Kommentar:Jona 1
Aus Die Offene Bibel
| Jona, der Fanatiker. Ein Kommentar zum Jonabuch | |
| Vorbereitendes und Vorläufiges | Jona 1 | Jona 2 | Jona 3 | Jona 4 |
Inhaltsverzeichnis |
An den Leser::
Dies ist mein Kommentar.
Das schreibe ich nicht aus Geltungssucht, sondern, weil es wichtig ist, dies im Hinterkopf zu behalten: Anders als hinter Studien- und Lesefassung der Offenen Bibel steht hinter diesem Kommentar und seiner Übersetzung nicht die Offene Bibel-Community, sondern nur ich.
Dies ist nicht mein Kommentar. Er ist offen - d.h., anders als klassische Kommentare steht er nicht fest, sondern will offen sein für Kritik, Anmerkungen, Diskussionen und Verbesserungen. Die geplante Infrastruktur für eine solche Textsorte ist momentan noch nicht vorhanden, aber einstweilen können Anmerkungen auf der Diskussionsseite hinterlassen werden.
--Sebastian Walter 13:06, 10. Sep. 2012 (CEST)
Übersetzung
1,1 Ein weiteres Mal sprach Jahwe zu Jona ben Amittai〈a〉, nämlich:〈b〉 1,2 „Steh auf! Geh〈c〉 nach Ninive〈d〉, der großen〈e〉 Stadt〈f〉, und rufe gegen sie〈g〉, denn〈h〉 ihre〈i〉 Arg〈j〉ist bis zu mir hinauf gestiegen!“ 1,3 Also〈k〉 stand Jona auf - um nach Tarschisch〈l〉 zu fliehen, fort von Jahwe.〈m〉 Er ging hinab nach Jafo, wo zufällig〈n〉 gerade ein Schiff aus Tarschisch〈l〉〈o〉 im Begriff war〈p〉, einzulaufen.〈o〉 Er bezahlte seinen〈q〉 Preis und stieg in es hinab, um mit ihnen nach Tarschisch〈l〉 zu kommen, fort von Jahwe.
1,4 Da jedoch schleuderte Jahwe〈r〉 einen großen Sturm auf das Meer hinab, so dass〈s〉 ein großer Seegang〈t〉 im Meer entstand. Als〈s〉 das Schiff zu zerbrechen drohte〈u〉, 1,5 fürchteten sich die Schiffsleute; ein jeder schrie〈v〉 zu seinem Gott〈w〉 - und um die See zu beschwichtigen〈x〉, schleuderten sie die Ladung〈y〉 vom Schiff hinab. Jona indes〈z〉 war nach Unterdeck〈aa〉 hinabgestiegen〈z〉 und lag ohnmächtig da〈ab〉. 1,6 Da nahte sich ihm der Kapitän〈ac〉 und sprach: „Was ist denn hier los?!〈ad〉 Warum〈ae〉 bist du ohnmächtig〈af〉?! Steh auf! Rufe zu deinem Gott! Vielleicht denkt der Gott ja noch einmal über uns nach〈ag〉, so dass wir nicht zugrunde gehen〈ah〉 müssen〈ai〉!“
1,7 Daraufhin〈aj〉 fasste die Schiffsbesatzung einen Plan〈ak〉: „Kommt! Lasst uns losen, damit uns bekannt werde〈al〉, wer uns den ganzen Ärger eingebrockt hat〈am〉!“ Also losten sie - und Jona war es, den sie losten〈an〉. 1,8 Da sprachen sie: „Sag uns, du, der du uns den ganzen Ärger eingebrockt hast〈ao〉: Was für einen Auftrag führst du aus〈ap〉 und von woher kommst du? Aus welchem Land und von welchem Volk stammst du?“ 1,9 Er antwortete: „Ein Diener bin ich,〈ap〉 und Jahwe ist es〈aq〉, den ich fürchte: 〈ap〉 der Himmelsgott〈ar〉, der das Meer und das Festland gemacht hat!“ 1,10 Da fürchteten sich die Männer mit großer Furcht〈as〉 und sprachen: „Wie konnest du das nur tun?!〈at〉“ - denn es war ihnen bekannt geworden〈au〉, dass es Jahwe war〈av〉, vor dem er floh (〈aw〉er hatte es ihnen nämlich selbst erzählt). 1,11 Und sie fragten ihn: „Was obliegt uns〈ax〉, mit dir zu tun, damit〈ay〉 das Meer von uns ablassen könnte〈az〉?“〈ba〉 - denn das Meer stürmte immer heftiger〈bb〉. 1,12 Er antwortete: „Nehmt mich und schleudert mich ins Meer hinab, damit〈bc〉 es von euch ablässt. Denn es ist mir ja bekannt, dass ich es bin, wegen dem〈bd〉 dieser große Sturm über euch gekommen ist.“ 1,13 Doch die Männer ruderten heftig〈be〉, um zum Festland〈bf〉 zurückzukehren. Jedoch: Sie vermochten es nicht, denn das Meer stürmte immer heftiger〈bb〉 gegen sie. 1,14 Da riefen sie Jahwe an〈bg〉: „Oh bitte, Jahwe - lass uns doch nicht zugrunde gehen〈ah〉 wegen dem Leben dieses Mannes und bringe nicht unschuldiges Blut〈bh〉 über uns! Denn du, Jahwe, hast so gehandelt, wie es dir gefiel〈bi〉“, 1,15 nahmen〈bj〉 Jona und schleuderten ihn hinab ins Meer. Und das Meer ließ ab von seinem Wüten. 1,16 Da〈bk〉 fürchteten die Männer Jahwe mit großer Furcht, opferten Jahwe Opfer und gelobten Gelübde.
Fußnoten
| a | zum Namen und seiner Bedeutung vgl. Diskussion 1 (Zurück zum Text: a) |
| b | wörtlich: „Und es erging das Wort JHWH´s an Jona ben Amittai, besagend...“. Es handelt sich hier um eine in der Bibel gut bezeugte Konstruktion, die sogenannte „Wortereignisformel“. In der Regel wird mit ihr ausgedrückt, dass innerhalb einer kontinuierlichen Handlung durch ein überraschendes Eingreifen Gottes ein neuer Abschnitt des Handlungsverlaufes eingeleitet wird (vgl. Baldwin 2009, S. 552; Limburg 1993, S. 22f.; Tucker 2006, S. 11; Vanoni 1978, S. 126; Wendland 1996, S. 191). Deshalb, und da (1) das Jonabuch „presupposes knowledge of the figure of Jonah“ (Bolin 1997, S. 75) und (2) JHWH in der Tat in der Bibel schon einmal zu Jona ben Amittai gesprochen hat, haben wir so übersetzt. (Zurück zum Text: b) |
| c | dies wird gelegentlich gelesen als Hendiadyoin, in dem das erste Wort als adverbiale Modifikation des zweiten fungiert; also etwa „Gehe schnell...“ (so etwa der NET-Kommentar und Tucker 2006, S. 13). So kann dies ohne Zweifel gelesen werden; mit Jon 1,3 beginnt jedoch die sogenannte „absteigende Jonalinie“ (Deissler): Jona geht „hinab nach Jafo“, steigt „hinab ins Schiff“, sinkt „hinab zu den Füßen der Berge“ usw. Derart bildet der Befehl zur „Aufwärtsbewegung“ des Aufstehens hier mit dem Absteigen Jonas einen Gegensatz, weshalb dies wörtlich beibehalten werden sollte (vgl. ähnlich Pelli 1979/80, S. 19). Auch von einer Verbindung der beiden Befehle zu einem Satz (vgl. etwa EÜ: „Mache dich auf den Weg und geh...“) sollte man Abstand nehmen: Der MT hat hier einen sogenannten talîsa gadôlâ, einen starken disjunktiven Akzent (vgl. auch Christensen 2005, S. 2.). Dies ist bedeutsam (vgl. die Deutung), so dass die Aufteilung der Textstelle in zwei Sätze beibehalten werden sollte. (Zurück zum Text: c) |
| d | zu „Ninive“ vgl. den Kommentar zu Jon 3,2 (Zurück zum Text: d) |
| e | zu „groß“ vgl. den Kommentar zu Jon 3,3 (Zurück zum Text: e) |
| f | „die große Stadt“ wird im MT durch Akzentsetzung (konjunktiv unter „Stadt“, disjunktiv unter „der großen“ (vgl. auch Sasson 1990, S. 71) vom restlichen Vers abgehoben, weshalb ich hier mit „Ninive, der großen Stadt“ statt mit „der großen Stadt Ninive“ übertragen habe (Zurück zum Text: f) |
| g | Das „rufe gegen sie“, so unschön es stilistisch auch sein mag, muss beibehalten werden: „rufen“ ist eines der Leitwörter des Jonabuches, und ûqera´ `alêha hat eindeutig adversative Bedeutung. Es ist eine Anklage, die Jona hier der Stadt entgegenschreien soll, eine verbale Attacke. vgl. BDB 8761; Christensen 2005, S. 2; Sasson 1990, S. 73ff.; s. auch 1 Kön 13,4.32 (Zurück zum Text: g) |
| h | häufig heißt es hier, das kî würde den Satz hier mit „dass“ einleiten - „rufe gegen sie, dass ihre Arg...“. Wenn tatsächlich beide Möglichkeiten zur Verfügung stünden, wäre dennoch „denn“ vorzuziehen, da dies dem Stil des Jonabuchs besser entspricht (Rudolph 1971, S. 334). Wahrscheinlich steht diese zweite Möglichkeit aber auch gar nicht zur Verfügung: „It cannot, as it seems to do in some accounts, introduce direct speech: „declare against it that its citizens´ wickedness...“ In fact, this last way of translating kî is not available to Hebrew and should be deleted from the dictionaries.“ (Sasson 1990, S. 75; vgl. auch schon Ehrlich 1912, S. 263) (Zurück zum Text: h) |
| i | „dieses Pronomen steht hier im Maskulinum Plural statt im Femininum Singular, was deutlich macht hier auf die Bosheit der Einwohner statt der Bosheit der Stadt Ninives selbst verwiesen wird (vgl. Tucker 2006, S. 14). Die NET-Bible hat daher auch das meiner Meinung nach sehr schöne „announce judgment against its people because their wickedness...“ (meine Hervorhebung), das den Text hier zwar gut trifft. Jedoch erschien mir „its people“ für „it“ als allzu interpretative Übersetzung, so dass ich es hier bei der traditionellen Übersetzungsweise belassen habe. (Zurück zum Text: i) |
| j | vgl. hierzu Diskussion 2 (Zurück zum Text: j) |
| k | Das wayyiqtol markiert hier die Progression der Erzählung (vgl. Tucker 2006, S. 15). Der Gegensatz von scheinbar gewöhnlicher Progression im Versbeginn und dem mit dieser Erwartung brechendem Folgenden kommt durch die ausdrückliche Übersetzung mit „also“ noch besser zum Ausdruck (Zurück zum Text: k) |
| l | kursiv, da unsicher. Alternativ: „aufs Meer / vom Meer her“; vgl. Diskussion 3 (Zurück zum Text: l / l-2 / l-3) |
| m | wörtlich: „fort von Jahwe´s Angesicht“, aber vgl. Diskussion 4. (Zurück zum Text: m) |
| n | überlicherweise übersetzt mit „wo er ein Schiff fand“. Das Hebräische drückt hier aber auch die Bedeutungsnuance „zufällig auf etwas treffen“ aus (vgl. BDBF 593; auch Tucker 2006, S. 16) Diese Nuance kommt in der obigen Übersetzung deutlicher zum Ausdruck und klingt zudem natürlicher. (Zurück zum Text: n) |
| o | Deutsche und englische Übersetzungen übertragen hier ausnahmslos mit „nach Tarschisch fahren“. Schlägt man aber bô in Lexika nach, wird hier für Qal primär nicht „gehen“, sondern „kommen“ angegeben (vgl. BDBF 1053; HOL 975; TWOT 212). Es handelt sich hier also nicht um ein Schiff, das ohnehin gerade nach Tarschisch will, sondern um ein Schiff, das gerade von Tarschisch kommt (vgl. auch Person 1996, S. 32; Sasson 1990, S. 83f.; Tucker 2006, S. 16; ähnlich Christensen 2005, S. 3 („a ship going to (and from) Tarshish“). vgl. auch die Fußnote zu „seinen Preis“ (Zurück zum Text: o / o-2) |
| p | futur instans; vgl. Baldwin 2009, S. 553 (Zurück zum Text: p) |
| q | Das Suffix des Pronomens steht hier im Femininum; das Pronomen verweist also auf das Schiff. Das legt nahe, dass Jona nicht allein seinen Mit-fahr-preis, sondern den Preis für das ganze Schiff und seine Besatzung zahlt (vgl. auch Sasson 1990, S. 83f.; Tucker 2006, S. 17; vgl. auch schon Ehrlich 1912, S. 264 („Nach den alten Rabbinen ist שכרה hier von der gesamten Einnahme für die Fahrt des Schiffes zu verstehen; vgl. Nedarim 38a. Demgemäss hätte Jona, weil ihm die Flucht sehr eilig war, dem Schiffskapitän, der auf mehr Passagiere und Kargo warten wollte, alles gezahlt, was solche ihm eingebracht haben würden, damit er sofort absegle.“). (Zurück zum Text: q) |
| r | „Da jedoch...“ - Aus drei Gründen haben wir diese Übersetzung gewählt:
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| s | Die Inversion des Subjekts mit dem perfektischen Verb macht sowohl aus 1,4aα als auch aus 1,4b Vordersätze, auf die dann jeweils Sätze folgen, die die Folgen des im Vordersatz Geschilderten zum Ausdruck bringen (vgl. Wolff 1977, S. 83; auch Person 1996, S. 32). Daher „so dass“ und „Als das Schiff...“. (Zurück zum Text: s / s-2) |
| t | nach Wolff 1977, S. 87: „“Was bewirkt der Windwurf? Einen סַעַר. Das kann hier nicht den Windsturm meinen wie zumeist (Jer 23,19; Ps 83,16) [...]. Denn erstens verhalten sich der Wurf des Windes und das Entstehen des סַעַר zueinander wie Ursache und Wirkung [...] Zweitens wird der Wind „auf das Meer“ [...] geworfen, der סַעַר aber entsteht „im Meer“ [...] Drittens zeigt der verbale Gebrauch von סַעַר in 11b.13b, daß das Meer selbst sein Subjekt ist. Demnach meint סַעַר hier den hohen Seegang, die aufgepeitschten Wogen des Meeres.“; so auch schon Schegg (1854), S. 416. (Zurück zum Text: t) |
| u | wörtlich: „Das Schiff dachte zu scheitern“. „drohte“ (/„dachte“) wurde daher häufig für defektiv erklärt. Dagegen schreibt jedoch Bolin: “That personification, so much a common literary feature in many (if not all) languages, should be denied to Hebrew is puzzling. There are other examples of personification in the Old Testament. Most fitting for this context is Isa. 23.1, where Tarshish ships are commanded to wail.“ (Bolin 1997, S. 78; vgl. auch Sasson 1990, S. 96f.) Weiterhin ist „drohte, zu zerbrechen“ im Hebräischen onomatopoetisch; es soll den Klang der vom Wasser gequälten krachenden Planken ausdrücken (vgl. Sasson 1990, S. 96; ferner Trible 1995, S. 132 und Tucker 2006, S. 20); ein weiteres Indiz für den „eher lyrischen" Charakter auch des Prosateils des Jonabuches. Würde es nicht so unnatürlich klingen, könnte man es übertragen mit „als dass das Schiff zu zerkrachen gedachte“. Weder die Personifikation noch die Onomatopoesie scheinen hier aber bedeutsam zu sein, und es ist uns auch kein Kommentar bekannt, in dem sie als bedeutsam angesehen würden. Daher haben wir diese beiden Sonderfälle an unsere heutige Sprachnorm angepasst (es wird auch das Sinnpotential des hebräischen Textes gar nicht überstrapaziert durch die etwas freiere Übersetzung mit „drohen“ (vgl. z.B. schon Schegg 1854, S. 416), was hier noch mehr gegen eine Korrektur spricht. (Zurück zum Text: u) |
| v | wörtlich: „Es fürchteten sich die Seeleute und es schrien [kein Schreibfehler] ein jeder zu seinem Gott“ Subjekt des Plural-prädikats „schreien“ ist das Singular „ein Jeder“. Es ist dies ein hebräisches Stilmittel, womit unterstrichen wird, dass ausnahmslos jeder Matrose für sich zu seinem Gott schreit. (vgl. NET-Kommentar; Christensen 2005, S. 5). Man könnte übertragen mit „Es schrie absolut jeder zu je seinem Gott“, aber das wäre wohl zuviel des Guten. (Zurück zum Text: v) |
| w | oder: „zu seinen Göttern“ (so z.B. Rudolph 1971, S. 339). Da aber nicht auszuschließen ist, dass auch weitere Monotheisten auf dem Schiff waren, habe ich doch lieber mit „seinem Gott“ übertragen; dass zu mehreren Göttern gerufen wird, kommt auch so (über die Vielzahl der zu-seinem-Gott-Rufern) zum Ausdruck. vgl. außerdem zum System der Gottesnamen die Deutung. (Zurück zum Text: w) |
| x | nach Trible 1963, S. 219f. (auch: Bolin 1997, S. 79): Für gewöhnlich wird dies gelesen als „Sie schleuderten die Ladung ins Meer hinab, um das Schiff (von ihr) zu erleichtern.“ Trible ist jedoch aufgefallen, dass haqel hier kein grammatisches Objekt hat, das letzte Nomen aber nicht „Schiff“, sondern „Meer“ ist. Grammatisch naheliegender ist damit eine Übersetzung nach dem Muster „um das Meer zu erleichtern“. vgl. auch die Deutung zu 1,5. (Zurück zum Text: x) |
| y | vgl. BDBF 8761 (Zurück zum Text: y) |
| z | dies muss plusquamperfektisch verstanden werden (nicht etwa: „Währenddessen stieg Jona nach Unterdeck hinab.“); vgl. Gese 1991, S. 128; NET-Kommentar; Tucker 2006, S. 22; Wolff 1977, S. 83; IBHS § 30.5.2. Zusätzlich unterstrichen wird dies ein weiteres Mal durch die Satzstellung Subjekt - Objekt, wodurch das Subjekt des Handelns besonders betont wird. Daher: „Jona indes war hinabgestiegen.“ (Zurück zum Text: z / z-2) |
| aa | wörtlich vermutlich etwa „das Äußerste / Unterste des Gedeckten“. Das Problem bei diesem Ausdruck ist, dass einzig hier statt `onîyah auf einmal sefînah verwendet wird; ein Wort, das nur hier im AT zu finden ist. Für gewöhnlich wird auch dies einfach mit „Schiff“ übersetzt, da dies sich auch stützen lässt durch Mischna und Gemara. Jedoch:
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| ab | vgl. hierzu Diskussion 5 (Zurück zum Text: ab) |
| ac | wörtlich vermutlich etwas wie „Der Oberste der Gesamtheit der Tauzieher“ (vgl. Christensen 2005, S. 6; Sasson 1990, S. 102; Simon 1994, S. 83; Wolff 1977, S. 89). Das muss nicht notwendigerweise für den Kapitän stehen; Tg etwa interpretiert ihn als den Schiffseigner, LXX als ersten Maat. Letztendlich muss spekuliert werden, welchen „Posten“ genau dieser „Oberste der Gesamtheit der Tauzieher“ innehat, aber um der Verständlichkeit willen folgen wir hier der üblichen Interpretation als „Kapitän“, die auch die verschiedener griechischer Versionen un der Vulgata ist. (Zurück zum Text: ac) |
| ad | Heb. mahlekha. Diese Frage wird in der Bibel ausschließlich von Höhergestellten an Tiefergestellte geäußert (vgl. Limburg 1993, S. 50; ähnlich Simon 1994, S. 83 („scharfe Zurechtweisung“)) und soll häufig Überraschung ausdrücken (vgl. NET-Kommentar; auch Ijob 9,12; 22,12; Koh 8,4; Jes 45,9f.) Als nächstes Äquivalent erschien uns daher das deutsche „Was ist denn hier los?“ (Zurück zum Text: ad) |
| ae | nach Joüon-Muraoka § 127a; § 161i (Zurück zum Text: ae) |
| af | vgl. wieder Diskussion 5. Gelegentlich wir es interpretiert als Vokativ (so etwa ELB: „Was ist mit dir, du Schläfer?“, aber das würde in der Regel einen Partikel erfordern. Wahrscheinlicher ist es ein Niphal Partizip (vgl. Baldwin 2009, S. 556; auch NET-Kommentar) (Zurück zum Text: af) |
| ag | nach BDBF 7512: „to give a thought to sth“ (= deutsch „über etwas nachdenken“) (Zurück zum Text: ag) |
| ah | wörtlich „umkommen / verderben“. In vielen deutschen Übersetzungen wird es aber mit dem kontextuell besser passenden und daher schöneren „untergehen“ übertragen. Mit „zugrunde gehen“ habe ich nach einer Übertragungsweise gesucht, die diesen beiden Möglichkeiten gerecht wird und zweitens problemlos auch in Jon 3,9 verwendet werden kann. (Zurück zum Text: ah / ah-2) |
| ai | zu „müssen“ vgl. Sasson 1990, S. 104: Folgend auf eine hypothetische Situation („vielleicht denkt Gott noch einmal über uns nach“) wird die Konsequenz nahmhaft gemacht („andernfalls müssten wir sterben“). (ähnlich auch Simon 1994, S. 84: „Konsekutives Waw zur Bezeichnung einer Folge“; auch Tucker 2006, S. 25; BHRG S. 299. Die Übersetzung mit „müssen“ soll diese Satzbedeutung unter nächstmöglichem Beibehalt der hebräischen Satzstruktur auszudrücken. (Zurück zum Text: ai) |
| aj | wörtl.: „Und sie sagten einer zum anderen“. „Und-sie-sagten“, im Hebräischen ein Wort, fungiert hier als „discourse switch cue“ (Tucker 2006, S. 26), und auch allein schon aus dem Kontext wird klar, dass hier wieder ein „Fokalisierungs-sprung“ stattfindet (s. auch Anfang Deutung 1,7). Wir haben dies ausdrücklich gemacht durch die Einfügung des „Daraufhin“, das aber nicht wirklich Ergänzung ist, sondern ausdrücklich machen soll, was im hebräischen Text selbst schon angelegt ist. (Zurück zum Text: aj) |
| ak | wörtl.: „sie sagten einer zum anderen.“ Wie schon in 1,5 steht hier das Pluralverb „sie sagten“ mit dem Singular-nomen „ein Mann“. Ebenso wie dort dient dies hier zum Ausdruck, dass absolut jeder an diesem Gespräch beteiligt ist (vgl. NET-Kommentar; Christensen 2005, S. 7; Tucker 2006, S. 26). Um dies ausdrücklich zu machen, haben wir hier frei übersetzt („Schiffsbesatzung“ statt „ein Mann sagten zum anderen“ und „einen Plan fassen“ statt „jeder sagte zum anderen“) (Zurück zum Text: ak) |
| al | wörtl.: „damit wir wissen“. Weil auch dies ein Leitwort ist, haben wir es im Jonabuch durchgehend mit „bekannt werden“ übersetzt, da es hiermit am natürlichsten im ganzen Buch gleich übertragen werden kann. (Zurück zum Text: al) |
| am | wörtl. etwa „um wessentwillen dies Arge auf uns ist“. Das „um wessentwillen“ hat im Deutschen ohnehin keine wirkliche Entsprechung und muss daher so oder so frei übersetzt werden (auch „um wessentwillen“ ist schon frei); hier wird es verwendet, um den als Koplement zum mit „bekannt werden“ übersetzten Verb fungierenden Teilsatz einzuleiten (vgl. Tucker 2006, S. 27), und diese Funktion erfüllt genau so gut das „wer“. Zu „Ärger“ vgl. wieder Diskussion 2 (Zurück zum Text: am) |
| an | „losen“ steht hier zweimal im Hiphil und einmal im Qal, welshalb hier im Deutschen für gewöhnlich richtigerweise zweimal mit „Lose werfen“ und einmal mit „das Los fiel auf Jona“ übersetzt wird. Tucker macht jedoch darauf aufmerksam, dass dies zur Folge hätte, dass ein typisches Stilmittel für folkloristisches Erzählen, nämlich die dreimalige Wiederholung der selben Textsequenz (in diesem Fall naphal und gôral) in der Übersetzung nicht mehr erkennbar wäre (Tucker 2006, S. 28; nach Trible 1994, S. 137f.). Um dieses Stilmittel auch in der Übersetzung beizubehalten, haben wir auch die letzte Stelle übersetzt mit „sie losten“ und den Satz etwas umgestellt. (Zurück zum Text: an) |
| ao | „du, der du uns diesen Ärger eingebrockt hast“ ist unter Umständen eine nachträgliche Hinzufügung, da dieser Teilvers als einziger des ganzen Jonabuches in manchen Manuskripten fehlt (vgl. Nötscher 1956, S. 83; Wolff 1977, S. 83; Rudolph streicht es denn auch ganz aus seiner Übersetzung; vgl. Rudolph 1971, S. 338.340). Es macht aber in diesem Kontext durchaus Sinn, weshalb man von einer solchen Maßnahme eher absehen sollte. Ich sehe auch nicht, was an diesem Vers so unklar sein sollte, das nachträgliche Ergänzer zur Einfügung dieser Glosse veranlasst haben sollte; wahrscheinlicher scheint mir, dass es den Schreibern der „Mangel-Mss“ redundant erschien und sie es daher ausließen. Das liegt auch aus einem anderen Grund nahe: die betreffende hebräische Stelle lässt sich auf zwei Weisen lesen. Erstens nämlich als normale Frage: „Um wessentwillen ist dies Arge auf uns?“. So gelesen ist die Stelle tatsächlich redundant; dennoch ist außer bei Buber und Tur-Sinai dies die gewöhnliche Übersetzungsweise in deutschen Bibeln (EÜ und Neue Herder streichen es bis heute). Die andere Lesart liest als appositional fungierenden Relativsatz, nämlich eben „du, um dessentwillen dies Arge auf uns ist“ (so etwa schon im 12. Jh. David Kimchi, auch Tyndale, KJV, Ehrlich, Brichto, Sasson. vgl. auch GesK 131 o-r; Bolin 1997, S. 83. Brichto etwa überträgt es mit dem sehr schönen „Now, then, Mr. On-Whose-Account-This-Misfortune-Has-Come-Upon-Us...“ (Brichto 1992, S. 69)). So gelesen macht die Stelle mehr Sinn, weshalb ich mich auch für diese Lesart entschieden habe. Eine letzte Lesart bietet schließlich Landes 1999: Auch dieser liest nach Version 2, geht aber davon aus, dass die Matrosen hier mit dem „um wessentwillen“ nicht nach dem Schuldigen, sondern nach dem verursachenden Gott fragen (vgl. Landes 1999, S. 279). Allerdings würde, so gelesen, dann der unvermittelte Umschwung zu den Fragen nach Jonas Identität im Folgevers irritieren. (Zurück zum Text: ao) |
| ap | vgl. hierzu Diskussion 6 (Zurück zum Text: ap / ap-2 / ap-3) |
| aq | der Gottesname wird hier durch die Satzstruktur besonders betont (vgl. auch Sasson 1990, S. 119), daher habe ich es vorgezogen. (Zurück zum Text: aq) |
| ar | für gewöhnlich wird dies übertragen mit „der Gott des Himmels“. Aber im Hinblick auf die Verwendung des Gottesnamens im Jonabuch ist auffällig, dass sich „Jahwe Elohim des Himmels“ stark dem späteren „Jahwe Elohim“ (4,6) annähert. Da dies sich nicht übersetzen lässt mit „Jahwe, der Gott“ (da dies unnatürlich klänge) sondern übersetzt werden muss mit „der Gott Jahwe“ haben wir auch hier übertragen mit „der Himmelsgott Jahwe“. (Zurück zum Text: ar) |
| as | gleichwohl stilistisch wenig elegant muss das „sich mit großer Furcht fürchten“ auf jeden Fall beibehalten werden. Im weiteren Verlauf werden dem Leser nämlich noch mehrere parallel strukturierte figurae etymologicae begegnen, die in ihrem Zusammenhang sinnstiftend und textorganisierend wirken. Auch die growing phrase (vgl. Deutung zu 1,9) wäre nicht mehr ersichtlich, wenn man anders übersetzte; letztendlich heißt es aber nichts anders als: „Sie fürchteten sich sehr.“ (Zurück zum Text: as) |
| at | „Wie konntest du das nur tun?“ ist nicht wirklich eine Frage, sondern in erster Linie ein vorwurfsvoller Ausruf des Entsetzens, der keine Antwort erwartet (vgl. Joüon-Muraoka § 143 g., auch Bolin 1997, S. 87; Sasson 1990, S. 120; Tucker 2006, S. 34; Wolff 1977, S. 84). Wörtlich lautete es etwa „Was ist dass du dies getan hast?“ und wird daher häufig vereinfacht übertragen mit „Was hast du da getan“; es wird aber ja direkt im Anschluss ein Grund angegeben für diesen Ausruf („denn es war ihnen bekannt geworden, dass...“); und dieser Grund ist eben bereits die Auskunft Jonas, was er da getan hat. „Wie konntest du das nur tun?!“ ist hier kontextuell sehr viel stimmiger. Stuart paraphrasiert es mit dem schönen „How could you?“ (Stuart 1987, S. 604); Brichto wählt diese Variante denn auch tatsächlich in seiner Übersetzung. (Zurück zum Text: at) |
| au | wörtl.: „sie wussten“. (Zurück zum Text: au) |
| av | nach Tucker 2006, S. 35 („The subordinate clause is marked, with the prepositional phrase fronted. The plight of the sailors and Jonah was not because Jonah had fled, it was because Jonah had fled from Yahweh.“). Auch Niccacci 1996 übersetzt mit „it was from the presence of the Lord that he was fleeing.“ (S. 23) (Zurück zum Text: av) |
| aw | in Klammern, da erklärender Nachschub (so auch Stuart und Tucker (allerdins an anderer Stelle)) (Zurück zum Text: aw) |
| ax | für gewöhnlich übersetzt mit „Was sollen wir tun?“; es steht das Verb aber im Yiqtol. Derart wird hier nach einer Verpflichtung gefragt (weshalb etwa Joüon hier die Übersetzung mit „müssen“ empfiehlt, vgl. Joüon-Muraoka § 113m). (Zurück zum Text: ax) |
| ay | Finalsatz, vgl. GesK § 165a; Niccacci 1996, S. 23 (Zurück zum Text: ay) |
| az | nach Tucker 2006, S. 23 („Since the verb is functioning modally, the translation should attempt to convey the sense of possibility („might“).“); vgl. auch Joüon-Muraoka § 161m (Zurück zum Text: az) |
| ba | das folgende „denn das Meer stürmte immer heftiger“ könnte auch noch als Teil der Äußerung der Seeleute angesehen werden (vgl. Rudolph 1971, S. 340; Sasson etwa übersetzt daher mit „What must we do to you for the sea to calm its raging against us, for the sea is becoming increasingly tempestuous?“). Es ist dies keine grammatische Frage, ich habe mich nur aufgrund des Kontextes für diese Variante entschieden: dass das Meer immer heftiger stürmt, sieht Jona ja selbst und also wäre es als erläuternde Nachschub in der Frage der Seeleute redundant. Aber gerade in dieser Situation ist informative Redundanz etwas, das nicht zu erwarten ist von den Seeleuten - die Situation ist kritisch, also heraus damit!: Was können wir tun? Der Leser dagegen weiß es nicht, und also machte eine derartige Information als erläuternder Nachschub mehr Sinn. (Zurück zum Text: ba) |
| bb | wörtl. etwa: „Denn das Meer fuhr fort, immer heftiger zu wüten“. Zur Übersetzung vgl. BrSynt § 93g; GKC §113u; Joüon-Muraoka §123s; NET-Kommentar; Limburg 1993, S. 54; Sasson 1990, S. 123; Tucker 2006, S. 37; Wolff 1977, S. 84 (Zurück zum Text: bb / bb-2) |
| bc | Finalsatz; vgl. GesK § 165a; Niccacci 1996, S. 23 (Zurück zum Text: bc) |
| bd | Die hebräische Entsprechung von „wegen dem“ ist ähnlich konstruiert wie das „um wessentwillen“ in 1,7.8, das ich dort mit „wer“ und „der“ übertragen habe (Zurück zum Text: bd) |
| be | wörtl. etwa: „Aber die Männer buddelten, um...“; bildl. für heftiges Rudern (vgl. Christensen 2005, S. 11; NET-Kommentar; TWOT 783 u.ö.). Stuart hält dies zwar für unsicher (vgl. Stuart 1987, S. 597), ich bin aber bisher auf noch keine einzige andere Deutung gestoßen. (Zurück zum Text: be) |
| bf | dieser Ausdruck steht in der Bibel einzig hier und in Jon 2,11 (vgl. auch Tucker 2006, S. 40), ein weiteres Indiz für die Ein-Guß-Deutung. (Zurück zum Text: bf) |
| bg | wörtl.: „Da riefen sie zu JHWH und sagten“; es ist dies aber ein gewöhnlicher multiple verb frame, der idiomatisch für das Anrufen Gottes ist (vgl. Tucker 2006, S. 41). (Zurück zum Text: bg) |
| bh | Wolff schlägt hier die Übersetzung mit „Blut, das zu unrecht vergossen wird“ vor (vgl. Wolff 1977, S. 82.96). Das ist exakt, was der Ausdruck bedeutet; Wolffs Intention hinter dieser Übersetzung ist aber, damit zum Ausdruck zu bringen, dass es keinesfalls Jona´s Blut ist, dass hier als „unschuldig“ bezeichnet wird (vgl. ebd.). Das aber ist falsch; dass „unschuldiges Blut auf einem ist“ ist ein stehender Ausdruck aus der at. Rechtsterminologie (vgl. Deutung); er drückt aus, dass der Vorgang des Blut-vergießens genau deswegen „ungerecht“ sein könnte, weil es eben unschuldiges Blut ist, das hier vergossen wird. Um diesem Missverständnis vorzubeugen sollte man daher hier doch wörtlich übersetzen und von der schöneren Übersetzung Wolffs Abstand nehmen. (Zurück zum Text: bh) |
| bi | zum Satzbau vergleiche Niccacci 1996, S. 12f.23 - wörtl. etwa: „Oh Herr! [Casus pendens]: Wie es dir gefällt [Protasis], so hast du gehandelt [Apodosis].“ (Zurück zum Text: bi) |
| bj | „nahmen“, „schleuderten“ und „ablassen von“ ist im MT jeweils eingeleitet durch ein waw, das diese Teilsätze eng zusammenschließt - die drei geschilderten Begebenheiten ergeben sich auseinander, etwa: „Also nahmen sie Jona und also schleuderten sie ihn hinab und daraus ergab sich, dass das Meer abließ von ihnen.“ (Zurück zum Text: bj) |
| bk | Stuart 1987 übersetzt mit „As a result“, was den Text zwar trifft, aber im Deutschen nicht natürlich klingt. In der Übersetzung habe ich darauf gesetzt, dass „Da“ die resultative Nuance zu Genüge transportiert. (Zurück zum Text: bk) |
Deutung
Jon 1,1-3
1,1 Ein weiteres Mal sprach Jahwe zu Jona ben Amittai, nämlich: 1,2 „Steh auf! Geh nach Ninive, der großen Stadt, und rufe gegen sie, denn ihre Arg ist bis zu mir hinauf gestiegen!“ 1,3 Also stand Jona auf - um nach Tarschisch zu fliehen, fort von Jahwe. Er ging hinab nach Jafo, wo zufällig gerade ein Schiff aus Tarschisch im Begriff war, einzulaufen. Er bezahlten seinen Preis udn stieg in es hinab, um mit ihnen nach Tarschisch zu kommen, fort von Jahwe.
1,1 Unvermittelt setzt das Jonabuch ein mit der sogenannten „Wortereignisformel“ - „Ein weiteres Mal sprach Jahwe zu Jona ben Amittai“. Diese Formulierung lenkt den Blick des Lesers zurück auf bereits gelesene Teile der Bibel, und, in der Tat - schon einmal sprach Gott zu Jona ben Amittai: Dieser nämlich ist uns bereits bekannt aus 2Kön 14. Jona wird dort geschildert als „der letzte wahre Heilsprophet, der vor dem Ende der Geschichte Israels, des Nordreiches, auftritt und durch dessen Verkündigung die letzte Wiederherstellung Israels ermöglicht wird, bevor Assur es vernichtet.“〈bl〉 Schwerlich wird sich ein israelitischer Schriftsteller späterer Zeit gerade diese Figur heraussuchen, um sie als Negativfolie für eine Didaxe zu verwenden; und hierauf weist auch schon die Wortereignisformel: Im Alten Testament findet sie sich insgesamt 85x〈bm〉; und: außer einem Mal an David und einem Mal an Salomon ergeht das Wort des Herrn ausschließlich an Propheten, weshalb Baldwin hier auch kommentieren kann: „To receive the word of the Lord was the authenticating mark of a true prophet [...].“〈bn〉. So finden sich bereits im ersten Vers des Jonabuchs gleich zwei Indizien, die vor einer allzu schnellen negativen Beurteilung der Jonafigur warnen müssten.
1,2 Das Wort, das hier an Jona ergeht, ist ein Auftrag: Er soll nach Ninive gehen, denn: „ihre Arg ist bis zu JHWH gestiegen“. Dieses „steigen“ wird in der Bibel gewöhnlich verwendet im Zusammenhang mit dem Wohlgeruch von Brandopfern, der zu Gott emporsteigt. Hier aber wird diese Vorstellung ins Gegenteil verkehrt: Die Arg der Niniviten ist so groß, dass sie wie ein übler Geruch bis zu JHWH empor dringt.〈bo〉 So groß ist sie, dass er keine andere Wahl hat - es muss etwas geschehen; er braucht einen Sprecher, der in seinem Namen Ninive anklagt. Als diesen Sprecher wählt Jahwe Jona ben Amittai. Dass ein israelitischer Prophet ins Ausland entsandt wird, ist selten (wenn auch nicht noch nie dagewesen, wie es häufig in Kommentaren heißt - sowohl Elija als auch Elischa waren bereits in Jahwe´s Auftrag im Ausland), und auch dies verdeutlicht nur noch zusätzlich die Sonderrolle des Propheten Jona.
Es mag trivial scheinen, aber es ist so bedeutsam im Verlauf des Jonabuchs, dass noch einmal betont werden muss: Der Auftrag, der hier an Jona ergeht, besteht aus zwei Teilen: „Steh auf!“ und „Geh nach Ninive und rufe!“. Beide Bestandteile sind hier durch einen disjunktiven Akzent, einen sogenannten talîsa gadôlâ, getrennt, der vermutlich sehr bewusst gesetzt ist: Es ist ja durchaus nicht so, dass Jona sich im folgenden Vers Jahwes Auftrag völlig wiedersetzt - in der Tat steht Jona auf, jedoch statt zu rufen „geht er hinab“ usw. Das wird noch deutlicher, wenn man diesen Vers vergleicht mit Jon 1,6: Wieder heißt es hier: „Stehe auf! Rufe...!“, und wieder: Jona steht auf, ob er aber zu Gott ruft oder nicht, bleibt zumindest unerwähnt. Und das macht deutlich: Es ist nicht die Tatsache, dass Gott einen Auftrag für ihn hat, die dazu führt, dass Jona sich ihm widersetzt. Das Entscheidende ist das gegen-Ninive-rufen. Noch deutlicher wird das in Jon 2: Eingeleitet wird der Jonapsalm nämlich wieder mit „Ich rief in meiner Not zum Herrn“; rufen ist hier das erste Wort des Jonapsalms überhaupt.〈bp〉 Das Rufen ist der springende Punkt von Jona 2, dem Kapitel der Umwendung Jonas, und allein das Rufen ist es, dem Jona sich widersetzt. Unter Umständen hat diese Tatsache sich auch niedergeschlagen in den Targum Jona: Dort nämlich nicht allein „das Wort des Herrn“, sondern (sinngemäß): „Und das Wort der Prophezeiung...“, was Levine kommentiert mit „The characteristic paraphrase „word of prophecy from before the Lord“ may here also be intended to convey that Jonah is fleeing from the „word“, not from the Lord.“〈bq〉
Der Jona des Jonabuches ist kein Feind Gottes - Ninive ist es, gegen das Jona etwas hat. Und deshalb wird er dann trotz Allem in 1,9 bekennen können: „Ich, Jona, bin ein Diener des Herrn.“ Ich setze sogar noch einen drauf: Das Nicht-Rufen ist im gesamten Jonabuch das einzige Negative, das über Jona ausgesagt wird.
1,3 Noch einmal wird es in 1,3 klar, dass das „Steh auf!“ und „Gehe und rufe!“ unbedingt getrennt gesehen werden muss und dass das Problem nicht der Auftrag als Gottes Auftrag, sondern als Auftrag des gegen-Ninive-rufens ist. Wir stoßen hier nämlich zum ersten Mal auf eine konzentrische Struktur:
- Also stand Jona auf -
- A um nach Tarschisch zu fliehen, fort von Jahwe.
- B Er ging hinab nach Jafo
- C und fand ein Schiff,
- D das im Begriff war, von Tarschisch her einzulaufen.
- C"Er bezahlte den Preis [des Schiffes]
- C und fand ein Schiff,
- B"und stieg in es hinab
- B Er ging hinab nach Jafo
- A"Um mit ihnen nach Tarschisch zu kommen, fort von Jahwe.〈br〉
Die konzentrische Struktur setzt genau zu dem Zeitpunkt ein, da Jona beginnt, Jahwes Willen zuwider zu handeln und der springende Punkt ist ganz deutlich zu erkennen: Gebetsmühlenartig wird es wiederholt: nach Tarschisch will er, fort von Jahwes Angesicht. Und wieder, von Tarschisch kommt das Schiff (s.u.; es ist dies höchst eindrücklich: Von woher das Schiff kommt, ist im Prinzip egal.〈bs〉 Aber um des Leitwortstils Willen muss das Schiff natürlich aus Tarschisch kommen). Und noch einmal: Natürlich steigt er ein, denn er will ja mit ihnen nach Tarschisch kommen, fort von Jahwes Angesicht. Davon wird die Struktur gerahmt - nach Tarschisch, fort von Jahwes Angesicht -, und dies ist der Mittelpunkt: das Schiff, das von Tarschisch kommt.〈bt〉
Übrigens geht allein aus diesen drei Versen noch gar nicht hervor, dass Jona sich hier gegen Gott vergeht. So hat etwa der große karäische Bibelkommentator und -übersetzer Yefet ben Eli hier eine wahrhaft faszinierenden, weil völlig singuläre, Auslegung des Jonabuchs vorgelegt: In seiner Übersetzung und Deutung verweigert Jona Gott überhaupt nicht den Dienst. "Fliehen" z.B. überträgt er zu lil-mudiy - arabisch für "schnell gehen" -, was eine durchaus zulässige Übersetzung ist, und kommentiert:
- „Auf diese Weise nahm Jona - Friede sei mit ihm - die schnellste Reiseroute. Er entschied sich für den Meerweg, um damit die Reise abzukürzen: Er würde von Tarschisch aus nach Ninive weiterreisen.
- Oder er wusste, dass Gott durch ihn auf dem Meer ein Wunder wirken würde, damit es für ihn Zeichen sei und ein seine Worte an die Niniviten („noch 40 Tage und Ninive soll umgestürzt sein (3:4)“) unterstützender Beweis, wenn er sie ausrufen würde. Aus diesem Grund heißt es hier „schnell nach Tarschisch gehen“. Der Ausdruck fort von vor dem Herrn bezeichnet den Ort, an dem Jona angerufen wird. Er teilt uns mit, dass seine einzige Verspätung die Zeit war, die während seiner schnellen Reise nach Tarschisch verging.“〈bu〉
Wenn man nun noch, anders als üblich (s.u.) Tarschisch nicht in den westlichen Mittelmeerraum lokalisiert, sondern nach Tarsus in der Türkei, ist das sogar eine sinnvolle Reiseroute; und einige der durch diese Lesart entstehenden interpretativen Schwierigkeiten lassen sich tatsächlich ohne größere Mühen mit dieser Interpretation harmonisieren.
Soweit wir das sehen können, steht Ben Eli mit dieser Interpretation völlig allein da (wenn auch, wie gesagt, das durchweg positive Bild der alten Exegeten und der innerbiblischen Jona-Zeugnisse von Jona auffällig ist); und der Gesamtverlauf des Jonabuches weist auch stark in Richtung der üblichen Jonainterpretation - aber es ist dennoch auf jeden Fall schade, dass diese Interpretation in wissenschaftlichen Kommentaren und Aufsätzen nicht einmal mehr erwähnt wird.
Eines der Indizien, die gegen diese schöne Deutung Ben Eli´s spricht, lässt sich noch in diesem Vers aufzeigen - eine weitere Auffälligkeit ist nämlich hier zu sehen: Unser Herr fordert Jona auf, er solle sich aufrichten. Dieser richtet sich auf, und dann beginnt es: Er steigt hinab nach Jafo und hinab ins Schiff. Das ist umso auffälliger, als „in ein Schiff hinabsteigen“ nicht nur im Deutschen, sondern auch im Hebräischen eine ungewöhnliche Konstruktion ist.〈bv〉 Aus aufwärts ist abwärts geworden: Jonas Niedergang beginnt, und mit ihm der Teil der Geschichte, der von Deissler treffend als die „absteigende Jonalinie“ bezeichnet wurde. Auch tut sich hier die größte Leerstelle des Jonabuches auf: Warum flieht Jona? - Doch der Leser muss sich gedulden; erst in Jon 4,2 gibt Jona seine Gründe Preis.
Auf ein letztes möchte ich gerne noch den Leser aufmerksam machen: In der Jonaexegese werden Jona allzuoft xenophobe oder fundamentalistische (i.S.v. „anderen Religionen gegenüber feindlich eingestellte“) Veranlagungen unterstellt. Jon 1,2 und 1,3 sind aber bereits ein erstes Indiz dafür, wie verfehlt diese Lesart ist. In beiden Versen trifft man nämlich auf eine parallele Konstruktion. In 1,2 heißt es „rufe gegen sie, denn ihre Arg...“. Das mit „ihre“ nicht die Bosheit der Stadt gemeint ist, sondern die der Niniviten kommt allein in der Flexion von „ihre“ zum Ausdruck, obwohl sonst mit keinem Wort auf die Einwohner Ninive´s verwiesen wird (Man müsste es, wenn man sehr streng übersetzen würde, eigentlich übertragen mit „Rufe gegen sie, denn deren Arg ist bis zu mir hinaufgestiegen.“). Ebenso werden die anderen Menschen auf dem Schiff von Tarschisch mit keinem Wort erwähnt, und dennoch heißt es: „Er stieg in das Schiff hinab, um mit ihnen nach Tarschisch zu kommen“. Auf den ersten Blick kann es einem Leser derart vorkommen, als wählte Jona statt Ninive das Schiff; gleichzeitig aber kommt hier sozusagen „zwischen den Zeilen“ zum Ausdruck, dass er ebenso (stattdessen?) statt den Niniviten die Menschen auf dem Schiff wählt. Und diese, das wird spätestens Jon 1,5 klar (dem ursprünglichen Leser war es vermutlich schon klar, als die Rede davon ging, dass Jona (1) ein Schiff bestieg und (2) dieses Schiff in Jafo bestieg), sind (a) ebenso Ausländer (b) ebenso Heiden wie die Niniviten.
Im Übrigen ist festzuhalten, dass erstens Jonas Selbstverweigerung hier keinesfalls komisch ist (vgl. die Einleitung) und zweitens erst recht keine „Parodie“ auf die narrative Sequenz Berufung eines Propheten ist (wie z.B. Miles 1975 und neuerdings auch Kynes 2011 das wollen). Wäre dies eine Parodie, dann wäre auch schon jede Filmszene, in der auf die Frage „Liebst du mich?“ mit „Nein“ geantwortet wird, Parodie auf die Textsorte Romanze.
Jon 1,4-6
1,4 Da jedoch schleuderte Jahwe einen großen Sturm auf das Meer hinab, so dass ein großer Seegang im Meer entstand. Als das Schiff zu zerbrechen drohte, 1,5 fürchteten sich die Schiffsleute; ein jeder schrie zu seinem Gott - und um die See zu beschwichtigen, schleuderten sie die Ladung vom Schiff hinab. Jona indes war nach Unterdeck hinabgestiegen und lag ohnmächtig da. 1,6 Da nahte sich ihm der Kapitän und sprach: „Was ist denn hier los?! Warum bist du ohnmächtig?! Steht auf! Rufe zu deinem Gott! Vielleicht denkt der Gott ja noch einmal über uns nach, so dass wir nicht zugrunde gehen müssen!“
1,4 In Jon 1,4 beginnt mit Jahwes Hinabschleudern des Sturmes ein neuer Handlungsabschnitt (vgl. Fußnote zu „Jahwe“): Jahwe reagiert auf den Abstieg Jona´s mit einem „Abwurf“. Mit diesem „hinabschleudern“ ist nach „groß“ und „hinabsteigen“ bereits das dritte Leitwort des Jonabuchs eingeführt, und jedes dieser Leitwörter ist sinnstiftend. Das Jonabuch ist damit ein äußerst dicht gewebter Text. Sinnstiftend ist „hinabschleudern“ insofern: Die Matrosen werden auf Jahwes Abwurf des Windes reagieren mit dem Abschleudern der Ladung; Jona wird offenbaren, dass sie stattdessen ihn hinabschleudern müssen, und schließlich schleudern sie ihn tatsächlich hinab aufs Meer. Wie Jahwe auf den Abstieg Jonas mit dem Abwurf des Windes reagiert, so ist auch der Abwurf Jonas durch die Seemänner direkte Reaktion auf den Abwurf des Windes durch Jahwe. Auf diese Weise kommt schon in der Tiefenstruktur des Textes zum Ausdruck, dass es in der Tat Gottes Wille ist, dass Jona ins Meer geworfen werde (und nicht etwa Ausdruck von Jonas „Todeswunsch“ o.Ä.; vgl. u.).
Der Neueinsatz der Handlung kommt auch in einer weiteren Eigenart des Textes zum Ausdruck: Ein weiteres mal beginnt hier ein abermals konzentrisch strukturierter Abschnitt:
- 1: 1,4-5a: Narrative, Fear
- 2: 1,5b: Prayer of Sailors
- 3: 1,5c-6a: Narrative
- 4: 1,6b: Cpt Speech
- 5: 17a: Sailor Speech
- 6: 1,7b: Narrative
- 7: 1,8: Sailor Speech
- x: 1,9-10a: Jonah + Fear
- 7“:1,10b: Sailor Speech
- 7: 1,8: Sailor Speech
- 6“:1,10c: Narrative
- 6: 1,7b: Narrative
- 5“:1,11: Sailor Speech
- 5: 17a: Sailor Speech
- 4“:1,12: Jonah Speech
- 4: 1,6b: Cpt Speech
- 3“:1,13: Narrative
- 3: 1,5c-6a: Narrative
- 2“:1,14: Prayer of Sailors
- 2: 1,5b: Prayer of Sailors
- 1“: Narrative, Fear〈bw〉
Aus dem Schema ist auch schon das vierte Leitmotiv abzulesen, das Jon 1 durchwalten wird: „Fürchten“. Die Furcht ergibt sich direkt aus dem neuen Eingriff Gottes in den Handlungsverlauf (sie ist es auch, die „Brücke“ ist zwischen dem Abwurf des Windes und dem Abwurf Jonas; das Fürchten ist damit eines der zentralsten Motive im Jonabuch überhaupt; vgl. u.); die Gottesfurcht Jonas steht im Zentrum der Struktur (ein weiteres Indiz, das vor einer negativen Beurteilung Jona´s warnen sollte) und die Gottesfurcht der Seeleute ist das Ziel des Kapitels. All dies werden wir im weiteren Verlauf noch mit Bedeutung füllen; fahren wir aber vorerst fort.
1,5 Die Reaktion der Seeleute auf Jahwes Sturm-wurf folgt im Nu: Eine hektische Betriebsamkeit bricht unter ihnen aus - in rascher Folge folgen die Verben aufeinander: Sie „fürchten sich“, sie „schreien“ zu ihren Göttern und sie „schleudern“ die Ladung hinab. In krassem Gegensatz hierzu steht, was mit Jona hier vor sich geht: Der liegt ohmächtig unter Deck. Dieser Gegensatz kommt sogar in der Syntax zum Ausdruck:
- “Note also in the structure of verse 5, the movement of the sailors begins with simple clauses and builds to a longer clause suggesting great activity. The three clauses devoted to Jonah suggest just the opposite - a longer clause suggesting activity, culminating with two shorter clauses suggesting inactivity.“〈bx〉
Der Targum macht hier ganz klar, dass er das hebräische elohim keinsfalls als Ausdruck für JHWH, unseren Gott, verstanden wissen will - er verwendet dafür stattdessen דחלת,〈by〉 einen üblichen Ausdruck für „Götzen“.〈bz〉 Damit soll wohl auch der Überlieferung Rechnung getragen werden, die besagt, die Schiffsbesatzung habe aus Menschen aus über 70 Nationen bestanden, von denen hier jede zu je ihrem Gott betete.〈ca〉 Dass hier „seinem Gott“ aber so und so als für verschiedene Götzen stehend verstanden werden muss, sagte ich ja bereits oben in der Fußnote.
Dass das bedeutungsmäßig ambivalente elohim - das, wie gesagt, auch für JHWH allein verwendet werden kann - zum Ausdruck von „je seinem Gott“ verwendet wird ist keine Ungenauigkeit, sondern durchaus gewollt: Die verschiedenen Gottesnamen werden nämlich im Jonabuch äußerst planvoll gesetzt. Lange Zeit wurde immer wieder geschrieben, dass im Jonabuch in „israelitischen Kontexten“ der Gottesname „Jahwe“ gebraucht werde, in heidnischen Kontexten dagegen „Elohim“ und einzig „JHWH Elohim“ in 4,6 dieses System störe.〈cb〉. Vermutlich war es Magonet, der hier die Wende einleitete; seither nämlich sind mehrere „Gottesnamens-systeme“ für das Jonabuch vorgeschlagen worden. Limburg z.B. sieht die Gottesnamen als Zeichen für die jeweils im Vordergrund stehenden Wesenszüge Gottes; „Elohim“ z.B. steht ihm zufolge für Gottes „disziplinierende Aktivitäten“.〈cc〉 Für diese Wesenszug-Lesart fand ich im Text keine wirklichen Indizien, und auch das Gottesnamens-system Magonets, so gut es auch zu der hier vertretenen Deutung passt, scheint mir bei weitem zu komplex, als dass man es wirklich ohne Weiteres aus dem Text herauslesen könnte (noch dazu ist Magonet gezwungen, gleich zwei Gottesnamen-Systeme nachzuzeichnen - eines für Jon 1-3, ein Weiteres für Jon 4). Begnügen wir uns deshalb damit, zu sagen, dass die Gottesnamen hier planvoll eingesetzt werden. In Jon 1 ist das schön zu sehen, da in die Erzählung der Bekehrung der Schiffsbesatzung ein konsekutiver Wandel in der Verwendung des Gottesnamens eingeschaltet ist: In Jon 1,1-3 - der Exposition, innerhalb derer die einzigen Aktanten JHWH und Jona sind - wird ausschließlich „JHWH“ verwendet. Dann kommt der Cut, und sobald in diesem neuen Erzählabschnitt die Fokalisierung der Erzählung umschwenkt hin zu der heidnischen Schiffsbesatzung ist die Rede von elohim. Daraufhin, in Jon 1,6, steigt der Kapitän zu Jona hinab und redet über ha-elohim, „den (einen) Gott“. Dieser (ha-)elohim wird dann von Jona in Jon 1,9 identifiziert mit JHWH: Der Himmelsgott Jahwe; wörtlich etwa: „JHWH (, der) Elohim des Himmels“. Und in 1,14 endlich ist die Bekehrung erfolgt: „Da riefen sie zu Jahwe: „Oh bitte, Jahwe...““. Auf diese Weise kommt schon in der Verwendung des Gottesnamens die schrittweise Bekehrung der Schiffsbesatzung zu JHWH zum Ausdruck.
Dass es diese vier Gottesnamen (und nicht etwa nur die zwei - elohim und jhwh) sind, die im Jonabuch unterschieden werden müssen, wird klar, wenn man den Blick auf das Ende des Buches wendet: Vier mal „bestimmt JHWH Jona etwas zu“ und wird damit didaktisch tätig, jedes Mal wird dafür das selbe Verb, aber auch jedes Mal ein anderer Gottesname verwendet: JHWH bestimmt den Fisch, JHWH Elohim den Efeu, Ha-Elohim den Wurm und Elohim den Wind - genau die gegenläufige Entwicklung zur hierigen ist also dort zu beobachten. Wichtig wird das in Jon 3 werden - auch dort nämlich wandelt sich der Gottesname; aber anders als in Jon 1 rufen die Niniviten kein einziges Mal zu JHWH - anders als die Umkehr der Schiffsbesatzung, die eine Bekehrung ist, handelt es sich bei der Umkehr der Niniviten um eine rein ethische Umkehr.〈cd〉
Hier jedenfalls ist noch die Rede von elohim, den heidnischen Göttern. Es ist dies ein Indiz, das auch die Übersetzung von 1,5 mit „um die See zu beschwichtigen“ (s. Fußnote oben) zusätzlich stützt. Die Schiffsbesatzung besteht aus Heiden - sie hat, theologisch gesehen, die falsche Einstellung. Und das stimmt gut zusammen mit dem Rest des Verses, denn auch darüber hinaus machen Matrosen hier einfach alles falsch: statt, wie es Gottes Wille ist (s.o. und u.), Jona ins Meer zu schleudern, schleudern sie Waren ins Meer und statt zu JHWH zu rufen, rufen sie diverse andere Götter an; zudem haben sie noch keine Gottesfurcht (vgl. Kommentar 1,16), sondern fürchten sich „einfach so“; sie „rufen“ nicht (was das Leitwort für „richtige Äußerungen“ wäre (vgl. u.)), sondern „schreien“. Hierzu passte es gut, wenn auch die Intention des Erleichterns „theologisch verkehrt“ wäre - sie schleudern die Waren herab als Opfer an das Meer. Bolin wendet gegen diese Lesart zwar ein, dass sowohl bei Herodot als auch bei Achilles Tatius überliefert sei, dass bei Unwetter Waren ins Meer geworfen wurden, um das Schiff leicher zu machen〈ce〉 (übrigens findet sich dies auch im NT (Apg 27,18)). Aber, wen kümmerts? Möglich, dass früher häufiger derart verfahren worden ist - das wäre in der Tat ein Indiz für die traditionelle Übersetzung. Aber auch entsprechend Trible´s Übersetzung ist früher häufiger verfahren worden:
- „[...] When the verb twl is linked with ´el rather than with ´al, as it is in v 5, it suggests that the sailors did not cast their load overboard to lighten the ship only, but that they sought to appease the sea with offerings. That such a response to the sea´s raging waves is not farfetched is suggested by classical writers who speak of libations poured over the ship´s stem [...].“〈cf〉
Wenn also derart der Textzusammenhang für Tribles Vorschlag spricht und dieser darüber hinaus auch noch grammatisch sinnvoller ist, dann ist ganz klar, wofür man sich hier entscheiden werden muss. Und damit ist dies der Sinn von 1,5: Als das Schiff bereits dem Zerbrechen nahe ist, wendet sich die aus einer Vielzahl von Nationen zusammensetzende Schiffsbesatzung an eine Vielzahl von Göttern. Und gleichzeitig wenden sich die Matrosen nicht nur an diese Götzen, sondern auch an die See, die sich nach archaisch-heidnischen Vorstellungen durch Opfergaben wieder beschwichtigen lassen kann - und also bieten sie ihr die Ladung des Schiffes dar. In einer Nachholung schwenkt der Vers in seiner Fokalisierung wieder um und zurück zu Jona: Dieser nämlich ist bereits vor dem Ausbruch des Sturmes hinabgestiegen und liegt ohnmächtig da. Diese Aussage ist keineswegs „nichtssagend und müssig“, wie z.B. Hitzig das will,〈cg〉 sondern sie hat eine entscheidende Funktion im weiteren Verlauf der Erzählung: Ihre Funktion ist, Jona vorübergehend aus der Erzählung zu nehmen, um ihn darauf folgend wieder einführen zu können als den, der, als ob des starken Wellengangs Schiff und Mannschaft schon verloren scheinen, mit seiner Rede vom Gott Jahwe und seiner Bereitschaft zur Selbstaufopferung um der Schiffsleute Willen (s.u.) diese rettet und so zum Katalysator wird für deren Bekehrung. Ohnehin ist dies die hauptsächliche Funktion Jon 1,4-6: Dieser Abschnitt „sets the stage“ für das Folgende.
1,6 Jona ist also ausgeschaltet - und der Kapitän ist es, der ihn wieder in die Handlung bringt. Wolffs Kommentar zu Jon 1,6 ist repräsentativ für die übliche Lesart in der Jonaexegese: „Er tritt an Jona mit der empörten Frage heran, wie er dazu komme, sich dem Tiefschaf hinzugeben.“〈ch〉 Das trifft aber wahrscheinlich nicht ganz den Sinn dieses Verses, denn erstens ist die Tatsache auffällig, dass auch der Kapitän hier das seltene Wort radam aus 1,5 wieder aufgreift und also offensichtlich durchaus in der Lage ist, den Zustand des Tiefschlafs von Jonas Ohnmacht zu unterscheiden; zweitens weist die von Joüon empfohlene Übersetzung mit „Warum“ weg vom Verständnis als Vorwurf und hin auf ein anderes Verständnis, nämlich eher dem, dass es einen anderen Grund als Jona oder Jona´s Faulheit für den radam-Zustand geben muss, dass dies auch der Kapitän erkennt und dass dieser Grund es ist, der hier den Kapitän interessiert. Der Kapitän, das wird hier und aus dem Folgenden klar, fragt - auch, wenn es ihm selbst nicht bewusst sein mag - nach Gott. Und das ist auch ganz deutlich zu sehen, denn sein „Steh auf! Rufe...“ entspricht exakt der Formulierung, die auch schon Jahwe selbst in 1,1 verwendete und weist so uns und Jona wieder zurück auf den Anfang des Textes, auf Gottes Auftrag.
In exegetischen Texten zum Jonabuch wird bisweilen gemutmaßt, bei dem „vielleicht“ des Kapitäns handle es sich um ein sogenanntes „prophetisches Vielleicht“ (vgl. z.B. Joel 2,12; 2Sam 12,22), das auf irgendeine Weise zeuge von einem tiefen Verständnis des Kapitäns von (/ vom Verhältnis von Mensch und) Gott〈ci〉. Aber das trifft ebenso wenig denn Sinn des Textes, was ebenfalls aus dem obigen klar wird. Und hieraus: Drei Figuren sprechen im Jonabuch über Gott: Der Kapitän in 1,6, Ninive´s König in 3,9 und Jona. Während sowohl beim Kapitän als auch beim König ein solches „Vielleicht“ sich finden lässt (3,9: „Wer weiß?“), steht dieses „Vielleicht“ im Kontrast zu einem anderen Leitmotiv des Jonabuchs: Wissen. Die Schiffer nämlich werfen in 1,7 das gôral-Los, um zu wissen, wer Schuld an ihrem Unheil ist. Dennoch aber bedürfen sie Jonas Selbstaussage, der ihnen erst mitteilen muss, dass er der Schuldige ist, auf dass sie wissen können, was er getan hat (1,10); denn: Jona ist derjenige, der weiß, wer Schuld ist an dem Unheil der Schiffer (1,12). König und Kapitän hoffen darauf, dass Ha-Elohim sie nicht umkommen lässt (1,6; 3,9); Jona dagegen wusste schon immer, dass der Herr ein solcher Gott ist (4,2). Kapitän und König fungieren hier nicht als Propheten; in ihrem „Vielleicht“ und „Wer weiß“ kommt schlicht ihre Unwissenheit zum Ausdruck, die kontrastiert wird mit Jonas „Wissen“. Sie sind die Heiden, er dagegen der Experte in Sachen Gott.
Mit dem „Steh auf! Rufe...“ hat aber der Kapitän Jonas wunden Punkt getroffen, denn dies war ja gerade der Bestandteil von Gottes Auftrag, dem er sich verweigerte. Und wieder, wie schon in 1,3, reagiert Jona selektiv: Der Aufforderung, aufzustehen, leistet er sofort Folge (vgl. u.); der, zu Gott zu rufen, jedoch nicht. Schon durch diese Zusammenhänge wird das Wort „rufen“ zu einem der zentralsten Leitwörter im Jonabuch; es bezeichnet im Jonabuch das gottgemäße sich-Entäußern. Das legt schon das Wort selbst nahe: Es hat zwar eine recht weit gespanntes Bedeutungsspektrum, die Grundbedeutung ist aber nicht einfach das „laute Reden“, sondern es dient primär zur Bezeichnung sogenannter „phatischer Äußerungen“: Es soll den Kontakt zu einem Kommunikationspartner herstellen um eine darauf folgende Kommunikation erst zu ermöglichen. Labuschagne bestimmt die Grundbedeutung daher mit „durch den Laut der Stimme die Aufmerksamkeit jemandes auf sich ziehen“.〈cj〉 In der Bibel wird es häufig auch gezielt verwendet zur Bezeichnung eines Versuchs, mit JHWH „Kontakt“ aufzunehmen.〈ck〉 Aber auch allein im Jonabuch wird es derart semantisch aufgeladen: in 1,2 bezeichnet es JHWH´s Auftrag an Jona, in 1,6 einen Bittruf an JHWH; beides verweigert Jona. Dagegen die Seeleute, die zuvor zu ihren elohim geschrien haben, rufen in 1,14 zu JHWH. In Jon 2,3, als Jonas Sünde dann mit seinem Tod gesühnt wurde (s.u.) vermag er wieder, Kontakt herzustellen mit JHWH; er leitet seinen Dankpsalm ein mit „Aus meiner Not rief ich zu JHWH“. Daraufhin ergeht in 3,2 ein weiteres Mal der Befehl Jahwes an Jona, Ninive das zuzurufen, was er ihm gesagt habe. Und diesmal ist Jona folgsam: Gemäß dem Wort des Herrn ruft er seine Prophezeiung aus (3,4). Und die Niniviten reagieren genau richtig: Sie rufen ein Fasten aus (3,5) und rufen um Gnade flehend zu elohim (3,8).〈cl〉
Mit dem Auftrag des Kapitäns jedenfalls schließt sich der Kreis: Aus dem Jona, der gegen Ninive an-rufen sollte, ist als Folge seines Vergehens einer geworden, der nicht mehr zu Gott rufen kann, da sein Kontakt zu ihm „gestört“ ist (s.u.), und ein neuer Handlungsbogen kann einsetzen.
Jon 1,7-10
1,7 Daraufhin fasste die Schiffsbesatzung einen Plan: „Kommt! Lasst uns losen, damit uns bekannt werde, wer uns den ganzen Ärger eingebrockt hat!“ Also losten sie - und Jona war es, den sie losten. 1,8 Da sprachen sie: „Sag uns, du, der du uns den ganzen Ärger eingebrockt hast: Was für einen Auftrag führst du aus und von woher kommst du? Aus welchem Land und von welchem Volk stammst du?“ 1,9 Er antwortete: „Ein Diener bin ich, und Jahwe ist es, den ich fürchte: der Himmelsgott, der das Meer und das Festland gemacht hat!“ 1,10 Da fürchteten sich die Männer mit großer Furcht und sprachen: „Wie konntest du das nur tun?!“ - denn es war ihnen bekannt geworden, dass es Jahwe war, vor dem er floh (er hatte es ihnen nämlich selbst erzählt).
1,7 Die Erzählung macht hier einen Sprung; ausgespart wird, ob Jona nun zu Gott ruft oder nicht; ausgespart wird, wie Jona wieder auf das Oberdeck gelangt und ausgespart wird, wie er sich zu den restlichen Menschen auf dem Schiff gesellt. Dass die Erzählung hier einen Sprung macht, wird außerdem deutlich am Losewerfen: Das Wort, das hier verwendet wird, ist gôral. Das gôral-Los ist das in der Bibel am Besten bezeugte; das Wort leitet sich vermutlich her vom arabischen garila („steinig / aus Stein sein“).〈cm〉 Der Vorgang der gôral-Los-Mantik war vermutlich wie folgt: Mehrere Steine wurden in ein Behältnis getan, das reihum so lange geschüttelt wurde, bis ein besonders gekennzeichneter Stein aus dem Behältnis herausfiel.〈cn〉 Während des Losewerfens muss also Jona bereits an Deck gewesen sein.
Loswerfen ist in der antiken Vorstellung kein abergläubiges oder magisches Ritual; vielmehr greift beim Losen ein Gott direkt in den Vorgang des Losewerfens ein und lässt es auf die gesuchte (/schuldige) Person fallen.〈co〉〈cp〉 Ebenso wie das Rufen zu den Elohim der Matrosen, die Frage des Kapitäns nach dem Hintergrund von Jonas radam-Schlaf und seine Aufforderung zum Rufen zu ha-elohim wird also auch hier deutlich, dass die Schiffer längst schon erkannt haben, dass hier etwas Übernatürliches im Gange ist.〈cq〉 Dem Urheber dieser übernatürlichen Geschehnisse überweisen sie nun mit dem Losewerfen die Aufgabe, seinen Willen kundzutun - er soll zeigen, „gegen wen er etwas hat“ und wegen wem er ihnen diesen Sturm sandte. Auch an ihrer Äußerung wird übrigens durch die Verwendung des Leitworts „arg“ deutlich, dass Ursprung des Übels in der Tat der nicht befolgte Auftrag Jahwes ist: Gott reagiert auf Jonas Flucht vor dem Auftrag des Rufens gegen die Arg der Niniviten, indem er nun seinerseits Arges über Jona´s Schiff bringt (i.e. den „Ärger“ verursacht, den damit Jona der Schiffsbesatzung „eingebrockt hat“).
1,8-9 Die Verse 1,8-9 sind neben Jon 2,6 die einzigen, für deren Deutung ich dem Leser auch die Lektüre der dazugehörigen Diskussion anraten würde; denn die obige Übersetzung weicht sehr stark von der Standartlesart in deutschen Übersetzungen und Kommentaren ab. Wer sie also noch nicht gelesen hat: Hier ist der Link.
Abgesehen von diesen Übersetzungsfragen gibt es an diesen Versen gar nicht sonderlich viel zu deuten. Folgend auf das Ergebnis der Los-mantik, das Jona als den Schuldigen identifiziert, wollen die Seeleute natürlich genauestens Bescheid wissen über die Hintergründe; in rascher Folge prasselt hier eine ganze Reihe von Fragen auf Jona ein. Das ist nicht wirklich überraschend und mit Sicherheit kein Indiz für die „durchweg positive Charakterisierung der Seeleute“, wie es vor allem in neueren Kommentaren häufig heißt - natürlich wollen sie den Anlass des Sturmes erfahren, sonst wüssten sie ja nicht, ob sie ihn noch irgendwie abwenden könnten (und überhaupt, was wäre die Alternative? Zu sagen, dass dies Zeichen sei für eine so überraschend positive Charakterisierung der Seeleute implizierte ja gleichzeitig, dass es im Gegensatz dazu durchaus auch verständlich und akzeptabel erschienen wäre, wenn die Matrosen Jona einfach sofort und ohne Nachfrage ums Leben gebracht hätten...). Dass dies die Intention hinter ihrem Fragen ist, wird ja auch ganz deutlich aus 1,11, wo die Seeleute direkt folgend auf seine Erwiderung auf ihre Fragen weiter auf ihn dringen: „Was obliegt uns zu tun, damit das Meer von uns ablassen könnte?“
Und Jona steht seinen Mann; ohne Ausflucht und ohne Beschönigung gibt er unumwunden Auskunft von seiner Identität und bekennt seine Schuld: Er ist ein entflohener Diener des Herrn.
Auf zwei Dinge muss hier außerdem noch einmal eingegangen werden: (1) auf das fürchten, (2) auf die „Komik“ von Jonas Bekenntnis.
Erstens: Wie das „fürchten“ in diesem Vers zu lesen ist, sagte ich bereits in der Diskussion, nämlich entweder im Sinne von „verehren“ oder von „dienen“. Hier muss es dennoch übersetzt werden als „fürchten“, da Jona´s Rede von seiner JHWH-Furcht hier eine für Jon 1 ganz zentrale Funktion erfüllt. „Fürchten“ nämlich ist ein Leitwort in Jon 1, und die Furcht der Matrosen konstituiert hier eine sogenannte „growing phrase“:
- 1,5: Die Matrosen fürchten...
- 1,10: Die Männer fürchten mit großer Furcht...
-
1,16: Die Männer fürchten JHWH mit großer Furcht...
- (Dass auch in Jon 1,16 „Furcht“ verstanden werden muss als „Gottesfurcht“ geht ganz deutlich aus dem Kontext hervor.)
Und: In diese growing phrase eingeschaltet ist in Jon 1,9 Jona´s Rede von seiner Gottesfurcht. Damit verläuft parallel zur growing phrase diese Struktur:
- 1,5: Furcht
- 1,9: JHWH-Furcht
- 1,10: große Furcht
- 1,16: große JHWH-furcht.
Auf diese Weise kommt auch schon strukturell zum Ausdruck, wie die Angst der Männer nach und nach größer wird, wie sie gleichzeitig sich wandelt zur Gottesfurcht und wie diese Wandlung der Furcht vermittelt ist durch Jona´s Bekenntnis seiner JHWH-Furcht. Unterstrichen wird dies, wie gesagt, zusätzlich dadurch, dass dies Bekenntnis hier im Zentrum der konzentrischen Struktur des ersten Kapitels steht und darüber hinaus die erste Wortmeldung Jonas überhaupt ist, obwohl er doch der Protagonist der Erzählung ist; außerdem dadurch, dass hier das erste Mal „Furcht“ verknüpft wird mit dem Gottesnamen und dadurch, dass der Gottesname hier syntaktisch derart hervorgehoben wird.
Zweitens: Es gehört dieses Bekenntnis zu den Stellen des Jonabuches, die von heutigen Kommentatoren in der Regel gar nicht mehr anders gelesen werden können als ironisch oder humoristisch. So schreibt z.B. Baldwin: „The irony is plain, for this is precisely what Jonah does not do. Although he is in danger of drowning with the crew of the ship, Jonah pays mere lip service to the only God [...].“,〈cr〉 der NET-Kommentar spricht von einer „hypocritical profession to fear the LORD“ usw.
Zu alten Zeiten wurde dies ganz anders gelesen; Theodoret etwa schreibt hier:
- „The prophet is truly admirable and worthy of praise. For even when he is awaiting the sentence of death, he becomes a herald of the power of the God of the universe, calling him the Maker and Master of all. But the majority of people in that time were servng idols, and they were ignorant about the Creator of all. The blessed prophet had to reveal him to the ignorant.“〈cs〉
Jona - und das wird auch aus den Wortbedeutungen und der Struktur des Kapitels klar -, wird hier (als wahrer ebed Jahwe) missionarisch tätig.
1,10 Dass die obige Deutung richtig ist und Jona´s Selbstauskunft tatsächlich missionarischen Charakter und Effekt hat, wird auch direkt deutlich an Jon 1,10. Betrachtet man ihn aus dem nächsten Kontext, hat er im Gesamtverlauf des Textes eine auffällige Struktur: Die Reihenfolge der geschilderten Ereignisse ist: (A) Jona bekennt Gott, den Herrn und zeichnet sich aus als dessen Diener - (B) Er gesteht, vor Jahwe auf der Flucht zu sein - (C) Die Schiffsleute rufen entsetzt aus...〈ct〉.
Die tatsächliche Textstruktur ist aber anders, nämlich (A) - (C) - (B). Und wieder ist das nicht etwa zurückzuführen auf die Unfähigkeit des Autors, einen einfachen Satz zu konstruieren, sondern geschieht planvoll. Es gerät nämlich (C) auf diese Weise in eine merkwürdige Zwitterstellung; (C) ist gleichzeitig Resultat aus (A) und (B):
- Als Resultat aus (A) wird (C) ausgezeichnet erstens durch die bloße textuelle Aufeinanderfolge und zweitens durch den Anschluss an (A) mit waw-konsekutivum; außerdem dadurch, dass mit der „großen Furcht“ der Seeleute wieder das Schlüsselwort „fürchten“ aufgegriffen wird, dass auch Jona in seinem Bekenntnis der Gottesfurcht verwendet hat.
- und gleichzeitig: Als Resultat aus (B) wird (C) ausgezeichnet durch die Einleitung mit ki und das Tempus der Satzglieder.
Der Effekt dieser kunstvollen Anwendung des Stilmittels der Nachholung ist dreifach: Erstens gelingt es so dem Autor des Jonabuches, „allein das wesentliche, nämlich das JHWH-Bekenntnis, in der Jonarede wörtlich auszuführen, zumal dieses nun die Mitte des gesamten Textes 1,4 ff. ausmacht.“〈cu〉 Zweitens gerät derart die große Furcht der Seemänner in einen doppelten Zusammenhang mit der Nennung des JHWH-Namens (und nicht etwa mit Jonas Bekenntnis seiner Schuld): Der vorangegangene Vers endet mit dem Gottesnamen, im folgenden Teilvers ist der Gottesname syntaktisch besonders markiert, so dass damit die „große Furcht“ der Seemänner gerahmt ist von der zweifachen Nennung des Gottesnamens.
Drittens wird durch diese Textstruktur deutlich, dass es nun Jona ist, der das Ruder in die Hand nimmt (oder der es zumindest in die Hand nehmen müsste): Direkt auf das „er hatte es ihnen nämlich erzählt“ folgt nämlich nun das „Und sie fragten ihn: „Was obliegt uns, mit dir tun?““. Jonas Bekenntnis hat ihn nun zum Fachmann gemacht; er ist der einzige, der ihre Frage beantworten kann (Stuart kommentiert hier treffend: „Jonah has told them what has caused their trouble and therefore he may know the solution for it. The sailors are not Yahwists, and certainly not prophets. Jonah is both the guilty party and the expert here.“〈cv〉), und er tut es auch: Was nämlich folgt, ist ein Grundkurs im israelitischen Recht; Jona hält „Mischpat 101“.
Bevor wir aber zu diesem Mischpat 101 kommen, noch ein kleines aside; es lässt sich an den letzten beiden Abschnitten nämlich sehr gut demonstrieren, wie sehr neuere Exegeten häufig das Jonabuch vergewaltigen müssen, um ihre negative Deutung Jona´s durchhalten zu können. Nehmen wir als Beispiel folgenden Ausschnitt aus Ackerman´s Jona-Beitrag im „Literary Guide to the Bible“:
- „Unlike Jesus (see Mark 4:35-41), his [i.e. Jonah´s] sleeping in the storm suggests paralysis rather than faith. [1] We must assume that, in response to the captain´s appeal, he continues to lie low and snore on. Taken out of context, his response in 1:9 sounds like a wonderful confession of faith. [2] But he omits any confession of his disobedience, [3] and his claim to fear YHWH rings hollow when contrasted with the growing piety of the sailors (see especially 1:16). [4] We must join the crew and read the entire statement ironically: how does one escape „the God of heaven, which hath made the sea and the dry land,“ by embarking on the high seas? Although Jonah does not mention his flight, the sailors immediately realize what he has done.“〈cw〉
Zu [1]: Bitte was? Mehr fällt mir dazu wirklich nicht ein, denn wie ist sonst wohl das Losen zu deuten, wie die Tatsache, dass er sich mit den Seeleuten unterhält? Genau so wenig erschließt sich mir, warum Ackerman bei [2] einfach Jon 1,10 ignoriert und dass ihm bei [3] die Rolle Jona´s in der „growing piety of the sailors“ (bei der hier ja von „piety“ noch gar nicht die Rede sein kann, weshalb er auch auf 1,16 verweisen muss) so völlig entgeht ist auch sehr merkwürdig. Den Sinn von [4] schließlich begreife ich nicht einmal ansatzweise. Inwiefern ist denn diese Stelle ein ironisches Spiel damit, dass niemand dem Allherrn entfliehen kann? Und wer spricht denn hier ironisch? Jona? Sicher nicht. Der Erzähler? Ja, wo denn nur? Und wieder: „Although Jonah does not mention his flight, the sailors immediatley realize what he has done.“ - man fragt sich, welchen Text Ackerman vorliegen hatte, denn es steht ja ganz explizit da: „Es war ihnen bekannt geworden, dass es Jahwe war, vor dem er floh (er hatte es ihnen nämlich selbst erzählt).“ Es wäre all dies noch ertragbar, wenn diese brutale Fehl-lesung ein Einzelfall wäre; aber auf ähnliche Fehlgriffe bin ich während meiner Recherchen leider allzu häufig gestoßen.
Aber nun weiter: Mischpat 101.
Jon 1,11-16
1,11 Und sie fragten ihn: „Was obliegt uns, mit dir zu tun, damit das Meer von uns ablassen könnte?“ - denn das Meer stürmte immer heftiger. 1,12 Er antwortete: „Nehmt mich und schleudert mich ins Meer hinab, damit es von euch ablässt. Denn es ist mir ja bekannt, dass ich es bin, wegen dem dieser große Sturm über euch gekommen ist.“ 1,13 Doch die Männer ruderten heftig, um zum Festland zurückzukehren. Jedoch: Sie vermochten es nicht, denn das Meer stürmte immer heftiger gegen sie. 1,14 Da riefen sie Jahwe an: „Oh bitte, Jahwe - lass uns doch nicht zugrunde gehen wegen dem Leben dieses Mannes und bringe nicht unschuldiges Blut über uns! Denn du, Jahwe, hast so gehandelt, wie es dir gefiel“, 1,15 nahmen Jona und schleuderten ihn hinab ins Meer. Und das Meer ließ ab von seinem Wüten. 1,16 Da fürchteten die Männer Jahwe mit großer Furcht, opferten Jahwe Opfer und gelobten Gelübde.
1,11-12 Was hier geschieht, wird häufig missverstanden; am gröbsten wahrscheinlich von Wolff, der hier kommentiert:
- „„Ich weiß“, sagt er und läßt in der Anrede der Matrosen weiter anklingen, was sie längst durchs Los wissen (7abb). Kein Wort des Gebets wird laut: kein Schuldbekenntnis vor Gott, kein Flehen um seine und aller anderen Rettung (vgl. V. 5a), keine Frage nach Gottes Willen (vgl. V. 14), erst recht kein Gehorsamsgelübde (vgl. V. 16b). Nur eins: Er will seinen Tod. Damit führt er die Linie fort, die wir schon in V. 5b auffanden [...] und die in 4,3.8 sein letztes Wort bestimmen wird. Wenn man Jonas Verhalten mit dem der Matrosen vergleicht, wird ganz deutlich, wie unser Satiriker ihn als einen widerborstigen, unentwegt vor Jahwe und nun - nach seiner Meinung - endgültig in den Tod hinein Flüchtenden zeichnet.“〈cx〉
Das ist einfach nicht, was hier geschieht. Das erste Kapitel des Jonabuches muss aus einer anderen Perspektive gelesen werden, nämlich aus der des Zusammenhangs von Sünde und Sühne. Ich muss, um das klar herauszustellen, hier gesondert auf einige Aspekte des Sündigens und Sühnens näher eingehen:
1. Mit der Niederhaltung seines Prophetenamtes hat Jona eine der größten Sünden begangen, zu der ein Prophet überhaupt fähig ist (vgl. die Einleitung); er ist damit schuldig geworden vor Gott. „Sündig“ und „schuldig“, das darf hier (wie auch sonst in der Bibel) aber natürlich nicht rein ethisch verstanden werden; es ist kein bloßes „Fehlgehen“. „Sünde“ ist in der Bibel eine eigene Realität, sie ist eine Störung der kosmischen Ordnung〈cy〉 mit der der Sünder Gottes Zorn reizt und ihn „beleidigt“〈cz〉 Dass dies hier der Fall ist, wird allein schon daran deutlich, dass die Seeleute - obwohl sie ganz offensichtlich keine JHWH-Anbeter sind - direkt Einsicht darein haben, wie falsch Jona´s Handeln war und direkt ausbrechen in einen entsetzten Ausruf: „Wie konntest du das nur tun?“ Und auch, dass Jahwe´s Zorn erregt wurde, ist ganz klar ersichtlich - als Reaktion auf Jona´s Selbstverweigerung „schleudert“ er einen Sturm auf das Meer. Schleudern ist die Entsprechung eines intensiven hebräischen Wortes; Sherwood etwa schreibt dazu: „The text is verb-crammed and action-packed and the verbs are often taken to excess. YHWH does not send the storm but hurls it [...]; the worm does not nibble at the plant but smites it [...] - the worm and the plant are, like God and Jonah, engaged in warfare [...].“;〈da〉 es kommt darüber hinaus zum Ausdruck in dem Begriff, mit dem der große Wellengang bezeichnet wird: Das Meer wird hier personifiziert als wütendes Untier, das gegen die Schiffsbesatzung „wütet“. Unter Umständen ist zudem die rabbinische Deutung des Sturmes als „übernatürlich“ (s.o.) auf dieses Konzept von Sünde als Störung der kosmischen Ordnung zurückzuführen.
2. Eine solche Beleidigung Jahwe´s bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Die nächste Folge ist die, dass dadurch der Kontakt von Mensch und Gott empfindlich gestört wird: „„Eure Schuld ist die Scheidewand zwischen euch und eurem Gott!“ (Is 59,2) ist vielleicht das deutlichste Wort über das Wesen der Sünde im Alten Testament [...]: Es tritt etwas Trennendes zwischen Mensch und Gott.“〈db〉 Vor diesem Hintergrund ist es geradezu als Geniestreich des Autors des Jonabuches zu bezeichnen, dass er hier fortwährend zum Leitwort „rufen“ greift; jenem Wort also, dass den Versuch bezeichnet, einen Kontakt zu dem An-gerufenen überhaupt erst herzustellen, und es ist auch alles andere als eine übermäßige Dramatisierung, wenn Jona in 2,5 spricht: „Ich dachte, ich sei verdammt aus deinen Augen.“
Natürlich wird „kein Wort des Gebets [...] laut: kein Schuldbekenntnis vor Gott, kein Flehen um seine und aller anderen Rettung (vgl. V. 5a), keine Frage nach Gottes Willen (vgl. V. 14), erst recht kein Gehorsamsgelübde (vgl. V. 16b).“ Jona ist ein Diener Jahwe´s; er ist im Jonabuch der „Wissende“ und weiß als solcher natürlich, wie die Sache liegt: Er ist verdammt aus Gottes Augen.
3. Eine weitere Folge der Sünde ist danach die: Sie „schafft um sich eine fast dinglich begriffene Atmosphäre des Unheils, die „fortzeugend Böses gebiert“ und den Täter schließlich vernichtet.“〈dc〉 Diese „Vernichtung des Täters“ ist unabwendbar; letztendlich muss die Sünde ganz notwendig zum Tod des Sünders führen.〈dd〉 Denn auch gesühnt werden kann die Sünde einzig mit dem Tod des Sünders: „In every instance, kipper always entails the willingness to die or inflicted death.“;〈de〉 der einzige Ausweg ist die rituelle „Ersatz-tötung“ im Sündopfer - ein Weg, der in dieser Situation aber nicht gangbar ist.
Und auch dieser Aspekt der Sünde ist direkt greifbar im Jonabuch, nämlich in Form des sich immer weiter steigernden Sturmes, der Jona´s Leben bedroht.
4. Aber nicht nur Jona´s Leben ist bedroht, sondern auch das der Seeleute. Warum dies? - Nun: So ist das nun mal im Alten Testament; es betrifft diese Sphäre des Unheils nicht allein den Sünder, sondern auch die Menschen um ihn herum:
- „Deutlich stehen wir in solchen Anschauungen vor den Nachwirkungen einer dynamistischen Vorstellungswelt, in der die Sünde als Verletzung des Gebots einer fremden Macht erscheint, die automatisch dagegen reagiert, oder als ansteckender Krankheitsstoff wirkt, der auch den unbewußt damit in Berührung Kommenden mit Verderben bedroht.“〈df〉
und
- „Dahin gehört [z.B. auch] die Fluchwirkung einer Freveltat, durch die ein ganzes Land betroffen wird, auch wenn seine Bewohner an der Tat selber nicht verantwortlich beteiligt waren, sei es, daß ein unwissentlicher Ehebruch sie mit Todesschuld belegt, sei es, daß ein unaufgedeckter Mord sie mit der Rache für unschuldig vergossenes Blut bedroht, sei es, daß die unbemerktgebliebene Verletzung des Banngelübdes durch ein Volksglied die Gesamtheit unter den Gottesfluch stellt, sei es, daß zufälliger Totschlag das Land befleckt.“〈dg〉
Entsprechend sind es dann auch hier die unschuldigen, aber durch ihr Zusammensein mit dem Sünder schuld-beladenen Mitmenschen, die tätig werden müssen als Vollstrecker Jahwe´s, indem sie durch ihr Sühnopfer das kosmische Gleichgewicht wieder herstellen.〈dh〉. Sollten sie dagegen nicht selbst tätig werden, träfe die Strafe Gottes auch diese Menschen.〈di〉
Auch dieser Sachverhalt kommt im ersten Kapitel ganz klar zum Vorschein. Die Folgen von Jona´s Sünde betreffen nicht nur ihn, sondern auch seine Mitmenschen; und folgerichtig fragen sie: „Was obliegt uns, mit dir zu tun, damit der Sturm von uns ablassen könnte?“. Und auch Jona´s Antwort geht ganz in diese Richtung. Wenn er sagt: „Ich weiß ja, dass ich es bin, wegen dem dieser große Sturm über euch gekommen ist.“, dann ist das alles andere als redundant; es ist das Eingeständnis, dass es die auf seine Sünde folgende „Atmosphäre des Unheils“ ist, die hier auf den Seeleuten lastet. Auch dies lässt sich übrigens aus der Tiefenstruktur des Textes ablesen; nämlich jeweils an den Textstellen, an denen vom Wüten des Meeres die Rede ist: (1) Jahwe wirft einen großen Sturm auf das Meer, so dass ein großer Seegang entstand - (2) Das Meer stürmte immer heftiger - (3) Das Meer stürmte immer heftiger gegen sie. Dies ist sie: die dingliche Atmosphäre des Unheils, die fortwährend Böses gebiert und auch die Menschen im Umfeld des Sünders betrifft.
Jona weiß dies, und ohne zu Zögern ist er bereit, zum äußersten Mittel zu greifen. Er ist bereit für seine Sünde einzustehen und diese mit seinem Tod zu sühnen: „Nehmt mich“, spricht er, „und schleudert mich ins Meer hinab, damit der Sturm von euch ablässt.“ Er bezeichnet damit die einzige angemessene Reaktion auf Jahwe´s Windwurf: Den Jona-wurf.
Man sieht hier ganz deutlich, wie verfehlt es ist, Jona´s Aufforderung, ihn über Bord zu werfen, zu deuten als Ausdruck seines „Trotzes“ oder Ähnlichem. Ich begreife auch gar nicht, wie man gerade in diesem Vers überhaupt auf eine solche Deutung kommt, denn schon bei den Alten ist gerade dieser Vers stets besonders hervorgehoben worden, um Jona, den Diener Jahwe´s zu preisen. So schreibt etwa Hieronymus hier nur von der Geistesgröße Jona´s:
- „Wir müssen hier auf die Geistesgröße unseres Flüchtlings achten: Weder weicht er aus, noch versteckt oder verleugnet er seine Schuld, sondern indem er seine Flucht zugibt, akzeptiert er gleichzeitig bereitwillig seine Strafe. Lieber würde er sterben als zu akzeptieren, dass die Seemänner um seinetwillen zugrunde gingen und er zusätzlich zu seiner Desertion auch noch Mord begehen würde.“,〈dj〉
und noch bei Luther heißt es:
- „Hie laß uns sehen in dem Jona, was der Glaube von reinem Herzen vermag, und was er ausrichten kann. Da steht das trefflich Exempel des Glaubens, davon wir droben gesagt haben, wie er gleich allmächtig ist, und sieget in allen Stucken, die wider ihn sind.
- Zum ersten, nimpt er die Sunde auf sich von den Andern, und bekennet, daß umb seinetweillen solch Wetter komme: entbindet damit, und spricht los alle Andere, und bleibt alleine ein Sunder, daß die Andern mussen alle frumm sein. Hiemit thut er der Liebe gnug, und büßet, was er an den Leuten gethan hat, da er sie in solche Fahr bracht, und läßt es alles uber ihm ausgehen.“〈dk〉
Dagegen heute? -
- „Nun wäre es eines Propheten würdig gewesen, wenn er seinen Gott um Verzeihung gebeten hätte. Aber dabei hätte er für den Fall der Erhörung künftigen Gehorsam geloben müssen. Daß der Erzähler seinen Helden diesen Ausweg nicht beschreiten läßt, soll den Grad seiner Vertrotztheit veranschaulichen (vgl. Hans Schmidt: ThStKr 1906, S. 193; Haller, S. 24; auch Werner, S. 35-39.53): Wenn er seinen Kopf nicht durchsetzen kann, will er lieber nicht mehr leben (vgl. 4,3), und das hat dann wenigstens das Gute, daß die unschuldigen Schiffsgenossen die Möglichkeit bekommen, zu überleben.“〈dl〉
Zumindest Gese können wir aber zur Ehrenrettung der neueren Exegese anführen:
- „Auf die Frage, was nun in dieser anhaltenden Seenot (V. 11b!) zu tun sei, fordert Jona die Schiffer auf, ihn ins Meer zu werfen (Stichwort „twl“), und sagt die Stillung des Sturmes voraus. Allein schon V. 12 sollte vor einer negativen Beurteilung der Jonagestalt warnen.“,〈dm〉
und auch Baldwin bezeichnet Jonas Handeln als „honorable thing“.〈dn〉
1,13 Zu einem derart extremen Mittel sind aber die Seeleute noch nicht bereit, und ein letztes mal versuchen sie, das Unheil aus eigener Kraft abzuwenden: Mit aller Gewalt stemmen sie sich in die Ruder und „graben“ gegen die Wellen an, um Jona zurück an Land zu bringen. Dies ist das erste Mal, dass das wahrscheinlich zentralste Leitwort des Jonabuches überhaupt auftaucht: shûb („kehren, umkehren“). Hier allerdings ist es noch ins Negative gewendet: Sie können eben nicht umkehren. Auf das falsche Rufen, das falsche Hinabwerfen und das falsche sich-Ängstigen folgt nunmehr hier als Abschluss eine falsche Umkehr. Wie verfehlt das Handeln der Seeleute ist, wird noch deutlicher, wenn man einmal etwas genauer darauf sieht, was sie hier tun: Sie versuchen, Jona ans Land zurückzubringen. Diese Reaktion ist nicht nur deshalb merkwürdig, weil sie den Worten des Propheten zuwiderläuft, sondern umso mehr deshalb, weil es keineswegs (wie es in einigen Aufsätzen heißt) die logische Reaktion auf ein solches Unwetter ist. Bei einem derartigen Unwetter an Land zurückzurudern ist in biblischen Zeiten mindestens ebenso gefährlich wie der Versuch, das Unwetter auf hoher See zu überstehen. Wie also ist die Reaktion der Seeleute dann zu deuten? Ratner 1990 hat´s verstanden: Es ist dies nicht Reaktion auf Jona´s Belehrung über Gottes Willen, sondern gerade unter Absehung von Jahwe´s Willen die angemessene Reaktion auf die juristische Sachlage im alten Nahen Osten: Geflohene Sklaven müssen zu ihren Herren zurückgebracht werden.〈do〉
1,14 Es ist dies ihre letzte Handlung als Nicht-Jahwisten, denn noch im selben Vers heißt es: „Sie vermochten es nicht“, und: Das „Das Meer stürmte immer heftiger“ aus 1,12 wird erweitert zu: „Das Meer stürmte immer heftiger gegen sie“, und folgerichtig setzt denn auch der nächste Vers ein mit: „Da riefen sie zu Jahwe“. In Jon 1,14 endlich ist die Bekehrung endgültig erfolgt, und wieder greift der Autor zu einem virtuosen Mittel, um dies auch deutlichst hervorzuheben: Vers 1,14 ist geradezu vollgepackt mit Formeln aus dem Umfeld des JHWH-Glaubens. So erkennen sie etwa: Jahwe als einziger und höchster Gott ist einer, der „so handelt, wie es ihm gefällt“ - man vergleiche zu diesem Satz Ps 135,6:〈dp〉
- „Alles, was immer er will,
- der Herr vollbringt es im Himmel wie auf der Erde,
- im Meer und in allen Tiefen der Wasser.“
Nicht nur wird hier deutlich, wofür der Satz steht - für Gottes Allmacht, sein freies Verfügen über alles, was da ist am Himmel, auf der Erde und im Meer -, sondern darüber hinaus wird dieses freie Verfügen hier sogar ausgedrückt durch einen ähnlichen Doppel-merismus wie in Jon 1,9. Gegen diesen frei schaltenden Allherrn braucht man sich nicht auflehnen, weil es ohnehin zu nichts führen kann. Dass sie diesen Allherrn tatsächlich nun auch als ihren Herren anerkennen, wird fürderhin deutlich an der Anleitung ihres Ausrufs: „Oh bitte“. „Oh bitte“ ist nicht ausreichend bestimmt mit „term of terrified dismay“〈dq〉 oder „Der Aufschrei setzt sich zusammen aus dem Ruf elementaren Erschreckens [...] und dem Partikel des Nachdrucks“〈dr〉; vielmehr ist wichtig, dass an den 13 Textstellen, an denen dies „Oh bitte“ im AT vorkommt, es stets von einem Untergebenen an einen Herrn - bis auf Gen 50,17 stets unserem Gott - gerichtet ist; und dies immer in Kontexten, darin die „desperate reliance upon the delivering action of YHWH“ deutlich zum Ausdruck kommt.〈ds〉 Vgl. z.B. Neh 1,11 (“Oh bitte, Herr, möge dein Ohr auf das Gebet deines Knechtes und auf das Flehen deiner Knechte achten!“); Ps 116,4 (“Oh bitte, Herr, errette mein Leben!“); Ps 118,25 (“Oh bitte, Herr, hilf doch! Oh Herr gib doch Gelingen!“). Dass die Seeleute sich hier mit der typischen Formeln für den Anruf an einen (den) Herrn an Gott wenden, signalisiert deutlichst die erfolgte Bekehrung. Ebenso das folgende: mit „lass uns doch nicht zugrunde gehen“ wird ein Bezug gestiftet zu Jon 1,6: Die unbestimmte und ungewisse Hoffnung des Kapitäns wird transformiert zum zielgerichteten Flehruf der Schiffer an unseren Herrn. Und als nunmehr bekehrte Jahweverehrer sind sie schließlich auch bereit, in Gottes Auftrag begangenes Unrecht zu sühnen. Und also verwenden sie eine weitere stehende Formulierung: „Bringe nicht unschuldiges Blut über uns.“ Es ist dies ein geprägter Ausdruck aus der israelitischen Rechtsterminologie〈dt〉 Er wird verwendet im Zusammenhang mit dem Mord an unschuldigen Personen; vgl. z.B. Jer 26,15 und besonderns auch Dtn 21,1-9〈du〉. Hieronymus liegt daher richtig mit seiner Kommentierung:
- „UND LASS NICHT UNSCHULDIGES BLUT ÜBER UNS KOMMEN. Sie beschwören Gott, dass er ihnen nicht anrechne, was immer sie auch tun werden. Sie sagen gewissermaßen: Wir wollen deinen Propheten nicht töten. Aber er selbst hat gestanden, dass du ihm zürnst, und der Sturm sagt es auch; DENN DU, HERR, HAST GEHANDELT, WIE DU WOLLTEST. Es ist dein Wille, der durch unsere Hände vollzogen wird.“〈dv〉
1,15-16 In 1,15 vollziehen sie diesen Willen Jahwe´s und reagieren nun richtig mit dem Jona-wurf auf den Wind-wurf, und sofort heißt es: „Und das Meer ließ ab von seinem Wüten.“ Damit haben sie endgültig den Beweis über die Allmacht unseres Herrn, und folgerichtig wird so denn auch in 1,16 die growing phrase des Fürchtens zu ihrem Ende geführt: „Und sie fürchteten Jahwe mit großer Furcht“. Falls das obige noch nicht überzeugt hat, dass man die „Furcht“ der Seeleute hier gedeutet werden muss als „Gottesfurcht“ (es kommentiert nämlich trotz dieser Deutlichkeit zum Beispiel der NET-Kommentar Vers 16 mit: „The idea is that they greatly feared the LORD or were terrified of him“; ja, noch mehr: dem NET-Kommentar zufolge handelt es sich in Jon 1 nicht einmal sicher um eine Bekehrungsgeschichte: „[...] it is not altogether clear whether or not the sailors actually converted to faith in the LORD. They might have simply incorporated him into their polytheistic religion.“), gibt es spätestens in 1,16 nichts mehr zu deuteln; durch die figura etymologica wird nämlich hier das „Jahwe mit großer Furcht fürchten“ in einen Zusammenhang mit den Glaubenstaten des „Gelübde geloben“ und des „Opfer opfern“ gebracht: Vers 16a als das letzte Glied der growing phrase des Fürchtens ist gleichzeitig das erste Glied einer „reducing phrase“ der Gottesfurcht:
- „Die Matrosen fürchteten“
- „Die Matrosen fürchteten mit großer Furcht“
- „Die Matrosen fürchteten Jahwe mit großer Furcht,
- sie opferten Jawe Opfer
- und gelobten Gelübde.“〈dw〉
Und damit ist das Kapitel 1 an sein Ziel gelangt.〈dx〉
Diskussionen
Jona ben Amittai:
In manchen Kommentaren wird besonders auf den Namen Jona´s hingewiesen. „Jona, Sohn des Amittai“ nämlich ist ein sprechender Name. „Jona“ bedeutet „Taube“; und von der Taube wird dann wahlweise gesagt, sie stehe für das Volk Israel (da Israel gelegentlich mit einer Taube gleichgesetzt wurde; vgl. Ps 74,19; Hos 7,11; 11,11; Targum Hld 2,15; bSchabbath 130a) - oder: Im Namen finde schon die Ängstlichkeit des „Flattergeistes“ Jona ihren Ausdruck.〈dy〉
Amittai ist ebenfalls ein bedeutsamer Name; allerdings kann man sich offenbar nicht darauf einigen, was er bedeutet. Vorgeschlagen wurde „Treue Gottes“〈dz〉, „Glaube“〈ea〉 „Wahrheit“ 〈eb〉 und „Rufer“〈ec〉.
Jedoch: Bolin analysiert die biblischen Texte, die in Frage kommen für eine „semantische Aufladung“ des Begriffs „Taube“ mit „Israel“ und kommt zum Schluss, dass die betreffenden Stellen keinesfalls nahelegen, dass „Taube“ tatsächlich im kulturellen Sprachwissen mit „Israel“ verbunden gewesen sei und die behaupteten negative Konnotation der Ängstlichkeit erst recht nicht belegbar seien.〈ed〉 Und auch die Tatsache, dass „Amittai“ nicht einmal einheitlich übersetzt wird, spricht gegen eine eindeutige symbolische Bedeutung. Ohnehin sollte die Tatsache, dass Jona hier einen „(partially) descriptive name“ hat, nicht überschätzt werden - „There is nothing exceptional about a name derived from the animal world, whether in Hebrew or in other ancient languages [...].“〈ee〉, für hebräische Ohren war dies vermutlich nicht auffälliger als Eigennamen wie „Müller“ oder „Schuster“ für unsere.〈ef〉 Ohnehin: Wenn man schon extrinsizistisch eine zusätzliche Bedeutsamkeit an den Namen Jonas herantragen will, dann bitte richtig: Das Wort yonah - der Name Jonas also und der Ausdruck für „Taube“ - leitet sich wahrscheinlich entweder von yanah („unterdrücken, misshandeln“)〈eg〉 oder von anah („jammern, klagen“) her.〈eh〉. Und diese Bedeutungen der beiden mutmaßlichen Etymone lassen sich in der Tat auch in biblischen Stellen ablesen:
- „Isaiah declares, „I do moan as dove“ (38:14). Ezekiel refers to „the doves of the valleys, all of them moaning“ (7:16), while the prophet Nahum recalls that „her handmaids moan as with the voice of doves“ (2:8). In the Talmud we read that a man should always strive to be rather of the persecutors, as there is none among the birds more persecuted and oppressed than doves and pigeons, and yet Scripture made them (alone of birds) eligible for the altar (Bava Kama 93a).“〈ei〉
Die Taube ist die „Heulsuse“ unter den biblischen Tieren. Wenn also der Name Jonas tatsächlich bedeutsam sein sollte, wäre das im Bedeutungssystem eines hebräischen Lesers vermutlich entweder „Jona ben Amittai, der Misshandelte“ oder „Jona ben Amittai, die Heulsuse“ - und beide Lesarten lassen sich mit dem Text und der Handlung des Jonabuchs nicht stützen.
zurück zur Übersetzung
Ra´â haben wir hier mit „Arg“ übertragen. Dieses Wort ist eine der Übersetzungsschwierigkeiten des Jonabuches: Es handelt sich hier eines der Leitwörter, das die ganze Geschicht durchziehen wird - vgl. Jon 1,2.7.8; 3,8.10; 4,1.2.6.
Ra´â zu übertragen ist schwierig, da es in verschiedenen Bedeutungen verwendet wird, dabei aber so bedeutsam eingesetzt wird, dass auf jeden Fall in einer Übersetzung ersichtlich bleiben muss, dass es sich beim jeweiligen Wort um eine Übertragung dieses hebräischen Wortes handelt.
Ra´â leitet sich her von der Wurzel r´´; die Grundbedeutung ist die moralische Qualität des „Bösen“. Es kann aber auch stehen für die charakterliche Veranlagung zum Bösen - die Bosheit - oder für schlimme und unglückseelige Zustände oder Ereignisse, und zuletzt sogar für den seelischen Zustand, in den einen Böses, Bosheit oder unglückseelige Ereignisse versetzen können, also Betrübnis, Leid und Verletzung. In Jon 3,8 wird es darüber hinaus im Sinne von „sehr“ verwendet.〈ej〉 In all diesen Bedeutungen wird es im Jonabuch verwendet: Die Bosheit der Nineviten ist zu Gott gedrungen (1,2), Jona hat die Schiffsbesatzung in eine missliche Lage gebracht (1,7), die die Niniviten schreien sehr zu Gott (3,8) und Jona ist zutiefst betrübt über Gottes Entscheidung (4,1). In der Regel wird es im Deutschen übertragen mit „böse“ und „Bosheit“, aber schon bei „Unglück“ und „sehr“ steht dann der Übersetzer vor einem Problem. Wir haben uns daher für „arg“ entschieden:
- die Bosheit: die Arg
- das Unglück / das Böse: der Ärger (informell)
- sehr: arg
- erbost: ärgerlich
An Jonas Betrübnis in Jon 4,1 werden wir genau so scheitern wie alle anderen Übersetzer. Wählten andere Übersetzer hier die Übersetzungsweise mit „arg“, hätten sie keine Probleme, da sie in der Regel Jon 4,1 so verstehen, dass Bosheit über Jona kommt und er sich ärgert. In diesem Kommentar wird aber davon ausgegangen, dass Jona „betrübt“ ist - vgl. dort -, und dies lässt uns scheitern.
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„Tarschisch“. Um welche Stadt es sich bei Tarschisch handelt, darüber ist man sich bis heute nicht klar geworden. Es ist nicht einmal hundertprozentig sicher, dass es sich überhaupt um eine Stadt handelt, auch wenn (1) dies in ältesten Zeiten die Mehrheitsmeinung und (2) heute eine andere Deutung fast nicht mehr zu lesen ist (aber s.u.). Schon zu Theodorets Zeiten war diese Frage strittig; die LXX hatte für Tarschisch regelmäßig „Karthago“; andere alte Exegeten hielten Tarschisch aber für einen Begriff für „Indien“. Theodoret dagegen hält die LXX für richtig:
- „[...] I will offer the Holy Scriptures as a witness that Carthage, the capital city of Africa, is Tarsis. For in Isaiah the prophet, where the Seventy have said, „Wail, o ships of Carthage because your fortresss is destroyed“ (Is 23:14) Aquila, Symmachus, and Theodotion have placed „Tharsis“ instead of „Carthage.“ Also, the scriptures of the Hebrews have this name. And in such a way, when the divinely inspired Ezekiel mentions Carthage, we have found „Tharsis“ in the Hebrew and the Syrian (Ez 27:12-25). Because we are guided by these things, we say that the blessed Jonah did not flee to India but to Carthage.“〈ek〉
Für Theodoret ist das ganz klar: Jemand, der nach Nordosten beordert wird und flieht, der muss natürlich nach Südwesten fliehen. Diese Logik findet auch heute noch in viele Kommentare ihren Eingang.
Weder Indien noch Karthago spielen in der heutigen Diskussion eine große Rolle,〈el〉 denn die Forschung hat neue Hinweise darauf erbracht, welche Stadt gemeint sein könnte.
Zunächst einmal wird Tarschisch oft in einem Atemzug mit der Stadt Tyrus, dem Hafen von Jafo und verschiedenen Mittelmeerinseln und anderen Orten aus dem Mittelmeerraum genannt, und zwar nicht nur in der Bibel, sondern z.B. auch in phönizischen und assyrischen Inschriften. Beitzel z.B. schließt deshalb aus der Bibel und einigen Inschriften, dass Tarschisch vermutlich an der Küste westlich des Ägäischen Meers gelegen ist.〈em〉 In der engeren Auswahl stehen deswegen in der Forschung:
- Tarsus in der Türkei
- Tartessus in Spanien
- Tharros auf Sardinien
Ein zweites Indiz sind die berühmten „Tarschisch-Schiffe“. Diese nämlich waren einst der Inbegriff der Hochseeschiffe überhaupt. Damit wäre das türkische Tarsus weniger wahrscheinlich, da dieses von Israel aus auch per Küstenschifffahrt erreichbar wäre.
Es gibt aber noch eine weitere Deutung von „Tarschisch“. Dieser Lesart zufolge steht es überhaupt nicht für eine bestimmte Stadt im Mittelmeerraum, sondern für das Meer selbst. Diese Lesart findet sich heute nur noch selten, aber sie hat zu viele Befürworter, als dass man sie einfach übergehen dürfte: Sie findet sich bereits im Targum Jona, der „Tarschisch“ durchgehend übersetzt mit „Meer“ (Levine überträgt: „he found a ship that was going in the sea“ und kommentiert: „Targum Jonathan recurrently paraphrases the Hebrew place name Tarshish by „the sea“, probably due to uncertainty as to the town´s location.“〈en〉). Auch der Midrasch Shir ha-Shirim Rabbah stützt dies〈eo〉, und ebenso übersetzt auch Saadia z.B. bei Jes 23,10 „Tarschisch“ mit el-Bachr, was gleichfalls „Meer“ bedeutet〈ep〉. Targum Onkelos bezeichnet den „Topaz“ - dessen Bezeichnung im Hebräischen ähnlich klingt wie „Tarschisch“ stets mit „Farbe des Meers“. Hieronymus schließlich will in seinem Jesaja-kommentar „Tarschisch“ als Ausdruck für das Meer gelesen wissen (die Gründe dafür hat er am klarsten in diesem Brief an Marcella ausformuliert (vgl. dort auch Abschnitt (3) auf der folgenden Seite)), und auch Luther („Die ebräische Zunge hat zwei Worter, die das Meer heißen, als Jam und Tharsis“〈eq〉 und heute Stuart 1987〈er〉 sind dieser Ansicht.
Das der Text hier zwei so unterschiedliche Lesarten zulässt, ist problematisch, denn es kann unter Umständen zu ganz unterschiedlichen Interpretationen dieser Stelle führen. Steht „Tarschisch“ für einen Ort wie Thartessos oder Tharros, ist klar, warum der Autor diese Orte wählt: Ninive liegt nordöstlich von Jerusalem; Tarschisch in diesem Fall dagegen im westlichen Mittelmeerraum - Jona würde dann so weit als irgend möglich fort von dem Ort seiner Bestimmung. Steht es dagegen für das Meer, hätten die folgenden Geschehnisse in Jon 1,4-2,9 etwas von Ironie des Schicksals: Jonas Fluchtplan gelingt, er fährt hinaus aufs Meer - und Jahwe straft ihn dann, indem er „noch einen draufsetzt“ und Jona bestraft, indem er ihn ins Meer stürzen und immer weiter im Meer versinken lässt.
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„Jahwe“: Der MT hat hier „Jahwe´s Angesicht“. Dieser Begriff scheint zunächst etwas rätselhaft. Was ist Gottes Angesicht? Der NET Kommentar listet hier zwei Interpretationsmöglichkeiten: (1) Angesicht steht für die Präsenz unseres Herrn in seinem Tempel, oder (2) Angesicht steht hier für die „Sichtweite Gottes“, und Baldwin gibt als eine dritte Möglichkeit an, (3) dass „Jonah, like Cain (Gen 4:16), associates the Lord´s presence with the place where the Lord had spoken to him, hence his panic-stricken attempt to run away.“〈es〉. Aber betrachtet man es genauer, ist Möglichkeit (1) die wahrscheinlichste. Aus Gottes Auftrag ist ja bereits hervorgegangen, dass sein Arm und Auge bis nach Ninive reicht. Vor diesem Hintergrund wäre es sehr dumm von Jona ben Amittai, dem großen Heilspropheten der Königszeit, Gegenteiliges anzunehmen - was gegen (2) spricht.〈et〉 Auch ist „fort vom Angesicht von NN“ eine geprägte Formel, die nicht nur im Zusammenhang mit Gott, sd. auch mit Menschen verwendet werden kann, etwa Gen 27,30; 41,6; Ex 35,20; 2 Sam 24,4 u.ö.; und wenn es das Angesicht Gottes ist, von dem gesprochen wird, ist es in der Regel auch ein „tatsächliches Antlitz“ - so etwa Gen 3,8; 4,16 - der Zeit, da Gott noch auf Erden wandelte - und Ijob 1,12; 2,7, wo Satan gemeinsam mit den Gottessöhnen vor den Herrn hintritt. Daher ist es am Wahrscheinlichsten, dass hier tatsächlich von einer „materiellen Gegenwärtigkeit“ - also vom der Gegenwart Gottes in seinem Tempel - gesprochen wird. Ähnlich schreibt auch schon Theodor von Mopsuestia:
- „Es ist aber deutlicher anzuzeigen, dass er nicht sagte, „er floh vor Gott“, sondern „(er floh) aus dem Angesicht des Herrn“. Denn der Prophet meinte nicht, vor Gott zu fliehen, weil er überzeugt war, dass er der Herrscher und Schöpfer aller Dinge sei, und weil er glaubte, dass er überall sei. Nachdem aber Gott befohlen hatte, dass ihm aller Gottesdienst am Berg Zion dargebracht wird, und er den Juden die Meinung eingegeben hatte, dass er gerade dort wohnt und selbst erscheint, wurde aus diesem Grund die Stadt Jerusalem und das ganze Land der Verheißung Wohnung Gottes genannt. [...] Deshalb sagt die heilige Schrift, dass der Prophet aus dem Angesicht des Herrn geflohen ist [...].“〈eu〉
Ein Weiteres spricht für diese Lesart: Jon 2 verdichtet einen Motivkomplex, den man häufiger in den Psalmen finden kann: Tempel - Weg hinab zur Unterwelt - Unterwelt (s.dort). Die einzelnen Strophen des Jonapsalms beschreiben „geographisch exakt“ diesen konsekutiven Abstieg auf dem Weg hinab zur Unterwelt. Dieser Abstieg aber ist ja nicht nur ein besonderes Merkmal von Jon 2, sondern er wird bereits hier in Jon 1 begonnen (s.o.: „absteigende Jonalinie“). Wenn in Jon 2 aber der Endpunkt dieser Abwärtsbewegung die Unterwelt genannt wird und als Gegenpol der Tempel genannt wird, wäre es nur folgerichtig, wenn auch der Startpunkt des Abstiegs in Jon 1 der Tempel wäre.
Gelegentlich wird gegen Jonas Verortung in den Tempel eingewandt, dass dies historisch nicht korrekt sei - religiöses Zentrum Nordisraels sei schließlich Bet-El, nicht Jerusalem. Aber erstens betont dieser Einwand allzu stark die historische Adäquatheit, die dem Jonabuch gar nicht notwendig eignen muss (immerhin ist es vermutlich mehrere Jahrhunderte nach dem Tod Jona´s geschrieben worden), zweitens ist es in alter jüdischer Überlieferung trotz dieser „historischen Unwahrscheinlichkeit“ immer wieder betont worden, dass Jona als Nordisraelit sich tatsächlich in Jerusalem aufgehalten habe (so etwa im Jerusalemer Talmud, Sukka 5,1 (der sogar die Tatsache, dass Jona nicht in Acre, sondern in Jafa einschiffte, mit seinem Aufenthalt in Jerusalem erklärt)).〈ev〉zurück zur Übersetzung
Das „ohnmächtig wird im Deutschen ausnahmslos übersetzt mit „(tief) schlafen“. Die LXX ergänzt darüber hinaus sogar: „und schnarchte“. Dieser Halbvers war natürlich ein gefundenes Fressen für die Kommentatoren, die sich bemühten, in Jona einen Antihelden zu sehen (Brichto etwa empört sich “The perplexing obtuseness of a prophet who undertakes flight from his God is again conveyed to us by his capacity for untroubled slumber while the ship heaves, crashes, and shudders in the hurricane´s grip [...]“〈ew〉) und ebenso für die, die das Jonabuch als komischen Text interpretieren wollten (ist es doch urkomisch, das just in dem Moment, da der schlimme Sturm erwähnt wurde, auf einmal der tief schlafende (und schnarchende!) Jona wieder in die Handlung gebracht wird...).
Zunächst einmal: Das ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht komisch. Erstens schon, weil hier nirgends von „schlafen“ die Rede ist (s.u.). Und zweitens aus folgendem Grund: Selbst, wenn hier die Rede wäre von „Schlafen“, wäre das höchstwahrscheinlich nicht komisch gemeint. Ganz allgemein sollte man in der Bibelexegese mit der Klassifikation eines Textes als „komisch“ nicht allzu schnell bei der Hand sein - und Jon 1,5 ist dafür ein hervorragendes Beispiel. In Hartmann von Aue´s mittelalterlichem Epos „Iwein“ gibt es eine ganz ähnliche Szene. Dort wird von einem rauschenden Fest berichtet, und es heißt folgendermaßen:
- „[Es] suchte sich jeder das Vergnügen,
- das ihm am meisten zusagte:
- Die einen flirteten,
- andere lustwandelten,
- wieder andere tanzten oder sangen.
- Einige rannten, andere sprangen,
- diese hörten Musik,
- jene übten sich im Zielschießen.
- Manche unterhielten sich über die Last der Liebe,
- andere plauderten von großem Heldentum.
- Gawein beschäftigte sich mit Waffen
- und Kei - der legte sich schlafen,
- im Saal, mitten unter den anderen Gästen.“〈ex〉
Dass die Darstellung von Kai´s Handlung komisch sein soll, lässt sich gerade noch erkennen - heute nämlich entlockt sie uns nicht viel mehr als ein müdes Lächeln. Dabei kann man davon ausgehen, dass ein mittelalterlicher Hörer sich bei dieser Szene gekringelt hat vor Lachen. Der Grund für diese Diskrepanz im Empfinden von Komik ist natürlich der, dass Komik ein zutiefst geschichtliches Phänomen ist:
- „Der St. Galler Briefsteller des lateinischen 10. Jahrhunderts empfahl dem Klosterschüler als Briefbeginn den Satz: „Meinen Eltern ein frommes Blöken zuvor von X., dem entwöhnten Lamme“. Er wollte damit weder Lachen wecken noch hat er es hervorgerufen. Und man sieht gleich die Ursache: Bis ins 13. und 14. Jahrhundert hinein kann allegorische Bedeutung für den mittelalterlichen Menschen den subjektiven Eindruck von Komik verhindern. Die Disproportion - „frommes Blöken“ - ist im Symbol - hier dem biblischen Sinnbilde des Lammes - aufgehoben. [...] Wir sahen am "frommen Blöken", daß wir lachen, wo es für das Mittelalter keine Komik gab. Auch mit dem Umgekehrten müssen wir rechnen: daß uns die subtilere Komik entgeht, weil zur Erfassung der Disproportion der Sinn für die Proportion gehört, den wir nicht immer mehr unmittelbar besitzen können.“〈ey〉
Man kann sich daher fast sicher sein: Wenn einem heutigen Leser irgend etwas in einem biblischen Text „witzig“ erscheint, war das ursprünglich sehr wahrscheinlich nicht so gedacht (und es macht deshalb auch gar keinen Sinn, dem Leser solche Witzigkeit zu suggerieren mit suggestiven Formulierungen wie „Is this not ludicrous? Jonah has spoken so eloquently, delivered a speech replete with erudite knowledge of conventionalized prayer, yet that is not deemed worthy of a direct divine reply!“ oder „Can we really claim that we feel sympathy towards the unfortunate messenger Jonah at this juncture, or do we laugh at him?“〈ez〉). Hier - bei Jon 1,5 - zu behaupten, die Szene solle komisch sein, hieße nicht weniger als ineins damit zu behaupten, dass der Humor sich innerhalb der 2000 Jahre, die zwischen dem Jonabuch und „Iwein“ liegen, weniger gewandelt habe als zwischen dem Mittelalter und heute (ja, mehr noch: Es hieße sogar, dass der biblische Humor näher am heutigen liegt - denn Kei kann hier als Schlafender vorgeführt werden, da er nicht Charakter ist, sondern Typus: In vielen Artus-Romanen verkörpert er den Figurentypus des „lächerlichen Ritters“. Und im Gegensatz dazu soll der letzte große Heilsprophet Jona in einem 2000 Jahre älteren Text derart gegen den Strich gezeichnet werden können? Höchstwahrscheinlich nicht).
Aber dies nur als kleines aside; zurück zum Thema: wayyeradam heißt hier höchstwahrscheinlich nicht „schlafen“. Wer so übersetzt, ignoriert das unübliche Wort, das hier verwendet wird. wayyeradam kommt von radam, für das Lanckau die Übersetzung vorschlägt: „ohnmächtig / betäubt sein“;〈fa〉 Strongs Eintrag zu diesem Wort lautet „to stun, i.e. stupefy (with sleep or death)“ und das AHLB spricht hier, ebenso wie Sasson, von „Trance“. Ball geht davon aus, dass es sich herleitet von (oder zumindest verwandt ist mit) der arabischen Wurzel dam- („stoppen, schließen, versiegeln“)〈fb〉 - der radam-Schläfer ist völlig ausgeschaltet, abgeschottet von der Außenwelt. Von diesem radam leitet sich weiterhin eine weitere „Schlaf-Gattung“ ab: tardemah. Tardemah aber wird ebenso wie radam sehr selten für einen Schlaf verwendet, den man „von selbst“ schlafen würde - viel häufiger steht es für den Schlaf, in den Jahwe den Menschen versetzt.〈fc〉 Während einer tardemah-Schlafenszeit kann z.B. Gott Adam eine Rippe entnehmen, in einem tardemah-Schlaf kann Gott dem Schläfer Visionen übermitteln und weiteres mehr. Und ebenso kann auch für einen radam-Schlaf der Schläfer in der Regel nichts; er überfällt den Schläfer - vgl. z.B. Ps 76,6; Dan 8,18; 10,9. Ähnlich heißt es daher auch schon bei Ben Eli: „It may be that God threw him into slumber [...]“,〈fd〉 und auch Stuart hält hier eine natürliche Ursache des Schlafes für unwahrscheinlich:
- „The root רדם, used with either the verb or the noun (תרדמה), indicates a special state of deep or hypnotic sleep, from which wakefulness would harldy be automatic. [...] Jonah´s deep sleep therefore can hardly be evidence that he was uncaring or irresponsible, as the rest of the narative makes clear, but rather that he was „out cold.““,〈fe〉
und zieht deshalb die etwas gezwungene Erklärung der mit Depressionen einhergehenden Narkolepsie heran, an denen Jona angeblich litt.
Zudem macht ja auch schon das obige Zitat von Brichto deutlich, dass es unmöglich wäre, in dieser Situation „einfach so“ zu schlafen, und auch Theodor von Mopsuestia schreibt:
- „Es war nicht so, dass er, nachdem jenes geschehen war, in das Boot hinabstieg und schlief. Lächerlich nämlich wäre, wenn jener einschliefe, nachdem ein so großer Lärm entstanden war und alle um die eigene Rettung kämpften.“〈ff〉
Vermutlich waren die Exegeten, die wayyeradam missdeuteten als „Schlafen“, in die Irre geführt worden vom vorangehenden wayyiskab, das im Deutschen fast ausnahmslos übersetzt wird mit „er hatte sich hingelegt“. Wäre dies notwendig die richtige Übersetzung, wiese es tatsächlich stark in die Richtung des „Schlafens“. So muss es aber nicht gelesen werden: Man vergleiche z.B. Gen 30,16 (“er wayyiskab bei ihr die ganze Nacht“); Ri 16,3 (“Samson wayyiskab bis Mitternacht“), 1 Sam 3,15 (“Samuel wayyiskab bis zum Morgen“) u.ö.: Die Interpretation mit „er hatte sich hingelegt“ würde entweder bedeuten, dass die betreffenden Menschen die begonnene Bewegung des sich-Niederlegens erst nach der ganzen Nacht / nach Mitternacht / zum Morgengrauen beendeten, oder aber man müsste an Stehaufmännchen denken. Natürlich dürfen diese Stellen nicht gelesen werden „sie hatten sich hingelegt bis zum Morgen etc.“, sondern „sie lagen bis zum Morgen“. Berücksichtigt man nun noch, dass das „nach Unterdeck hinabsteigen“ plusquamperfektisch verstanden werden muss (vgl. Fußnote oben) und berücksichtigt man die von Jon 1,4-16 gezeichneten Sinnlinien, muss der Vers übersetzt werden mit: „Jona indes war hinabgestiegen und lag ohnmächtig [da].“ Und ganz ähnlich übersetzen auch die drei Ausnahmen unter den deutschen Übersetzungen das wayyiskab: Luther 1984, Nötscher 1954 und Jörg Zink haben: „Aber Jona war hinunter in das Schiff / den untersten Schiffsraum / ins Innere des Schiffes (hinab)gestiegen, lag und schlief / und lag in tiefem Schlafe / lag und schlief.“
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Zu „ein Diener bin ich...“
Mit dieser Diskussion berühren wir das wohl größte übersetzerische und exegetische Missverständnis in der Jonaexegese überhaupt. Soweit ich das sehen kann, hat einzig Brichto 1992 die beiden Verse richtig erfasst und übersetzt; er ist damit Pflichtlektüre für eine Deutung dieser Verse. Sie werden stets nach dem selben Muster übersetzt:
- „Sag uns doch, was für ein Geschäft du betreibst [...]“ - Er antwortete ihnen: „Ich bin Hebräer und ich fürchte den Himmelsgott Jahwe [...].“
Diese Übersetzung ist doppelt falsch: (1) heißt es nicht „Was für ein Geschäft betreibst du?“ sondern „in welcher Mission bist du unterwegs“, (2) bezeichnet Jona sich nicht etwa als „Hebräer“, sondern als „Diener“.
Zu (1).:
„Was ist deine Arbeit“ ist eine denkbar merkwürdige Einleitung in die Befragung eines Schuldigen. Führen wir uns einmal die Situation vor Augen: Da steht eine ganze Schiffsladung Matrosen Jona gegenüber und weiß darum, dass dieser die Schuld daran trägt, dass ein jeder von ihnen in kurzer Zeit einen nassen Tod sterben wird - und das Beste, was ihnen einfällt, ist die Frage nach seinem Handwerk? Sicher nicht. Zudem muss bedacht werden, dass die Matrosen schon darauf geschlossen haben, dass eine höhere Macht ein Problem mit Jona hat und darum den gewaltigen, übernatürlichen Sturm aufs Meer schleuderte. Und also fragen sie: „Was ist dein X?“, und X ist hier gefüllt durch מְּלַאכְתְּ·ך. Brichto kommentiert dieses Wort:
- „The Hebrew word for „work“ here [...] also has the sense of „task, role, vocation, mission.“ and the performer of such work [...] is rendered in varying contexts as „agent, deputy, legate, ambassador“ and (from the Greek word for messenger) „angel.“ The question thus expresses the assumption of the crew that their passenger must be vested with a high office indeed. No minor functionary could draw upon himself so violent an attention from so powerful a god.“〈fg〉
Aus der Tatsache, dass wegen eines einzigen Menschen Gott solche Mühen auf sich nimmt, schließen sie darauf, dass Jona in einer wichtigen Mission unterwegs ist. So übersetzen auch Wolff 1977 (“Auftrag“) und Sasson („mission“).
Jona nun ist weit davon entfernt, diese Frage zu ignorieren: „Ich bin Hebräer“, antwortet er, „und ich fürchte Jahwe...“
Zu (2).:
„Hebräer“ aber wird schon zur Lebzeit des historischen Jona kaum noch zur Kennzeichnung eines Volkes verwendet, und noch weniger zur vermutlichen Abfassungszeit des Jonabuches. Dennoch findet man dies immer wieder in den Kommentaren - „Hebräer“ sei der Ausdruck, der vor Allem von Ausländern verwendet werde, um damit auf die zu einer anderen Volksgruppe gehörenden Israeliten zu verweisen.
In der Tat verwenden Angehörige anderer Volksgruppen in der Bibel häufig „Hebräer“ - aber nicht aufgrund der Volksgruppe der so Bezeichneten:
- „Später ist H. ein Ausdruck für Israeliten, soweit diese in gewisser Unterlegenheit oder Unfreiheit erscheinen sollen. H. wird mit Vorliebe gebraucht von höhergestellten Fremden im Verkehr mit Israeliten (Gn 39,14) oder umgekehrt (Ex 2,7 Jon 1,9). Auch heißen Israeliten als Sklaven ihrer Landsleute H. (Ex 21,2 Dt 15,12 Jr 34,9.14), ebenso als Leibeigene der Philister (1Sm 14,21) [...].“〈fh〉
Ebenso schreibt Brichto:
- „The applicability of this term to the members of the various Israelite tribes in the land of Canaan ceased with their conquest of this territory [they were infiltrating] and with the consolidation of this conquest with the beginnings of monarchical rule in Israel. From that time on the term ´ibri stands for a person, such as an indentured servant, who is neither slave nor free. Jonah´s answer therefore is first, „I am a vassal.“〈fi〉
Für diesen Zusammenhang sensibilisierend hätte eigentlich schon die Tatsache wirken müssen, dass „Mit Ausnahme von Jona 1,9 [...] die[se] Bezeichnung [...] nicht mehr [zur Kennzeichnung ethnischer Gruppen] gebraucht [wird].“.〈fj〉 Aus diesem Grund muss etwa auch Meyer die Verwendung des Terminus im Jonabuch als Ausnahme von der Regel anführen: „Seine Verwendung als Gentilicium ist im AT gerade noch angedeutet (Gn. 14,13; Jon. 1,9). In der Regel bezeichnet er den sozial Tieferstehenden, so vor allem den Vertragssklaven (z.B. Ex. 21,2ff.).“〈fk〉
Wohl aus diesem Grund hat die LXX hier auch nicht „Ich bin ein Hebräer“, sondern: „ δουλος κυριου εγω ειμι“ (Levine überträgt außerdem die arabische Version mit „I am a servant of the Master“ und „I serve the Master“; vgl. Levine 1981, S. 64). Für gewöhnlich wird gesagt, dies sei auf eine Verwechslung der Buchstaben Rasch und Dalet in „Hebräer“ zurückzuführen,〈fl〉 allerdings schreibt Paganini:
- „Die Tatsache, dass der Übersetzer [“des Herrn“] ergänzen muss - um dem [sic] Satz zu vervollständigen und um aufzulösen, wem der Dienst Jonas gelten soll - belastet die These der Verwechslung jedoch beträchtlich.“〈fm〉
Das ist nicht ganz richtig; die Übersetzer könnten z.B. auch einfach das yod in ibriy als Abkürzung von JHWH interpretiert haben; dennoch würde das bedeuten, dass die Übersetzer der LXX sich bei einem vier-Buchstaben-Wort gleich doppelt verlesen hatten, was nicht sehr wahrscheinlich ist. Paganini geht daher davon aus, dass es sich hier um eine „interpretative Übersetzung“ handelt, der Übersetzer „hätte damit - wie es zumindest seiner Wahrnehmung entsprochen haben mag - den eigentlichen bzw. tieferen Sinn des hebräischen Terminus wiedergegeben [...].“.〈fn〉 Es ist dies aber gar nicht wirklich ein ominöser „tieferer Sinn“ dieser Stelle, sondern tatsächlich ganz einfach die eigentliche Bedeutung von „Hebräer“ - „ich bin ein Diener“.
Bezeichnend ist außerdem, dass in 2 Kön 14,25, der einzigen anderen Stelle, an der von Jona ben Amittai gesprochen wird, dieser ebenfalls bezeichnet wird als ´ebed (Jahwe), „Diener des Herrn“.
„Fürchten“ schließlich hat hier nichts mit „sich ängstigen“ gemein. Yr´ nämlich kann sowohl „fürchten“ als auch „verehren“ bedeuten.〈fo〉
Dass dies hier weit eher die Bedeutung des Wortes ist als „ängstigen“ ist, lässt sich leicht klarmachen
- anhand der Tatsache, dass 9b verstanden werden muss als duratives Präsens:〈fp〉 Jona stellt sich hier gerade der Schiffsbesatzung vor. Eine Selbstidentifikation als „Ich bin einer, der vor Jahwe Angst hat“ macht aber keinen Sinn aus dem Munde des Propheten Jona ben Amittai; sollte er tatsächlich Angst haben, dann erst seit kurzem - nämlich seit seiner Flucht. „Ich bin einer, der Jahwe verehrt“ trifft den Textsinn weitaus besser.
- anhand der Formulierung „Gott des Himmels, der Meer und Land geschaffen hat“. Dieser Doppelmerismus ist eine geprägte Formel im religiösen Sprachschatz der Bibel und wird häufig verwendet, um Jahwe zu bekennen oder zu identifizieren. z.B.:
- Neh 9,6:
- „Du, Herr, bist der Einzige! Du hast den Himmel geschaffen, den Himmel der Himmel und sein ganzes Heer, die Erde und alles, was auf ihr ist, die Wasser und alles, was in ihnen ist.“
- Ps 135,6:
- „Alles, was immer er will,
- der Herr vollbringt es im Himmel wie auf der Erde,
- im Meer und in allen Tiefen der Wasser.“
- Ps 146,6:
- „[... er], der alles geschaffen hat,
- Himmel und Erde und Meer und all ihre Wesen.“
- 4Q302, Fr. 3ii:
- „Gottes Sitz ist im Himmel, und Erde und Meer unterstehen seiner Macht.“〈fq〉
- Was Jona hier tut, ist, Jahwe zu bekennen. Im Zusammenhang mit dieser Bekenntnisformel macht aber „verehren“ weitaus mehr Sinn als „fürchten“
Mehr noch: Dieses „verehren“ wird nämlich auch häufig die Bedeutung von „sich ausrichten an jmdm.“ oder „jmdm. folgen“ (deshalb wird es z.B. auch sehr häufig in einem Atemzug verwendet mit „seinen Geboten folgen“ (Dtn 6,2; 8,6 1Sam 12,14; Koh 12,13; 2 Kön 17,34; Ps 112,1, Spr 13,13; Jes 50,10 u.ö.)); vgl. Simon 1994: „[...] „fürchte ich“ [...] ist keine leere Anmaßung von Gottesfurcht [...], sondern die Erklärung, daß er unter Gottes Herrschaft steht [...].“〈fr〉 So kommentiert übrigens auch schon Luther, so dass es ein wenig verwirrend ist, dass keine einzige deutsche Bibel heute mehr dieser seiner Lesart folgt: „Daß Jona hie aber sagt: Ich furchte Gott von Himmel, ist auf Ebräisch geredt; denn Gottsdienst heißen sie Gottsfurcht, wie das aus Esaia 28. [29.] wohl ist zu merken, da er spricht: Sie furchten mich mit Menschengebot; das ist, sie meinen, daß sie mich ehren und mir dienen mit Menschengebot.“〈fs〉
Nimmt man dies alles zusammen, so wird klar: Die Funktion der Aussage Jona´s hier ist „to name his liege lord“〈ft〉 Jahwe. Nicht etwa: „Was ist dein Handwerk?“ - „Ich bin Hebräer. Und, übrigens: Ich bin einer, der Angst hat vor Jahwe“, sondern „In welcher Mission bist du unterwegs, dass dir ein Gott so starke Aufmerksamkeit schenkt?“ - „Als Diener Jahwes.“
Worauf Frage und Antwort in Jon 1,9 (+ der Nachschub in 1,10) tatsächlich aus ist, ist: „Was ist denn mit dir los, dass du so einen Ärger über uns bringen kannst?“ - „Ja, das tut mir Leid: Ich bin ein fahnenflüchtiger Diener Jahwes“ - „Wie konntest du das tun!?“
Übrigens zeigt dies verblüffend stark in Richtung der Lesart von Ben Eli. „In welcher Mission bist du unterwegs?“ - „Als Diener - ich folge nämlich dem Himmelsgott JHWH, der Himmel und Erde geschaffen hat.“? Genau das, was auch Ben Eli in Jon 1 liest.
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Literaturverzeichnis
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| bl | Gese 1991, S. 124 (Zurück zum Text: bl) |
| bm | vgl. Neumann 1973, S. 174ff. (Zurück zum Text: bm) |
| bn | Baldwin 2009, S. 552 (Zurück zum Text: bn) |
| bo | vgl. In der Smitten 1972, S. 95 (Zurück zum Text: bo) |
| bp | vgl. auch Lux 1994, S. 173 (Zurück zum Text: bp) |
| bq | vgl. Levine 1981, S. 55 (Zurück zum Text: bq) |
| br | leicht abgeändert nach Baldwin 2009, S. 553, Jeremias 2007, S. 84; Wendland 1996, S. 203. (Zurück zum Text: br) |
| bs | vgl. Sasson 1990, S. 84: „The information available to me suggests that the person who hired a ship and its captain had the right to change its destination and, in some cases, its specific function [...].“ - was denn bedeuten würde, dass das Schiff genauso gut die Route Jafo-Hamburg-Jafo hätte fahren können. (Zurück zum Text: bs) |
| bt | vgl. hierzu auch Sasson 1990, S. 77 u. S. 82f. (Zurück zum Text: bt) |
| bu | Ben Eli 2007, S. 37f.; meine Übersetzung (Zurück zum Text: bu) |
| bv | vgl. Baldwin 2009, S. 553; Brichto 1992, S. 69 (Zurück zum Text: bv) |
| bw | Lohfink, Norbert: "Jona ging zur Stadt hinaus (Jona 4,5), in: BZ 5(1961). S. 185-203; zitiert nach Magonet 1976, S. 57; vgl. auch Nogalski 1993, S. 250 (Zurück zum Text: bw) |
| bx | Tucker 2006, S. 23 (Zurück zum Text: bx) |
| by | vgl. TgJ Jona (Zurück zum Text: by) |
| bz | vgl. Levine 1981, S. 60 (Zurück zum Text: bz) |
| ca | vgl. ebd. (Zurück zum Text: ca) |
| cb | vgl. z.B. auch heute noch Baldwin 2009, S. 586; Kidner 1970, S. 126ff. u.ö. (Zurück zum Text: cb) |
| cc | vgl. Limburg 1993, S. 45f. (Zurück zum Text: cc) |
| cd | vgl. auch Magonet 1976, S. 34: Die Niniviten „merely repent of their evil ways, having been taught by the king that the supreme God, „HaElohim,“ wishes this, but they make no further identification with YHWH.“ (Zurück zum Text: cd) |
| ce | vgl Bolin 1997, S. 79f. (Zurück zum Text: ce) |
| cf | Sasson 1990, S. 94. (Zurück zum Text: cf) |
| cg | Hitzig 1852, S. 165 (Zurück zum Text: cg) |
| ch | Wolff 1977, S. 89 (Zurück zum Text: ch) |
| ci | etwas schwächer, aber damit auch am akzeptabelsten Simon 1994, S. 83: „Der Oberste der Matrosen drückt seine vorsichtige Hoffnung aus, daß er Gott, an den sie sich bisher noch nicht gewendet hatten, ihnen antworten könnte. Er zeigt ein echtes Verständnis für das Wesen des wahren Gebets, das sich niemals anmaßt, sich auf magische Weise Gott aufzuzwingen [...].“ (Zurück zum Text: ci) |
| cj | vgl. ThWAT Bd. 7, S. 119 (Zurück zum Text: cj) |
| ck | vgl. ebd., S. 121. (Zurück zum Text: ck) |
| cl | vgl. ähnlich Magonet 1976, S. 25f.; auch Wendland 1997a, S. 75. (Zurück zum Text: cl) |
| cm | vgl. Limburg 1993, S. 53; vgl. auch Lindblom 1962, S. 166. dagegen Cryer 1994, S. 277 („no useful extra-Israelite etymology“) und Sasson 1990, S. 109 („etymologically obscure“). (Zurück zum Text: cm) |
| cn | vgl. Limburg 1993, S. 53; Lindblom 1962, S. 168f.; NET-Kommentar (Zurück zum Text: cn) |
| co | vgl. Brichto 1992, S. 71; Lindblom 1962, S. 167.; auch S. 170 (“The lot-casting procedure was regarded as an inquiry of Yahweh and its result as an answer from Yahweh.“); Sasson 1990, S. 108 (Zurück zum Text: co) |
| cp | Strawn 2010 geht davon aus, dass das hier geschilderte Lose-werfen untypisch und überraschend sei und folgert daraus, dass die Matrosen hier nach dem Muster vorbildlicher Israeliten geschildert würden. Wie wenig die Darstellung der Matrosen als (auch theologisch!) vorbildliche Israeliten den Text trifft, sagen wir ja bereits oben; Strawn vertritt diese These aber aus 4 Gründen:
Strawns Beweisführung braucht aber nicht sonderlich ernst genommen zu werden:
|
| cq | Das ist schon lange gesehen worden: Theodoret kommentiert diesen Vers wie folgt:
Dieser Kommentar Theodorets mag verwirren, da im Jonabuch kein einziges Mal von „anderen Schiffen“ die Rede ist. Theodoret, ohne dies auszuzeichnen, bezieht sich aber hier nicht auf das Jonabuch selbst, sondern auf eine rabbinische Tradition um diese Textstelle: Auch die jüdischen Kommentatoren haben festgestellt, dass die heidnischen Matrosen bereits eine höhere Macht als Urheber des Sturms ausgemacht haben. Sie erklären sich das damit, dass neben dem betreffenden Schiff noch weitere Schiffe in Sichtweite waren, an deren ungestörter Fahrt die Besatzung die übernatürliche Natur des Sturmes ablesen konnte.
|
| cr | Baldwin 2009, S. 560 (Zurück zum Text: cr) |
| cs | Theodoret 2006, S. 52 (Zurück zum Text: cs) |
| ct | dass (B) vor (C) zu setzen ist, wird klar daraus, dass (B) plusquamperfektisch übersetzt werden muss (vgl. Baldwin 2009, S. 560; NET-Kommentar (Zurück zum Text: ct) |
| cu | Gese 1991, S. 128 (Zurück zum Text: cu) |
| cv | Stuart 1987, S. 604 (Zurück zum Text: cv) |
| cw | Ackerman 1990, S. 236 (Zurück zum Text: cw) |
| cx | Wollff 1977, S. 94 (Zurück zum Text: cx) |
| cy | vgl. BHH Bd. 3, S. 1878 (Zurück zum Text: cy) |
| cz | vgl. BThW Bd. 2, S. 1291; vgl. auch ABD Bd. VI, S. 38 (Zurück zum Text: cz) |
| da | Sherwood 1998, S. 49 (Zurück zum Text: da) |
| db | BThW Bd. 2, S. 1288f. (Zurück zum Text: db) |
| dc | Hossfeld 1986, S. 56f. (Zurück zum Text: dc) |
| dd | vgl. ABD VI, S. 38; BHH Bd. 3, S. 1892 (Zurück zum Text: dd) |
| de | Low 2009, S. 9 (Zurück zum Text: de) |
| df | Eichrodt , S. 265f. (Zurück zum Text: df) |
| dg | ebd., S. 265. vgl. auch BHH Bd. 3, S. 1878.1892 (Zurück zum Text: dg) |
| dh | „[... Es] gilt Jahwe als Träger und Garant des Rechts (Spr 16,11-33; 20,23; 22,12). Bei jeder Verletzung greift er selber ein, er stellt selber das Gleichgewicht wieder her (Jes 1,21-26; 1Kg 8,31f.; Lev 26,27-33; Dtn 28,20-29). Die von Menschen verhängte Strafe ist nur die konkrete Form des Strafhandelns Jahwes (vgl. Lev 20,1-5; Jos 7,10-15).“ (BHH Bd, 3, S. 1878) (Zurück zum Text: dh) |
| di | vgl. z.B. GBL Bd. 5, S. 2311 (Zurück zum Text: di) |
| dj | Hieronymus: Commentary on Jonah. Übersetzung: Ich, S.W. In einem Brief an Ctesiphon schreibt er darüber hinaus, noch eindrücklicher:
Simons Kommentar geht in die selbe Richtung: |
| dk | Luther 1847, S. 366 (Zurück zum Text: dk) |
| dl | Rudolph 1971, S. 343f. (Zurück zum Text: dl) |
| dm | Gese 1991, S. 128 (Zurück zum Text: dm) |
| dn | Baldwin 2009, S. 562 (Zurück zum Text: dn) |
| do | vgl. Ratner 1990 (Zurück zum Text: do) |
| dp | vgl. Sasson 1990, S. 135f.; auch Wolff 1977, S. 96f. (Zurück zum Text: dp) |
| dq | Baldwin 2009, S. 562 (Zurück zum Text: dq) |
| dr | Wolff 1977, S. 84 (Zurück zum Text: dr) |
| ds | vgl. Hom 2004 (Zurück zum Text: ds) |
| dt | Magonet 1976, S. 125ff.203f. (Zurück zum Text: dt) |
| du | vgl. Vanoni 1978, S. 131 (Zurück zum Text: du) |
| dv | Hieronymus 2003, S. 135 (Zurück zum Text: dv) |
| dw | vgl. Limburg 1993, S. 57; ähnlich Tucker 2006, S. 46 (Zurück zum Text: dw) |
| dx | So auch Tucker 2006, S. 45: „The language in 1:4 and the language in 1:15 operate as an inclusio for the entire „sea“ pericope. What begin [sic] when Yahwe הֵטִיל רוּח־גְּדוֹלָה אֶל־הַיָּם is resolved when וַיְטִלֻהוּ אֶל־הַיָּם (Zurück zum Text: dx) |
| dy | Baldwin 2009, S. 546; Wolff 1977, S. 76 (Zurück zum Text: dy) |
| dz | Sasson 1990, S. 69; Rudolph 1971, S. 335 und Wolff 1977, S. 76; alle drei nach Noth 1928. S. 162. (Zurück zum Text: dz) |
| ea | Wendland 1997, S. 71 (Zurück zum Text: ea) |
| eb | Bewer 1951, S. 8; Bolin 1997, S. 72; Stuart 1987, S. 588; auch Luther in seiner Vorrede zum Jonabuch in der Kurfürstenbibel: „[...] sein Vatter hat Amithai geheissen/ auff Lateinisch/ Verax, auff Teutsch/ Warhafftig.“ (zitiert nach: Steiger 2011, S. 73.) und in "Der Prophet Jona, ausgelegt" (Luther 1847, S. 332f.). Auch im Pirkei de-Rabbi Eliezer heißt es so, und ebenso in der Zohar (vgl. z.B. Shuchath 2009, S. 51). (Zurück zum Text: eb) |
| ec | vgl. Rudolph 1971, S. 335 (Zurück zum Text: ec) |
| ed | ebd., so auch schon Aalders 1948, S. 26f.: „It [i.e. „Taube“] may have become a standing title for the people in later times, but there is no proof that this was already the case during the Biblical period.“ Allerdings muss zugegeben werden, dass etwa in der sumerischen Literatur die Taube gerade deshalb die „Heulsuse unter den Tieren“ (s.u.) zu sein scheint, weil sie so ängstlich ist; vgl. z.B. Heimpel 1968, S. 390 („Das liess die Anunna [...] wie Tauben [...] ihre Stimme (erschreckt) ertoenen [/kläglich rufen]“); S. 391 („Wie Tauben in ihren Mauerlöchern mögen sie [...] klagen. [...] Wie ängstliche Tauben mögen sie gurren.“); S. 397f. („Wie eine furchtsame Taube verbrachte ich [...] den Tag auf dem Dach“) u.ö. Nichtsdestotrotz bleibt es aber dabei, in der Bibel selbst (/allein) ist die negative Konnotation der Ängstlichkeit bei Tauben nicht feststellbar. (Zurück zum Text: ed) |
| ee | Sasson 1990, S. 68 (Zurück zum Text: ee) |
| ef | vgl. Stuart 1987, S. 573: „His name means „Dove“ or „Pigeon“ in Hebrew, but there is no evidence whatever that this name bears any special significance in the book (e.g., allegorical) [...]. Bible names, in general, are only rarely symbolic.“ (Zurück zum Text: ef) |
| eg | ich halte für sehr gut möglich, dass die Verwendung von „Taube“ für Israel sich hiervon herleitet. Nachweisen kann ich das natürlich nicht (Zurück zum Text: eg) |
| eh | vgl. Toperoff 1987, S. 181 (Zurück zum Text: eh) |
| ei | ebd. (Zurück zum Text: ei) |
| ej | vgl. TWOT, 2191c; Davies 1977 (Zurück zum Text: ej) |
| ek | Theodoret 2006, S. 46 (Zurück zum Text: ek) |
| el | aber noch 1907 ist Indien z.B. für Haupt noch die einzige ernsthafte Alternative zu Südspanien, vgl. Haupt 1907, S. 151f. (Zurück zum Text: el) |
| em | vgl. Beitzel 2009, S. 162 (Zurück zum Text: em) |
| en | Levine 1981, S. 56 (Zurück zum Text: en) |
| eo | vgl. den Kommentar der NET-Bible (Zurück zum Text: eo) |
| ep | vgl. Schegg 1854, S. 415 (Zurück zum Text: ep) |
| eq | Luther 1847, S. 339 (Zurück zum Text: eq) |
| er | vgl. Stuart 1987, S. 591f. (Zurück zum Text: er) |
| es | Baldwin 2009, S. 553 (Zurück zum Text: es) |
| et | ähnlich argumentiert Simon: „Es liegt auf der Hand, daß Jona sehr wohl wußte, daß es weder auf dem Meer noch auf dem Festland irgendeinen Ort außerhalb der Herrschaft seines Gottes gibt, da sich dessen Herrschaft letztlich gerade auch in seiner Aussendung nach Ninive realisiert. Jona selbst bezeugt die Herrschaft Gottes über die ganze Welt sogar ausdrücklich gegenüber den Seeleuten, indem er sagt: „den Herrn, den Gott des Himmels, der das Meer und das Festland gemacht hat, fürchte ich (1,9)“ (Simon 1994, S. 71). vgl. auch Allen 1976, S. 203: „In accord with the best prophetic tradition Yahweh is represented as the Lord of the nations, to whom the whole world is held morally accountable.“ - und in dieser Tradition steht natürlich auch Jona und das Jonabuch. Ebenso Levine 1981, S. 56 („Territorial restriction of divine power is, in fact, out of character with Jonah.“). (Zurück zum Text: et) |
| eu | (Theodor von Mopsuestia 2011, S. 29) (Zurück zum Text: eu) |
| ev | vgl. auch Shuchat 2009, S. 47f. (Zurück zum Text: ev) |
| ew | Brichto 1992, S. 69. vgl. ebenso Baldwin 2009, S. 556; Limburg 1993, S. 58f. u.ö. (Zurück zum Text: ew) |
| ex | von Aue (2001), S. 4. Meine Übersetzung (Zurück zum Text: ex) |
| ey | Fromm 1962, S. 325 (Zurück zum Text: ey) |
| ez | Brenner (1993), S. 190. (Zurück zum Text: ez) |
| fa | vgl. Lanckau 2010 (Zurück zum Text: fa) |
| fb | vgl. Thomson 1955, S. 422 (Zurück zum Text: fb) |
| fc | vgl. ebd., S. 423; vgl. z.B. auch Gen 2,12; 1Sam 26,12; Jes 29,10 (Zurück zum Text: fc) |
| fd | Ben Eli 2007, S. 40 (Zurück zum Text: fd) |
| fe | Stuart 1987, S. 600 (Zurück zum Text: fe) |
| ff | Theodor von Mopsuestia 2011, S. 30 (Zurück zum Text: ff) |
| fg | Brichto 1992, S. 70; vgl. auch Levine 1981, S. 64; Person 1996, S. 33; Sasson 1990, S. 114 (Zurück zum Text: fg) |
| fh | Reicke 2003, S. 664 (Zurück zum Text: fh) |
| fi | Brichto 1992, S. 70f. (Zurück zum Text: fi) |
| fj | Paganini 2004, S. 110 (Zurück zum Text: fj) |
| fk | Meyer § 1.3 (Zurück zum Text: fk) |
| fl | vgl. z.B. Allen 1976, S. 206 (Zurück zum Text: fl) |
| fm | Paganini 2004, S. 111f. (Zurück zum Text: fm) |
| fn | ebd, S. 113; vgl. auch Perkins 1987, S. 43-53 (Zurück zum Text: fn) |
| fo | vgl. z.B. Gruber 1990, S. 415; vgl. auch Limburg 1993, S. 57 u. Sasson 1990, S. 97 („But when the yare´ has ´et-YHWH as the direct object (in Jonah´s confession of 1:9), the verb acquires a theological significance and fear is replaced by reverence.“) (Zurück zum Text: fo) |
| fp | vgl. GKC § 140e; Joüon-Muraoka §121c; Wolff 1977, S. 83 (Zurück zum Text: fp) |
| fq | vgl. auch Stuart 1987, S. 603, der als zusätzliche Textstellen nennt: Ex 10,13-19; 14-15; Num 11,31; Jes 50,2; Jer 49,32-36; Am 4,13, Ijob 26,12 (Zurück zum Text: fq) |
| fr | Simon 1994, S. 86f.; vgl. z.B. auch den NET-Kommentar („leading to obedience“). Ja, Ben Eli deutet in der Tat Jonas Aussage des Gott-fürchtens als seine Berufsbezeichnung: „Then he said, and I worship the LORD, the God of Heaven. The statement I worship the LORD, God of Heaven, has two meanings. First, it anwers their question what is your buisness? Second, [it provides background for] the later statement, the men knew that he was going quickly from the presence of the LORD (Jonah I:10).“ (Ben Eli 2007, S. 43f.) (Zurück zum Text: fr) |
| fs | Luther 1847, S. 365. (Zurück zum Text: fs) |
| ft | Brichto 1992, S. 71 (Zurück zum Text: ft) |