Von verbotenen Büchern und digitalem Müll

Am 28. März ist „Document Freedom Day“, und die Offene Bibel macht mit. Warum?

Die Wirkungsgeschichte der Bibel ist riesig. Menschen haben sie vertont, gesungen, gebetet, analysiert, kommentiert, dokumentiert, hinterfragt, geglaubt, kritisiert, gereimt, gemalt, in Stein gehauen, gespielt oder haben auf noch andere Weise mit ihr gelebt. Das alles ging nur, weil eine unzählbare Vielzahl von Menschen sie immer wieder kopiert haben.

 „open minds need open books“

Seit fast 2000 Jahren (teilweise vielleicht sogar seit 3000 Jahren) werden die Texte weitererzählt, aufgeschrieben, gelesen, abgeschrieben, übersetzt, gedruckt, digitalisiert. Diese digitalisierte Fassungen der Bibel sind sehr nützlich. Wer z.B. eine Bibelstelle zu einem bestimmten Stichwort sucht, findet im Internet viele gute Angebote. Wer sich mit alten Handschriften beschäftigt, kann sich diese teilweise direkt auf den Bildschirm holen und vergleichen. Wer Bibeltexte zitieren oder künstlerisch bearbeiten will, kann sich eine Übersetzung direkt in das Textprogramm kopieren.

Damit stehen wir aber schon vor dem ersten Problem: Manche der digitalen Bibel-Fassungen lassen sich nicht auf allen Computern benutzen. So läuft die offizielle elektronische Ausgabe der bekanntesten wissenschaftlichen Edition des Neuen Testaments (Nestle/Aland) nicht unter allen Betriebssystemen, und eine Nutzung des Textes in anderen Programmen ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht möglich. (Urheberrechtlich geschützt sind außerdem fast alle modernen Bibel-Übersetzungen. Die großen Kirchen haben Pauschalverträge mit den Bibelgesellschaften, aber auf Privatpersonen oder kleine freie Gemeinden trifft das nicht zu. Um dieses Problem zu lösen, haben wir die Offene Bibel gegründet.)

Von wertvollen Dokumenten zu digitalem Müll

Alle Bücher zerfallen irgendwann zu Staub. Wenn man will, dass ihr Inhalt erhalten bleibt, dann muss man ihn kopieren – oder das Buch sehr aufwändig konservieren.

Bei digitalen Dokumenten kann der Verfall sehr viel schneller gehen. Viele Dateiformate sind nämlich ein Industriegeheimnis der Software-Hersteller. Konkurrenz-Programme können das Format nicht lesen – oder zumindest nicht zuverlässig. Zugleich ist aber auch nicht garantiert, dass das Original-Programm auf zukünftigen Computern noch laufen wird. Vielleicht bietet der Hersteller dann eine neue Version an, die das Format noch lesen kann. Es kann aber auch sein, dass es den Hersteller nicht mehr gibt. Oder dass der Hersteller das alte Format nicht mehr unterstützt. Oder dass die Unterstützung für die alten Formate fehlerhaft ist. Vielleicht gibt es dann einen Spezialisten, der das Industriegeheimnis entschlüsseln konnte und sehr Geld für die Konvertierung verlangt. Vielleicht gibt es aber auch niemanden, der weiterhelfen kann.

Das ist keine theoretische Frage: Alte Microsoft-Office-Dokumente sind in neueren Versionen teilweise nicht mehr lesbar. Das freie (und kostenlose) LibreOffice hilft dann oft weiter mit seiner (nicht perfekten, aber immerhin guten) Unterstützung des Formats. Bei manchen anderen Dateiformaten gibt es eine solche Hilfe aber leider nicht. Zum Glück gibt es Dateiformate, die als Offener Standard dokumentiert sind. Diese freien Formate werden auch in Jahrhunderten noch lesbar sein. Beispiele sind das Text-Format OpenDocument (ODF), das z.B. von der Microsoft-Office-Alternative LibreOffice sehr gut unterstützt wird. Andere freie Formate nennt der Wikipedia-Artikel zum Thema.

Verbotene Bücher

Die Ablehnung Offener Standards ist in manchen Fällen eine bewusste firmenpolitische Entscheidung. Facebook verbietet seinen Kunden den Export ihrer selbst-erstellten Kontaktliste – weil ein freier Wettbewerb die Position des Marktführers bedroht. Ähnliches gilt für Amazons E-Book-Reader Kindle oder für manche Produkte von Microsoft und Apple. Eine fehlende Unterstützung freier Formate gibt es aber auch bei vielen kleineren Anbietern.

Im Widerspruch zum Prinzip freier Formate stehen außerdem kopiergeschütze Dokumentenformate. Der Wunsch vieler Autoren und Verleger, Verletzungen ihres Urheberrechts zu erschweren, ist gut nachvollziehbar. Aber der vermeintliche Schutz ist oft so konstruiert, dass er ehrliche Kunden in ihren (rechtlich eigentlich vorhandenen) Nutzungsmöglichkeiten einschränkt. Ein großes Problem ist beispielsweise die technische Unmöglichkeit für Menschen mit Behinderungen, mit ihren elektronischen Hilfsmitteln auf manche dieser Formate zuzugreifen. Paradoxerweise ist häufig das hundertfache Kopieren der Inhalte weiterhin problemlos möglich – für versierte Menschen ohne Rechtsbewusstsein.

Die Offene Bibel braucht freie Formate

Unsere Bibelübersetzung soll für jeden Menschen zugänglich sein – und zugänglich bleiben. Sie wird deshalb in freien Formaten veröffentlicht. Natürlich können die Texte problemlos von unserer Website kopiert werden. Für Bibel-Software gibt es die Offene Bibel außerdem in vielen Dateiformaten zum Herunterladen.

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