternative entschieden hat.ec Wir haben uns für die andere Version entschieden, da sie uns natürlicher schien - dass das Meer immer heftiger stürmt, sieht Jona ja selbst und also wäre es als erläuternde Nachschub in der Frage der Seeleute redundant. Aber gerade in dieser Situation ist informative Redundanz etwas, was nicht zu erwarten ist von den Seeleuten - die Situation ist kritisch, also heraus damit!: Was können wir tun? -, der Leser dagegen weiß es nicht, und also machte eine derartige Information als erläuternder Einschub mehr Sinn.

wegen dem...“ ist konstruiert mit der selben Konstruktion wie das „um wessentwillen“ in „wer uns diesen Ärger eingebrockt hat“ in 1,7. Der Gegensatz Jona - Seeleute ist selten so klar ersichtlich wie hier: „Lasst uns losen“, sagen die Seeleute, „damit uns bekannt werde, wer uns den Ärger eingebrockt hat“ - und kurz darauf spricht Jona zu den Seeleuten: „Denn es ist mir bekannt, dass ich euch den Sturm eingebrockt habe.“ed

1,13

Doch die Männer ruderten heftig, um zum Festland zurückzukehren. Jedoch: Sie vermochten es nicht, denn das Meer stürmte immer heftiger gegen sie.

Das erste Mal taucht in diesem Vers das wahrscheinlich zentralste Leitwort des Jonabuches auf: shûb, „kehren, umkehren“ - allerdings hier noch ins negative gewendet: Sie können eben nicht umkehren. Auf das falsche Rufen, das falsche Hinabwerfen und das falsche sich-ängstigen folgt nunmehr hier als Abschluss eine falsche Umkehr.
Unbewusst verhalten die Matrosen sich hier genau so wie auch Jona in 1,3: Anstatt Gott Gefolgschaft zu leisten und seinem Willen zu willfahren, versuchen sie „umzukehren“ und entgegen dem Willen unseres Herrn zu handeln. Jedoch, genau so wenig wie Jona gelingt es hier den Matrosen. Jona, der es auf sich nimmt, bis nach Tarschisch zu fliehen, nur, um Gottes Auftrag zu entgehen, wird im Meer landen - trotz allem -, und den Matrosen, die sich hier mit aller Kraft in die Ruder legen, um zurück an Land zu gelangen, wird es, so scheint es, genau so ergehen.

ruderten“ - Das selbe Wort wird auch andernorts - etwa in Ijob, in Ezechiel oder Jeremias - verwendet, allerdings in einem anderen Sinn: In Ez 8,8; 12,5.7.12 etwa wird hiermit der Vorgang des sich-durch-eine-Wand-Grabens beschrieben. „Its use in Jonah pictures the sailors digging into the water with their oars as hard as they could.“ee

zum Festland“ - diese Konstruktion steht in der Bibel einzig hier und in Jon 2,11 - ein Indiz dafür, dass zumindest sowohl dieser Vers als auch Jon 2,11 vom selben Autor stammen.

zurückzukehren“ - vgl. das Brichto-zitat in 1,7

„Das Meer stürmte immer heftiger gegen sie“ - vgl. 1,12: „das Meer stürmte immer heftiger“.

1,14

Da riefen sie zu Jahwe: „Oh bitte, Jahwe - lass uns doch nicht zugrunde gehen wegen dem Leben dieses Mannes und bringe nicht unschuldiges Blut über uns! Denn du, Jahwe, hast so gehandelt, wie es dir gefiel.“, ...

Nun endlich begreifen die Schiffsleute, dass hier alle Mühe vergebens bleiben muss. Jahwe als einziger und höchster Gott ist einer, der „so handelt, wie es ihm gefällt“ - man vergleiche zu diesem Satz Ps 135,6:ef

„Alles, was immer er will,
der Herr vollbringt es im Himmel wie auf der Erde,
im Meer und in allen Tiefen der Wasser.“

Nicht nur wird hier deutlich, wofür der Satz steht - für Gottes Allmacht, sein freies Verfügen über alles, was da ist am Himmel, auf der Erde und im Meer -, sondern darüber hinaus wird dieses freie Verfügen hier sogar ausgedrückt durch einen ähnlichen Doppel-merismus wie in Jon 1,9. Gegen diesen frei schaltenden Allherrn braucht man sich nicht auflehnen, weil es ohnehin zu nichts führen kann. Es drückt dieses Bekenntnis hier aber nicht eine allgemeingültige Wahrheit aus, sondern liefert den Hintergrund für die Bitte, warum die Schuld am unschuldigen Blut nicht ihnen zuzurechnen sei - „du Gott“, so sagen die Seeleute, „du wolltest das doch. Du hast ja schließlich so gehandelt, wie du gehandelt hast. Also bitte: Rechne uns das Folgende nicht als Blutschuld an.“eg Mit dieser Erkenntnis der absoluten Souveränität Gottes werden die verängstigten Matrosen endgültig zu Jahweverehrern; aus dem falschen Schreien wird das „rechte Rufen“: sie „rufen zu Jahwe.“

Da riefen sie zu Jahwe“ - wörtl: „Da riefen sie zu Jahwe und sagten“. Dieser „multiple verb frame“ ist aber idiomatisch für einen an Gott gerichteten Ausruf; „und sagten“ kann daher unübersetzt bleiben.eh

Ein weiteres Zeichen für die erfolgte Bekehrung ist „'Oh bitte“. „Oh bitte“ ist nicht ausreichend bestimmt mit „term of terrified dismay“ei oder „Der Aufschrei setzt sich zusammen aus dem Ruf elementaren Erschreckens [...] und dem Partikel des Nachdrucks“ej; vielmehr ist wichtig, dass an den 13 Textstellen, an denen dies „Oh bitte“ im AT vorkommt, es stets von einem Untergebenen an einen Herrn - bis auf Gen 50,17 stets unserem Gott - gerichtet ist; und dies immer in Kontexten, darin die „desperate reliance upon the delivering action of YHWH“ deutlich zum Ausdruck kommt.ek Vgl. z.B. Neh 1,11 (“Oh bitte, Herr, möge dein Ohr auf das Gebet deines Knechtes und auf das Flehen deiner Knechte achten!“); Ps 116,4 (“Oh bitte, Herr, errette mein Leben!“); Ps 118,25 (“Oh bitte, Herr, hilf doch! Oh Herr gib doch Gelingen!“). Dass die Seeleute sich hier mit der typischen Formeln für den Anruf an einen (den) Herrn an Gott wenden, signalisiert deutlichst die hier erfolgte Bekehrung. Ebenso das folgende:

Mit „lass uns doch nicht zugrunde gehen“ wird ein Bezug gestiftet zu Jon 1,6: Die unbestimmte und ungewisse Hoffnung des Kapitäns wird transformiert zum zielgerichteten Flehruf der Schiffer an unseren Herrn. Und schließlich ist auch auffällig, dass die Masoreten unter das letzte Wort von Jon 1,13 einen Pausenakzent gesetzt haben, womit Jon 1,14 vom vorhergehenden abgehoben wird.el. Und ein weiteres kann ebenfalls als Indiz für eine plötzliche Rechtgläubigkeit gelten:

Bringe nicht unschuldiges Blut über uns“ ist ein geprägter Ausdruck aus der israelitischen Rechtsterminologieem Er wird verwendet im Zusammenhang mit dem Mord an unschuldigen Personen; vgl. z.B. Jer 26,15.en. Hieronymus liegt daher richtig mit seiner Auslegung:

„UND LASS NICHT UNSCHULDIGES BLUT ÜBER UNS KOMMEN. Sie beschwören Gott, dass er ihnen nicht anrechne, was immer sie auch tun werden. Sie sagen gewissermaßen: Wir wollen deinen Propheten nicht töten. Aber er selbst hat gestanden, dass du ihm zürnst, und der Sturm sagt es auch; DENN DU, HERR, HAST GEHANDELT, WIE DU WOLLTEST. Es ist dein Wille, der durch unsere Hände vollzogen wird.“ (Hieronymus 2003, S. 135).

Wolffs Bemerkung, „unschuldig“ könne sich nicht auf Jona beziehen, da er seine Schuld bereits bekannt habe; der Vers müsse also übersetzt werden als „ungerecht vergossenes Blut“eo, ist daher zurückzuweisen.

1,15f.

... nahmen Jona und warfen ihn hinab ins Meer. Und das Meer ließ ab von seinem Wüten.
Da fürchteten die Männer Jahwe mit großer Furcht und sie opferten ihm Opfer und gelobten Gelübde.

Vers 1,15 leitet im Jonabuch eine Gabelung ein, wie es auch in 1,4 geschah und in 3,5 geschehen wird: Der Erzähler bricht zwei nebeneinander her laufende Erzähllinien auf und erzählt das Gleichzeitige nicht nebeneinander, sondern nacheinander. In 1,4 folgt die Erzählung der Reaktion der Matrosen auf den Sturm, um in einer Nachholung erst zu erwähnen, dass Jona nach Unterdeck hinabgestiegen war. Hier folgt die Erzählung wiederum den Matrosen, um den Zusammenhang Not - Matrosen - Gott zu schildern; und erst in 2,1 wird Jona wieder zurück in die Erzählung gebracht werden. Ebenso wird in 3,5 Jona völlig aus der nach ihm benannten Erzählung ausgeblendet werden, damit die Geschichte sich ganz dem Verhältnis Not - Niniviten - Gott widmen kann. Sollte es nicht schon andernorts deutlich geworden sein, so wird es hier ersichtlich: Jona ist nicht Thema von 1,4-16, und ebensowenig von 3,5-10. Thema dieser Stellen sind die Matrosen und die Niniviten. Die „Jona-kapitel“ sind die Expositionen in Jon 1 und 3 und Jon 2 und 4. Wieder wird das Leitwort „hinabwerfen“ verwendet; und diesmal machen die Matrosen das Richtige: Sie tuns, und sofort „lässt das Meer ab von seinem Wüten.“
Vers 1,16 kommentiert der NET-Kommentar merkwürdigerweise mit „The idea is that they greatly feared the LORD or were terrified of him“. Aber um zu sehen, dass die Idee des sich-ängstigens hier völlig am Text vorbeigeht, braucht es eigentlich nicht einmal einen Kommentar, so offensichtlich läuft dies quer zu sämtlichen Sinnlinien des Kapitels. Aber damit nicht genug, dem NET-Kommentar zufolge handelt es sich in Jon 1 nicht einmal um eine Bekehrungsgeschichte: „[...] it is not altogether clear whether or not the sailors actually converted to faith in the LORD. They might have simply incorporated him into their polytheistic religion.“ - Nun denn: Blicken wir doch einmal auf die Sinnlinien von und um 1,16. Zunächst: 1,16 hat eine „sinn-mäßige“ Parallelstelle im Alten Testament, nämlich Ex 14,31:

„Als die Israeliten die große Wundertat (“die große Hand“) sahen, die unser Herr an den Ägyptern gewirkt hatte, fürchtete das Volk unseren Herrn und vertraute auf unseren Herrn und auf Mose, seinen Diener.“

Wir werden im Kommentar zu Jona 3,5 noch einmal auf diesen Vers zurückkommen; Hier aber ist für uns nur wichtig: Die Israeliten âman unserem Herrn. Objekt des âman ist aber nicht unser Gott allein, sondern auch Mose, sein Knecht, weshalb hier nicht mit „glauben an“ übersetzt werden kann, sondern mit „vertrauen“ übersetzt werden muss. Die Funktion des „Glaubens an“ wird in Ex 14,31 vom „fürchten“ (yare´) erfüllt. Es ist diese Parallelstelle ein Indiz dafür, wie auch hier das „fürchten“ verstanden werden muss. Darüber hinaus wird das „fürchten mit großer Furcht“ über die figura etymologica in einen Zusammenhang mit den Glaubenstaten des „Gelübde geloben“ und des „Opfer opfern“ gebracht, was in die selbe Richtung weist.
Blickt man weiterhin auf das im Punkt „Oh bitte“ und im Hieronymus-zitat in 1,14 Ausgeführte, wird klar: Mit dem letzten Vers sind die Matrosen bekehrt, eine ganze Schiffsladung voller Heiden ist durch Gottes starke Hand zu Jahwe-verehrern geworden.
In die selbe Richtung weist auch, dass mit Vers 16 die growing phrase des Fürchtens zu ihrem Ende geführt wird:

1,5: Matrosen: Furcht
1,9: Jona: Gottesfurcht
1,10: Matrosen: große Furcht
1,16: Matrosen: große Gottesfurcht

Limburg hat hier etwas Interessantes aufgezeigt: Vers 16a als das letzte Glied der growing phrase des Fürchtens ist gleichzeitig das erste Glied einer „reducing phrase“ der Gottesfurcht:

  • „Die Matrosen fürchteten“
  • „Die Matrosen fürchteten mit großer Furcht“
  • „Die Matrosen fürchteten Jahwe mit großer Furcht,
sie opferten Jawe Opfer
und gelobten Gelübde.“ep

Damit ist das Kapitel 1 an sein Ziel gelangt. Und das Ziel ist nicht, Jona ins Meer zu bekommen - sondern die Bekehrung der Matrosen.eq

zusammenschauende Nacherzählung: Jon 1

kommt noch (wenn auch die Einzelstellenkommentare zu Jon 2-4 ausformuliert sind)

Literaturverzeichnis zu Jon 1

a vgl. Neumann 1973, S. 174ff. (Zurück zum Text: a)
b Baldwin 2009, S. 552 (Zurück zum Text: b)
c vgl. Baldwin 2009, S. 552; Limburg 1993, S. 22f.; Tucker 2006, S. 11; Vanoni 1978, S. 126; Wendland 1996, S. 191 (Zurück zum Text: c)
d vgl. auch Bolin 1997, S. 75 (Zurück zum Text: d)
e Baldwin 2009, S. 546; Wolff 1977, S. 76 (Zurück zum Text: e)
f Sasson 1990, S. 69; Rudoph 1971, S. 335 und Wolff 1977, S. 76 nach Noth 1928. S. 162. (Zurück zum Text: f)
g Wendland 1997, S. 71 (Zurück zum Text: g)
h Bewer 1951, S. 8; Bolin 1997, S. 72; Stuart 1987, S. 588; auch Luther in seiner Vorrede zum Jonabuch in der Kurfürstenbibel: „[...] sein Vatter hat Amithai geheissen/ auff Lateinisch/ Verax, auff Teutsch/ Warhafftig.“ (zitiert nach: Steiger 2011, S. 73.) und in "Der Prophet Jona, ausgelegt" (Luther 1847, S. 332f.) (Zurück zum Text: h)
i vgl. Rudolph 1971, S. 335 (Zurück zum Text: i)
j ebd., so auch schon Aalders 1948, S. 26f.: „It [i.e. „Taube“] may have become a standing title for the people in later times, but there is no proof that this was already the case during the Biblical period.“ (Zurück zum Text: j)
k Sasson 1990, S. 68 (Zurück zum Text: k)
l vgl. Stuart 1987, S. 573: „His name means „Dove“ or „Pigeon“ in Hebrew, but there is no evidence whatever that this name bears any special significance in the book (e.g., allegorical) [...]. Bible names, in general, are only rarely symbolic.“ (Zurück zum Text: l)
m ebenso z.B. Tucker 2006, S. 13 (Zurück zum Text: m)
n Christensen 2005, S. 2 (Zurück zum Text: n)
o vgl. Sasson 1990, S. 71 (Zurück zum Text: o)
p vgl. BDB 8761; Christensen 2005, S. 2; Sasson 1990, S. 73ff.; s. auch 1 KönKönig, Eduard: Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig, 1922. 13,4.32 (Zurück zum Text: p)
q Rudolph 1971, S. 334 (Zurück zum Text: q)
r Sasson 1990, S. 75 (Zurück zum Text: r)
s vgl. Tucker 2006, S. 14 (Zurück zum Text: s)
t vgl. TWOT, 2191c; Davies 1977 (Zurück zum Text: t)
u In der Smitten 1972, S. 95 (Zurück zum Text: u)
v Simon 1994, S. 32f. (Zurück zum Text: v)
w auch hier wird gelegentlich behauptet, der Auftrag Gottes an Jona sei singulär, noch nie sei ein Prophet ins Ausland gesandt worden, um die Bewohner direkt anzuklagen. Aber auch das ist nicht wahr, sowohl Elija als auch Elischa waren bereits im Ausland. (Zurück zum Text: w)
x nach Baldwin 2009, S. 553, Jeremias 2007, S. 84; Wendland 1996, S. 203, leicht abgeändert. (Zurück zum Text: x)
y vgl. Sasson 1990, S. 84: „The information available to me suggests that the person who hired a ship and its captain had the right to change its destination and, in some cases, its specific function [...].“ - was denn bedeuten würde, dass das Schiff genauso gut die Route Jafo-Hamburg-Jafo hätte fahren können. (Zurück zum Text: y)
z vgl. hierzu auch Sasson 1990, S. 77 u. S. 82f. (Zurück zum Text: z)
aa vgl. Baldwin 2009, S. 553; Brichto 1992, S. 69 (Zurück zum Text: aa)
ab Ben Eli (2007), S. 37f. (Zurück zum Text: ab)
ac vgl. Tucker 2006, S. 15 (Zurück zum Text: ac)
ad Theodoret 2006, S. 46 (Zurück zum Text: ad)
ae aber noch 1907 ist Indien z.B. für Haupt noch die einzige ernsthafte Alternative zu Südspanien, vgl. Haupt 1907, S. 151f. (Zurück zum Text: ae)
af vgl. Beitzel 2009, S. 162 (Zurück zum Text: af)
ag Entgegen dieser üblichen Lesart ließt z.B. Hieronymus im Anschluss an „Hebrew scholars“ vor, den Namen als einen Ausdruck für das Meer zu lesen; im Targum Onkelos wird der Topaz, dessen Bezeichnung im Hebräischen ähnlich klingt wie „Tarschisch“, übersetzt mit „die Farbe des Meeres“; der Targum Jona überträgt Tarschisch durgehend mit „Meer“, Luther ist ebenso dieser Ansicht („Die ebräische Zunge hat zwei Worter, die das Meer heißen, als Jam und Tharsis.“ (Luther 1847, S. 339)) und auch Stuart bricht eine Lanze für diese Übersetzung (vgl. Stuart 1987, S. 591f.); Tarschischschiffe wären, so gelesen, also einfach Hochseeschiffe. Oder: TWOT hält es für möglich, dass Tarschisch z.B. nicht einen Ortsname, sondern eine generische Bezeichnung für Orte mit Metallvorkommen sein könnte.(vgl. TWOT 2547) (Zurück zum Text: ag)
ah Baldwin 2009, S. 553 (Zurück zum Text: ah)
ai ähnlich argumentiert Simon: "Es liegt auf der Hand, daß Jona sehr wohl wußte, daß es weder auf dem Meer noch auf dem Festland irgendeinen Ort außerhalb der Herrschaft seines Gottes gibt, da sich dessen Herrschaft letztlich gerade auch in seiner Aussendung nach Ninive realisiert. Jona selbst bezeugt die Herrschaft Gottes über die ganze Welt sogar ausdrücklich gegenüber den Seeleuten, indem er sagt: „den Herrn, den Gott des Himmels, der das Meer und das Festland gemacht hat, fürchte ich (1,9)“; Simon 1994, S. 71. vgl. auch Allen 1976, S. 203: „In accord with the best prophetic tradition Yahweh is represented as the Lord of the nations, to whom the whole world is held morally accountable.“ - und in dieser Tradition steht natürlich auch Jona und das Jonabuch. (Zurück zum Text: ai)
aj ähnlich auch schon Theodor von Mopsuestia: „Es ist aber deutlicher anzuzeigen, dass er nicht sagte, „er floh vor Gott“, sondern „(er floh) aus dem Angesicht des Herrn“. Denn der Prophet meinte nicht, vor Gott zu fliehen, weil er überzeugt war, dass er der Herrscher und Schöpfer aller Dinge sei, und weil er glaubte, dass er überall sei. Nachdem aber Gott befohlen hatte, dass ihm aller Gottesdienst am Berg Zion dargebracht wird, und er den Juden die Meinung eingegeben hatte, dass er gerade dort wohnt und selbst erscheint, wurde aus diesem Grund die Stadt Jerusalem und das ganze Land der Verheißung Wohnung Gottes genannt. [...] Deshalb sagt die heilige Schrift, dass der Prophet aus dem Angesicht des Herrn geflohen ist [...].“ (Theodor von Mopsuestia 2011, S. 29) (Zurück zum Text: aj)
ak BDB 593; vgl. auch Tucker 2006, S. 16 (Zurück zum Text: ak)
al BDB 1053: „come in, come, go in, go“, Holladay 975: „1. go in [...] - 2. come, arrive [...] - 3. come back, come home“, TWOT 212: „go in, enter“. (Zurück zum Text: al)
am vgl. auch Person 1996, S. 32; Sasson 1990, S. 83f.; Tucker 2006, S. 16.
Christensen 2005, S. 3 möchte sich offenbar nicht entscheiden und übersetzt „a ship going to (and from) Tarshish“ (Zurück zum Text: am)
an vgl. Baldwin 2009, S. 553 (Zurück zum Text: an)
ao Sasson 1990, 83-84; Tucker 2006, S. 17 (Zurück zum Text: ao)
ap vgl. Limburg , S. 48; auch Sasson 1990, S. 93. Nach Sasson ist darüber hinaus diese Konstruktion eher typisch für poetische Texte; ein weiteres Indiz für die Richtigkeit unserer Textsortenanalyse in der Einleitung des Kommentares. (Zurück zum Text: ap)
aq vgl. Baldwin 2009, S. 556 (Zurück zum Text: aq)
ar Lohfink, Norbert: "Jona ging zur Stadt hinasu (Jona 4,5), in: BZ 5(1961). S. 185-203; zitiert nach Magonet 1976, S. 57; vgl. auch Nogalski 1993, S. 250 (Zurück zum Text: ar)
as vgl. Wolff 1977, S. 83; auch Person 1996, S. 32 (Zurück zum Text: as)
at Wolff 1977, S. 87 (Zurück zum Text: at)
au vgl. BDB 9761 (“The ship was about to (minded to) be broken up“) (Zurück zum Text: au)
av Bolin 1997, S. 78; vgl. auch Sasson 1990, S. 96f. (Zurück zum Text: av)
aw vgl. Sasson 1990, S. 96; ferner Trible 1995, S. 132 und Tucker 2006, S. 20 (Zurück zum Text: aw)
ax vgl. z.B. Rudolph 1971, S. 339. (Zurück zum Text: ax)
ay vgl. NET, Christensen 2005, S. 5. (Zurück zum Text: ay)
az Tucker 2006, S. 23 (Zurück zum Text: az)
ba Brichto 1992, S. 69. vgl. ebenso Baldwin 2009, S. 556; Limburg 1993, S. 58f. u.ö. (Zurück zum Text: ba)
bb vgl. z.B. Shemesh 2010, S. 15; Wolff 1977, S. 89; Magonet 1976, S. 67 ff. (Zurück zum Text: bb)
bc vgl. Lanckau 2010 (Zurück zum Text: bc)
bd vgl. Thomson 1955, S. 422 (Zurück zum Text: bd)
be vgl. ebd., S. 423; vgl. z.B. auch Gen 2,12; 1 Sam 26,12; Jes 29,10 (Zurück zum Text: be)
bf Ben Eli 2007, S. 40 (Zurück zum Text: bf)
bg Stuart 1987, S. 600 (Zurück zum Text: bg)
bh Thomson , S. 423 (Zurück zum Text: bh)
bi Theodor von Mopsuestia 2011, S. 30 (Zurück zum Text: bi)
bj vgl. Gese 1991, S. 128; auch Wolff 1977, S. 83; IBHSWaltke, Bruce K./M. O´Connor: An Introduction to Biblical Hebrew Syntax. Winona Lake, 1990. 490f. § 30.5.2 und der NET-Kommentar (Zurück zum Text: bj)
bk vgl. z.B. auch heute noch Baldwin 2009, S. 586; Kidner 1970, S. 126ff. u.ö. (Zurück zum Text: bk)
bl vgl. Limburg 1993, S. 45f. (Zurück zum Text: bl)
bm Magonet 1976, S. 34 (Zurück zum Text: bm)
bn vgl. ebd., S. 35 (Zurück zum Text: bn)
bo vgl. Trible 1963, S. 210f.; auch Bolin 1997, S. 79 (Zurück zum Text: bo)
bp vgl ebd., S. 79f. (Zurück zum Text: bp)
bq Sasson 1990, S. 94. (Zurück zum Text: bq)
br vgl. auch Tucker 2006, S. 22: „in the meanwhile“ (Zurück zum Text: br)
bs Aalders 1948, S. 11; ähnlich Baldwin 2009, S. 556; Mulzer 2005; Rudolph 1971, S. 339; Sasson 1990, S. 101; Tucker 2006, S. 22; Wilson 1918, S. 282; Wolff 1977, S. 83.89 (Zurück zum Text: bs)
bt vgl. Christensen 2005, S.6; Sasson 1990, S. 102; Wolff 1977, S. 89 (Zurück zum Text: bt)
bu Wolff 1977, S. 89 (Zurück zum Text: bu)
bv vgl. Baldwin 2009, S. 556; zur Übersetzung: Joüon-Muraoka § 127a; § 161i (Zurück zum Text: bv)
bw vgl. Limburg 1993, S. 50 (Zurück zum Text: bw)
bx vgl. NET-Kommentar; Ijob 9,12; 22,12; Koh 8,4; Jes 45,9f. (Zurück zum Text: bx)
by vgl. Magonet 1976, S. 25f.; Wendland 1997a, S. 75 (Zurück zum Text: by)
bz vgl. TWOT 1717.0 (Zurück zum Text: bz)
ca vgl. Wolff 1977, S. 83 (Zurück zum Text: ca)
cb vgl. BDB 7512 (Zurück zum Text: cb)
cc Limburg 1993, S. 53; vgl. auch Lindblom 1962, S. 166; dagegen Cryer 1994, S. 277: „In passing, one notes again that there is no useful extra-Israelite etymology for the goral-lot from the early pre-exilic period: it seems that almost all of Israel´s magical terminology, licit and „illicit“, was homegrown.“; auch Sasson 1990, S. 109 („etymologically obscure“) (Zurück zum Text: cc)
cd vgl. Limburg 1993, S. 53; Lindblom 1962, S. 168f. (Zurück zum Text: cd)
ce vgl. Brichto 1992, S. 71; Lindblom 1962, S. 167.; auch S. 170 (“The lot-casting procedure was regarded as an inquiry of Yahweh and its result as an answer from Yahweh.“); Sasson 1990, S. 108 (Zurück zum Text: ce)
cf Strawn 2010 geht davon aus, dass das hier geschilderte Lose-werfen untypisch und überraschend sei und folgert daraus, dass die Matrosen hier nach dem Muster vorbildlicher Israeliten geschildert würden. Dies aus 4 Gründen:
  1. Das setting und die Situation legen ob der Stärke des Sturms und der Größe der Gefahr nahe, dass dies weder die Zeit noch der Ort zum Losewerfen sei.
  2. „Nur“ in fünf Fällen neben dem Jonabuch wird von losewerfenden Nicht-Israeliten erzählt (Est 3,7; 9,24 (Der Terminus pûr im Estherbuch ist die direkte Übersetzung des hebr. gôral ins Akkadische; vgl. Lindblom 162, S. 166); Joel 4,3; Ob 11; Nah 3,10). Ansonsten sind es stets Israeliten.
  3. gôral sei ein typisch hebräischer Begriff
  4. Jon 1,4-11 korrespondiert mit 3,3-11. Und in 3,3-11 würden, so Strawn, auch die Niniviten als ideale und in israelitischer Bußpraxis bewanderte Büßer dargestellt. Ähnliches sei hier der Fall: „In the one instance, the foreigners are expert in Israelite divinatory practices, which leads directly to right action and prayer (chapter 1); in the other, they are experts in Israelite penitential pracitices, which again leads directly to right action and prayer (chapter 3).“ (Strawn 2010, S. 73).

Strawns Beweisführung braucht aber nicht sonderlich ernst genommen zu werden:

  1. zeigt schon das allgemeine Aufschreien zu den jeweiligen Elohim, dass die Matrosen als Urheber des Sturms eine höhere Macht identifiziert haben. Vor diesem Hintergrund ist das Losewerfen tatsächlich die naheliegenste Reaktion.
  2. Es ist nicht wirklich überraschend, dass im heiligen Buch der Israeliten häufiger von Israeliten als von Vertretern anderer Nationen berichtet wird.
  3. Ebenso wenig überraschend ist, dass in einem hebräischen Buch hebräische Terminologie verwendet wird.
  4. Die Bußpraxis der Niniviten in 3,3-11 ist keineswegs idealtypische israelitische Bußpraxis (vgl. dort). Und ebenso wenig werden die Matrosen hier als ideale Anhänger der israelitischen Religion geschildert (vgl. Kommentar 1,5 Punkt „um die See zu beschwichtigen“). (Zurück zum Text: cf)
cg Theodoret 2006, S. 50 (Zurück zum Text: cg)
ch Brichto 1992, S. 71; vgl. auch Stuart 1987, S. 598 (Zurück zum Text: ch)
ci vgl. Tucker 2006, S. 27 (Zurück zum Text: ci)
cj obwohl Christensen auch das dritte naphal als Hiphil-Konstruktion liest. vgl. aber dagegen Tucker 2006, S. 28 (Zurück zum Text: cj)
ck Tucker 2006, S. 28; nach Trible 1994, S. 137f. (Zurück zum Text: ck)
cl vgl. Wolff 1977, S. 83; Rudolph streicht es denn auch ganz aus seiner Übersetzung; vgl. Rudolph 1971, S. 338.340 (Zurück zum Text: cl)
cm vgl. GKCGesenius, Wilhelm/Emil Kautzsch/Arthur Ernest Cowley: Gesenius' Hebrew Grammar. Oxford, 1909. 131 o-r. vgl. auch Bolin 1997, S. 83 (Zurück zum Text: cm)
cn vgl. Brichto 1992, S. 69 (Zurück zum Text: cn)
co Landes 1999, S. 279 (Zurück zum Text: co)
cp Limburg 1993, S. 52f. (Zurück zum Text: cp)
cq Wolff 1977, S. 91 (Zurück zum Text: cq)
cr Brichto 1992, S. 70; vgl. auch Person 1996, S. 33; Sasson 1990, S. 114 (Zurück zum Text: cr)
cs Sasson 1990, S. 113f. (Zurück zum Text: cs)
ct Reicke 2003, S. 664 (Zurück zum Text: ct)
cu Brichto 1992, S. 70f. (Zurück zum Text: cu)
cv Paganini 2004, S. 110 (Zurück zum Text: cv)
cw Meyer § 1.3 (Zurück zum Text: cw)
cx Wolff 1977, S. 92 (Zurück zum Text: cx)
cy Gruber 1990, S. 415; vgl. auch Limburg 1993, S. 57 u. Sasson 1990, S. 97 („But when the yare´ has ´et-YHWH as the direct object (in Jonah´s confession of 1:9), the verb acquires a theological significance and fear is replaced by reverence.“) (Zurück zum Text: cy)
cz vgl. GKCGesenius, Wilhelm/Emil Kautzsch/Arthur Ernest Cowley: Gesenius' Hebrew Grammar. Oxford, 1909. § 140e; Joüon-Muraoka §121c; Wolff 1977, S. 83 (Zurück zum Text: cz)
da vgl. auch Stuart 1987, S. 603, der als zusätzliche Textstellen nennt: Ex 10,13-19; 14-15; Num 11,31; Jes 50,2; Jer 49,32-36; Am 4,13, Ijob 26,12 (Zurück zum Text: da)
db Hervorhebung: Ich, S.W.Sebastian Walter; http://goo.gl/WEo8mm (Zurück zum Text: db)
dc Hervorhebung: Ich, S.W.Sebastian Walter; http://goo.gl/WEo8mm (Zurück zum Text: dc)
dd Simon 1994, S. 86f. (Zurück zum Text: dd)
de Josephus; letzte Abfrage: 14.06.2012 (Zurück zum Text: de)
df zitiert nach: Steiger 2011, S. 76 (Zurück zum Text: df)
dg Luther 1847, S. 365 (Zurück zum Text: dg)
dh vgl. z.B. Allen 1976, S. 206 (Zurück zum Text: dh)
di Paganini 2004, S. 111f. (Zurück zum Text: di)
dj ebd, S. 113; vgl. auch Perkins 1987, S. 43-53 (Zurück zum Text: dj)
dk Brichto 1992, S. 71</br> Jahwe. Nicht etwa: „Was ist dein Handwerk?“ - „Ich bin Hebräer. Und, übrigens: Ich habe Angst vor Jahwe“, sondern „Mit welchem Auftrag bist du hier?“ - „Als Diener Jahwes.“
Worauf Frage und Antwort in Jon 1,9 (+ der Nachschub in 1,10) tatsächlich aus ist, ist: „Was geht denn mit dir ab, dass du so einen Ärger über uns bringen kannst?“ - „Ja, Leute, das tut mir Leid: Ich bin ein fahnenflüchtiger Diener Jahwes“ - „Wie konntest du das tun!?“〈a href="#note_dk" id="reference_dk_1" title='Auch hier ist der Kommentar Ben Eli´s sehr spannend. Zunächst einmal denkt er, was "ich fürchte Jahwe" betrifft, in die selbe Richtung - "Jahwe zu fürchten" …'dk〉 (Zurück zum Text: dk)
dl Baldwin 2009, S. 560 (Zurück zum Text: dl)
dm Theodoret 2006, S. 52 (Zurück zum Text: dm)
dn Allen 1976, S. 209 (Zurück zum Text: dn)
do vgl. NET-Kommentar; Christensen 2005, S. 9: „Jonah had declared that he fears YHWH; but these pagan sailors are the ones who fear the great fear [...]. which culminates in the worship of YHWH [...].“ (Zurück zum Text: do)
dp Einleitung mit ki; zudem kann die Nachholung nicht anders denn plusquamperfektisch verstanden werden (vgl. Baldwin 2009, S. 560) (Zurück zum Text: dp)
dq Gese 1991, S. 128 (Zurück zum Text: dq)
dr vgl. Joüon-Muraoka § 143 g., auch Bolin 1997, S. 87; Sasson 1990, S. 120; Tucker 2006, S. 34; Wolff 1977, S. 84 (Zurück zum Text: dr)
ds vgl. Joüon-Muraoka § 113m: zu übersetzen mit „müssen“ statt „sollen“ (Zurück zum Text: ds)
dt Wolff 1977, S. 93f. (Zurück zum Text: dt)
du so sieht etwa Wolff Jonas Auskunft in 1,12: „“Ich weiß“, sagt er und läßt in der Anrede der Matrosen weiter anklingen, was sie längst durchs Los wissen [...]. Kein Wort es Gebets wird laut: kein Schuldbekenntnis vor Gott, kein Flehen um seine und aller anderen Rettung (vgl. V. 5a), keine Frage nach Gottes Willen (vgl. V. 14), erst recht kein Gehorsamsgelübde (vgl. V. 16b). Nur eins: Er will seinen Tod. Damit führt er die Linie fort, die wir schon in V. 5b auffanden [...] und die in 4,3.8 sein letztes Wort bestimmen wird. Wenn man Jonas Verhalten mit dem der Matrosen vergleicht, wird ganz deutlich, wie unser Satiriker ihn als einen widerborstigen, unentwegt vor Jahwe und nun - nach seiner Meinung - endgültig in den Tod hinein Flüchtenden zeichnet.“ - Wolff 1977, S. 94 (Zurück zum Text: du)
dv s. auch Baldwin 2009, S. 562: „This desperate suggestion has been prompted by the storm that the Lord has hurled on the sea (v. 4). Only Jonah can say what should be done, but one greater than Jonah is directing events.“; auch Sasson 1990, Fußnote S. 124: „The medieval exegetes who thought Jonah was contemplating suicide are way off the mark on this [...].“ (Zurück zum Text: dv)
dw Cyril von Jerusalem: 18 Catechetical Lectures. Übersetzung: Ich, S.W.Sebastian Walter; http://goo.gl/WEo8mm (Zurück zum Text: dw)
dx Hieronymus: Commentary on Jonah. Übersetzung: Ich, S.W.Sebastian Walter; http://goo.gl/WEo8mm In einem Brief an Ctesiphon schreibt er darüber hinaus, noch eindrücklicher:
„Better would it be to imitate Jonah and say: „If it is for my sake that this great tempest is upon you, take me up and cast me forth into the sea.“ He in his humility was thrown into the deep that he might rise again in glory to be a type of the Lord.“; online unter
Simons Kommentar geht in die selbe Richtung:
"Er hätte versuchen können, seinen Verfolger zu zwingen, die Schiffsreisenden wegen seiner eigenen Sünde ertrinken zu lassen, zog es aber vor, um jeden Preis zu verhindern, daß sie in seinen Streit mit seinem Gott hineingezogen werden." (Simon 1994, S. 17) (Zurück zum Text: dx)
dy Baldwin 2009, S. 562 (Zurück zum Text: dy)
dz Tucker 2006, S. 36; ebenso übersetzt Joün-Muraoka mit „that the sea may become calm?“ - § 161m (Zurück zum Text: dz)
ea Limburg 1993, S. 54 (Zurück zum Text: ea)
eb vgl. BrSyntBrockelmann, Carl: Hebräische Syntax. Neukirchen-Vluyn, <sup>2</sup>2004. § 93g; GKCGesenius, Wilhelm/Emil Kautzsch/Arthur Ernest Cowley: Gesenius' Hebrew Grammar. Oxford, 1909. §113u; Joüon-Muraoka §123s; NET-Kommentar, Sasson 1990, S. 123; Tucker 2006, S. 37; Wolff 1977, S. 84 (Zurück zum Text: eb)
ec vgl. Sasson 1990, S. 123f. (Zurück zum Text: ec)
ed vgl. Gese: „Auf die Frage, was nun in dieser anhaltenden Seenot (V. 11b!) zu tun sei, fordert Jona die Schiffer auf, ihn ins Meer zu werfen (Stichwort twl), und sagt die Stillung des Sturmes voraus. Allein schon V. 12 sollte vor einer negativen Beurteilung der Jonagestalt warnen.“ (Gese 1991, S. 128); (Zurück zum Text: ed)
ee NET-Kommentar; vgl. auch Christensen 2005, S. 11. s. TWOT 783. (Zurück zum Text: ee)
ef vgl. Sasson 1990, S. 135f.; auch Wolff 1977, S. 96f. (Zurück zum Text: ef)
eg vgl. Tucker 2006, S. 44. JPS übersetzt daher: „For You, O LORD, by your will, have brought this about.“ (Zurück zum Text: eg)
eh vgl. Tucker 2006, S. 41 (Zurück zum Text: eh)
ei Baldwin 2009, S. 562 (Zurück zum Text: ei)
ej Wolff 1977, S. 84 (Zurück zum Text: ej)
ek vgl. Hom 2004 (Zurück zum Text: ek)
el vgl. auch Sasson 1990, S. 131 (Zurück zum Text: el)
em Magonet 1976, S. 125ff.203f. (Zurück zum Text: em)
en vgl. Vanoni 1978, S. 131 (Zurück zum Text: en)
eo Wolff 1977, S. 95; hiergegen auch Tucker 2006, S. 43. (Zurück zum Text: eo)
ep vgl. Limburg 1993, S. 57; ähnlich Tucker 2006, S. 46 (Zurück zum Text: ep)
eq So auch Tucker 2006, S. 45: „The language in 1:4 and the language in 1:15 operate as an inclusio for the entire „sea“ pericope. What begin [sic] when Yahwe הֵטִ֤יל רֽוּחַ־גְּדוֹלָה֙ אֶל־הַיָּ֔ם is resolved when אֶת־יוֹנָ֔ה וַיְטִלֻ֖הוּ אֶל־הַיָּ֑ם (Zurück zum Text: eq)
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